300.000 + 30

Ja, nun hat sie es also geschafft, meine gute alte 1925:

„Der Wagen ist noch recht neu, oder?“ Quelle: Sash

Allerdings hab ich dank über einer Woche Urlaub den Moment verpasst, in dem mein Opel die 300.000 km endlich zusammengekriegt hat. Ich kann ja feiern, wenn er die auch laut Taxameter geschafft hat. Das zeigt bisher nämlich nur 295.000 an. Naja, anzeigen tut es nur 95.000, da es gar keine 6 Stellen hat 🙂

Nach einer Woche wieder arbeiten ist komisch, aber dank des Interviews zu Beginn war es nur eine kurze Schicht, die dank Gewitter aber auch ganz gut lief. Wenn ich einen Lieblingsmoment bestimmen müsste, dann war es der, als ich als einziges Taxi am Ostbahnhof vorgefahren bin und ein Kunde schon bereitstand. Perfekt wurde das alles, als er sagte:

„Wir fahren nach Erkner!“

30 Kilometer auf einmal. Und vor allem 40 €. Das Wetter war allerdings auch mies. Damit es nicht nur all meine Social-Follower sehen können, verlinke ich das Gewitter-Video von mir auch hier nochmal: Gewittah!!!

So, jetzt muss ich nur noch die paar Tage bis zum Monatswechsel durcharbeiten, und dann wird alles gut 🙂

Hund vs. Taxi

„Sagen sie, darf der kleine Egon bei ihnen auch mitfahren?“

Egon? Egon.

Glücklicherweise war es nicht ihr Enkel, dem irgendwer diesen Namen verpasst hat, sondern ihr Hund. Egon war tatsächlich nicht der Größte, ich vermutete, einen Hund in der Größe bekommt man nur nach Kreuzungen mit Zwergmäusen. Von der ständigen Gefahr beseelt, Egon könne als Fußhupe missinterpretiert werden, trug sie ihn in ihrer Handtasche, selbst ein eher kleines Modell, spazieren. Und nun sollte der Hund mit ins Auto. Also in mein Taxi.

„Selbstverständlich! Sie dürfen ihn auch ruhig aus der Tasche lassen. So lange er das Autofahren verträgt…“

„Nein nein, Egon fährt immer in der Tasche. Die mag er doch so!“

Die ältere Dame wirkte ziemlich erleichtert und äußerte das durch erleichtertes Ausatmen lautstark.

„Wissense, ihre Kollegen sind da manchmal gar nicht so nett…“

Das ist schade. Aber Hunde sind ein in der Tat ziemlich seltsames Thema beim Taxifahren. Zunächst einmal: In der Taxiordnung steht über die Beförderung von Tieren erst einmal nichts, bzw. es steht nur darin, dass ich selbst als Taxifahrer keine Tiere mitführen darf. In der BOKraft findet sich dann immerhin eine Aussage zum Gepäck, wonach Tiere nicht auf einem Sitzplatz untergebracht werden dürfen. Ob und wie weit es uns erlaubt ist, Fahrten mit Hunden im Taxi abzulehnen, ist ausnahmsweise mal nirgends geregelt.

Ich kann mich also nicht auf Gesetze berufen, nehme aber an, dass hier die allgemeine Grenze der Beförderungspflicht greift: Wenn wir als Fahrer eine Gefahr für uns oder unser Auto sehen, dann dürfen wir die Fahrt ablehnen. Im Falle kleiner Hunde wie Egon wird das wahrscheinlich nur mit einem Verweis auf eine vorliegende Allergie oder dergleichen möglich sein.

Andererseits sind auch Taxifahrer Menschen und haben vielleicht Angst vor Hunden. Und leider sind wirklich nicht alle Hunde wohlerzogen und im Auto ruhig oder stubenrein.

Ich selbst hab kein Problem mit Hunden, solange sie friedlich erscheinen und die Halter mir versichern, dass sie das Auto nicht als Notfalltoilette benutzen werden. So weiss ich auch, dass ein ausgewachsener Rottweiler prima im Beifahrerfußraum Platz zwischen Frauchens Beinen hat und Egon wirklich keine Gefahr darstellte. Zum Abschluss musste er mir dann noch ganz brav Pfötchen geben – hat man als Taxifahrer auch nicht alle Tage.

Dennoch: Ich empfehle, dass man zur Beförderung von Hunden ein Taxi bestellt und das ausdrücklich mit angibt. Dann gibt es auch keine bösen Überraschungen.

Hundeblick

Ich glaube, Tom Gerhardt war es, der vor mindestens 20 Jahren einen strunzdummen Witz machte und über die „Eingeborenen in Mallorca, Spaniel oder so“ etwas sagte. Dass sich dieser Spruch irgendwie in meinem Gedächtnis halten konnte, liegt ausschließlich seinem unterirdischen Niveau. Dass er aber aus meinem Unterbewusstsein wieder hervorgepurzelt ist, hatte ich einer Truppe junger Spanier zu verdanken. Und eben einem Hund.

Die Spanier hab ich an meiner Stammhalte am Ostbahnhof mehr oder minder aufgesammelt. Es war eine fünfköpfige Gruppe, eine von denen die auf meine Aussage, ich könne schon fünf Leute mitnehmen, sofort zu viert auf die Rückbank springen. Ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob es nicht sogar alle fünf waren. Das Spiel ist jedes Mal dasselbe: Ich warte ein paar Sekunden, bis sie ihre Beine sortiert haben, setze ein nettes Grinsen auf und verlange, dass alle wieder aussteigen. Anders kann ich nunmal nicht an den Zusatzsitz ran…

Sonderlich auffällig verhalten haben sie sich nicht. Sie wollten zum Weekend, und als ich ihnen gesagt habe, dass das auch mit dem letzten im Bunde unter 10 € bleibt, war ich sowieso der Held des Tages. Normalerweise setzen so große Truppen den größten Töffel ganz nach hinten, damit er ein bisschen an der Rückbank rumkauen kann, wo ich es nicht sehe (nicht lachen, ich hab tatsächlich mal ein wenig Sabber und sowas ähnliches wie Zahnabdrücke dort gefunden!), aber nicht diese. Die haben den größten Töffel direkt neben mich gesetzt, wo der junge Mann ein eindrucksvolles Studienobjekt für mich abgab.

Wieviel seiner Aussagen letztlich sinnvoll waren, kann ich als nicht spanischsprachiger Mensch nur bedingt beurteilen, aber schon seine insgesamt 3 Minuten Lebenszeit kostende Rechnung, wieviel jeder nun zu zahlen hätte (Wir erinnern uns: 5 Leute, 10 Euro…) wies mir in etwa den Weg bei meiner Beurteilung. Mit der Frage

„You’re really a cabdriver?“

hat er sich nicht gerade aus dieser Schublade befreien können, in die ich ihn vorschnell einsortiert hatte. Als wir dann die ersten Ausläufer des Alexanderplatzes in Sichtweite hatten, kam zusätzlich der Hund ins Spiel. Der befand sich im Kofferraum eines Autos vor uns und stand dort auch bei einem Ampelstopp träge in der Gegend herum und kümmerte sich nicht um uns. Verständlich: Ich hätte als Hund in einem Kofferraum auch besseres zu tun als mich um irgendeine x-beliebige Autobesatzung zu kümmern.

Den Töffel juckte das kein bisschen. Der winkte. Und winkte. Und winkte und winkte und winkte und war sich weder der Tatsache bewusst, dass der Hund gelangweilt seinen Blick abwandte, nein ganz offensichtlich war er sich vor allem nicht bewusst, was für ein doofes Grinsen er dabei aufsetzte. Die ganze Chose dauerte glücklicherweise ja nur eine Minute, denn dann standen wir schon vor dem Club. Es war auf jeden Fall einer der Kunden, den ich eigentlich gerne bei der anschließenden Balz gesehen hätte 🙂

Sprachlos

Es gibt Touren, die hinterlassen einen sprachlos. Nicht nur die ganz Schlimmen mit den Kotzern, sondern auch die schönen, die diese kleinen Lichtblicke im Alltag beinhalten. Und manche davon schlagen einen Bogen bis weit in die unglaubliche Geschichte dieser Stadt, dass es mir als jungem Menschen mit verhältnismäßig wenig Ahnung einfach die Sprache verschlagen muss.

Ich war gerade auf dem Weg in den Feierabend, wie immer in der Hoffnung, auf dem Rückweg würde sich noch eine kleine Tour ergeben. Das Schicksal meinte es gut mit mir, denn ein Mann, schätzungsweise in meinem Alter, winkte mich in Kreuzberg an den Straßenrand und fragte mich, ob ich eine bestimmte Adresse in Schöneberg kennen würde. War zwar nicht meine Richtung, aber gefreut habe ich mich trotzdem. Ich bestätigte, dass ich die Straße kenne, aber wider Erwarten stieg er nicht ein.

Er winkte einen alten Mann zu sich heran und bat mich:

„Bringen sie meinen Vater dann dahin?“

Wenn es weiter nichts ist…

Nach den ersten hundert Metern habe ich ihn gefragt, nur so zur Bestätigung:

„Ich nehme an, sie sprechen kein Deutsch?“

„Nein, sorry, but English.“

„Äh? OK! That’s no Problem!“

Die Fahrt war nicht weit, eine Strecke von nur knapp 3 Kilometern. Wir haben uns nicht lange unterhalten können. Er kam aus Israel und… nein eben eigentlich nicht. Er kam aus Berlin! Er war wohl gebürtiger Berliner und hat nach einer offensichtlich längeren Flucht aus Nazi-Deutschland sein Leben in Irael gelebt und nun, da sein Sohn beschlossen hat, ausgerechnet hier zu studieren, die Stadt seiner frühesten Kindheit wieder zu besuchen. Ich möchte nicht zu viel hineininterpretieren in die paar Sätze, die wir gewechselt haben, aber er erweckte irgendwie den Anschein, sich unglaublich zu freuen über das, was aus Berlin geworden ist.

Ich hab keine Ahnung, ob es für Menschen wie ihn überhaupt möglich ist, einen wirklichen Frieden mit Deutschland zu machen, aber die Hoffnung, dass so etwas möglich ist, hatte ich in den Sekunden, in denen wir uns verabschiedet haben. Dabei weiss ich nicht einmal, wie ich das Gefühl beschreiben könnte, dass ich hatte, als er mir ein kleines Trinkgeld gab, die Hand schüttelte und sagte:

„Well, thank you very much, and… ähm… auf Wiedersehn!“

Zweisamkeit im Taxi

Wie man hier bei GNIT ja recht umfangreich sieht, kann prinzipiell jede Fahrt unterhaltsam sein. Trotz der ebenso erhöhten Nervgefahr finde ich aber Fahrten mit Pärchen irgendwie erstmal verdächtig im Sinne von blogbar. Meist kommt etwas interessantes dabei heraus, wenn man sich als Dritter plötzlich in einem Personenverhältnis einfindet, das aus zwei Personen besteht. Wobei ich erwähnen muss, dass ich mich höchst ungern und selten in die Kommunikation zwischen den Leuten einmische.

Das absolute Highlight der letzten Zeit war ja zweifelsohne die betrunkene Fast-Braut, die ihre „Heiratsgründe“ so gerne der Polizei gezeigt hätte.

Aber beim Stöbern in der Vergangenheit sind mir noch ein paar andere gute Sachen über den Weg gelaufen. Im Vergleich zu Kollege Carsten hatte ich zwar noch keine der Fortpflanzung dienenden Aktivitäten im Auto, aber darauf lege ich auch nur bedingt wert. Mir reicht es, was ich außerhalb so sehe… 😉

Mir wirklich im Gedächtnis geblieben ist natürlich das Ehepaar, das sich ein wenig ums Trinkgeld gestritten hat – was mir sehr zugute kam…

Eine inzwischen fast schon von mir selbst vergessene Geschichte ist hingegen die vom Italiener, der seinen Gott auf Englisch verflucht hat, weil er an diesem Abend nicht zum Sex gekommen ist (und dessen Flehen scheinbar Gehör gefunden hat) und für alle Umherkommandierten unter den Liierten ist die Geschichte der total liebenswerten Unterstützung bei der Diät sicher ein Lacher.

Aber wie komme ich jetzt drauf? Bei einer völlig unspektakulären Fahrt eines wahrscheinlich noch viel unspektakulären Pärchens neulich in meinem Taxi unterhielten sich die beiden meist flüsternd. Das einzige, was ich verstanden habe, war ein von ihr regelrecht gezischtes:

„Bist du wohl ruhig! Oder willst du unseren Taxifahrer mit deinen lächerlichen Problemen belästigen?“

Wahrscheinlich wäre die Fahrt blogbar gewesen, wenn er es getan hätte 🙂

Nie gehört

Ich weiss, dass es schlimme Worte für einen Kunden sind, wenn der Taxifahrer sagt:

„Nie gehört.“

Im Wissen darum bin ich von Anfang an immer ein wenig gewählter in der Ausdrucksweise. Meist sage ich, wenn mir eine Adresse unbekannt ist:

„Puh, einen Moment bitte! Damit haben sie mich erwischt.“

Dazu ein Lächeln und in weit mehr als der Hälfte der Fälle kommt als Antwort ein Lacher oder gleich die Wegansage:

„Ha, das kennt kein Taxifahrer! Kein Problem, das geht von der Blablabla ab…“

Viele Leute sind sogar recht erfreut darüber, einem Profi noch was zeigen zu können, stolz auf ihren Wissensvorsprung, was auch immer. Das stört mich nicht im Geringsten. So hat man gleich einen Einstieg ins Gespräch und wenn am Ende alle zufrieden sind, dann ist es letztlich nicht mehr der Rede wert, dass man zu Beginn ein bisschen bei der notwendigen Ortskunde gepatzt hat. Naja, gepatzt…

Das bleibt nicht aus in Berlin. Selbst wenn man irgendwann all die zigtausend Straßen tatsächlich dauerhaft abgespeichert hätte, dann fehlen einem bestimmt immer noch das ein oder andere Hotel, hunderte neuer und umbenannter Kneipen und wenn man dann mal ausnahmsweise als Tagfahrer einen Puff oder als Nachtfahrer ein Bürohaus genannt bekommt, ist spätestens hier Schluss.

Da muss es einem nicht unangenehm sein, von einem Kollegen oder Kunden noch was zu lernen. Aro ist z.B. von allen Kollegen, die ich bisher kennengelernt habe, einer derer, bei denen ich am meisten Ortskenntnis vermute und auch von Klaus bin ich schon alleine durch seine Blogeinträge mehrfach auf Dinge gestoßen worden, die mir nix sagten. Andererseits hab ich selbst meinen eigenen Ausbilder und Kollegen Axel ich schon einmal mit einer Kundenanfrage unwissenderweise ertappt. Man lernt eben nie aus in dem Job.

Für die Fälle, in denen zufällig sowohl Kunde als auch Fahrer erstmal keine Ahnung haben, sind wir ja entsprechend ausgerüstet, bzw. sollten es sein. Ob nun Navi, Stadtplan, das Robertha, die Zentrale oder mobiles Internet: In der Regel findet sich irgendein Weg, den Wunsch des Kunden zu erfüllen. Dauert vielleicht ein paar Sekunden, deswegen ja:

„Einen Moment bitte!“

Ein bisschen fuchst es einen dann allerdings, wenn man mitten in einem Gebiet erwischt wird, das man eigentlich als erschlossen betrachtet. Man kann tatsächlich jahrelang immer um eine kleine Straße herumfahren ohne sie wahrzunehmen. So fragte mich ein ziemlich eilig wirkender Kunde, der zudem mit aller Kraft am Ende schien, ob ich wüsste, wo die Hübnerstraße sei. Er finde sie nicht, sie muss in der Nähe sein, aber ich soll ihn jetzt hinbringen:

„Ich kann nicht mehr!“

Und ich hatte keine Ahnung. Ich stand an der Petersburger Straße kurz vor der Kreuzung mit der Mühsamstraße. Ich schmiss mein Navi an und das zeigte mir 300 m an. Also so in etwa das, was google maps auch tut. Nun ist das eine Ecke, an der ich zwar nicht direkt, aber eine Straße weiter mehrfach täglich (!) vorbeikomme. Schon alleine, weil ich mein Auto dort ums Eck abhole und abstelle. Und ich kannte die Straße nicht. Der Fahrgast hat es mir nicht übel genommen, ich mir selbst in dem Fall fast doch ein bisschen. Aber so ist das mit dem Lernen. Das nächste Mal steigt mir einer ein und will zur Hübnerstraße und ich werde sagen:

„Alles klar.“

Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt dann eine Antwort wie

„Wirklich? Also das hat ja noch kein Taxifahrer gewusst.“

Ist am Ende ein noch besserer Gesprächseinstieg und sorgt für noch mehr Zufriedenheit auf beiden Seiten. So gesehen kann man eigentlich gar nicht so viel verkehrt machen als Taxifahrer 🙂

Zieladressen-Quiz

In den letzten Wochen sind wieder vermehrt kuriose Anfragen aufgetaucht. Heute lasse ich euch mal mitraten, was die Kunden eigentlich genau von mir wollten. Wie damals bei der Sarinstraße 🙂

Erstmal was leichtes zum Einstieg:

„Ich würde gerne ich die Karl-Marx-Straße nach Friedrichshain!“

Dann was schon eher seltsames:

„Könnten sie mich zum Alexanderplatz bringen? Da bei dem Park das Hotel an dem Krankenhaus! Kennen sie das?“

Da hat er sich gewissermaßen mit dem Platz vertan. Seine Schuld war es allerdings nicht wirklich…

Den Vogel abgeschossen hat allerdings ein kleiner Japaner, der voller Überzeugung verkündete, er wolle folgendes:

„Wolle danse an schone Allee!“

Ich bin gespannt auf eure Vorschläge. Ist eigentlich alles recht einfach 🙂