„Dezent“ fehlgeleitete Kunden

Der Typ mit der Grüne-Knöpfchen-Schwäche war noch nicht einmal beim Türsteher des Puffs, da winkten gegenüber bereits zwei neue Fahrgäste für mich. Also welche, die offensichtlich aus genau jenem Laden gekommen waren. Und da ist man als Taxifahrer ja nicht wählerisch.

Ob ich sie zu ihrem Hostel in Mitte bringen könne? Na, sicher. Aber wenn sie schonmal bei mir im Auto säßen: Ob ich nicht vielleicht einen besseren Club kennen würde als diesen hier, der sei scheiße, sie wollen tanzen.

WTF?

„OK, guys, just to be sure here: You’re searching for a music club? Just party and dancing, not a night club with prostitutes to fuck with?“

Ich hätte es sicher auch netter ausdrücken können, aber wenn einem zwei junge Kerle in Muscle-Shirts im Auto sitzen, die sich über die schlechte Mucke in einem Flatrate-Puff beschweren, dann könnte ja alles passiert sein. Und ich hatte nicht Unrecht: Die beiden wollten tanzen gehen und irgendwer (womöglich Kollegen) haben das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal falsch interpretiert. Vor dem Flatrate-Puff waren sie nämlich im KitKat gelandet, das vielleicht nicht wirklich wie von ihnen vermutet zu 100% gay ist (wobei ich nicht weiß, was an dem Abend für eine Party dort war), aber zumindest mal bekannt für seine Fetisch-Parties, was trotz erkennbarer Toleranz der beiden jetzt halt auch nicht unbedingt das ist, was man erwarten würde, wenn man einfach mal zu guter Musik chillen will. Ich gebe ja zu, ich konnte mich in dem Moment nicht zwischen Mitleid und lautem Loslachen entscheiden. 😀

Ich hab sie am Ende für weniger als 10 € zum 40 Seconds gebracht. Keine Ahnung, was dort an dem Abend gespielt wurde, keine Ahnung, ob es nun wirklich noch eine richtig geile Partynacht geworden ist. Ich hab ihnen auch gesagt, dass ich ihnen keine Versprechen machen will, nur, dass ich ganz sicher den bisher besten Tipp an dem Abend gegeben habe. Aber da konnte ich nach dem Vorspiel auch nur schlecht was falsch machen! 😀

Wortfindungs … äh, -Dingsbums

„Wo ist denn dein Tempomat?“

„Äh … wieso?“

„Na, Du bist doch Taxifahrer?“

„Du meinst das Taxameter?“

„Äh, ja.“

„Hier oben.“

Tss! Ich zeige Kunden doch nicht meinen Tempomat. Den zu entdecken hat mich schließlich selbst über zwei Jahre gekostet! 😉

Wenn’s so richtig schief läuft

Ich hatte eine paar Runden durch den Osten der Stadt gedreht und dank mitternächtlichem Starkregen kam dabei am Ende sogar sowas ähnliches wie ein normaler Schichtumsatz raus. Der Anfang war nämlich eher mies gelaufen. Nun aber hatte ich seit rund fünf Kilometern nix mehr zu tun und obwohl es vergleichsweise früh war, steuerte mein Auto wie von Zauberhand in Richtung Heimat.

Am S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße stand dann ein Typ im Regen, die Augen aufs Handy gerichtet, ein paar LP’s in der Hand. Der wird doch hoffentlich … und zack, war die Hand von ihm oben! Nice.

„Abend. Wo darf’s denn hingehen?“

„Steglitz.“

WTF?

In jedem anderen Bundesland landet man mit so einer Strecke in einer Nachbarstadt. Ich hab mir ganz ehrlich sogar „Scheiße!“ gedacht, weil mir eine Tour für 10 € ums Eck eigentlich viel besser gepasst hätte. Aber gut, nun also Steglitz. Auch mit dem Preis war er erst einmal zufrieden und ich will auch gar nicht auf seine halblebigen Feilschereien gegen Ende der Fahrt hin eingehen. Er hat den Preis auf der Uhr zuzüglich eines kleinen Trinkgelds gezahlt, damit ist gut. Nein, viel interessanter war ja die Frage, wie jemand aus Steglitz mit drei Punkrock-Platten nachts in Marzahn landet.

Und wie erwartet: Er hat’s wirklich rausgehabt!

Er war im Cassiopeia bei einem Konzert. Im Glauben, von dort mit der S2 heimzukommen (was auch Blödsinn ist) ist er in die S7 Richtung Ahrensfelde gestiegen und hat sich dann etwas gewundert, dass das nicht so ganz geklappt hat. Und nicht nur das: Er hat auch noch die letzte Bahn erwischt, nach der folglich keine mehr zurück wenigstens in Richtung Innenstadt fährt. Ist natürlich ein unschönes Tagesende, unfreiwillig 40 € im Taxi liegenlassen zu müssen, aber  bis wir bei ihm waren, hatte ich ihn immerhin soweit, dass er wenigstens froh war, dass ich gerade vorbeigekommen bin und er nicht auch noch 20 Minuten auf ein bestelltes Taxi warten musste. Was durchaus hätte passieren können.

Dass das für mich eine Spitzentour war, brauche ich jetzt ja nicht gesondert erwähnen, oder? 😉