Vom Draußen und Drinnen

Die letzte Zeit gab’s bei GNIT nix zu lesen und das hatte einen einfachen Grund: Ich habe kaum gearbeitet. Zum einen, weil es einer der erbärmlichsten Januare seit Beginn meiner Aufzeichnungen zu sein scheint, zum anderen weil ich die letzte Woche deutlich mehr damit beschäftigt war, mir das Rauchen abzugewöhnen. Da sind Taxistände in den ersten drei Tagen nun wirklich nicht gerade die versuchungsärmste Umgebung, das würde ich also niemandem empfehlen. 😉

Andererseits muss man ja auch nicht mehr so viel aussteigen, wenn man nicht raucht. Und genau zum Aussteigen hatte dann ein mir bis dato unbekannter Kollege die Story des Wochenendes geliefert, als ich mal für ein paar Stunden sowas wie Arbeit imitiert habe. Er kam am Stand gleich auf mich zu und meinte:

„Ist Dir das auch schon passiert, dass sich dein Auto abgeschlossen hat, obwohl der Motor läuft?“

Äh, nein?

Und ich habe definitiv viel Übung darin, das Auto mit laufendem Motor stehen zu lassen und auszusteigen. Im Falle des Kollegen war’s ein Zafira Tourer, also das Nachfolgemodell von meinem. Hab also noch geschätzt 250.000 km Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Dann aber sollte ich das, denn eines hab ich jetzt schon gemerkt: Mir ist auch als Nichtraucher nach gelegentlichem Aussteigen. Frische Luft, Beine vertreten, diese Geschichten. Soll ja auch gesund sein.

Floskelgrenzen

Wenn alles ohne Probleme läuft, kommt man als Taxifahrer ja meist mit vielleicht 10 immer gleichen Sätzen durchs Leben mit den Kunden. Man hat fast alle nur für wenige Minuten im Auto, da reicht eine nette Begrüßung, ein Kommentar übers Wetter, einer zum Zielort und/oder der Strecke, ein netter Joke zum Abschied und ein Danke fürs Trinkgeld. Und wenn man das alles fünf Minuten später einem anderen Kunden wortgleich erzählt, wird er’s wieder für eloquent und persönlich halten. Aber natürlich: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aber es gibt so Sprüche, da käme man nicht im Traum drauf, dass man damit irgendwann mal falsch liegen könnte. Einer meiner Lieblinge ist zum Beispiel das bekannte „auch nur mit Wasser kochen“, das ich gerne bemühe, wenn ich wegen einer Straße nochmal nachfragen oder das Navi einschalten muss. Hört sich dann etwa so an:

„Oh, damit haben Sie mich erwischt. Aber wir Taxifahrer kochen halt auch nur mit Wasser, ich hab natürlich nicht alle Straßen in Berlin immer richtig sortiert im Kopf.“

Das kommt immer gut an. Ein kleines Eingeständnis von Schwäche, aber in sympathisch und ohne irgendwas großes draus zu machen. 90% äußern Verständnis, 9,999% nicken wenigstens stumm. Und dann hatte eine Kundin neulich allen Ernstes eine andere Antwort:

„Wissen se, dit passt jar nüscht für mich.“

„Was?“

„Na hier, mit de Wasser. Ick koch mit Wasser höchstens Nudeln. Allet andere mit Wein, Bier oder Milch. Und eins von den‘ jeht imma!“

Ich hab gar nix dagegen, die oben genannte Floskel- und Smalltalk-Ebene zu verlassen. Aber darauf ist mir auch nix mehr eingefallen. 🙂

Müll und so

Dass im Taxi auch mal Müll liegen bleibt, ist an sich ja normal. Um ehrlich zu sein, verstehe ich es nicht, da ich eher so der Typ bin, der zwar Montag früh ein Wochenendbier in der Straßenbahn öffnet, aber regelmäßig die dabei anfallenden Kronkorken zu Hause aus der Tasche entsorgen muss. Aber andere sind da anders und empfinden z.B. das Neben-den-Mülleimer-Stellen einer Bierflasche als so anstrengend, dass sie das lieber den Taxifahrer erledigen lassen.

Und auch wenn ich das Auto regelmäßig durchsehe: Direkt bei Fahrtende steige ich schon verkehrsbedingt nicht immer aus und wenn dann was in den Seitentaschen der Türen z.B. landet, sehe ich es schlicht nicht.

Dass ich selten darüber schreibe, liegt aber durchaus daran, dass auch die Fahrgäste da in den letzten Jahren besser geworden zu sein scheinen. Zeitung, Konfetti, Gurke, eigentlich alles Schnee von gestern. Hier mal eine abgelaufene Fahrkarte, dort mal ein Stadtführer.

Und dann stelle ich nach einer fast absolvierten Schicht beim Rauchen vor dem Auto fest, dass jemand von hinten an meiner Kopfstütze ein Armband befestigt hat. Offenbar von der AOK, wenn man dem Branding glauben schenken will. WTF?

Beim Abnehmen des Teils hab ich dann festgestellt, dass es sogar Special-Effekt-tauglich ist:

PS: Entschuldigt die Video-„Qualität“. Das ist das erste Youtube-Video seit 5 Jahren und ich hab’s spontan und ohne weitere Einstellungen mal kurz mit dem Handy gemacht.

Naja, immerhin höflich …

Eine Kurzstrecke, nicht gerade Zeit für tiefgehende Gespräche. Und wir waren immerhin schon soweit, dass meine Kundin, die meine Dienste spät nachts mit Luftballons in der Hand in Anspruch nahm, loswerden konnte, dass und warum sie unsere Kanzlerin mag, das mit der erneuten Kandidatur aber trotzdem kritisch sehen würde. Und dann:

„Aber wir müssen nicht über Politik reden, schlag Du mal ein Thema vor! Was interessiert Dich? Aber nicht Musik, da kenne ich mich nicht aus, obwohl: Belehr mich eines besseren!“

„Ähm, uff.“

„Was ist gerade dein Lieblingssong? Also nicht all-time, jetzt gerade!“

„Das ist ja noch schwerer! Ich bin gerade bei Musik nicht so …“

„Na, na, na, Du bist Taxifahrer. Du hörst die ganze Nacht Radio.“

„Ähm, also … ich will jetzt nicht noch langweiliger wirken als ich ohnehin bin, aber wenn ich Radio höre, dann Inforadio.“

„Ach komm, Du bist nicht langweilig! Du … Du trägst ’ne interessante Mütze zu einem interessanten Bart.“

0.0

PS: Ich hab’s am Ende noch geschafft, Pluspunkte zu sammeln, weil ich bei ihrem Kurz-Quiz „Kennst Du mehr deutsche Bundeskanzler als Kardashians?“ erfolgreich zugunsten der Kanzler abgeschnitten habe.

Receipts and wishes

Ein ziemlich bekiffter Engländer für eine kurze Winkertour. Soweit normal. Etwas lustig wurde es am Ende bezüglich der Quittung:

„Oh, can you give me a receipt?“

„Of course. Do you need start and ending point on it?“

„No, no. But … could you make it like 7.000 €. Maybe from here to, I don’t know, Istanbul?“

„No, I cannot. And by the way: Who the hell would give you the money back for such a ride?“

„Don’t know. Some fool maybe.“

Maybe. 😉

OK? Sicher. Obwohl, wer weiß es schon?

Winker am Schlesi. Super!

Ich lenke das Taxi auf die rechte Seite und öffne das Fenster, denn der potenzielle Fahrgast scheint mich etwas fragen zu wollen. Er wirkt nicht mehr ganz nüchtern, aber es ist Samstag Abend, meine Ansprüche sind da nicht eben hoch. 😉

„Sag mal, isses ok, wenn … ok?“

„Was ist ok?“,

fragte ich mal schnell zurück.

Und die Frage, die war dem Kerl dann zu viel und er hat wütend abgewinkt und mir den Eindruck vermittelt, ich hätte gerade seine Mutter beleidigt, sein Kätzchen ertränkt und nebenbei auf sein Mettbrötchen ejakuliert. Ich hab’s wie immer in solchen Fällen sportlich genommen und dann eben den nächsten Winker anderthalb Kilometer weiter eingesackt.

Das Dumme an solchen Aktionen ist aber: Ich will jetzt eigentlich immer noch verdammt gerne wissen, was er eigentlich wollte! 🙁

Macht korrumpiert

Lautes Gegacker von der Rückbank am frühen Morgen. Ob die Party nun vorbei oder pausiert ist, ja sogar, ob sie überhaupt je gestartet war, darüber herrschte rege Uneinigkeit. Es kam, wie es kommen musste:

„Ey, dann soll doch der Taxifahrer entscheiden, wo wir hinfahren!“

„Mache ich ungern, aber wenn Ihr mir sagt, was Ihr wollt, fällt mir vielleicht was ein.“

„Unssis alles scheißejal! Enscheide, abba schnell, Schnucki!“

„Ach, dann hätte ich eine nette kleine Bar im Angebot, in der gerne Punkrock gespielt wird und die auch sicher kurz nach unser Ankunft dort im Stuttgarter Osten öffnen würde.“

„Ach, Du bis doof!“

‚N Scheiß bin ich! Aber ja, ich würde gerne mal wieder im Bonnie aufschlagen und bei der Gelegenheit meine Familie ums Eck sehen. Ich wäre ja  bescheuert, würde ich bei Ausgehtipps nicht auch eine kleine persönliche Note mit einbringen. Von wegen Authentizität und so. 😉

PS für alle Stalker: Auf der Website vom Bonnie findet man ein nicht sehr vorteilhaftes Foto von mir binnen dreier gezielter Klicks. Und dort bei einem Stuttgart-Besuch aufzuschlagen, empfehle ich ohnehin jedem und jeder halbwegs Interessierten. Ganz im Ernst, ohne dabei die 1000 € Umsatz im Kopf zu haben, die mir die Fahrt im Taxi bringen würde.