100% Daten. Oder so.

„Sie müssen den Taxikunden einfach 100% Daten liefern. Also sie müssen sich soweit auskennen, dass es ihnen immer möglich ist, auch bei unzureichenden Informationen genau das zu machen, was die Kundschaft will. Das ist entscheidend! Alles wissen kann man nicht, natürlich, aber sie werden sehen – auch im Hinblick auf ihre nebenberufliche … Lektüre – dass das sehr entscheidend ist. So kriegen Sie dann auch einfach mal 10 Euro extra und haben einen Stundenlohn von sagen wir mal … naja, Sie wissen ja …“

Ich will echt nicht behaupten, dass er besonders stressig war. Aber bei der ganzen Fahrt hing so eine „Ich erkläre Ihnen mal, wie’s läuft“-Stimmung in der Luft. Und bei aller Liebe für gute Tipps: Das kommt einfach arrogant rüber. Oder wie ich es einem anderen und wesentlich lockeren Kunden heute Nacht erklärt habe:

„Das Problem ist: Es fahren so viel unterschiedliche Leute Taxi – da kann man nie alles immer richtig und es allen recht machen.“

Beim zweiten ging es darum, dass er mich für die sehr gute frische Luft im Taxi gelobt hat, aber persönlich noch mehr auf einen Wunderbaum abgefahren wäre. Was ersterer mir zu erklären versucht hat, versuche ich bis dato noch zu erörtern.

Besorgte Bürger

Nein, einen Ich-bin-kein-Nazi-aber-Nazi hatte ich nicht an Bord. Aber einen Typen, auf den die Beschreibung „Besorgter Bürger“ nebst inzwischen allgegenwärtiger Interpretation vollkommen zutreffen würde. Seine Freundin und er stiegen am Ostbahnhof ein und haben mal eben schnell die kürzeste Tour vom Stand in diesem Jahr unterboten. 5,30€. Ich hab wie üblich gar nicht rumgemacht, sondern mich einfach dem Fahren gewidmet. Dennoch erklärte mir der junge Kerl – 22 Jahre höchstens! – warum sie für diese lächerlich kurze Strecke ein Taxi genommen hatten:

„Um die Uhrzeit isses ja schon stressig: Überall besoffene Leute. Und dann triffste einen von denen, es gibt eine Konfrontation und Du musst ihm eine aufs Maul hauen. Dann noch mehr Ärger: Polizei, Zeugenaussage und so weiter. Am Ende heißt es vielleicht sogar, dass Du Schuld hast – und dann: Gerichtsverfahren. Und am Ende verlierst Du und kannst nicht bezahlen. Dann biste im Knast nur wegen sowas. Nee nee, da fahren wir lieber mit dem Taxi!“

Ich will ja nicht paranoid klingen: Aber die Detailtreue dieser Schilderung hat mich schwer davon überzeugt, dass ihm das mehr als einmal passiert ist. 0.0

Überraschung!

Mein Kunde war, gelinde gesagt, dezent alkoholisiert. Er war mir schon ein paar Minuten vor dem Einstieg aufgefallen, wie er da am Bahnhof entlangschwankte. Als er dann letztlich im Auto saß, wolllte er zum Potsdamer Platz. Gut, nix leichter als das! Während wir da so durch die City gurkten, hab ich mal kurz nachgefragt, ob es direkt zum Platz oder in eine der Nebenstraßen gehen sollte. Und die Antwort war ein interessanter Monolog mit osteuropäischem Akzent:

„Maach bej Plaatz diirekt! Chaabe keine Ahnung, wo Freunde ankomm. Hier? Da? Egal, egal! Weijßtu, is Pegel von Alkohol ok, is alles lustich! Kommt woanders, dann: Überraaaaschung!“

Nee, dem konnte man den Abend auch nicht mehr versauen, wenn man ihn an der falschen Stelle absetzt. 🙂

Überbrückungsgelaber

Die erste Fahrt an dem Abend. Sie ging zu einem Restaurant.

„So, das heißt, der Abend fängt erst an bei ihnen?“

„Ja, so könnte man sagen. Aber gut, für die einen fängt er an. Andere gehen vielleicht jetzt schon heim, wer weiß das schon? Und wieder andere verwenden dann die entstehende Zeit nur, um irgendwas anderes zu überbrücken …“

Da mischte sich der zweite Fahrgast kopfschüttelnd ein:

„Alter, was laberst Du für einen Scheiß hier?“

Die geilste Fahrt

Es gibt eine beachtliche Nebenwirkung des Schreibens bei mir: Da ich seit nun über 7 Jahren nahezu endlos viele Touren im Rahmen von Blogeinträgen oder meinem Buch niedergeschrieben habe, fällt es mir schwer, „die geilste Fahrt“ zu benennen. Ich schreibe über so viel wichtiges und unwichtiges, tolles und blödes, kaputtes und normales. Ich hab mir nicht einfach 10 besondere Fahrten gemerkt und immer die beste parat, wenn jemand fragt.

Aber nun war es wieder soweit. Ein Typ ist an einer Ampel eingestiegen, wollte eine ultrakurze Fahrt haben und hat nach meinem zerknirschten Eingeständnis, dass eine Kurzstrecke da wohl gereicht hätte, einfach angefangen, „die geilste Fahrt“ von mir erzählt zu bekommen. Ich hab gesagt, dass mir das schwerfällt, woraufhin er erzählt hat, dass irgendein anderer Taxifahrer sogar ein Buch geschrieben hätte. Leider eines, das mir nix sagte.

Denn als wir dann bei 5,70 € vor seiner Tür standen, hat er weiterhin die geilste Geschichte gefordert und gesagt:

„Davon hängt jetzt ab, ob ich Dir 6 oder 7 Euro gebe!“

Also hab ich mal eben den „definitiven Klassiker“ ausgegraben, einfach, weil mir der immer recht schnell einfällt. Und der Kunde? Sagt folgendes:

„Mal im Ernst: Das war echt lame. Aber egal, hier haste 8 Euro.“

Waren sieben. Hat er mir aber nicht glauben wollen. Immerhin isser dann ausgestiegen.

*weiß Bescheid*

„Oh! Hier sind wir ja schon! Wir sind von hinten rangefahren?“

„Ja, ist der kürzeste Weg …“

Da hat sie sich zu ihrer Mitreisenden gewandt:

„Ich hab Dir gesagt: Lass uns in Berlin Taxi fahren – die wissen, wie man’s macht!“

Der geht dann wohl gleichermaßen auch an alle Kollegen. 🙂

Verheddert

„Na, dann noch einen schönen Abend!“

„Ebenfalls! Ich muss … ach so, ich sollte mich erst mal abschnallen, sonst komm‘ ich nicht raus.“

„Wäre sinnvoll. Sonst muss man sich da anstrengend durchschlängeln …“

„Ach, da verheddere ich mich doch mit meiner Lebensmittelschwangerschaft bestimmt!“