Eine besondere Logik

muss wohl meine Kundin bei der Bezahlung befolgen. Sie begegnete der Preisansage über 6,60 € mit folgendem Satz:

„Schreiben se mal 7,20 €.“

Über die Quittung das Trinkgeld anzusagen, machen viele. Nichts besonderes. Gut, 7,20 € sind schon reichlich seltsam, wenngleich offenbar ziemlich an den 10% orientiert, die man so gemeinhin als Durchschnitt erachten kann. Gibt ja solche speziellen Leute, was will man machen. Aus irgendeinem Grund nimmt man das Kleingeld ja schließlich mit. Der Clou kommt aber erst noch. Sie reichte mir daraufhin einen Zehner und meinte:

„Geben Sie mir einfach zwei zurück.“

Ich hab mich nicht getraut, nachzufragen – aber ich habe meine Zweifel, ob das in irgendeiner Form Sinn ergibt … 🙂

Wollte erwähnt werden …

Einfach so mit Betteln kommt man ja nicht unbedingt zur Ehre, hier einen eigenen Blogartikel gewidmet zu bekommen. Mein Fahrgast, der nebst Begleitung vom Ostbahnhof nach Prenzlauer Berg wollte, hat es sich dennoch verdient.

Zunächst habe ich mich über die Kombination der beiden amüsiert. Etwa in meinem Alter, beide mit Alkoholika bewaffnet, er allerdings stark im Vorsprung, was deren Konsum angeht. Und das rate ich jetzt nicht einfach so, er bekannte sich dazu, „seit 24 Stunden besoffen“ zu sein. Kein Wunder, dass die beiden sich am Bahnhof eine halbe Stunde suchen mussten. Niedlich daran war, dass sie das nicht abschreckte, sondern amüsierte.

Dass die Fahrt einen Eintrag wert sein würde, war mir klar, als er meinte:

„Und die ham mich beim Kater Holzig nicht reingelassen – obwohl ich total besoffen war!“

Das wäre eine nette kleine Randnotiz geworden, mein Mitreisender erwies sich aber als äußerst gesprächig und wissbegierig, so dass ich irgendwann auch sagte, dass ich schreiben würde. Während seine Freundin offenbar von Fremdscham geschüttelt wurde, bemerkte er zielsicher, dass diese Fahrt ja wohl alles andere als besonders sei:

„Wir sind hier noch voll auf der Base-line, keine Sorge!“

Er hangelte sich von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen, erzählte seiner Begleiterin z.B. munter, dass er mit einer anderen gerade was am Laufen hätte. Höhepunkt dieser thematischen Ausschweifung war zweifelsohne:

„Ja und – was ist das jetzt mit euch beiden?“

„Weiß ich auch nicht. Sie ist heute morgen nach Bayern geflogen …“

Er erkundigte sich nach so lebenswichtigen Dingen, wie z.B. ob ich desöfteren kopulierende Pärchen im Auto hatte und unterstellte mir irgendwann, ich hätte es eigentlich eher mit Technik und Programmieren, weil ich die ungewöhnliche Vokabel „Zielangabe“ benutzt habe. Ähm ja. Die gewünschte Straße erreichten wir, während er wie wild durchs Auto gröhlte, dass ich der größte Nerd aller Zeiten wäre und er jetzt doch hoffentlich Erwähnung finden würde. Ich bestätigte das, im Kopf die Zitate sortierend, was er mir allerdings nur wenig glaubte.
Seiner Mitfahrerin öffnete ich die Tür und meinte:

„Sorry, hier ist die Kindersicherung drin – heute hätte ich es auch lieber andersrum gemacht …“

und da stand er auch schon neben mir und meinte, er „bessahle jetzn Taxi!“. Er rundete die aalglatten 12 Euro auf 14 auf, hatte dann aber sichtbar Sorge, es so doch nicht in den Blog zu schaffen – also bekam ich doch 15. 🙂

Dann wollte er gehen. Ich bin einfach mal stehengeblieben, weil mir klar war, dass noch ein kleines Detail zu der ganzen Sache fehlte. Und siehe da: Er kam wieder.

„Sachma, wenn Du dann da was schreibst und so: Wie krieg ich das dann mit? Willste mir eine Mail schreiben oder …“

„Nee Du, da musste schon selbst mal auf’m Blog nachsehen.“

„Ja, ähm, und … wie is denn die Adresse?“

Ich hab mich dann an sie gewandt und gemeint:

„Merken Sie es sich besser: gestern-nacht-im-taxi.de – oder einfach „gestern nacht taxi“ googeln. Findet man problemlos!“

Das Thema war damit geklärt. Er indes wollte nochmal ganz auf Nummer sicher gehen:

„Aber dass wir zwei hier hinten Geschlechtsverkehr hatten, haste mitgekriegt, ja?“

Herzlich willkommen bei GNIT!

Neuer Rekord!

Ich muss noch einmal kurz auf gestern zurückkommen, denn es war ja alles andere als ein normaler Tag für mich. In keinerlei Hinsicht. Ich hab mit meinem Schlafrhythmus gekämpft (und mich mit ihm auf eine Art Waffenstillstand geeinigt) und nebenbei ein wenig gebangt, ob das alles so funktionieren würde – diese eine Tour, meine längste bislang im Taxi. Noch dazu die einzige, die man mit Fug und Recht eine Tag-Tour nennen könnte.

Ich werde entgegen meiner Gewohnheiten nicht viel über meine Fahrgäste sagen, denn obwohl wir die ganze ausgiebige Tour miteinander geredet haben, habe ich genau das nicht angesprochen: Was darf, kann oder soll ich schreiben?

Nur so viel: Ich habe selten Fahrten, bei denen ich so sehr vergessen konnte, dass das Arbeit ist. Bisweilen war es einfach nur ein netter Ausflug, eines der vielen Erlebnisse, die mich an meinem Job so viel Spaß haben lassen. Auch der kleinste mitreisende Fahrgast hat dazu in erheblichem Maße beigetragen und es fällt mir fast schon schwer, jetzt wieder aufs Geschäftliche zurückzukommen.

Aber gut: Mit Fernfahrten bin ich ja nicht gerade verwöhnt gewesen in den letzten Jahren, deswegen ist dieses nun die mit Abstand längste Fahrt gewesen. Bis kurz hinter Dresden, insgesamt knapp über 200 km. Bei einer Gesamtarbeitszeit (mit Auto holen usw. usf.) von knapp 7 Stunden können sich die 320 € für diese Tour doch sehen lassen.

Und so fern mir das Angeben auch liegt, so sehr hab ich es auch genossen, wie sehr einem ortsansässigen Kollegen in der sächsischen Schweiz der Blick entgleist ist, als er realisiert hatte, woher ich komme … 😉

Als Taxifahrer würde ich mich freuen, die Rücktour auch fahren zu können – aber ich habe auch Gründe, mir zu wünschen, ich bekäme sie nicht. Aber das müssen jetzt nicht alle Leser verstehen, Hauptsache die Fahrgäste wissen, wie das gemeint ist.

PS: So extrem lange Touren kann ich schon auch mal tagsüber machen. Da lohnt sich der Aufwand natürlich. Allerdings bedeitet das nicht nur den oben erwähnten Kampf mit meinem Schlafrhythmus. Nein, auch meine Chefs mussten erst mal ein freies Auto finden, ich musste dafür im Vorfeld bereits durch die Gegend fahren … sowas klappt natürlich nicht immer. Aber wenn ihr lange Touren habt, dann kenne ich natürlich ggf. auch ein paar nette tagsüber fahrende Kollegen, die sich darüber freuen würden 😉

Geschwindigkeitsrekord

Es ist ja immer höchst unterschiedlich, wie lange es am Stand dauert, bis so eine Tour zustande kommt. Die einen schleichen sich unbemerkt aus dem toten Winkel ans Taxi, machen die Tür auf und nennen recht schnell ein Fahrtziel. Andere versuchen erst mal eine Viertelstunde lang über den Preis zu verhandeln oder irgendwelche obskuren Routenvorschläge einzubringen, Infos einzuholen und so weiter. Oder sie suchen ewig nach ihrem Fahrtziel.

Richtig schnell ging es bei der jungen Frau, die am vergangenen Wochenende am Ostbahnhof nach einer offenbar hitzigen Diskussion mit ihrem Begleiter plötzlich ins Auto springt und mir von hinten ins Ohr brüllt:

„Tür zu und fahr! Ich muss nach Wilmersdorf!“

Als ich dann gesehen hab, dass der Typ offenbar gegen ihren Willen seine Mitfahrt plante, hab ich den Rat schleunigst umgesetzt. Nicht, dass er gefährlich gewirkt hätte, aber schon aus Eigennutz hab ich doch lieber eine gemütliche 20€-Tour als gleich am Stand noch Diskussionen und Stress. Und am Ende vielleicht nichtmal einen Vorteil davon.

Die junge Dame jedenfalls hat sich gefreut und es hat sich herausgestellt, dass der Typ – den sie auch erst seit diesem Abend kannte – wohl völlig druff war und einem anderen gegenüber plötzlich und unerwartet völlig ausgerastet ist. Abgesehen davon, dass ich ihre Furcht nachvollziehen konnte: das ist wahrlich auch keine Kundschaft, auf die ich als Taxifahrer irgendwie gesteigerten Wert legen würde.

Am Ende blieb für mich der Umsatz, ein nettes Trinkgeld und die vielfach ausgesprochene Bestätigung, dass ich ihr mit der Ermöglichung der schnellen Flucht den Abend wenigstens halbwegs gerettet habe. Ende gut, alles gut.

Und ich hoffe mal stark, dass kein Kollege den Wutbolzen nachher im Auto ertragen musste …

PS: Der Text ist hier zu Ende, aber mir fehlen noch ein paar Zeichen. So, fertig.

Kurz mal dankbar

Ein etwas breiter gebauter, aber recht flinker Typ eilte mir an der Ampel entgegen. Er verwendete unmissverständliche Zeichen, um mich zu bitten, einsteigen zu dürfen. Na klar! Als ob ich was gegen Winker hätte …

„Ey Du!? Ich darf doch Du sagen, oder? Ey, verdammt, tut mir echt leid, dass ich Dich jetzt wegen so einer kurzen Strecke hier – muss echt ganz um die Ecke sein, Ist echt nicht böse gemeint, aber mein Navi hat das irgendwie voll verkackt, das – ey sei bitte nicht sauer! Ich weiß, dass eine kurze Fahrt jetzt sicher nicht das ist, was Du gerne hättest, ist auch echt so eine Art Notfall. Aber wenn man es mal …“

„Ganz ruhig! Alles ok! Wo soll es denn hingehen?“

„Das ist, hier, warte, zum Kater Holzig, das muss hier …“

„Jo, das ist wirklich nicht weit. Machen wir mal Kurzstrecke, oder?“

„Ja Mann, danke Mann! Echt, ist scheiße wegen der kurzen Fahrt, ich würde ja auch nie ein Taxi nehmen, wenn das jetzt nicht …“

Die Fahrt hat keine Minute gedauert, ich hab es kaum hinbekommen, ihn in der Zeit ruhigzustellen. Was für ein Aufhebens! Zumal jeder verdammte Winker die Schicht nur besser machen kann – auch wenn er nur 10 Meter weit fährt. Vom Stand aus kann eine kurze Fahrt natürlich mal weh tun. Aber von unterwegs?

Naja, er scheint vor mir jedenfalls entsprechend einschlägige Erfahrungen gemacht zu haben. An die Kollegen, die wegen solch einer Tour auch noch meckern, geht hier mal wieder ein Danke raus: Die drei Euro Trinkgeld haben mich ernstlich erfreut! 😉

Sinnlose Tour

Manche Touren glaubt man einfach nicht. Da steht man dann am Ende ein wenig ratlos da und fragt sich, ob man das eben geträumt hat. Mein Kunde war ein Original sondersgleichen: Ein vielleicht gerade einmal zwanzigjähriger Touri, der ganz offensichtlich unter einer Sehbehinderung litt. Nicht nur schielte er auffallend, es war auch zu erkennen, dass er nicht sonderlich viel erkannte. Fürs Taxi-Schild hat es gereicht, er winkte am U-Bahnhof Bernauer Straße.

Als Ziel nannte er das hotel4youth. Hat mir nichts gesagt, aber wozu hab ich das Robertha bei mir? Nachgeschlagen und gefunden. Ich las ihm die Adresse vor, Schönhauser Allee 103, ob ihm das bekannt vorkäme. Ja, nein, vielleicht. Auf der Karte des Hotels stand keine Adresse, nur Werbung. Sehr sinnig. Da mich das Robertha aber selten im Stich gelassen hat, fuhr ich ihn dorthin. Keine weite Strecke, deutlich unter 10 €.

Es trat der schlimmste Fall ein: Das Hotel ist umgezogen. Nur wohin?

„There was a station nearby. The name startet with a B. On the U8 it was. I could find it from there.“

Also verkürzt gesagt. Mit der Angabe und ein paar Details (nicht weit vom Alex, Prenzlauer Berg, ein Park gegenüber) hatte ich eine vage Vorstellung:

„Do you mean the Bernauer Straße?“

„Uh yeah! Right!“

„Guy, that’s where I picked you up …“

„Really?“

Das Hotel war auch nicht schwer zu finden, ich hätte auch einfach meine Augen auf der Hintour aufmachen können. Bernauer, Ecke Wolliner, direkt gegenüber vom Mauerpark. Hab mir nur den Namen des Neubaus nie gemerkt …

Na gut, wir waren dann doch bei fast 10 € – für weniger als 300 Meter Weg – aber der Fahrgast war glücklich:

„Haha, that was funny. Do you take Visa or Mastercard?“

Nicht ernsthaft …

Ich hab ihm dann erklären müssen, dass nicht alle Taxen Kreditkarte nehmen und ich es leider auch wirklich nicht könnte. Das empfand der liebenswerte junge Kerl auch gar nicht als schlimm, viel mehr belustigte ihn der kulturelle Unterschied zu Amerika. Ich hatte aber die Hoffnung, dass das Hotel vielleicht wie viele andere das auf die Rechnung aufschlagen könnte.

Konnte es natürlich nicht.

Also sind wir zwei bei strömendem Regen wieder zum Taxi gedackelt und überlegten uns, wo wir einen Geldautomaten finden würden. Die Sparkasse an der Schönhauser war zu weit und zu umständlich, dann vielleicht … aber mein Kunde hatte selbst eine Idee:

„Down there in the Metro Station, there was a – how do you call it? – Geldautemat.“

„In the station?“

„Yeah. Bring me there, I show you!“

Dann ließ er mich noch einmal falsch abbiegen, weil er das mit den Richtungen nicht so recht raushatte und irgendwann stand ich dann – es klarte gerade ein wenig auf – rauchenderweise neben meinem Taxi. An der Stelle, an der ich ihn vor rund 20 Minuten eingesammelt hatte. Nach nicht einmal zwei Minuten hangelte sich mein Fahrgast wieder aus der Station, lief erstmal auf die falsche Straßenseite, weil dort auch ein helles Auto parkte und etwas später wusste ich dann, dass der Automat wohl kaputt sei oder so. Oder so? Er sagte mir, er könne nicht lesen, was dort stünde. Bei einem fast blinden Ami konnte das ja alles heißen.

Also bin ich mit ihm in den Bahnhof geeilt und der Automat zeigte einen Bluescreen. Herrlich! Sinn für Humor konnte man dem Schicksal in der Nacht nicht absprechen!

Also weiter. Ich schlug die Sparkasse ein paar Meter weiter die Brunnenstraße runter vor, mein Kunde nahm dankend an. Dort angekommen wurde ich auch nochmal in die Bank gebeten, denn mein Superfang schaffte es trotz – oder wegen – anhaltend guter Laune nicht, Beträge unter 3000 € einzutippen.  So langsam suchte ich nach einer versteckten Kamera. Am Ende aber klappte wenigstens an dieser Stelle alles und wir standen 33 Minuten nach Fahrtbeginn mit 17,40 € auf der Uhr an seinem Hotel, etwa 200 Meter vom Startpunkt entfernt. Aber beide blendender Laune. Wir haben uns großartigst amüsiert über die wohl bekloppteste Taxifahrt ever. Ihm war der Spaß 20 € wert und ich brauchte mich mal ohnehin nicht beschweren … 🙂

Abgefuckt!

Eine Truppe Partygänger, allesamt alkoholisiert. Zu einem gewissen Grad auch stressig. Wie so viele wollten sie „gute Musik“ und kein Radiosender spielte die. Das hätte ich auch vorher sagen können 😉

Naja, ich war also die ganze Tour neben dem Fahren auch am Suchen nach einem Sender. Und wenn dann einer gefunden war, maulte irgendein einzelner rum, dass ihm das jetzt aber gar nicht passen würde.

Also anstrengend, ja. Aber als Taxifahrer mit Nerven aus Drahtseilen und einer Gutmütigkeit, die noch Mahatma Gandhi in den Wahnsinn getrieben hätte, hab ich sie ganz brav ans Ziel gebracht. Da haben es die Kollegen leichter, die einen gleich rausschmeißen, wenn man was gegen die Musik im Radio sagt, keine Frage. Aber wie üblich war das Ende schön:

„Was kriegste?“

„11,20 €.“

„Na, machste mal 15 – für die abgefuckte Fahrt.“