Paradoxale Mobilität

Ein oftmals vernachlässigter Teil des Taxifahrens ist die Nebentätigkeit als Auskunftei. Selbst in Zeiten des mobilen Internets ist der Taxifahrer am Bahnhof oder im Altstadtviertel oftmals noch beliebte Quelle für Informationen aller Art. Nicht unbedingt zu Unrecht, schließlich ist es im Prinzip unser Job, uns möglichst gut auszukennen.

Dass manche Touristen uns dabei mit Restaurantkritikern, Bordelltestern oder Hotelzimmerinspektoren verwechseln: Sei es drum!
Wer fragt, bekommt eine Antwort, und passend dazu wird in meiner Familie auch seit Jahrzehnten der Spruch „Blöde Frage: Blöde Antwort!“ weitergegeben, den ich gerne in der Praxis ausprobiere.

Ansonsten ist eine Anfrage in meinen Augen kein Problem. Gut, es soll da auch andere Kollegen mit weniger Beherrschung geben.
Zusätzlich zu den selbstverständlichen Fahrt- und den unverbindlichen Ortsanfragen kommen aber gelegentlich noch einige andere. Die Fragen nach Zigaretten, Kleingeld und direkter Hochzeit ignorieren wir hier besser mal – denn es gibt auch eher seltenes.

Vor nunmehr zwei Wochen sprach mich z.B. ein junger Mann am Ostbahnhof an und erklärte mir, er würde an einem interessanten Buchprojekt mitarbeiten. Während der ein oder andere Kollege die Ohren wohl an dem Punkt schon auf Durchzug gestellt hat, war ich erst einmal interessiert.
Mir wurde weiterhin gesagt, dass es – vereinfacht gesagt – um Bewegungsprofile verschiedener Gruppen gehen würde, die dann kartografisch festgehalten würden und mit vielen weiteren in einem Buch über Berlin Platz finden würden. Dazu würden sie noch Taxifahrer suchen.

Offenbar angetan davon, dass ich noch nicht schreiend davon gerannt bin, hat er mir auch geduldig erklärt, was mein Part an der Geschichte wäre: Ich sollte einfach eine Woche lang ein GPS-Gerät bei mir im Auto angeschlossen haben, das die Strecken mitprotokolliert. Das wäre es im Wesentlichen. Danach gebe ich das Teil zurück, enthalte eine kleine Entschädigung für meinen „Aufwand“, und damit ist gut.

Zunächst befürchtete ich, dass es just an der Technik scheitert, denn natürlich brauchte der Sender Strom, und der ist in Autos bekanntlich rar – vor allem, wenn man den Zigarettenanzünder bereits verwendet, um Strom fürs Handy abzuzapfen. Aber clevererweise hatte mein Gegenüber bereits einen Verteiler für besagte Buchse dabei, und so hab ich vor zwei Wochen dann das Ding angeschlossen und bin seither munter durch die Gegend gegurkt. Ob die Daten hilfreich sein werden, weiss ich nicht – schließlich hab ich ja durchaus ein paar Lieblingsstrecken, die ich auf Kundensuche abgrase, aber Einschränkungen wurden mir keine auferlegt.

Und nun habe ich gestern Abend das Gerät zurückgegeben und endlich wieder Platz in meiner Mittelkonsole.

Da ich jetzt schon auf diese Weise unterstützend mitgewirkt habe, möchte ich meinen geneigten Lesern natürlich das Projekt nicht vorenthalten (das naturgemäß derzeit noch Projektstatus hat und erst demnächst in Gänze zu erwerben ist), denn die Ankündigung liest sich extrem spannend:

Berliner Atlas paradoxaler Mobilität

Mal abgesehen davon, dass ich einen zweistelligen Betrag dafür erhalten hab, freue ich mich tatsächlich, wenn ich bei der Umsetzung behilflich sein konnte. 🙂

27 Kommentare bis “Paradoxale Mobilität”

  1. ReinerWochendNachtschichtZafiraAutomatikFahrer sagt:

    Klingt interessant , aber was sagen den deine Chefs dazu ??
    Bewegungsprofil ?? GPS -Geräte im Auto ??
    Auch wenns wohl anonym ist aber so von wegen Datenschutz , weisst du auch was die sonst noch mit den Daten anstellen ??

  2. Cliff McLane sagt:

    Bis jetzt sieht die Seite eher nach „gehnse weiter, hier gibts nix zu sehen“ aus, oder unterschlägt mir da der Firefox / Adblocker was? Bis auf die Ankündigung ist da nix, und selbst die verschwindet, wenn man auf den „Home“-Link klickt.

    Vielleicht sollte man mal einen „Berliner Atlas paradoxer Kunstprojekte“ erstellen, aber dafür gibt’s vermutlich nicht einmal einen einstelligen Betrag aus den Berliner Kulturfördertöpfen.

    Und demnächst: Sash for presidentRegierender Bürgermeister! (Und alle so: yeah!)

  3. Sash sagt:

    @ReinerWochendNachtschichtZafiraAutomatikFahrer:
    Mal im Ernst: Was soll man bitte mit den Daten anstellen? Man kann aus den Daten vermutlich herauslesen, wo ich etwa wohne und wo meine Lieblingshalte ist. Jetzt verrate mir mal, was man damit anfangen soll…
    Das Ding weiss nicht, wann ich privat oder geschäftlich unterwegs war, wann besetzt oder unbesetzt etc. Ich finde Datenschutzbedenken immer ok, aber wenn ich jetzt nicht geschrieben hätte, dass ich da gefahren bin, würde das überhaupt gar nix aussagen.

    @Cliff McLane:
    Was erwartest du denn außer einer Ankündigung, während ein Projekt im Entstehen ist? Ein komplettes Manuskript? 😉

  4. Schlosser sagt:

    Die Beschreibung hätte irgendwie „eindeutiger“ sein könnnen
    Ich weiß jetzt nicht, wie ich das ausdrücken soll, Fakt ist, dass ich mir so rein gar nichts unter diesem Buch vorstellen kann…

  5. ednong sagt:

    „Drogendealer“ – wow. Wie bekommt man einen Drogendealer dazu, mit einem GPS-Gerät herumzufahren? Bappt man dem das einfach so ans Auto? Erzählt man ihm, damit findet er neue Kunden? 😉

    Un d wieso, wo du wohnst? Ich dachte, das wäre im Auto verblieben? Und zweistelliger Betrag? Nochmal wow. Das ist viel. Sollen Sie mal in Hannover machen. Ich würde da auch einige Monate mit herumfahren 😉

  6. LGMA sagt:

    Klingt auch für mich nach einer interessanten Sache … 🙂

    Schade das es nur ein Buch wird und kein Film – ich liebe es in Dokus, wenn Bewegungsprofile zu sehen sind, auf Deutschland- und/oder Städtekarten… Als hübsches Beispiel wäre da die TerraX-Reihe „Deutschland von oben“ zu nennen … Profile von Robben, Profile von in den Süden ziehenden Schwänen – ICH LIEBE ES ^^

  7. Aro sagt:

    Ich stelle mir die Auswertung bei dir so vor: Man sieht eine Sonne, von der Strahlen in alle Richtungen ausgehen. Und in der Mitte ist natürlich – der Ostbahnhof 😉
    Richtig?

  8. Bernd sagt:

    Was ein ATLAS ist, weiß ich schon in etwa, sei er auch noch so ausgefallen. Was es aber mit dem ALTAS auf sich hat, erschließt sich mir nicht. Zuerst dachte ich an einen schlichten Schreibfehler, aber daß ein solch hochgradig studiertes Team solch einen simplen Fehler gleich auf zwei Seiten einbaut ist doch eher unwahrscheinlich.

  9. Falcon030 sagt:

    Da im Fließtext aber schon wieder vom Atlas die Rede ist, vermute ich doch nur einen schöden Schreibfehler, wenn auch einen hochgradig studierten.
    Oder die wollen nur sicher gehen, dass man sie auch dann via Google findet, wenn man zum Verdrehen der Buchstaben niegt.

  10. Seismo sagt:

    Also ich würde mir so ein Teil nicht ins Taxi mitnehmen. Mit solchen Bewegungsprofilen kann das Finanzamt (sollte es an die Daten kommen) die Angaben deines Chefs komplett überprüfen. Ich weiss nicht (und wills auch nicht wissen) ob mein Chef alles ordnungsgemäß abrechnet, sollte es aber irgendwelche Diskrepanzen zwischen Abrechnung und tatsächlich gefahrenen KM bzw. Umsatz könnte er ev. Probleme bekommen. Auch wenn die Chance nur winzig klein ist, und ich auch nicht glaube dass er etwas dreht bei der Steuererklärung möchte ich dieses Risiko auf keinen Fall eingehen.
    Das mag jetzt etwas nach Verfolgungswahn klingen, aber da es heutzutage sogar schon möglich ist dass ein Schnellfahrer über Facebook „überführt“ wird, ist es einfach besser nicht immer alles komplett nachverfolgbar zu machen.

    Im Privatauto wiederum wärs mir egal. Da kann von mir aus jeder wissen wo ich herumfahre. 😉

  11. Sash sagt:

    @Aro:
    Vergiss nicht: Ich konnte das Auto mit heim nehmen. Ergo: Zwei Sonnen 🙂

    @Seismo:
    Ähm… dir ist schon klar, dass das Auto ein Taxameter hat?
    Ich hab echt nix dagegen, skeptisch zu sein. Ehrlich. Aber kannst du mir verraten, wie man aus den Daten, wo ich die Woche langgefahren bin, irgendwas rausfinden kann. Also abgesehen von, warte mal: Ach ja, wo ich langgefahren bin?
    Ich kann das Auto privat und geschäftlich nutzen, keiner weiss, wo ein Kunde ein-, bzw. ausgestiegen ist. Das alleine macht die Daten für alle an irgendwas unlauterem interessierten Personen nutzlos.
    Dass man besser auch mal keine Spuren hinterlässt: D’accord!
    Aber ich finde es gerade echt ein wenig nervig, dass beim Zauberwort GPS plötzlich alle aufspringen, wo ich seit einem Jahr so ein Teil mit mir rumtrage. Gut, das nennt sich Smartphone und man kann damit auch noch andere witzige Dinge machen – aber zusammen mit Handy, Navi und Taxameter bin ich doch schon längst in der Datensammler-Hölle 😉

  12. Joern sagt:

    Dann wollen wir nur mal hoffen, dass Du die private Nutzung des Fahrzeugs ordnungsgemäß als geldwerten Vorteil versteuert bekommst, denn dass Du es nutzt, steht jetzt hier, und wie oft, wäre in dem GPS-Profil ja auch erkennbar 🙂

    Generell gebe ich Dir recht: Man muss nicht immer paranoid reagieren, nur wiel irgendwo ein GPS verbaut ist.

    Allerdings kann ich auch Selsmos Finanzamts-Paranoia durchaus verstehen … es gibt Branchen, bei denen wird unterstellt, dass sie generell bescheissen (Gastronomie z.B. … ich habe mal Schriftverkehr im Rahmen einer Steuerprüfung bei einem Restaurant gesehen, da steht offen drin, dass bei dieser Lokalgröße die Anzahl Kellner nicht glaubwürdig ist -> also direkt X% Aufschlag wegen unterstellter Schwarzarbeit). Ich weiss nicht, wie das bei der Taxi-Branche ist, aber falls ja, wäre ich auch erstmal vorsichtig 🙂

  13. Jens sagt:

    Wobei ich mal anmerken möchte, dass zur reinen Positionsbestimmung via GPS kein Rückkanal genutzt wird. Das System muss dafür nur Signale empfangen und intern auswerten; damit kann es die Position bestimmen. Senden kommt erst ins Spiel, wenn man SmartTraffic oder ähnliche Sachen dazu nimmt.

    Wer also ein Billig-Navi mit sich im Auto hat, gibt damit niemandem seine Daten preis. (Und da die Dinger ja regelmäßig von diversen unabhängigen Stellen getestet und von Bastlern auseinander genommen werden, halte ich es für extrem unwahrscheinlich, dass in so einer Kiste versteckte Sende-Hardware drin ist. Mal angesehen davon, dass die bösen Jungs dann auch noch für den mobilen Datenverkehr daraus zahlen müssten.)

  14. Seismo sagt:

    Sash: Du hast schon recht dass auch ein Taxameter im Auto ist, aber die hier gespeicherten Daten werden von der Finanz nicht beachtet wenn die Abrechnung immer schriftlich gemacht wird. Das wurde in meiner Firma schon öfters bei Überprüfungen festgestellt. Ich weiß allerdings dass das Finanzamt schon mehrmals bei uns in der Zentrale war und sich die gespeicherten Fahrtenprotokolle ausdrucken ließ. Da wurde dann davon ausgegangen dass jedesmal wenn der Funk eines Fahrzeuges auf besetzt war eine Fahrt durchgeführt wurde. Da wurden keinerlei Pausen, Leerfahrten oder ähnliches berücksichtigt. Von diesen angenommenen Fahrten wurde mit einem Durchschnittswert von 9,- (ungefähr, weiß den genauen Betrag nicht mehr) auf den Umsatz rückgeschlossen.
    Ich glaube da ist es schon verständlich dass man bei uns die Bewegungen des Fahrzeugs nicht noch einmal von einem externen Gerät mitprotokollieren lassen möchte.
    Natürlich ist das etwas ganz anderes als ein Navigationsgerät.

  15. idriel sagt:

    @Joern

    Wie soll denn von den reinen Bewegungsdaten auf die private Nutzung geschlossen werden?

  16. Joern sagt:

    @idriel: Steht in den vorherigen Beiträgen schon drin:

    „Ich stelle mir die Auswertung bei dir so vor: Man sieht eine Sonne, von der Strahlen in alle Richtungen ausgehen. Und in der Mitte ist natürlich – der Ostbahnhof“ und als Antwort darauf von Sash: „Vergiss nicht: Ich konnte das Auto mit heim nehmen. Ergo: Zwei Sonnen“

    Jetzt kann man sich darüber streiten (oder vermutlich gibt es auch schon Urteile dazu), wo Sashs Arbeitsstätte ist. Wenn man z.B. einen beliebigen Taxi-Halteplatz annimmt (denn Sash wird, wenn er anfängt und keinen anderslautenden Auftrag hat, vermutlich dorthin fahren), wäre die Strecke dahin evtl. eine Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (und wenn er dafür ein Auto gestellt bekommt, das ein geldwerter Vorteil).

    Und selbst wenn nicht: Das Bewegungsprofil wird vermutlich auch die Uhrzeit enthalten. Wenn in Zeiten, in denen Sash nicht gearbeitet hat, fahrten zu sehen sind, bzw. in einem Zeitraum eben ausschliesslich Fahrten von seiner Wohnung und zurück (während eine normale Taxi-Bereitstellung i.S.v. auf-Kunden-Warten ja an anderen Orten stattfindet), dann denke ich schon, dass man da eine private Nutzung daraus erkennen kann.

    Für „nicht versteuerten Firmenwagen“ genügt schon der Verdacht, um sich da beim Finanzamt unbeliebt zu machen 🙂

  17. Sash sagt:

    @Joern und Seismo:
    Der entscheidende Punkt ist aber doch: Ich fahre von Zuhause (kann man hier nachlesen) zum Ostbahnhof (dass ich da oft stehe, kann man auch hier nachlesen). Hatte ich nun von Ampel 4 bis Ampel 15 vielleicht einen Winker an Bord?
    Ist das Einkommen nun 10 €, 5 € oder 0 €? Hab ich das Auto privat genutzt?
    Zweifelsohne kann man da viel vermuten. Sicher sagen können wird man es mit diesen Daten nie. Da ist immer Spielraum für Vermutungen und (Gegen-)Beweise, und folglich brauche ich mir weder meinetwegen, noch meiner Chefs wegen Gedanken darüber machen, dass da irgendwas seltsames herausgelesen wird.
    Ich glaube, ihr vergesst ein wenig, wie viel ich während meiner Arbeitszeit machen darf. Jeder Stopp könnte eine Ampel bedeuten, einen Fahrgastein- oder ausstieg. Aber auch eine Kaffeepause, einen Privateinkauf oder ein schnelles Telefonat am Straßenrand. Ein Kollege könnte mich dort nach dem Weg gefragt haben, ein Passant nach einem Preis. Vielleicht habe ich mich auch unerlaubterweise kurz dort bereitgehalten. Vielleicht hab ich auf einen Kunden gewartet, der kurz Geld an der Bank geholt hat. Vielleicht ist mir sogar das Auto liegengeblieben, oder ich hab im Stadtplan/Navi etwas gesucht…
    All das aber wird ein Gerät, das nur meine Position in Verbindung mit der Zeit aufzeichnet, nie nachvollziehen können. Die Bewertung für diverse Interessenten wäre aber eine jeweils ganz andere.
    Und Schwankungen bezüglich der Umsätze pro Kilometer z.B. sind sowieso in einer enormen Bandbreite gegeben. Selbst wenn meine Chefs irgendwelche krummen Dinger drehen – oder dies andererseits mir unterstellen würden – ist all das ohne Zusatzinformationen wertlos. Da muss ich mir wie gesagt wesentlich mehr Gedanken darüber machen, wann ich das Taxameter anmache, meine Schicht anmelde etc.

  18. Joern sagt:

    Hi Sash,

    „Der entscheidende Punkt ist aber doch: Ich fahre von Zuhause (kann man hier nachlesen) zum Ostbahnhof (dass ich da oft stehe, kann man auch hier nachlesen). Hatte ich nun von Ampel 4 bis Ampel 15 vielleicht einen Winker an Bord?“

    Ob Du einen Winker hattest oder nicht, ist egal.

    Wenn Du regelmäßig bei Schichtbeginn zum Ostbahnhof fährst, KÖNNTE man argumentieren, dass das Deine reguläre Arbeitsstätte dort ist. Demnach wären die Fahrten von Wohnung bis zum Ostbahnhof Dein Weg zur Arbeit -> und wenn der Arbeitgeber Dir dafür ein Auto zur Verfügung stellt, muss das versteuert werden.

    Dass Du auf dem Weg dorthin Winker aufsammeln kannst, spielt keine Rolle. Wenn mich auf dem Weg zu meinem Büro ein Kunde anruft (und ich beschliesse, direkt zu ihm zu fahren) oder wenn sich auf dem Weg kurzfristig etwas ergibt, dass ich an einen anderen Standort muss, ändert das nichts daran, dass mein Büro meine REGULÄRE Arbeitsstätte ist. Und genauso wäre es dann bei Dir auch.

    Ich bin der letzte, der sich hier auf Seite des Finanzamts schlagen will. Ich persönlich glaube auch, dass die Zuordnung „Ostbahnhof = Arbeitsstätte“ vor Gericht keinen Bestand hätte. Ich wollte auch nur sagen, dass Seismos „Paranoia“ so anwegig gar nicht ist und dass ich sicherlich solche GPS-Profile nicht unnötig dem Finanzamt zur Verfügung stellen würde.

    Wir sollten mal nicht vergessen, dass das Taxi-Gewerbe DEFINITIV in einem Punkt Steuern hinterzieht: Wenn ich dienstlich unterwegs bin und aus 12,80 z.B. 15 Euro incl. Trinkgeld aufrunde, bekomme ich darüber eine Quittung und setze 15 Euro auch bei der steuerlichen Absetzbarkeit an. Der Fahrer rechnet gegen seinem Chef (und der gegenüber dem Finanzamt) aber meistens nach nach Taxameter ab, und das zeigt 12,80 -> macht einen Steuerbetrug von über 10%. Das werden auch die Finanzämter wissen und darum sicherlich auch bei anderen Sachen genauer hingucken…

  19. Seismo sagt:

    Also das Problem mit den Rechnungen stellt sich bei uns nicht, da in Ö Trinkgeld (seit 3 oder 4 Jahren) prinzipiell steuerfrei ist. Daher zahlt der Chef ja eigentlich zu viel Steuer für diese Rechnung. Da wird sich die Finanz nicht aufregen.
    Sash, du hast sicher recht dass dir niemand nachweisen kann wann du wo einen Winker (bei uns heissts Einsteiger ;-)) hattest. Ich sage nur dass das Ganze so wie bei meiner Zentrale in Kombination mit Datenfunk und Fahrtenprotokollierung ein Problem sein kann (nicht muss!). Ich gehe auch davon aus dass nichts passieren wird wenn man das Gerät mit hat, aber ich denke mir einfach warum sollte man ein Risiko eingehen. Ich möchte allerdings hier betonen dass ich nicht glaube dass bei meinem Chef irgendetwas nicht passt bei den Abrechnungen, aber sollte irgendeine Kleinigkeit sein möchte ich keinerlei Hinweis dazu geben. Und ja, ich weiss es ist paranoid. *gg*

  20. Sash sagt:

    @Joern:
    Da steckt aber schon wieder sehr viel Vermutung dahinter 🙂
    Ein Taxi hat nunmal keine feste Arbeitsstätte. Und auch wenn ich auf dem Gebiet Laie bin: Ich glaube nicht, dass irgendwer das bei einem Firmen- und/oder Wohnsitz innerhalb des Pflichtfahrgebietes anders sieht. Schließlich ist auch der unbezahlte Teil meines Weges damit „Arbeit“. Da gibt es sicher Unterschiede im Vergleich zu weniger mobilen Geschäften.
    Und es bleibt dabei: Wenn ich zum Beispiel völlig idiotische 10.000 km verfahre, um 1,29 € Umsatz zu erzielen, dann müssen meine Chefs das schon aufgrund des Kilometerstandes und des Taxameterstandes so abrechnen. Das mag vielleicht nicht glaubwürdig sein, aber das müssten sie, egal ob ich einen GPS-Sender mit mir rumtrage oder nicht…
    Übrigens: Es ist zwar recht üblich, aber dennoch illegal, dass du die 15 € auf der Quittung bestätigt bekommst. Insofern ist das ein Fehlverhalten des Fahrers, und auch damit kein Problem, das sich irgendwie anders verschärft: Schon jetzt kann jeder Finanzbeamte im Prinzip nachschauen, ob zu der Zeit eine 12,80€-Fahrt oder eine für 15,00 gemacht wurde. Daran würde ein GPS-Gerät nix ändern. Und das war es, was ich meinte.

    @Seismo:
    Ich glaube, ich habe das ganz gut verstanden 🙂
    Aber bei aller Paranoia: Vielleicht bin ich jedes Mal nach einer tollen Fahrt über 10 Euro mit ausgeschalteter Fackel (wird im Taxameter nicht protokolliert) spontan 3 Runden à 10 km im Kreis gefahren. Ist absurd, trifft aber auf bestellte Fahrten, Heimweg etc. auch zu. Was kann man dann bitte daraus lesen? Das würde mich immer noch interessieren…

  21. Jens sagt:

    Ich hab‘ mir jetzt tatsächlich mal die Mühe gemacht und rungegooglet (obwohl null Ahnung von Jura habe und auf Steuersachen exremst allergisch reagiere). Das hier hab‘ ich gefunden:

    „Für Fahrtkosten eines Arbeitnehmers mit Fahrtätigkeit von seiner Wohnung zum Betrieb, Fahrzeugdepot, um sein Fahrzeug zu übernehmen, sind je nach Sachverhalt die Grundsätze für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder die Reisekostengrundsätze anzuwenden.“

    (Quelle: http://www.steuerlinks.de/steuerlexikon/lexikon/fahrttigkeit.html)

    Da gibt’s dann noch Ausführungen, wie die Fahrtkosten von der Wohnung bis zum Fahrzeug zu behandeln sind, weil das irgendwie mit der Art des Übergabeortes für das Fahrzeug zusammenhängt (Finanzbeamten-Wahnsinn…), aber für mich geht jedenfalls daraus hervor: Als Weg zur Arbeit gilt fürs Finanzamt der Weg von der Wohnung bis zum Auto. Ab dem Moment, wo Sash im Auto sitzt, ist er an seinem Arbeitsplatz angekommen. Nicht erst, wenn er am Ostbahnhof steht. Das sähe vielleicht anders aus, wenn der Wagen außerhalb des Pflichtfahrgebiets parkte, aber das ist ja hier nicht der Fall.

    (Disclaimer: Ich hab‘ beruflich nichts mit Gesetzen oder Steuern zu tun und interpretiere nur laienhaft das, was ich im Netz finde.)

  22. Jens sagt:

    Ups, bei dem Link hat WordPress die schließende Klammer mit zu einem Teil der Adresse gemacht. Das ist falsch. Der korrekte Link lautet:

    http://www.steuerlinks.de/steuerlexikon/lexikon/fahrttigkeit.html

    (@Sash: Wenn Du magst, kannst du den obigen Link korrigieren und dann das hier löschen.)

  23. Seismo sagt:

    Sash: Naja, ein normaldenkender Mensch liest da nix raus. Aber wie das Beispiel mit der Kontrolle in der Zentrale zeigt ist mit Sicherheit irgendwas dran, denn nicht umsonst lässt sich das Finanzamt die Protokolle aller Fahrzeuge ausdrucken um sie zu kontrollieren. Dass es dann zu so haarsträubenden Dingen kommt dass jede Besetzt-Meldung als Fahrt gerechnet wird ist klar. Wir gehen (so wie vermutlich alle mit Datenfunk) aber oft mal auf Besetzt. Ist ja lästig immer wieder Aufträge zu bekommen wenn man mal aufs Klo muss oder Kaffee trinken ist.
    Die Höhe ist dann noch der angenommene Durchschnittswert für eine Fahrt von rund 9 Euro. Wir würden uns wohl alle freuen wenn das realistisch wäre im Stadtverkehr.

  24. Sash sagt:

    @Jens:
    Hmm… so langsam wird es absurd 🙂
    Ich hab inzwischen ein bisschen den Faden verloren, worum es eigentlich ging. Du meinst also, dass man jetzt theoretisch erkennen könnte, dass…?
    Man weiss doch immer noch nur, dass das Auto irgendwo war. Wann hab ich denn das GPS-Teil ausgemacht und angeschaltet? War meine Fahrt da zwingend schon zu Ende?
    Ich will ja nicht bestreiten, dass man sich lustige Gedanken zu der Route machen kann. Aber das war es dann auch. Also für jeden rechtlichen Ärger, den ich oder meine Chefs wegen einer lückenhaften Beschreibung meiner Fahrtwege bekommen, würde ich nicht mal einen Anwalt bemühen…

    @Seismo:
    Aber es ist immer noch ein unnützer Satz Daten. Man könnte sicher gewisse Rückschlüsse ziehen, wenn man zusätzlich das Taxameter ausliest. Aber zum einen müsste das erst einmal jemand machen und zum anderen ist das immer noch nichts mit Hand und Fuß, sprich: mit rechtlichem Wert.
    Meine Taxameterdaten sieht nur mein Chef. Der darf auch ruhig sehen, wo ich überall langgegeurkt bin in den zwei Wochen. Aber selbst dem wäre eine Rekonstruktion zweifelsohne zu blöde (wenn er überhaupt die Zeitwerte des Taxameters mit ausliest – weiss ich jetzt gar nicht).

  25. Jens sagt:

    @Sash: Ich hab‘ nur Argumente für Deine Position geliefert. Sag einfach: „Na bitte, hab‘ ich doch die ganze Zeit gesagt.“ 😉

  26. idriel sagt:

    @Jens

    Genau! 🙂

  27. […] Da hatten wir so was ähnliches wie schönes Wetter in Berlin. Damals bin ich zwei Wochen lang mit einem GPS-Gerät durch die Hauptstadt gegurkt, um bei einem sehr interessanten Buchprojekt ein bisschen zu […]

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