Wie sich Geschäftspartner im Taxi begrüßen

Es ist ja schon kompliziert genug mit dem Duzen und dem Siezen im Taxi. Neulich wurde mir irgendwo in den Weiten der Internetkommentarspalten unter einem Zeitungsinterview bereits attestiert, unfreundlich zu sein, weil ich in einer Anekdote Kotzer geduzt habe. Zu dem Thema kann ich eigentlich nur einen alten Text verlinken.

Die Geschäftsanbahnung verläuft tatsächlich mal mehr mal weniger förmlich. Tolles Beispiel von neulich:

„Alter, Alter, Alter! Bring mir mal schnell inne XY-Straße, ich muss pissen wie’n Ochse!“

„Guten Abend erstmal.“

„Wat, Alter?“

Und um’s mal klarzustellen: Ich hab ernsthaft grinsen müssen. Ich finde Höflichkeit nichts komplett überflüssiges, aber vorteilhaft ist sie eben auch nur, wenn sie ehrlich ist. Ich fahre als Taxifahrer grundsätzlich unterschiedlichste Leute. Da sind welche dabei, die die Nase rümpfen, wenn ich auch nur eine Nachfrage habe – und andere, die mich sofort als Kumpel haben wollen und ihre Lebensgeschichte erklären; oder eben, dass sie dringend pinkeln müssen. Nichts davon rechtfertigt Beleidigungen oder so, das ist auch klar. Aber ganz ehrlich: Eine der größten Challenges in dem Job ist es, mit besoffenen Proleten direkt nach dem letzten Opernbesucher klarzukommen – und nicht, dass man nur einem davon eine angemessene Heimfahrt bietet und dem anderen Grund für eine Beschwerde gibt. Und man kann sich damit auf wirkliche Ernstfälle in allen Lebenslagen vorbereiten. Oder wann hattet Ihr das letzte Mal die Chance, einem komplett Fremden zu sagen, dass er sich auf Ärger einstellen kann, wenn er in euer Auto pisst? 😉

8 Kommentare bis “Wie sich Geschäftspartner im Taxi begrüßen”

  1. Melanie sagt:

    Hmm.. Echt schwieriges Thema das Du/Sie. Ich lasse mich im Job grundsätzlich nur siezen, und habe auch schon dem ein oder anderen das Du deutlich verboten. Das hat bei mir ganz klar mit Respekt zu tun.
    Ich bin Architektin, auf der Baustelle also in eine Duz-Umgebung. Ich lasse mich von den Handwerkern aber immer siezen, und sieze auch selbst. Das hat aber damit zu tun, dass ich weiblich, relativ klein und blond bin. Dazu sehe ich 10 Jahre jünger aus als ich bin. Trotzdem bin ich die Chefin im Ring, und alle müssen spuren 😉 Das klappt nur mit Sie.
    Mein Chef lässt sich duzen, er ist aber auch älter, 1,90m groß und vom Auftreten her sowieso der Chef. Der hat das Sie nicht nötig…
    Fremde, ob im Laden oder Taxi, sieze ich auch immer, und bin irritiert wenn ich geduzt werde. Obwohl ich ebenso alt wie du bin. Es gibt wirklich keine Patent-Lösung, selbst im Internet nicht. Dich würde ich immer duzen, ich lese aber auch einen Blog bei dem die Autorin selbst siezt, also sieze ich beim Kommentieren auch.

  2. Cliff McLane sagt:

    @Melanie:
    Ich bin Gruppenleiter in einem sozialen Projekt und lasse mich von meinen Klienten duzen. Das ist hier auf den bayerischen Dörfern so der Brauch; „Sie“ gilt beinahe als Beleidigung. Und überhaupt duze ich beinahe alles und jeden. Dass irgendwas nur mit „Sie“ klappt, das glaube ich nicht. Wenn ich sage, „He, Sie Ampel, wie wär’s mal mit auf Grün schalten?“ macht sie’s auch nicht schneller als wenn ich sie duze.

  3. Roichi sagt:

    @Cliff

    Das liegt dann aber an der bayerischen Dorfampel. In Berlin funktioniert das.

  4. Cliff McLane sagt:

    @Roichi, ja, ich weiß, es gibt Mittel und Wege. Sagt dir „Chromebox“ etwas?

    https://freedom-to-tinker.com/blog/felten/remote-controls-traffic-lights/

  5. Sash sagt:

    @Melanie:
    Ich sehe es ein, dass das eine andere Baustelle (hihi) ist. Ich bin da so gesehen natürlich auch priviligiert.

    @Cliff McLane:
    Ich würde das nicht vorschnell abtun. Es gibt diesen Unterschied und der kann in Einzelfällen viel bewirken. Man vergisst das gerne mit seiner eigenen Perspektive und Du wie ich werden mit dem Du sicher auch oft gut gefahren sein – das muss aber nicht unbedingt auf auf andere Menschen unter anderen Umständen zutreffen. Gerade Frauen haben da sicher entscheidend andere Erfahrungshintergründe. Leider.

  6. Cliff McLane sagt:

    @Sash, ich tue das nicht vorschnell ab und mit meinem zuständigen Finanzbeamten bin ich auch per Sie, aber wenn es um vertrauensvolle Zusammenarbeit geht, halte ich das Du für vorteilhafter.

    Schwierig wird’s gerade in Orten mit geringer Einwohnerzahl, wenn man sich privat kennt und per Du ist, aber auch geschäftlich miteinander zu tun hat. Ich will’s nicht schönreden, aber ein Bankmensch hat mir vor Jahren mal, als ich finanziell klamm war, einen Kredit bewilligt, den er mir eigentlich nicht hätte bewilligen dürfen. Er hat mir damit zwar den Hals gerettet, aber Spezlwirtschaft war das schon. (Andererseits: Hin und wieder braucht man gute Amigos.)

  7. Cliff McLane sagt:

    Nachtrag:
    (sorry, Alzheimer lässt grüßen … )
    Es gibt ja zwei Dus im Deutschen: Ich nenne sie das „kollegiale Du“ (du wirst einen Kollegen doch nicht siezen, oder?), und das „freundschaftliche Du“. Die beiden muss man auseinanderhalten können. Klar gibt es da einen unscharfen Grenzbereich. Ich hatte z.B. mal einen Chef, der mir das Du angeboten hat, und ich hab’s angenommen, aber ich hab’s nie geschafft, ihn auch beim Vornamen anzureden, weil ich (aus Gründen) Distanz bewahren wollte. Das gab dann so Sätze wie, „Du, Chef, schau mal eben her.“

    Was jetzt die Sache mit den Frauen und deren Erfahrungen angeht, da kann ich nicht mitreden. Ich arbeite ja derzeit in einem sozialen Beruf und daher mit vielen Frauen zusammen (Männer sind in dem Bereich deutlich unterrepräsentiert), und ich hatte weder mit Klientinnen noch mit Kolleginnen jemals ein Problem mit dem Du. Ich habe übrigens eine Chefin, und wir duzen uns auch.

  8. elder taxidriver sagt:

    Siehe auch Wikipedia: ‚Hamburger Sie‘

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