„Wenn ick hier ’ne Straßensperrung hätte, wüsste ick dit ja wohl …“

Ich bin am Abend des ersten Mais extra einen Umweg gefahren. Dass ich durch Neukölln nicht komme, wusste ich. Aber ein kleiner Schlenker über Treptow … zurück nach Friedrichshain? Nein, denn nicht nur die Sonnenallee war gesperrt, auch die Ziegrastraße, durch die man sonst vor allem des Estrel-Hotels wegen kennen muss. Von dort über die Teupitzer, Treptower … da ist die Demo doch nie im Leben unterwegs!

Ich wagte also den Versuch, fuhr an die Absperrung heran und fragte die diensthabende Beamtin, ob denn wirklich auch die Treptower Straße dicht sei. Die Antwort hat mich etwas überrascht. Denn trotz quer über der Straße geparketem und Blaulicht aussendendem Wagen, meinte sie mit tiefstem Desinteresse völlig emotionslos:

„Wüsst‘ ick nüscht von. Ick bin da ooch nich‘ so …“

Und winkte mich durch.

Noch lustiger wurde es eine halbe Stunde später, denn da erfuhr ich dann aus dem Radio, dass ein Teil der Treptower Straße eines Feuers wegen komplett gesperrt wäre. War mir aber egal. Ick bin da ooch nich‘ so … 😉

Kann man ja mal vergessen: Die Bezahlung

Nein, böse gesinnt waren die Fahrgäste mir nicht. Aber blöd geguckt habe ich schon, als sich alle drei nach einer kurzen Pause am Ende der Fahrt anschickten, auszusteigen. Ich fragte einfach mal höflich nach:

„Und … wer gibt mir jetzt das Geld?“

Die verstörten Blicke waren reichlich unterhaltsam, und kurz darauf quakten alle drei ungefähr zur gleichen Zeit los:

„Ich dachte, Du hättest bezahlt!“,

jeweils mit einem anderen Adressaten.

Am Ende hatte ich es mir mehr Entschuldigungen als gezahlten Euro zu tun, sie waren alle aufrichtig bemüht, mir zu versichern, das wäre keine Absicht gewesen. Gut, dass ich derartige „Kleinigkeiten“ halbwegs im Blick habe. 😉

Vorstellungsrunden

„Wie heißt Du eigentlich?“

„Ich?“

„Ja.“

„Sascha.“

„Freut mich, Sascha.“

„Mich auch.“

„Ich heiße Carsten unsharbeisoopilien.“

„Sorry, das hab ich nicht verstanden.“

„Ich heiße Carsten*. Ich arbeite beim Zoo. Bei den Reptilien*. Ach Gott, das hört sich immer komisch an, wenn ich das so sage!“

„Das klingt interessant.“

„Ja, das sagen immer alle. Für mich isses total normal.“

DAS kenne ich als Taxifahrer ja nun zur Genüge. 🙂

*Tier- und Menschennamen selbstverständlich geändert.

Voll geile Ideen, die völlig normal sind

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Der Alkohol mal wieder. Aber ich bin ja nicht so.

„Ey, ich hab voll die geile Idee!“

„Was denn?“

„Na: Du brings‘ mich heim!“

„Was ist daran geil, das mache ich ständig?“

„Na, ick wohn‘ ja nicht hier.“

„Und?“

„Ick bezahl‘ Dir!“

„Das will ich doch hoffen. Aber wo soll’s denn hingehen?“

„Errätst Du nie!“

„Das glaube ich. Also wohin?“

„Lichtenberg.“

„Und was ist daran so besonders geil?“

„Na, na, also von hier aus, hör‘ ma!“

„Ja?“

„Also immerhin, ne?“

„…“

„Dit is WEIT WECH!“

„Wir, ähm, sind schon in Lichtenberg.“

„Oh, na dann will ick nix jesacht ha’m. Marie-Curie-Allee.“

Aber um ehrlich zu sein: Dass jemand eine Tour um die 8 € mit mehr als 4 € Trinkgeld garniert, ist dann tatsächlich, ähm, ziemlich geil. 😉

Antworten, die man Kunden gerne geben würde

Gleich vorweg: Dieser Eintrag ist nicht sonderlich ernst zu nehmen! Andererseits lohnt ein Nachdenken darüber vielleicht schon, denn so ganz unehrlich sind meine „Antworten“ auch nicht wirklich. Ich würde sie nie Fahrgästen geben, aber darüber nachgedacht habe ich schon. 😉

(Hinweis: GGA = Gerne gegebene Antwort)

Man steht am Taxistand in erster Position, die Lampe ist an.
Frage: „Sind Sie frei?“
GGA: „Nein, Lohnsklave in einem kapitalistischen System. Und Sie so?“

Kunden treten heran, eine Person setzt sich rein. Die andere öffnet die Tür.
Frage: „Könnten Sie meine Freundin sicher heimbringen?“
GGA: „Ich bin nur ein besoffener Zombie auf Durchreise, natürlich nicht!“

Man bekommt nachts einen Auftrag, fährt binnen 5 Minuten hin und klingelt.
Frage: „Wer ist da?“
GGA: „Ihr Zahnarzt. Tür und Mund auf, bitte!“

Kunden sitzen im Auto, kurz vor dem Ziel tuscheln sie.
Frage: „Was würdste machen, wenn wir Dich jetzt ausrauben?“
GGA: „Euch neben den letzten Fahrgästen begraben. Und zum Davor fragt besser nicht!“

Ein Kunde steigt ein, hat keinen Plan wo er ist und was er will.
Frage: „Kannste noch irgendwas empfehlen jetzt?“
GGA: „Ich hätte da einen Puff, wo ich 50 € für die Ablieferung eines Kunden kriege.“
Alternative Frage: „Wo is’n noch was los?“
Alternative GGA: „Bei deiner Mudder is‘ noch was los!“

Ein Kunde steigt ein.
Frage: „Hat Dir schon mal wer ins Auto gekotzt?“
GGA: „Ja, ich wollte eben zur Reinigung fahren. Aber deine Hose tut’s offenbar auch.“

Kunde steigt ein und will unerlaubterweise handeln.
Frage: „Machst‘ einen guten Preis?“
GGA: „Gerne. Gut für mich allerdings.“

Und weil’s sowieso irgendwer erwähnen wird, der sich angegriffen fühlt: Natürlich sagen auch Taxifahrer doofe und vorhersehbare Dinge. Aber ich hab halt den Blick auf die Kundschaft.

Die Verlockungen beim Bezahlvorgang

„Mach einfach 35.“

„Danke.“

„Hier.“

*räusper*

„Was ist?“

„Ähm …“ *räusper* *Blick aufs Geld*

„OOOHHHH!“

Da hat er den zweiten Fuffi dann doch bei sich behalten. Man ist ja kein Arsch – und auch besoffene Kunden sollen morgen noch Kunden sein.

Wie sich Geschäftspartner im Taxi begrüßen

Es ist ja schon kompliziert genug mit dem Duzen und dem Siezen im Taxi. Neulich wurde mir irgendwo in den Weiten der Internetkommentarspalten unter einem Zeitungsinterview bereits attestiert, unfreundlich zu sein, weil ich in einer Anekdote Kotzer geduzt habe. Zu dem Thema kann ich eigentlich nur einen alten Text verlinken.

Die Geschäftsanbahnung verläuft tatsächlich mal mehr mal weniger förmlich. Tolles Beispiel von neulich:

„Alter, Alter, Alter! Bring mir mal schnell inne XY-Straße, ich muss pissen wie’n Ochse!“

„Guten Abend erstmal.“

„Wat, Alter?“

Und um’s mal klarzustellen: Ich hab ernsthaft grinsen müssen. Ich finde Höflichkeit nichts komplett überflüssiges, aber vorteilhaft ist sie eben auch nur, wenn sie ehrlich ist. Ich fahre als Taxifahrer grundsätzlich unterschiedlichste Leute. Da sind welche dabei, die die Nase rümpfen, wenn ich auch nur eine Nachfrage habe – und andere, die mich sofort als Kumpel haben wollen und ihre Lebensgeschichte erklären; oder eben, dass sie dringend pinkeln müssen. Nichts davon rechtfertigt Beleidigungen oder so, das ist auch klar. Aber ganz ehrlich: Eine der größten Challenges in dem Job ist es, mit besoffenen Proleten direkt nach dem letzten Opernbesucher klarzukommen – und nicht, dass man nur einem davon eine angemessene Heimfahrt bietet und dem anderen Grund für eine Beschwerde gibt. Und man kann sich damit auf wirkliche Ernstfälle in allen Lebenslagen vorbereiten. Oder wann hattet Ihr das letzte Mal die Chance, einem komplett Fremden zu sagen, dass er sich auf Ärger einstellen kann, wenn er in euer Auto pisst? 😉