Mischa hat mir am heutigen Mittag eine Ergänzung zu meinem Rätselfoto geschickt. Ich habe das Bild ein wenig beschnitten, damit man das Auto hier noch erkennt. Wie man sieht, ist der LDS-Kollege nicht der mit der längsten Tour gewesen heute 🙂
Mischa hat mir am heutigen Mittag eine Ergänzung zu meinem Rätselfoto geschickt. Ich habe das Bild ein wenig beschnitten, damit man das Auto hier noch erkennt. Wie man sieht, ist der LDS-Kollege nicht der mit der längsten Tour gewesen heute 🙂
Der Anfang war noch ganz klassisch:
„Hey, bringste mich ins Hilton? Gibt doch nur eines, oder?“
„Soweit ich weiss: Ja. Wir reden von dem am Gendarmenmarkt, nehme ich an.“
„Ja, genau. Da muss ich hin.“
Kurz darauf war ihm das aber ziemlich peinlich:
„Oh Mann, da trage ich einmal ein Hemd… und dann fahr ich zum Hilton. Auch noch mit’m Taxi! Nicht, dass du mich für so’n Yuppie hälst. Haste da schon’n Yuppie-Aufschlag reingedrückt?“
„Nee, das gibt die Tarifordnung nicht her…“
„Ach, fänd ich schon gut. Also jetzt nicht bei mir, aber sonst…“
Kleider machen Leute. Oder Sorgen 🙂
Es gibt ja ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen am Taxigewerbe. Zum einen wäre da natürlich die eine Stelle vor dem Komma bei der Gehaltsabrechnung, die irgendwie immer fälschlicherweise leer ist, zum anderen der schwierige Spagat zwischen „dem großen Taxigewerbe“, das für alle Kunden überall und immer perfekt funktioniert auf der einen und dem einzelnen Fahrer oder Unternehmer mit einer eigenen Abrechnung und Arbeitseinstellung auf der anderen Seite.
Das klingt jetzt etwas arg theoretisch, aber was ich meine, kennen viele Kollegen die nach Funk fahren zur Genüge.Man hat als Fahrer eine Stunde lang die Position am Stand verteidigt, sich gelangweilt und geärgert, kein Geld verdient. Dann bekommt man einen Auftrag 2 Blocks weiter und kaum, dass man da ist, kommt von der Zentrale die Nachricht, dass die Fahrt storniert wurde, weil die Kunden ein anderes Taxi herangewunken haben.
Aus Kundensicht ist das irgendwie verständlich, denn schließlich sollen Taxen ja überall möglichst schnell da sein und immer verfügbar. Welches Taxi das jetzt genau ist, spielt im Grunde erst einmal keine Rolle, in der S-Bahn fragt ja auch niemand nach dem Namen des Fahrers. Für uns Taxifahrer ist das natürlich ein Problem. Wir kriegen nur unsere Fahrten bezahlt und es ist für uns im Grunde immer ärgerlich, wenn ein Kollege eine Tour wegschnappt.
Als stummer Fahrer bin ich da ja nur selten von betroffen. Ich bemühe mich, keine Fahrten zu klauen und den Kunden zu erklären, dass es für den Kollegen jetzt wirklich ärgerlich ist, wenn ich sie mitnehmen würde – was entweder für Verständnis oder aber für ziemlich böse Beschimpfungen sorgt. Und das ist immer eine blöde Situation, denn je lieber der Fahrgast bei mir einsteigen will, desto egaler ist ihm das Ganze letzten Endes. Da steckt man schonmal in einer moralischen Zwickmühle.
Aber vereinzelt hat man solche Situationen auch ohne Funk.
Letztes Wochenende bin ich in den frühen Morgenstunden am Breitscheidtplatz vorbeigefahren und dann in die Tauentzienstraße. Dort wird fleißig gebaut, damit die Touristen die Gedächtniskirche nicht selbst fotografieren, sondern Ansichtskarten ohne Baustellenhintergrund kaufen, deswegen ist die Straße dort auf eine Spur in der Breite begrenzt. Nun kam es wie es kommen musste. Ein junger Mann winkte mich heran und fragte mich, ob ich auch 5 Leute mitnehmen würde. Mache ich ja sehr gerne, nur dummerweise waren die anderen noch nicht zu sehen. Hinter mir reihten sich inzwischen etwa so viele Autos auf, wie normalerweise in einem ganzen Quartal um diese Uhrzeit dort auftauchen und so bemühte ich mich um eine Lösung:
„Klar, kann ich machen. Hier halten ist jetzt aber ein wenig blöd. Ich halte da vorne am Eck.“
und deutete auf die nächste Querstraße, etwa 40 Meter entfernt. Dort positionierte ich mich dann höchst illegal, aber wenigstens ohne den Verkehr auf Rush-Hour-Niveau anzustauen. Binnen der nächsten zwei Minuten krochen, taumelten und torkelten langsam aber sicher erst zwei, dann drei und letztlich fünf Gestalten aus einem Fastfood-Laden auf den Gehsteig. Nur keine Eile…
Und dann passierte das nächst Naheliegende. Die fünf nun alle direkt an der Straße befindlichen Typen guckten etwas doof in der Gegend herum, winkten sich dann ein zufällig auftauchendes Großraumtaxi heran und stiegen ein. Ich kann es wohl als freundliche Geste sehen, dass sie mir nebenbei eine „Zisch-ab“-Handbewegung zukommen ließen.
So sehr ich dem Kollegen die Fahrt gönne: In so einem Moment werde ich innerlich zum Höhlengnarf! Natürlich haben mich die zwei Minuten Wartezeit nicht umgebracht, aber es nervt echt ziemlich.
Mal abgesehen davon, dass das prinzipiell Arbeitszeit ist und wir sicher eine ziemlich lustige rechtliche Lage hätten, wenn ich das Taxameter in so einem Fall schon anschalte und dann auf die Bezahlung bestehe: Denkt als Kunden doch auch mal dran, ob ihr das mit einem Kumpel machen würdet.
Anrufen, bzw. sagen:
„Wart mal kurz!“
Und dann einfach mit einem anderen Freund abhauen. Das wären meine 2 Cents zum Thema.
Andererseits ist es natürlich gerade beim Bestellen scheiße, wenn das Taxi in 5 Minuten versprochen wird und dann nach 10 Minuten immer noch nicht da ist. Da sieht es natürlich anders aus, keine Frage.
Wenn man derzeit aus westlicher Richtung nach Stralau möchte, hat man ein kleines Problem: Die Durchfahrt von der Stralauer Allee auf Alt-Stralau ist gesperrt. Das ist seit etlichen Monaten so und wird noch ein Jahr andauern. Wenn man eher aus südwestlicher Richtung kommt, bleibt einem nur der Umweg übers Ostkreuz. Wenn man das mit dem Taxi macht, klettert die Rechnung ziemlich exakt 2 € höher als man es von eventuellen früheren Fahrten gewöhnt war.
Vom Ostbahnhof hingegen kann man noch ein paar Cent sparen, wenn man die inzwischen neu eröffnete Kynaststraße nutzt und durch den Boxhagener Kiez tingelt. Aber erstens ist das keine große Ersparnis und das will auch keiner. Zumindest Nachts nicht, wo man die Stralauer Allee zügig durchfahren kann.
Bei allen Touren ist die Sperrung irgendwann Thema. Schließlich wissen nicht einmal die Bewohner der ansonsten so idyllischen Halbinsel in Berlins Osten, weswegen diese Unterführung eigentlich genau gesperrt ist. Ob die Brücke dort abgerissen, restauriert, neugebaut oder lustig bemalt wird: Eine Sperrung von knapp 2 Jahren scheint für jedes eventuelle Vorhaben ein bisschen überzogen zu sein.
Ergo: Es wird viel geflucht. Je nach Laune der Kundschaft hab ich rausgefunden, dass ausgerechnet das Salz-in-die-Wunde-Streuen hier für gute Laune sorgen kann. Wenn das Unverständnis seinen Höhepunkt erreicht hat, werfe ich manchmal einfach dreist ein:
„Tja, ich als Taxifahrer kann mich ja eigentlich gar nicht darüber beschweren…“
Es ist seltsam. Im Normalfall sollte man es ja eher vermeiden, den Kunden aufs Auge zu drücken, dass man sie gerade über Gebühr schröpft. Die Stralauer quittierten mir das bisher immer mit Verbesserung ihrer Laune, einem Lachen und einem guten Trinkgeld. Ein Kunde kam neulich allerdings selbst auf die Idee.
Er war gerade dabei, sich und mich zu fragen, was das denn alles soll und warum da durchgehend gesperrt sein muss und bla Rhabarber Keks! Plötzlich hielt er inne, sah mich an und meinte:
„Vielleicht ist das ja auch eine Initiative der Taxi-Innung…“
Ich würde sagen, der Preis für die bekloppteste Verschwörungstheorie des Jahres geht an meine Kundschaft! 🙂
Was sollte ich darauf antworten. Ich hab folgendes gewählt:
„Mag schon sein. Dann war es aber eine ganz geheime Kommandosache. Schließlich weiss ich auch nix davon.“
Lächeln, Trinkgeld, das Übliche. Der nächste bitte! 🙂
Eingesammelt hab ich sie vor einer Party. Dort gelandet bin ich auch nur, weil ich Leute dorthingebracht hatte, die sich darüber lustig machten, dass andere bereits wieder gingen. Diese Typen sollten meine nächsten Fahrgäste sein.
Aber enttäuschte Gesichter suchte man vergebens. Drei Männer zwischen 35 und 40, allesamt beanzugt und kravattiert, enterten die gute alte 1925. Sie wollten zu ihrem Hotel und wie die vorangegangenen Fahrgäste waren sie eigentlich der Messe wegen in der Stadt. Ihre Rückreise jedoch war recht früh, sodass sie weit vor Mitternacht genötigt waren, ihren Ausstieg aus dem Nachtleben mit wohlwollenden Worten vor sich selbst zu rechtfertigen:
„Wir haben’s geschafft!“
„Gott sei Dank!“
„Jawoll! Nur ein Bier!“
So breit streut das Berliner Nachtleben. Noch 7 Stunden später hatte ich Leute im Auto, die erst auf dem Hinweg zu ihrer Party waren…
Die drei waren alle nicht das erste Mal in Berlin, aber offensichtlich hatten sie einiges an Parties und Nachtleben hinter sich, denn sie zeigten sich mehr als begeistert. Als wir die Oberbaumbrücke überquerten und durch Kreuzberg fuhren, waren sie angetan von all den vielen Kneipen und Restaurants, die noch offen hatten.
Wie der Zufall so wollte, führte der Weg zu ihrem Hotel durch die Oranienstraße. Hier war dann endgültig Ende. Sie überboten sich gegenseitig mit Liebesbekundungen zu diesem Stadtteil, obwohl es ja einige Menschen gibt, die den Spitznamen „Little Istambul“ für die Ecke rund ums Kottbusser Tor mit einer zynischen Fremdenfeindlichkeit zu verbinden wissen.
Hier muss ich kurz einwerfen, dass ich an der Adalbertstraße einen Tag später drei junge Türken im Auto hatte, die mit glänzenden Augen bestätigt haben, dass es hier wie in Istambul sei – sie kämen schließlich von dort – und es aufrichtig bedauerten, dass sie ihre kurze Anwesenheit hauptsächlich den Geschäften gewidmet haben und weniger damit, das faszinierende Berlin kennenzulernen.
Aber zurück zu den Anzugträgern. Als ich mit ihnen die Adalbertstraße passierte, fand einer von ihnen die Szenerie so überwältigend, dass er einen Vergleich aussprach, der… nun ja… seinesgleichen sucht:
„Also Wahnsinn! Kreuzberg ist ja schon irgendwie wie, wie, wie Eppendorf! OK, es sind nicht alle Häuser so schön, aber Wahnsinn!!!“
Ich muss gestehen, dass ich vom Nightlife in Eppendorf jetzt nicht so viel weiss – aber ich wage zu bezweifeln, dass diese Kategorisierung mehr Anhänger hat als Eppendorf Einwohner – ganz gleich, welches sie gemeint haben 😉
Im Übrigen: Auch negative Vergleiche zu Berlin sind irgendwie immer witzig…
Kleidungsstile sind nicht zufällig so unterschiedlich wie Sand am Meer. Die Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker. Abgesehen davon, dass ich grundsätzlich kein Freund von Kleidern bin, hätte ich beispielsweise niemals eine derart hässliche ockerfarbene Kombination wie meine Kundin angezogen. Aber wie mir Filme aus ihrer Generation gezeigt haben, war die Vergangenheit schwarz-weiß, und da mag es sein, dass man Ocker vielleicht für eine hervorragend fröhliche Farbe hält, wenn man schon über 80 ist. Und das war meine Kundin.
Jetzt wo ich sie beschreiben will, fällt mir permanent das Wort „Muttchen“ ein – denn das trifft es einfach. Eine kleine zierliche alte Frau in einem ockergelben Kostüm mit einer brüchigen Stimme. Glücklicherweise ist ihr offenbar bis ins hohe Alter der Geist treu geblieben, und so erzählte sie ausschweifend über ihren Tag, was sie alles mit ihrer Tochter gemacht hat, was es für Probleme in der Familie gibt und nicht zuletzt, wie ich nun genau zu ihr komme, was ein wenig verzwickt sein sollte. Ganz ehrlich: Hat richtig Spaß gemacht mit ihr!
Irgendwann hielten wir dann kurz an einer Ampel und plötzlich hörte ich von ihr ein ziemlich lautes und überhaupt nicht ins Gespräch passende
„Oooohhh!!!“
Ich folgte ihrem Blick aus dem Fenster und blieb direkt vor meinem Auto an einem jungen Mädel hängen. Ganz offensichtlich Punk. Die Haare in 3 verschiedenen Farben gestylt, das löchrige Shirt ließ hier und da erkennen, dass Spitzenunterwäsche einer revolutionären Einstellung nicht widersprechen muss und die Hosen unter dem kurzen Jeansrock, der von einem Patronengürtel gehalten wurde, waren schwarz-weiß gestreifte Leggins, deren Löcher denen im Shirt um nichts nachstanden.
Meine Fahrgästin machte große Augen und ich sah es förmlich vor mir. In meinen Gedanken plapperte die alte Frau bereits munter über „die Jugend von heute“, die verdorbenen Sitten und den Untergang des Abendlandes. Da hätte ich ja gut drauf verzichten können…
Konnte ich auch. Denn was dem „Oooohhh!!!“ folgte, war folgendes:
„Sehen sie mal! Steiler Zahn da draussen!“
Darauf ist mir echt nix eingefallen und wir haben uns weiter über die Wehwehchen ihres Schwiegersohnes unterhalten. Vielleicht auch besser so 😉
Irgendwas überrraschendes kann immer mal passieren während einer Taxi-Fahrt. So wie bei dieser. Dass ich zunächst bei der Schönholzer Straße an Pankow und nicht an Mitte gedacht habe, ist nicht schlimm gewesen. Das hatten wir gleich geklärt. Unterwegs verkündete mein Beifahrer auch schon, dass die Route wohl sinniger sei als die auf der Hinfahrt. Diesen Vorteil hatte ich allerdings schnell wieder verspielt. Gleich zwei Straßensperrungen hintereinander versauten uns die kürzeste Route derart, dass ich ziemlich wild durch die kleinen Gassen tingelte.
„Ja schade wegen den Umleitungen. Sonst hätte ich das ja vergleichen können – also ob es wirklich besser war als auf der Hinfahrt…“
„Was habt ihr denn auf der Hinfahrt gezahlt?“
„14 Euro.“
„14? Wow. Also da kommen wir sicher…“
„Naja, 14 hab ich gegeben. Wieviel das gekostet hat, weiss ich nicht mehr.“
„Ist ja sehr sinnig, Vergleiche anzustellen, wenn man den Ausgangswert nicht kennt.“
„Naja, ich hab gedacht, ich geb dir einfach weniger Trinkgeld, dann passt das schon. Oh, das hätte ich jetzt nicht sagen sollen, das war jetzt irgendwie nicht so nett, oder?“
„Mach dir mal keinen Kopf. Ich weise bloß darauf hin, dass ich blogge. Wenn mir jemand blöd kommt, kann ich damit also schon umgehen…“
„Oh, dann schreib bitte nix böses über mich! Ich lebe in einer Online-Welt!“
„Keine Panik! Wenn, dann sowieso nur anonym.“
„Puh! Kannst hier halten. Was macht das?“
„11,80 Euro.“
„Dann mach einfach mal 15!“
Nee Leute, so leicht kann man die Blogeinträge hier auch nicht verhindern, sorry! 😉