Tiertransport?

Und dann ist da noch Kollege Reinhold. Reinhold ist wirklich ein Vorzeige-Kollege. Er gehört zu zwei Fahrern im Rentenalter, die kenne und die ich jeder Kundschaft nur wünschen kann.

Ein wirklich stressfreier, gebildeter und herzensguter Mensch, bei dem man immer das Gefühl hat, es sei nur irgendwie die logischste Nebenbeschäftigung, mit guter Laune Taxi zu fahren. Er verdient sich mit dem Job nur ein Zubrot und entsprechend ist es kaum möglich, ihn irgendwie damit zu ärgern, wenn er mal eine kurze Tour bekommt. Der macht alles mit und ist meines Wissens nach einer der wenigen Kollegen, die eine gelegentliche Party im Auto auch schätzen können.

Außerdem ist er wie ich erschreckend geduldig und nimmt jeden mit, auch wenn er damit Gefahr läuft, sich ein verschmutztes Auto zuzuziehen. Dementsprechend viel hat er auch zu erzählen. Unter anderem hat er mal eine 200€-Fernfahrt mit einer betrunkenen Frau gemacht, die ihn dann nicht bezahlen konnte, am Ende allerdings ordnungsgemäß binnen einer Woche das Geld überwiesen hat – was er erfuhr, als er seinem Chef die gigantische Fehlfahrt beichten wollte…

Aber besonders schön fand ich die Geschichte einer anderen alkoholisierten Dame. Ziemlich anschaulich schilderte Reinhold mir, wie eine Gruppe junger Menschen sich an einer Halte in einem Außenbezirk auf sein Taxi zuschleppte. Seine künftige Fahrgästin war hingegen alles andere als an der Bewegung beteiligt, sondern ließ sich eher hängen. Bzw. mitschleifen. Nach einigen „Ach“ und „Oje“ landete die Dame auf seinem Beifahrersitz und Reinhold erhielt eine Zieladresse. Dann, und das muss ich wörtlich wiedergeben, passierte folgendes:

„Ich dreh mich um, und dann waren die alle weg. So schnell hab ich gar nich gucken können. Die wussten wohl ganz genau, warum. Naja, setz ich mich wieder ins Auto, will gerade losfahren, da reisst die Alte plötzlich die Augen auf und beisst mich in den Arm.“

Anscheinend hat Reinhold die Fahrt dann mit nur 2 Bissen mehr oder minder heil überstanden.

Eindeutig eine Geschichte der Marke „Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht“…

PS: Wer noch eine erwähnenswerte Horrorfahrt von Kollegen sucht, der sollte sich mal das hier ansehen!

Kundenwunsch = Kassenglück

Irgendwo in der grauen Vorzeit dieses Blogs hab ich mal geschrieben, dass sich die meisten Streckenvorschläge von Kunden für uns lohnen. Sicher, es gibt die berühmten Ausnahmen, in denen mir mal ein kleiner Schleichweg gezeigt wird. Meist sind das dann aber Strecken, die mein Navi an sich völlig korrekt als Schifffahrtsrouten ausgibt und die man nur wegen langanhaltender Trockenheit zurzeit ohne Amphibienfahrzeug befahren kann.

In der Regel ist es so, dass ich den Weg kenne, oder eben meinem Navi den Vortritt lasse, wenn ich mir nicht sicher bin, welches nun wirklich die kürzeste Strecke ist. Die Fehlerquote meines Navis ist klein, und vermutlich kenne ich die meisten Tücken zumindest im inneren Stadtbereich so langsam. Ergo: Die meisten Streckenwünsche sind Umwege. Hier und da gibt es mal ein paar sinnvolle Umwege (Baustellen etc.), aber überwiegend ist es Unsinn.

Klar, viele Menschen vergessen gerne, dass Nachts der kürzeste Weg gefahren werden kann, weil die Straßen frei sind. Das lässt sich klären. Manche beharren allerdings auch vehement auf ihrer Route, weil sie ja sooo viel besser sei. Also hab ich neulich ein älteres Ehepaar nach ein paar abgeschmetterten Umstimmungsversuchen vom Ostbahnhof über den Alexanderplatz und dann über Greifswalder Straße, Berliner Allee und Rennbahnstraße nach Heinersdorf gebracht. Das ist im Vergleich zur Prenzlauer Allee ein riesiger Haken. Mit dieser Fahrt wäre ich bei der Ortskundeprüfung sowas von knallhart durchgeflogen und wahrscheinlich hätte jede Betrugsanzeige für diese Fahrt eine gewisse Erfolgsaussicht. Aber was will man gegen „50 Jahre Autofahren in Berlin“ als Argument anführen?

Mir persönlich kann es nur Recht sein. Mein Kontostand wird dadurch erhöht. Aber muss man sein Unwissen dann echt noch mit Adjektiven wie „dumm“ und „unverschämt“ bekräftigen? 🙁

Etwas ähnliches hatte ein Kollege aus derselben Firma bereits am ersten Tag im neuen Job. Er sollte vom Alex aus nach Hohenschönhausen. Neu-Hohenschönhausen wohlbemerkt. Er war schon richtig happy, dass er den kürzesten Weg kennt, als von hinten beim ersten Abbiegen der für uns wohl schlimmste Satz nach „Rück mal die Kohle rüber!“ fiel: „Sagen sie mal: Wie fahren sie denn???“
Der Kollege hat sich nach dieser Fahrt mit unserem Chef und unserem Lehrgangsleiter unterhalten, um sich die Bestätigung geben zu lassen, dass der Routenwunsch der Kunden etwa doppelt so lang war wie sein Vorschlag. Als Faustregel kann ich mit auf den Weg geben, dass es keine kürzeste Strecke von irgendwo in Mitte nach irgendwo in Hohenschönhausen gibt, bei der man am Frankfurter Tor und irgendwo in Marzahn vorbeikommt. Versprochen!

Ich hab meine beiden Rentner ordnungsgemäß in Heinersdorf abgeliefert und sogar wieder halbwegs beruhigt gehabt. Bringt einem ja nichts, in so einem Fall Recht zu haben. Mitleidsvolle Grüße an den Kollegen, der sie auf dem Hinweg über die Prenzlauer gefahren hat und nach Angabe des streitlustigen Pärchens ohne Trinkgeld weiter musste. Und mit 3 € weniger auf der Uhr…

Die spinnen, die Römer Berliner!

Zur Wahl

Heute sind Wahlen in Berlin. Bereits vor 2 Wochen hatte ich einen Fahrgast, der während eines Stopps an einer Kreuzung einen Laternenpfahl betrachtete, der sämtliche Wahlplakate von A bis Z, sowie einige Werbung für Konzerte und einen Zirkus trug. Bei letzterem blieb er gedanklich hängen und fragte:

„Und was is mit dem Clown? Kann man den auch wählen?“

Was soll man mehr dazu sagen?

Ach ja: Wer für die NPD stimmen möchte, weiss hoffentlich schon, dass man dazu dieses Mal genau 18 Kreuze (ihr wisst schon…) auf die Zettel malen muss. Jeweils auf Vorder- und Rückseite, mit verschiedenen Buntstiften.  Die anderslautenden beiliegenden Erläuterungen sind nur Feindpropaganda, um eure Stimmen zu klauen!

🙂

Gute Laune

Ja, ich dachte tatsächlich, ich hätte gute Laune. Ich hab das Auto abgestellt mit einem zufriedenstellenden Umsatz, ein paar blogbaren Fahrten und durchweg passabler Kundschaft. Nur mein Trinken hab ich versehentlich im Taxi liegen lassen, wollte aber deswegen nicht nochmal zurücklaufen. In solchen Fällen spare ich mir doch die Schlepperei hin und zurück und hole mir was an der Tanke, die zuverlässig jeden Tag meinen Weg zur Straßenbahn kreuzt.

Obwohl es mitten in der Nacht war, war ich nicht alleine. Ein Kollege stand mit seiner B-Klasse auch dort und kaum dass ich mich dem Nachtschalter näherte, sprang ein junges Mädel, vielleicht 20, aus dem Fond. Sie schaffte es vor mir zur Glasscheibe und sprudelte ein paar Wünsche herunter. Handykarten, Alkoholika, Zigaretten – was man so für einen Partyabend braucht. Dazu hier und da ein Scherz und ein wenig Geflirte mit dem Tankstellenmitarbeiter in der Kabine.

„So, das wäre alles?“

„Jepp.“

„Macht 80,04 €“

„Dann mach einfach 85. Ich hab heute gute Laune!“

Das war einer der ganz seltenen Momente, wo ich direkt nach Feierabend gerne mit dem Kollegen getauscht hätte. Ohne zu zucken und meinetwegen mitsamt des Zwergen-Autos.

Der Witz mit dem Überfall

Schlosser hat mir eine lange Mail geschrieben. Nämlich die hier:

Hallo Sash!

Wie Du vermutlich weißt, lese ich seit einiger Zeit Deinen Blog und und
mit ein bissl Stolz kann ich auch sagen, dass ich mitlerweile jeden
Beitrag kenne.
Nun ist mir allerdings eine Frage gekommen…

In meiner relativ raren Freizeit surfe ich oft und viel im Internet,
wobei es mein größtes Ziel ist, mich unterhalten zu lassen, sprich ich
verfolge diverse Blogs und andere Seiten mit Comics, Witzen und
wer-weiß-was-noch-alles…

Nun bin ich bei „belauscht.de“ über die Zufällig-Funktion auf folgendes
Zitat gestoßen: http://www.belauscht.de/?p=478&rand=true

-Darmstadt.

-Unser Taxi hält am Ziel. Der Fahrer dreht sich erwartungsvoll um. Einer
der Fahrgäste auf der Suche nach Geld:

-“Können Sie auf 20 Messerstiche rausgeben?”

-Am Gesicht des Fahrers war abzulesen, dass er den Witz nicht sehr
lustig fand…

-belauscht in Darmstadt von Constantin

Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich das vermutlich saukomisch
gefunden, seit ich allerdings Torstens und Deinen Blog verfolge und aus
dem weiteren Grunde, dass mein Schwiegervater Taxifahrer ist, sehe ich
das Gewerbe mitlerweile aus einer völlig anderen Perspektive und kann
diesem Belauschnis (gibt es das Wort?) daher rein gar nichts komisches
mehr abgewinnen.

Sicher, je nachdem, wie die Fahrt vorher verlaufen ist, kann das schon
durchaus mehr oder weniger kritisch sein, aber ich würde gerne mal
wissen, was Du darüber denkst, oder auch, wie Du reagieren würdest.

gruß

Schlosser

Vorletzte Woche erst hat Torsten so etwas ähnliches bei sich im Blog geschildert. Die Beantwortung der Frage ist meines Erachtens nach dennoch gar nicht so leicht. Zum einen ist da die Frage nach der Angst. Wenn jemand ohne Anflug von Humor so einen Spruch reisst und davor schon angespannt und verdächtig gewirkt hat, dann ist das mehr als nur daneben, egal wie es gemeint war.
Taxi-Überfälle sind für uns in gewisser Weise der eine wunde Punkt. Und bei allem Tara, das wir deswegen schon mit unserer Kasse täglich veranstalten (wenig Wechselgeld mitnehmen, Geld verstecken etc.) sollte klar sein, dass dieses Thema ernst ist. Es sind tausendfach Kollegen verletzt worden bei Überfällen und leider ist tatsächlich hier und da auch einer gestorben für ein paar hundert Euro. Den meisten dieser Vorfälle gemein ist, dass man es vorher nicht geahnt hat. Deswegen ist es auch keine große Hilfe, wenn der Fahrgast vorher friedlich und lieb war.

Der andere Punkt ist die Frage, ob es deswegen ein Tabu-Thema ist – und das handhabt natürlich jeder Kollege anders. Selbst mit dem lustigsten Lacher dazu wird so ein Spruch bei einem Taxifahrer, der vielleicht mal einen Freund bei einem Überfall verloren hat, nicht gut ankommen und pietätlos wirken. Und das sind Dinge, die kein Fahrgast weiss. Also sollte man sich diese (ja auch sonst nur in Maßen lustigen) Sprüche besser verkneifen.

Wenn mir jetzt sowas mit ein paar angetrunkenen Spaßvögeln passieren würde, mit denen ich die ganze Zeit eine Menge Spaß hatte, dann würde ich da sicher nicht überreagieren. Ich kann mit Humor umgehen, auch wenn er mal nicht korrekt ist. Aber einen Hinweis auf o.g. Problematik würde ich wahrscheinlich auch mitgeben – schon damit es nicht nächstes Mal den falschen Kollegen erwischt.

Man sollte sich vor Augen halten, dass dieser Scherz eine ähnliche Qualität hat, wie jemandem Nachts in einer dunklen Straße aufzulauern und zu sagen:

„Rück mal dein Geld raus oder ich schlitz dich auf!“

Da würde auch niemand erwarten, dass man das lustig findet.

Kindersitze im Taxi

„Aber es ist doch nur kurz.“

„Neulich hatten wir aber auch keinen!“

„Ich halt ihn doch fest!“

„Wenn sie kein Geld verdienen wollen! Immer diese Taxifahrer…“

Herzlich willkommen bei der heiteren Diskussion mit fürsorglichen Eltern, wenn man sich entschließt, ihr Kind nicht zu töten. Wie die Überschrift schon sagt: Es geht um Kindersitze im Taxi. Und das ist die vielleicht abenteuerlichste Geschichte überhaupt in diesem Beruf. Wie schlecht man als Zwergenhüter im Taxi von A nach B transportiert wird, kann man überall lesen. Ich möchte mal ein wenig Aufklärung liefern und gleichzeitig meine Perspektive erläutern. Fangen wir mit dem rechtlichen Teil an. Der ist in diesem Fall fast schon das erheiterndste am ganzen Artikel.

Die StVO schreibt in Paragraph 21 vor, dass Kinder im Auto je nach Größe besonders gesichert werden müssen. Eine ganz nette Übersicht über die Kindersitzklassen bietet hier die Wikipedia. Grob unterteilt werden die Klassen 0 bis 3, wobei Klasse 0 (bis 13kg) die umganssprachlichen Babyschalen darstellen, Klasse 1 (bis 18 kg) das, was man unter Kindersitz versteht. Ein Sitz der Klasse 2 (bis 25 kg) ist eigentlich nur noch eine Sitzerhöhung mit zusätzlicher Lehne. Die bei mir im Auto befindlichen Sitzerhöhungen ohne sonstiges Tralala fallen in Klasse 3 und damit darf grob geschätzt alles transportiert werden, was sich zwar wehren kann, aber noch nicht aufs Autodach spucken. Zugelassen sind diese Erhöhungen für bis zu 36 kg Lebendgewicht inkl. Knochen.

Sinn dieser Vorschrift ist relativ simpel: Autos sind nur unzureichend ausgerüstet für den Fall, dass es zu einem Unfall mit Kindern an Bord kommt. Es geht dabei nicht darum, irgendwen am Taxistand zu gängeln oder Kinder zu quälen, sondern im Falle eines Unfalls die Folgen für die lieben Kleinen so gering wie möglich zu halten.

Aber da Deutschland gleichzeitig Papst und Erfinder des Automobils ist, sind diese Regeln aufgeweicht, dass es nur so knallt. So kann man die lästige Pflicht tatsächlich umgehen, wenn man sich einen Oldtimer ohne Gurte zulegt. So lange das Kind bereits über 3 Jahre ist, kann man es auf den Rücksitzen mitnehmen. Ist ja irgendwie logisch… oder?
Aber gut. Insbesondere in Taxen – und da kommen wir zum Thema – gibt es Ausnahmen. So müssen Kinder bis 9 kg tatsächlich im Taxi nicht gesichert werden. Man könnte sie also gleich an der Federwage hängen lassen, die man zum Bestimmen des Gewichts am Besten mitführt. Außerdem müssen nur 2 Kinder überhaupt gesichert werden. Also eine fiktive Großfamilie mit 3 Kindern ab 22kg und einem Baby dürfte ich theoretisch mit meinen 2 Sitzerhöhungen der Klasse 3 Mitnehmen. Von den 3 untergroßen Vorerwachsenen müsste ich 2 auf die Erhöhungen packen, den dritten Knilch (möglichst der Nervige) wird dann einfach so hingesetzt. Ob ihm der Gurt die Luftzufuhr abschneidet oder ob er bei einem Unfall aus dem Fenster fliegt – egal. 4 Kinder sind eh ein bisschen viel.
Und das Baby – ja mei! Mama wird’s schon festhalten, wenn sie’s wirklich lieb hat…

So, und nun kommen wir zum Punkt: So einen Scheiß mach ich nicht mit! Mein Taxi ist ein ganz normales Auto und besteht überwiegend aus Metall und Kunststoff. Ich begebe mich bei jeder Fahrt in den öffentlichen Verkehrsraum, wo unterschiedlich begabte Mitmenschen ähnliche Gefährte zwischen 500 und 40.000 kg mit Geschwindigkeiten zwischen 5 und 100 km/h bewegen. Und das manchmal sogar entgegen meiner Fahrtrichtung. Ich bin ein routinierter Fahrer mit einer gewissen Vernunft und genau diese erlaubt es mir zu erkennen, dass das nicht auf alle zutrifft, sowie auch dass Kotze im Auto nicht halb so eklig ist wie ein zerplatztes Baby an der Windschutzscheibe.

Die Wahl der Erziehungsmethoden obliegt den Eltern, aber ich hab einfach keine Lust auf psychologische Traumata, falls doch mal was passiert. Mal ganz davon abgesehen, dass die „Ist ja nur kurz“-Vollpfosten am Ende die ersten sind, die mich verklagen, wenn ihr Nachwuchs auf dem Asphalt klebt.

Wir leben hier in Berlin und die Lösung für das Problem mit den Taxis ist ganz einfach. Man kann ein Taxi vorbestellen und dabei angeben, was für Kindersitze man braucht. Zum Beispiel hier oder hier. Sicher, es wird vielleicht ein wenig länger dauern und man macht das dementsprechend nicht erst auf den letzten Drücker – aber mal im Ernst, liebe Eltern: Kinder machen so unendlich viel Arbeit. Kommt es da auf die 15 Minuten Wartezeit oder den einen Telefonanruf an? Dafür, dass die Kids sicher transportiert werden?

Ich glaube nicht.

Und ich denke auch nicht, dass Taxifahrer schlechte Menschen sind, wenn sie auch im totalen Stress nicht vergessen, an die Sicherheit von euren Kindern zu denken.

Im Übrigen schreibe ich das nicht nur als graue Theorie herunter. Derletzt hatte ich eine Mutter im Auto, die nach einer Sitzerhöhung für ihren Kleinen gefragt hat. Als ich an den Kofferraum bin, um sie zu holen, war sie schon mit einem

„Ach egal, ich nehm ihn irgendwie so…“

zur Stelle. Zwei Kilometer weiter habe ich eine Radfahrerin übersehen. Kurz nicht hingeschaut und dann war sie wegen des Verlaufs des Radwegs und meiner Fahrtrichtung über eine Sekunde im toten Winkel hinter (vor) meiner A-Säule. Gesehen habe ich sie, als sie 3 Meter vor meiner Motorhaube war. Also: Vollbremsung! Hat prima geklappt, aber Mami und der Kleine hingen ganz schön überrascht in ihren Gurten. Keine schöne Vorstellug, dass der Kleine unter dem Gurt durchgerutscht wäre, wenn ich auf Mami gehört hätte… 🙁

Well, puh!

Die absolut schönsten Momente beim Taxifahren sind für mich die letzten paar Kilometer einer Schicht. Wenn ich meine Ziele so Pi mal Daumen erreicht habe (oder aber abzusehen ist, dass ich sie ohnehin nicht mehr schaffe…), dann reinige ich das Auto und tanke schon mal, um dann auf dem Weg zum Abstellplatz noch einzusammeln, wer mir vors Auto läuft. Gerade am Wochenende – wenn viel los ist – kann auch die Fahrt zur Tanke schon mal durch mehrere Winker unterbrochen werden und es ist immer wieder spannend, wie weit man es schafft. An einem ganz guten Tag vor einer Weile hat mich jemand direkt an der Einfahrt zur Tanke abgewunken – da fängt man plötzlich an, ans Schicksal zu glauben 🙂

Als ich vergangenes Wochenende morgens bereits alles hinter mir hatte, alle Umsatzziele erreicht, das Auto sauber und vollgetankt, war ich also mal wieder auf dem Weg gen Heimat. Auf einem eher ungewöhnlichen Weg, denn ich hatte bereits einen Winker nach der Tanke. Am S-Bahnhof Frankfurter Allee wurde ich abermals herangewunken. Na prima! Super Tag!

Nun watschelte ein Mann Mitte dreissig um mein Auto und ließ sich erleichtert auf den Beifahrersitz fallen. Mit ihm schwappte eine Fahne ins Auto, die derart gehaltvoll war, dass ich keinen Zweifel daran hatte, mein Auto würde fahren können, wenn er einmal in den Tank pustet.

„Wo darf’s hingehen?“

„Well, puh!“

Aha. Engländer.

„OK Guy, where to go?“

„See, I need to go to my hostel.“

„Great. Which one?“

„This is the problem. I don’t know!“

„Well, puh!“

Man muss ihm mal zugute halten, dass ihm das auch unangenehm war. Er hat panisch in seinen Taschen nach seinem Kärtchen gesucht und dabei nicht nur erstaunliche Mengen Bargeld, sondern auch einen in etwa 32 Einzelteile zerfallenen Berlin-Stadtplan zu Tage gefördert. Auf diesem hat er dann auch versucht, das Hostel zu lokalisieren, allerdings fanden sich dort wie auch auf dem ebenfalls stark fragmentierten U-Bahn-Plan ausschließlich Vermerke zu Clubs und Sehenswürdigkeiten.

Ich habe darüber nachgedacht, wie lange ich wohl schon Feierabend gehabt hätte, hätte ich ihn nicht eingeladen, traute mich aber auch nicht, die Uhr anzumachen. Aus genau diesem Grund. Denn wenn er es nicht geschafft hätte, mir irgendeine halbwegs plausible Richtung oder ein Zielgebiet von unter 3 km² Fläche zu nennen, dann hätte ich ihn schlicht und ergreifend stehen lassen müssen. Das Geld in seiner Tasche hätte zwar ohne weiteres für eine fünfstündige Stadtrundfahrt gereicht – aber das hätte ich beim besten Willen schon arbeitszeitmäßig nicht mehr bringen können.

Und es dauerte ungelogen knapp 10 Minuten, bis er sein Kärtchen endlich hatte. Das Oyssee-Hostel in der Grünberger! Also gefühlt hätte mir die Wartezeit definitiv mehr Geld gebracht als die Tour anschließend. Nachdem er passend gezahlt hat und ausgestiegen war, hab ich gründlicher als sonst nach verlorenem Geld gesucht. Vergeblich. Aber immerhin hatte ich dann wirklich Feierabend! 🙂