Seltene Bezahlungen

Den Kunden geht’s wie mir: Sie können den aktuellen und noch etwas neuen Tarif noch nicht einschätzen. Und der Kunde, der mir so schnell ans Auto gesprintet kam, um mich dann zu seinem etwas weiter weg geparkten Fahrzeug zu lotsen, guckte am Ende für eine Sekunde sparsam, als ich 7,90 € als Preis ansagte. Denn er hatte sich schon etwas Kleingeld zurechtgezutzelt, kam damit aber nur auf 7,30 €.

Aber dann meinte er kurz entschlossen:

„Ach, dann gebe ich Dir einfach zehn und gut ist.“

Ich könnte Euch jetzt dreimal raten lassen, wie er das dann getan hat, aber auf Anhieb würde vermutlich niemand drauf kommen. Deswegen erspare ich mir dieses sadistische Spielchen und antworte gleich: Mit einer 10€-Münze:

Auch'n Zehner (Zweier nur zum Vergleich), Quelle: Sash

Auch’n Zehner (Zweier nur zum Vergleich), Quelle: Sash

Gut, wie selbst ein Nicht-Profi erkennt, ist die Münze nicht mehr in sammlertauglichem Zustand – also warum sie nicht einfach als das Zahlungsmittel einsetzen, das sie auch ist? Der Silberpreis ist wider Erwarten nach 2011 auch nicht weiter gestiegen, so dass einem auch das Einschmelzen keinen Gewinn verschaffen würde. Da Münzen nicht so mein Steckenpferd sind, wird die Münze also auch bei mir wohl relativ schnell wieder verschwinden.

Ist aber auf jeden Fall ein cooler Taxi-Notgroschen, muss ich schon mal sagen. Und meine erste Gedenkmünze im Taxi, soweit ich mich erinnere.

PS:
Wegen Falschgeld war das einerseits hoch gepokert (Wer kennt schon die Gedenkmünzen?) andererseits aber auch nicht (Wer fälscht schon unbekannte Münzen mit relativ niedrigem Wert?).

Sommertrinkgeld 2

Diesmal war’s etwas spartanischer:

"Wasser? Im Wasser vögeln die Fische!" Quelle: Sash

„Wasser? Im Wasser vögeln die Fische!“ Quelle: Sash

Auch die „Überreichung“ fiel ruhiger aus. Mit müder Stimme nuschelte mein Fahrgast:

„Ich lass‘ ne Flasche Wasser da. Ist noch zu, schmeckt auf jeden Fall.“

Man muss es ja auch nicht übertreiben mit netten Worten. 🙂

PS: Ich hab das polnische Apfelbier aus dem letzten Eintrag eben probiert. Und bei aller Skepsis gegenüber Bier-Mischgetränken: Holy Shit, was ist das für ein geiles Gesöff!? Zugegeben: Ein bisschen arg süß ist es, aber dank des Bieres eben auch herb. Schmeckt also wie irgendwas in Richtung „saure Apfelringe“. Die 4,5 Umdrehungen merkt man dem Zeug nicht an, ganz ehrlich. Ziemlich Alkopop-mäßig. Aber LECKER!

Das mit dem Alkoholgehalt überprüfe ich gerne auch, falls mir mal wer eine Palette des Zeugs zukommen lässt. Ich twittere dann auch den Abend live, versprochen. 🙂

Für heute ist es mit dem einen aber auch gut, schließlich geht’s heute Abend wieder auf die Straße!

Sommertrinkgeld 1

Die vergangene Woche war heiß. Da gab’s dann auch mal Trinkgeld im überwörtlichen Sinne. Sehr schön – wobei? Ich hab’s noch nicht probiert! – war das hier:

Polnisches Apfelbier – öfter mal was neues … Quelle: Sash

Öfter mal was neues … Quelle: Sash

Polnisches Apfelbier ist das. Wurde mir regelrecht aufgenötigt von ein paar Kerlen, die mich anschließend dreimal ermahnten, es nicht während der Arbeit zu trinken. Das gab es im Übrigen zusätzlich zu einem Euro Trinkgeld auf eine läppische Kurzstrecke. Sehr schön, sowas. Seit dem Fototermin eben liegt die Dose im Kühlschrank. Ich bin wirklich gespannt. 🙂

„Da kann man durchfahren!“

Ich sollte die Jungs zu einem Hotel in der Augsburger Straße bringen. Da war ich zwei Wochen zuvor das letzte Mal, weswegen ich äußerte, dass ich nicht sicher sei, ob ich durch die Augsburger direkt durchkäme. Was auch kein Problem sein sollte, ich hätte quasi ohne Umweg über die Joachimsthaler ans Hotel ranfahren können. Das Wendeverbot dort würde ich nicht das erste Mal ignorieren …

Aber die Kundschaft war sich mehr oder minder sicher:

„Nee, da sind wir vorher mi’m Taxi durchgefahren. Ja, doch, das ist in die Richtung sicher offen!“

Da hab ich dann auch gesagt, dass ich seit zwei Wochen nicht mehr da war und am Ende waren wir uns einig, dass ich es versuchen sollte. Und dann:

Augen zu und durch, sag ich mal! ;) Quelle: Sash

Augen zu und durch, sag ich mal! 😉 Quelle: Sash

Die Enttäuschung war nicht groß, die Jungs wollten den Rest einfach laufen. Ich musste jedoch süffisant anmerken:

„Also ganz ehrlich: Da kommt wirklich keiner durch. Nicht mal meine Kollegen, obwohl ich manchen da einiges zutraue …“

😉

Manche Umwege sind Fête!

Das letzte Wochenende hatte es in sich. Gerade am Sonntag schlug die Fête de la Musique voll zu und die Umsätze waren bombig. Zum einen natürlich, weil so viele Menschen auf der Straße waren. Zum anderen aber natürlich auch wegen der durch Straßensperrungen notwendigen Umwege. So auch bei einer meiner Lieblingstouren.

Kürzester Weg mal anders. Quelle: osrm.at

Kürzester Weg mal anders. Quelle: osrm.at („Zwischenziele“ sind nur aus technischen Gründen eingefügt)

Bei solchen Fahrten sind Kunden schon gerne mal genervt. Natürlich zu Unrecht, aber so sind wir Menschen halt. Diese jedoch … Fehlanzeige!

„Ach, kannst‘ ja nix dafür. So wär ick auch jefahren …“

Unterwegs haben sie mal eben eine Pizza nach Hause bestellt und mir am Ende fast 20% Trinkgeld gegeben. So dürfte sowas immer laufen.

PS: Sorry, dass ich gerade so wenig hier bei GNIT mache. Ich plane (und mache) nebenbei noch ein neues Projekt, das kostet etwas Zeit. Ich werde aber beizeiten berichten, keine Sorge! 🙂

Wenn Fahrgäste mal RICHTIG Panik kriegen

Die drei betrunkenen Briten waren eigentlich guter Laune, aber plötzlich tippte mir der Beifahrer hektisch auf die Schulter und meinte, dass wir Probleme mit dem Auto hätten und nestelte panisch an seinem Sicherheitsgurt. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden und folgte seinem angsterfüllten Blick auf die Mittelkonsole und musste mich beherrschen, nicht laut loszulachen.

Der Zufall war einfach zu genial. Ich muss da kurz ein wenig ausholen …

Ich höre gelegentlich zur Entspannung Musik im Auto und das tue ich manchmal auch, indem ich mich aus meiner CD-Sammlung zu Hause bediene und ganze Alben mitnehme. Da die Anzeige gerne mal Fragen aufwirft, sehe ich inzwischen aber zu, dass ich wenn Kunden einsteigen nicht nur wie immer die Musik leise mache, sondern auch auf Radio als Quelle switche. Das hatte ich dieses Mal vergessen. Die CD hatte CD-Text, und dabei zeigt das Radio nur selbigen, keine Titelnummer oder ablaufende Zeit an. Das lautlos vor sich hindudelnde Album war die gute alte Americana von The Offspring und wir waren bei Titel 10 angekommen. Die Angst des Fahrgastes lässt sich somit ganz gut nachvollziehen:

In der Tat eine, ähm, missverständliche "Warnmeldung". :) Bild später nachgestellt, Quelle: Sash

In der Tat eine, ähm, missverständliche „Warnmeldung“.
Bild später nachgestellt, Quelle: Sash

Ich überlege gerade, ob ich mir einen Sampler mit fehlinterpretierbaren Titeln zulegen sollte … Vorschläge für Lieder? 😀

Fump, weg ist das Licht!

Die Sonnenfinsternis hatte es nicht geschafft, die Nacht dann doch.

Stromausfälle sind jetzt an sich nichts überragend berichtenswertes, würde ich eigentlich sagen. In erster Linie sind sie furchtbar nervig für alle Betroffenen. Als Autofahrer jedoch mal einen von außen zu betrachten, hat dann aber wiederum einen erstaunlich eigenen Flair. Es hat so ein bisschen was von Naturschauspiel. Und ich stand wirklich an geeigneter Beobachterposition heute Nacht.

Ich hatte einen Kunden an Bord, der in die Voigtstraße nach Friedrichshain musste, und wir näherten uns seiner Heimat vom Alex aus. Am Frankfurter Tor stand ich an der Ampel Richtung Osten, als plötzlich auf der linken (nördlichen) Seite der Frankfurter Allee alle Lichter ausgingen. Fump. Da ich mich im Verkehr nicht unbedingt auf die Straßen- und Hausbeleuchtung konzentriere, hab ich erst einmal auch nur so ein What-the-Fuck-irgendwas-hat-sich-gerade-verändert-Gefühl gehabt – aber nach ein paar Metern war klar: Da liegen mehrere Hausblöcke im Finsteren, unter anderem der meines Fahrgastes.

Und mal ganz ehrlich: Die Dunkelheit einer Neumondnacht bei völlig ausgeschalteter Beleuchtung innerhalb der betroffenen Viertel ist schon beeindruckend dunkel für Stadtgemüse wie mich. Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn es als Reaktion nicht gleich ein spontanes Feuerwerk, angeblich auch noch eine Spontandemonstration und – das war das einzige was ich letztlich mitgekriegt habe – eine Menge behelfsmäßiges Blaulicht gegeben hätte. Diese Stadt könnte man sich nicht ausdenken, wenn es sie nicht bereits gäbe. 😉

Mein fotografisches Zeugnis ist zwar ausgesprochen mangelhaft, aber immerhin etwas:

Die Frankfurter Allee gen Osten, 21.3.15, 3:50 Uhr. Quelle: Sash

Die Frankfurter Allee gen Osten, 21.3.15, 2:50 Uhr. Quelle: Sash