Nerdiges

„Also ganz ehrlich: deinen Namen hab ich immer noch nicht so richtig verstanden.“

„Das is auch besser so. Wenn Du bloggst, schreib einfach ‚Hans Meiser‘, dann weiß ich, dass ich es bin.“

Es mag unglaubwürdig klingen, aber so endet nicht jede Fahrt mit einem Leser. 🙂

Angefangen hat alles mit einer Last-Minute-Bestellung* vom Ostbahnhof zur c-base. Statt nun mit mir einfach direkt Richtung Norden zu tuckern, hat mich mein später anonym bleibender Fahrgast erst einmal angeboten, mir ein Getränk zu spendieren und mich ein bisschen in der Base rumzuführen – was echt eine geile Sache war.

Ich hab sogar den Drang unterdrückt, zu twittern, wo ich bin – da war ich an dem Abend wahrscheinlich so ziemlich der einzige dort. Hab wahrscheinlich ganz schön abgebrüht gewirkt, als ich da mit einer Premium-Cola ganz nüchtern rumgeguckt hab, während irgendwelche betrunkenen Partypeoples versucht haben, direkt daneben Mario Sixtus zu beeindrucken.

Insgesamt war der Aufenthalt dann halt doch nur kurz, ich war schließlich zum Arbeiten da. Das hab ich im Folgenden auch recht konsequent gemacht, indem ich zwei U-Bahn-Stationen verwechselt hab und deswegen meine 1925 zwei runde Kilometer Umweg aufs Straßenparkett legen ließ.

Mein Fahrgast schwankte von dannen und versprach einen erneuten Anruf. Soll ich die Nummer jetzt echt unter „Hans Meiser“ abspeichern? Wenn dann der echte anruft, sag ich ihm wahrscheinlich, dass ich mich alleine verarschen könne – und das … afk, Telefonbucheintrag ändern.

*Last Minute war es vor allem, weil ich ansonsten recht bald vom Stand weggekommen und damit besetzt gewesen wäre.

PS: Vielen Dank für all die Geburtstagsgrüße und Geschenke, zu denen ich bisher keine großen Worte gefunden habe! Danke, danke, danke! Es ist toll mit euch Lesern!

Die Juten

Die guten Taxifahrer, die richtigen. Endlich hatte ich auch mal eine Begegnung mit ihnen.

Also nicht, wie ihr jetzt denkt. Ich hab ein paar sehr nette und bedenkenlos empfehlbare Kollegen da draußen. Aber wenn es um Qualität geht, dann taucht doch immer wieder der Vergleich zu einer ganz bestimmten Stadt auf: London. Härteste Prüfungen, 3 Jahre Ausbildung, keine verlotterten Gestalten am Steuer – soll ja abgesehen vom Preis das Traumland für Taxikunden sein da drüben.

Es war ein wenig witzig, der junge Kerl wirkte fast ein wenig verschüchtert, als er mir in leisem Tonfall gestand, selbst Taxifahrer zu sein, nur eben drüben auf der Insel. War auf jeden Fall ein gutes Unterhaltungsthema, zumal wir uns erst einmal ein paar Minuten Stau geben mussten, bis wir am Kotti vorbei waren. Er wollte zum Maritim, für eine Winkertour also gar nicht mal so schlecht. Für mich aber besonders schön war, wie so oft im Leben, zu sehen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Man hört so viel über die Ausbildung der Fahrer dort, letztlich scheint die Ortskundeprüfung allerdings recht ähnlich der in Berlin zu sein. Gut, ein wenig umfangreicher vielleicht – auf jeden Fall schaffen sie das dort besser zu verkaufen …

Irgendwie gehörte zu dem Gespräch aber einiges mehr, als ich hier jetzt rüberbringen könnte. Es war einfach nett und kollegial, so wie im Übrigen auch mit den meisten anderen Taxifahrern, die ich im Laufe der Zeit im Auto hatte. Man hat sich halt doch ein bisschen mehr Interna zu bequatschen (also wenn man nicht ohnehin eine Laberbacke wie ich ist und sowieso immer alles haarklein erzählt).

Mein Fahrgast jedenfalls beendete unsere Tour mit einem „nice to meet you“ und dem schönsten englischen Satz, den ich kenne:

„Keep the change!“ 😉

Knapp 30% – der war wirklich Taxifahrer. Oder zumindest wirklich Brite. Also egal, einer von die Juten eben.

War das so gewollt?

Große Geldscheine, Taxi, das Übliche. Ist nicht immer leicht. Nun hatte ich also eine Kurzstrecke und mein Kunde meinte, er versuche mal, es mir klein zu geben. Das hat nicht geklappt. Er hatte noch rund 3,50 € in Münzen, ansonsten einen Fuffi. Und hey, auch wenn das mit dem Wechseln mal stressig ist: ich hätte gerne die komplette Kohle. Natürlich stehe ich nicht drauf, Kurzstrecken mit einem Fünfziger bezahlt zu bekommen, aber wenn ich vorher nicht ansage, dass das gerade nicht geht, dann mache ich es auch!

„Tut mir leid, ist ja jetzt ein Bisschen schwierig …“

„Ach was, das geht schon.“

„Warten Sie, dann machen wir das so: Ich gebe ihnen noch einen Euro und sie geben mir 45 raus!“

„Äh, danke!“

Ein fettes Trinkgeld für eine Kurzstrecke, keine Frage. Und ich habe es natürlich dankbar angenommen. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich mein Fahrgast einfach nur verrechnet hatte. Dass also einer dieser kuriosen Rechenfehler vorlag, die ich jetzt nicht einmal sinnig beschreiben kann. Ihr wisst schon: 4 € sind es, noch 6 € bis zum Zehner, also machste 6 und kriegst 4 € zurück …

Wie gesagt: schwer zu beschreiben aber meiner Erfahrung nach recht verbreitet …

Ich hoffe natürlich, dass er mir wirklich 50% Trinkgeld geben wollte. Aber jetzt ist es – ganz ehrlich? – auch egal.

 

Spezialtrinkgeld

Nun gut, ich will euch nicht länger auf die Folter spannen: Ihr hattet Recht. Ich wurde tatsächlich gebeten, 9,80 € aufzuschreiben. Ich hoffe, ihr könnt verstehen, dass mich das verwundert hat. Klar, es ist ein gutes Trinkgeld gewesen – prozentual gesehen sehr gut, für die Länge der Tour aber noch durchschnittlich. Das war ihm sicher bewusst, die meisten geben dann halt doch 9,00 € oder 9,50 €, wenn sie einen ganzen Zehner für unangemessen viel erachten. Das erleichtert und beschleunigt ja auch das Bezahlen.

Ich habe dennoch eine Vermutung, wie das zustande kommt. Ich denke, er wollte mir gerne einen Zehner geben, es sollte aber nicht auffallen, dass er Trinkgeld gegeben hat. Vielleicht kriegt er nur den reinen Fahrpreis vom Arbeitgeber  erstattet, was weiß ich. Aber ich hab echt in meinem Portemonnaie genestelt und mir überlegt, wann ich bitte das letzte Mal NUR 20 Cent rausgegeben habe … 🙂

PS:
Ja, manchmal schreibt man das auch so auf. Es ist streng genommen rechtlich nicht in Ordnung, aber wie man so schön sagt: Ausnahmen bestätigen die Regel …

Spezialtrinkgelder …

Man gewöhnt sich daran, dass Leute bestimmte Summen Trinkgeld geben. Es entwickelt sich zur Gewohnheit. Wenn ich 18,20 € auf der Uhr habe, wundere ich mich schon, wenn ich keine 20 € kriege. Gänzlich unberechenbar sind die Leute dann ja doch nicht. Aber ein Fahrgast letzte Woche fiel ein wenig aus dem Raster. Ich hab mir gedacht, ich mache eine kleine Rätselrunde daraus. Mal sehen, ob ihr das selbe Ergebnis kurios findet wie ich.

Die Abstimmung geht bloß bis 16 Uhr, dann verrate ich auch, wie viel es am Ende war. 🙂

Also: Ich hatte eine Fahrt zu einem Hotel, ein Geschäftsmann auf dem Weg zu einem Kongress. Die Tour kostete 8,40 €. Er wollte das Trinkgeld auf der Quittung haben.

Was wurde ich gebeten, aufzuschreiben?

  • 9,80 € (52%, 263 Votes)
  • 10,40 € (32%, 165 Votes)
  • 9,50 € (11%, 58 Votes)
  • 9,00 € (3%, 16 Votes)
  • 10,00 € (2%, 8 Votes)

Total Voters: 510

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Kurze Rückmeldung

Da ich die SMS erst Stunden später gesehen habe, möchte ich auf diesem Wege gleichfalls ein Danke an die Mobilfunkfachverkäuferin richten. Die vermittelte Tour war sehr angenehm und unterhaltsam – und hat mir zudem super reingepasst in den gestrigen Abend! Es ist das höchste Trinkgeld der Schicht geblieben und ich hatte beileibe nicht mit allen Fahrgästen so eine angenehme Fahrt in dieser Nacht.

Auch wenn ich denke, die Zufriedenheit beruht auf Gegenseitigkeit:

Mich bitte nicht immer gleich als „besten Taxifahrer Berlins“ vorstellen. Mal abgesehen davon, dass meine Gesichtsfarbe auch so schon zu oft ein kräftiges Rot aufweist – wo bleibt denn da noch die Chance, positiv aufzufallen? 😉

Nein, im Ernst: war alles gut und hat Spaß gemacht!

😀

Immer online

Das mobile Internet hält seit geraumer Zeit Einzug ins Taxi. Die meisten Fahrer sind inzwischen mit Smartphones ausgestattet, viele lesen inzwischen auch online. Oder aber man schleift – wie Kollege Herbert – jeden Tag ein Notebook mit zur Arbeit um am Stand die ganze Zeit Poker spielen zu können. Die Geschmäcker sind verschieden.

So ist das natürlich auch bei den Fahrgästen. Telefonieren wird seltener, Facebook häufiger. Ein Fahrgast vom vergangenen Sonntag hat das dann auf die Spitze getrieben. Es war eine wortlose Fahrt, mittellang, und am Ende standen wir in Kreuzberg vor einem unauffälligen Altbau. Hinter mir klapperte die Tastatur des Laptops und am Ende meinte er tatsächlich zu mir:

„Sagen Sie, könnten wir kurz noch eine Minute hier stehenbleiben? Ich möchte nur die Mail noch kurz fertigschreiben und abschicken.“