Geständnisse

Wenn Kunden im Taxi mit ihren Partnern telefonieren, dann ist das stets ein Happening. Der Typ auf meinem Beifahrersitz war laut eigener Aussage auf einer Firmenfeier, hatte schon eine halbe Stunde Schlaf auf einem Bahnsteig hinter sich und wurde nun auf halbem Weg zum Ziel von der Freundin angerufen.

„Ja, Schatz. Ob ich was, Schatz?“

Dann wandte er sich zu mir:

„Hab ich einen in der Krone?“

„Ich verweigere die Aussage!“

Dann sprach er weiter ins Telefon:

„Nein Schatz, das war der Taxifahrer. Ich hab doch gesagt, ich bin im Taxi. Natürlich hab ich einen in der Krone, ich war doch bei, bei, Du weißt doch, wo ich war! Und jetzt komm ich nach Hause. OK?“

Seiner Aussage nach „alles kein Problem“. Na denn. 😀

 

Arbeitspläne

Manchmal staune ich ja nach wie vor ein wenig über die Leute, die an einem Tag in den Club gehen, am nächsten dableiben und am übernächsten bei mir im Taxi sitzen, um „dann doch besser mal nach Hause“ zu gehen. Ich vermute wahrscheinlich zu Recht, dass uns mehr als nur die Effizienz des benutzten Deos trennt.

Dass man dabei oft auch vorschnell dem Glauben aufsitzt, die „Jugend von heute“ würde nur noch feiern, bewies eine junge Frau, die sich heute morgen vom Sisyphos ins Kater Blau bringen ließ:

„Ach, die Party geht also noch weiter?“

„Naja, nur ein bisschen. Ich muss später noch arbeiten.“

„Na, dann hoffentlich nicht zu früh“,

scherzte ich und blickte auf die Uhr. 3:36.

„Nee nee, ist auch nur so eine kurze Sieben-Stunden-Schicht in der Drogerie von 13 bis 20 Uhr. Ist alles geplant. Gegen 6 Uhr kommt mein Zug, um 8 Uhr bin ich in Hannover, dann lege ich mich nochmal für 3 Stunden hin, dann geht das schon.“

Mir ist klar: Ich werde auch alt. Aber: Respekt!

Vom Dürfen und Müssen

„Wo darf’s hingehen?“

„Darf? Darf? Muss, Junge, muss! Arbeit!“

„Na gut. Also: Wo muss es hingehen?“

„Warte, warte, das war nicht nett: Du arbeitest ja auch gerade und andere wären sicher froh, überhaupt Arbeit zu haben. Also Du, äh Sie, dürfen mich nach Tempelhof bringen.“

Ironie der Geschichte: Ich hab eine Beförderungspflicht. Also „musste“ ich eigentlich sogar. 😉

Aber wir wollen ehrlich bleiben: Es war ein netter Kerl, die Tour hat mir von der Länge her gut gepasst, also hab ich es eigentlich auch gerne gemacht.

Glück beim Waschen

Als ich etwas später als geplant an die Waschanlage kam, war ich froh zu sehen, dass sie noch offen war. Die Tankstelle selbst hatte zwar noch 30 Minuten auf, aber die Angestellten schalten die Wäsche gerne irgendwann während der letzten Stunde ab. Ohne fixen Zeitplan.

„Natürlich ist die offen!“

„Naja, manche Kollegen schließen die auch mal früher.“

„Kann sein. ICH mache das jedenfalls nicht!“

Das Ganze garniert mit einem ehrlichen Lächeln der Bediensteten.

„Also einmal Taxiwäsche bitte!“

Sie tippte herum, verzog das Gesicht, meinte dann aber:

„Naja, hab ich das falsche Programm gewählt. Bekommen Sie jetzt halt die UltraDrölfzig2000-Wäsche.“

Und ich sah auf der Kassenanzeige den üblichen Sparpreis*. So denn, schadet ja nicht. 🙂

„Da wird das Auto aber glänzen, sage ich Ihnen!“

„Ich freu mich, aber ehrlich: Ob sich das bei der alten Kiste wirklich lohnt …“

„Na ja, dann sieht sie danach aus wie ein Neuwagen!“

Oder wie ein Kollege später am Stand zu dieser Anekdote anmerkte:

„Da stellt sich der Tacho dann von alleine zurück!“

Aber ich will nicht meckern: Mal eben 7 statt 2 € gespart! \o/

*Alle Waschanlagen, die ich kenne, bieten Rabatte für Taxis an. Das ist in der Regel die günstigste Standardwäsche für irgendwas zwischen 6 und 8 €, die ich dann für 5 bis 6 € kriege. Wir sind ja auch oft Stammkunden. Für ganz Gewitzte möchte ich allerdings anmerken: In der Regel schielen die Tankstellenbediensteten durchaus aus dem Fenster und sehen nach, ob man wirklich mit einem Taxi gekommen ist. 😉

„Wo sind wir?“

Es gibt so Typen, die einem um 3 Uhr morgens ins Auto steigen, und obwohl man weiß, dass außerhalb Berlins 90% der Leute schon im Bett sind, denkt man:

„Ui, stattliches Level für die frühe Uhrzeit!“

Nachdem das Ziel halbwegs klar war (die Hälfte der Zeit redeten sie davon, noch irgendwo anders in eine Kneipe zu gehen), hatte ich von meinem Beifahrer einen Endlos-Monolog im Ohr, der erkennbar kaum was beinhaltete außer „Ick bin so blau, merkste selber, wa?“.

Der zweite auf dem Rücksitz war weitaus fitter und rief seinem Kumpel auch gelegentlich zu, er solle die Fresse halten, was dieser dann mit einem „Schon gut, mach ick. Also blablabla …“ quittierte. Aber das war’s eigentlich auch schon. Sie laberten Bullshit, das passiert halt.

Keine 500 Meter vor dem Ziel fing der hintere dann an zu meckern:

„Na, willste uns verscheißern? Wo sin‘ wir denn hier? Glaub ja nich, Du kannst mit uns durche Pampa …“

woraufhin der zweite sich das erste Mal wirklich im Raum orientierte, kurz

„Ha! Hier is‘ die Kneipe, Du Eumel!“

rief, und ungeachtet der Tatsache, dass ich auf der linken Spur war, rechts die Tür aufriss und über die Straße rannte. -.-

Und der hinten hatte immer noch keine Ahnung:

„Alter, wo sind wir?“

„Da vorne, nächste Kreuzung, ist Eure Straße!“

„Ehrlich? Boah, ick muss mir ersma‘ umkiekn!“

Und das tat er dann aus dem Auto raus. Gemütliche drei Minuten lang, nachdem ich schnell mal mit offener Beifahrertüre an den rechten Straßenrand gefahren bin. Am Ende glaubte er, ungefähr zu wissen wo er sei, und gab atemberaubende 30 Cent Trinkgeld. Wenn ich jetzt noch irgendwo eine offene Kneipe gesehen hätte, wäre mir die Fahrt allerdings ein wenig sinnvoller vorgekommen als so …

Qualitätsmerkmal Bodenwelle

„Hier müssen Sie dann gleich links!“

„Ich weiß. Und sofort danach nochmal.“

„Ja, das stimmt. Ach, Sie kennen sich ja aus. Das hab ich schon vorher gemerkt, als sie da so abgebremst haben, als da diese Bodenwelle war. Da dachte ich gleich: Der junge Mann weiß Bescheid!“

Sash, 34. Weiß immerhin, dass er vor Bodenwellen besser bremst. 😉

…

„Sie sind ein Hipster!“

„Äh … glaube nicht.“

„Sie fahren doch nicht ernsthaft Taxi, oder?“

„Naja, ich schreibe nebenbei, aber sonst schon.“

„Und wo wohnen Sie?“

„Ganz weit draußen im Osten. Marzahn.“

„Ja, aber aber …“

„Ist so. Da sind die Mieten noch niedrig.“

„Aber Sie würden doch nicht in Marzahn wohnen, wenn Sie nicht Hipster wären. Beweisführung abgeschlossen!“

Tja, sorry liebe Leserschaft, aber ich muss mir jetzt wohl eine hässliche Brille wachsen lassen.