Wenn schon klugscheißen …

dann richtig!

Mitten in Gesundbrunnen hatte ich eine ziemlich lustige Truppe eingesammelt. Hauptsächlich aufgefallen sind sie dadurch, dass sie versuchten, mich zu einem Rennen gegen einen Kollegen anzustacheln. In dessen Taxi fuhr ein anderer Teil ihrer feuchtfröhlichen Runde. Nun, so viel Spaß wir auch hatten, das Spiel habe ich dann nicht grenzenlos mitgespielt. Zumal die einzige Begründung blieb, dass die anderen Fans eines anderen Fußballclubs seien …

Auch ansonsten hatten sie es sowas von raus. Zum Beispiel haben sie mich (und der andere Teil der Truppe den Kollegen) so praktisch an einer Stelle der Bornholmer Straße rausgewunken, dass wir noch ein ganzes Stückchen gegen die eigentliche Fahrtrichtug fahren mussten, bevor wir durch Wenden ihrem Ziel – dem Wedding – entgegenschießen konnten. Die Kommunikation an sich gerissen hat eine junge Frau der Marke „So bin ich gar nicht“:

„Herr Taxifahrer, ich weiß, des sieht jetzt voll komisch aus so, weil ich hier jetzt einfach drauf losrede, als hätte ich irgendwie voll den Laberflash und Sie denken jetzt sicher, was ist denn mit der los, die ist doch nicht mehr ganz richtig in der Birne, die hat doch ’nen Schatten, wie kann man um die Uhrzeit bloß so viel reden? Ich weiß ja auch nicht, vielleicht haben Sie ja gerade erst angefangen zu arbeiten und dann stress‘ ich Sie von der Rückbank bestimmt voll, so wie ich sie jetzt zutexte und des tut mir auch voll leid, aber ich kann mir des – also dass ich so viel rede jetzt, nicht dass ich auf der Rückbank sitze, das liegt ja daran, dass die Jungs hier mich mitgenommen haben, die wundern sich bestimmt auch. Wo war ich? Genau: ich kann mir des auch nicht erklären, weil eigentlich hab ich gar nicht so viel getrunken und ich bin nicht so! Ehrlich! Ich rede gar nicht viel, ich bin eher so ein – wie sagt man – schüchterner Mensch. Ich kann des gar nicht ab, wenn mich irgendjemand fremdes einfach so am frühen Morgen zuschwallt. Sie denken ja bestimmt: Alter, was ist die dicht? Haha, bin ich gar nicht! Wir haben ja nur da hier die zwei Cocktails und ich würde da auch nie so viel reden, des ist gar nicht meine Art. Ich mein – hallo!  – wer bin ich denn? Ich kenn Sie ja gar nicht und dann laber und laber und laber ich, also so einen Job könnte ich ja nicht machen. Soll jetzt nicht heißen, dass ich Taxifahrer blöd find, Sie haben ja sicher ihre Gründe und des ist ja sicher auch ganz toll, aber – alter Schwede, was red‘ ich denn für einen Quatsch!? So bin ich nicht. Ehrlich. […]“

Na, äh … klar. 🙂

Das Taxameter zählte lustig vor sich hin und irgendwas gefiel ihr daran nicht. So wie ich das mitbekommen hatte, wurde sie zwar zu der Fahrt eingeladen, aber das macht ja nix. Wird der ein oder andere Kollege sicher bestätigen können: Manche sagen halt gerne „aus Prinzip“ was. Aber das war ok, einen kleinen Einblick in ihren Zustand hatte sie mir ja bereits gegeben. Da war der Hebel im Hirn bei schnell auf „altersmilde*“ gekippt. Einfach reden lassen und nicken …

Dann hat sie jedoch bei den Vergleichen einen klitzekleinen Fehler gemacht – und ich liebe es ja, wenn ich so die Stimmung im Auto drehen kann. Das kann Euch der Typ mit dem Godzilla-Penis sicher bestätigen. Naja, sie griff zum naheliegendsten Vergleich und meinte:

„Weil wenn ich die Bahn nehmen würde, dann könnt‘ ich mit 2,60 € bis Flughafen Schönefeld fahren …“

Ich hab mein ernstes Gesicht aufgesetzt und gemeint:

„Aber nicht legal.“

„Doch!“

„Nein, das ist absolut unmöglich, was Sie da sagen.“

Mir ist ja klar, worauf sie hinaus wollte: Natürlich kann man in ganz Berlin für 2,60 € mit der Bahn umherfahren. Und natürlich ist das damit viel günstiger als ein Taxi. Dafür muss man sich halt die Bahn mit quasselnden Betrunkenen teilen. Oh, wait …
Sie hätte mit ihrer Aussage auch vor wenigen Jahren noch komplett richtig gelegen. Aber nun tauschte ich verschwörerische Blicke mit ihrem Freund auf dem Beifahrersitz aus, der mitbekommen hatte, was ich meinte. Und er hat es dann auch laut ausgesprochen:

„Äh, Schatzi … der Flughafen Schönefeld liegt inzwischen in Tarifgebiet C …“

Womit es dann 3,20 € wären. Haha!**

Klugscheißen ist schon in Ordnung, aber man muss halt damit leben, dass ich das Spiel dann mitspiele. 🙂

* Hey, im Gegensatz zu ihr war ich wirklich alt!
** Von unserem Standpunkt aus hätte sie genaugenommen Tarifgebiet A mit der Ringbahn umfahren können. Dann wären aber immer noch 2,90 € für eine BC-Karte angefallen.

Wochenende

Zunächst einmal herzlich willkommen am vermutlich heißesten Tag des Jahres 2013 in Berlin!

Obwohl es gerade einmal kurz nach sieben Uhr ist, schwitze ich bereits, und das wird sich voraussichtlich nicht mehr ändern heute. Ob ich überhaupt schlafen kann bei dem Wetter, bleibt abzuwarten. Des Wetters wegen alleine hab ich schon lange rumüberlegt, ob ich heute arbeiten soll, am Ende hat es doch meine kleine 1925 für mich entschieden. Die war die ganze Woche nicht völlig fehlerfrei unterwegs. Auch wenn es letztlich nur das Quietschen war, das blieb: Jetzt bleibt die Kiste stehen, bis ich sie am Montag wieder zu unserem Schrauber bringen werde!

Ich selbst bin manchmal ein wenig überkritisch, was Fahrzeuggeräusche angeht. Kein Wunder, schließlich weiß ich nach einer sechsstelligen Anzahl an Kilometern ja, wie die 1925 „normal“ klingt. Aber als sich heute morgen um kurz vor halb sechs meine letzte Kundin mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zuhielt, als ich neben ihr bremste, stand für mich fest, dass hier Schluss ist. Für die Schicht war es das ohnehin, aber das ist ein anderes Thema, zu dem ich gleich kommen werde. Heute ist also Ruhetag, was mir ehrlich gesagt auch gut passt. Immerhin bin ich diese Woche schon am Mittwoch das erste Mal ausgerückt, noch dazu mit extra frühem Aufstehen. Wenn man bedenkt, dass ich das nur noch als 50%-Job mache, sollte das ohnehin genug sein. Vom Wetter mal ganz zu schweigen.

Aber gut, die heutige Schicht.

Lief bombig. Nicht rekordverdächtig, aber ich war immer froh um eine Zigarettenpause, bzw. darüber, überhaupt mal das nassgeschwitzte Hemd vom ledernen Fahrersitz lösen zu können. Da ich derzeit wegen meines zeit.de-Interviews viele neue Leser habe, will ich auch kurz anmerken, was „gut“, bzw. „bombig“ hier in Berlin im Taxigewerbe heißt:

Ich hab in 8 Stunden ziemlich genau 200 € Umsatz gemacht. Ein Rekord wäre es gewesen, wenn ich weniger als fünfeinhalb Stunden dafür gebraucht hätte. Auf der anderen Seite hab ich am Freitagabend 8 Stunden für nicht einmal 110 € Umsatz runtergerissen. Und wer jetzt neidisch guckt, sollte sich vor Augen halten, dass Umsatz nicht gleich Verdienst ist. Mein Verdienst liegt am Ende bei rund 50% der oben genannten Zahlen – Trinkgeld schon eingerechnet.

Natürlich hätte es heute – wie immer – auch besser laufen können. Bestes Beispiel war mein eigentlich letzter geplanter Stopp am Ostbahnhof: Ich wurde gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei, was ich bejahte. Dann aber musste ich verneinen bei der Frage, ob ich das bestellte wäre. Wie so oft fragte die potenzielle Kundschaft dann, ob ich sie nicht fahren könnte. Hätte ich machen können, wäre nur unfair dem wohl gerade auf dem Weg befindlichen Kollegen gegenüber. Also hab ich die Truppe vertröstet und in Aussicht gestellt, dass der Kollege sicher gleich kommt. Man ist ja kein Arschloch.
Aber ich hab auch gesagt, dass ich vorraussichtlich ja noch ein paar Minuten da bin, falls er wirklich nicht auftauchen sollte.
Dann kam das Fiese: Mein Gegenüber wollte von mir wissen, was es nach Dallgow-Döberitz kosten würde. Zwar nicht meine Richtung, aber eine verdammt lohnenswerte Umlandfahrt! Sicher um die 40 € …
Ein bisschen hoffen, dass der Kollege nicht kommt, wollte ich noch – da hatte ich dann aber schon andere Kundschaft. Ein sehr sehr liebenswerter Kerl, sicher 15 Jahre älter als ich, für sein Alter aber drei Hausnummern zu cool. Wir hatten ein glänzendes Gespräch, die Tour hat sehr viel Spaß gemacht – leider ging sie eben nur für 6,20 € zum Frankfurter Tor. Dort hab ich umgehend Kehrt gemacht und bin zum Bahnhof zurück. Aber die Jungs waren natürlich schon weg …

So kann es dann halt auch gehen am Ende einer guten Schicht. 🙁

Schwierigkeiten beim Bloggen

Wir hatten es bei der Tour schon:

Ein Blogeintrag über die Fahrt könnte schon daran scheitern, dass es zu viel gibt und ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da die Nacht extrem bescheiden angefangen hat, war es nicht weiter schwer für einen meiner treuesten Twitterfollower (und nebenbei ehrenamtlich Generaldirektor oder sowas ähnliches für GNIT) @nachholer, mich just über jenes soziale Netzwerk zu kontaktieren. Ich hab die ganze Nacht schon rumgeheult, wie mies der Umsatz ist, da hat er sich (einmal mehr) spontan entschlossen, ein wenig auszuhelfen.

Kaum dass er mich nach Prenzl’berg bestellt hatte, bekam ich eine Winker-Tour in genau die richtige Richtung. BÄM! Das war mehr Action als in den ersten 4 Stunden zusammen.

Was mein werter Freund nicht erwähnt hatte, war, dass er eine Großraumfahrt mit sechs Leuten, darunter weitere Leser wie z.B. @gehirnstuermer, für mich hat, die zudem von Prenzlauer Berg über Friedrichshain und Neukölln bis nach Steglitz führen sollte.

Oder dass ich bei der Ankunft erst einmal auf eine Cola eingeladen werde …

Dass es eine 34€-Tour rausreißt, wenn ich in den 7 Stunden (!) zuvor noch nicht einmal in die Nähe des dreistelligen Bereichs gekommen bin, sollte klar sein. Dass es trotz allerlei Snickers-Streitigkeiten und Unklarheiten eine zudem verdammt nette Fahrt werden würde, ist bei einer bunt zusammengewürfelten Truppe leider immer noch nicht zwingend selbstverständlich.

Ich mag es, wenn ihr mich positiv überrascht. 🙂

Neben den oben genannten danke ich zudem @PjotrPetka, @Heart_Bea_t und @nikitabln. So wie mit Euch sollte es öfter laufen!

PS: Irgendwen hab ich wohl vergessen, sorry. Einen Überblick hab ich mir zwischen all dem Gelaber nicht schaffen können. Es war – wie eingangs erwähnt – irgendwie dann doch fast ein bisschen zu viel auf einmal, um locker aus dem Handgelenk zu bloggen. Was Ihr hoffentlich verstehen könnt. 😉

Heimscheißer

Irgendwie erinnert mich die Überschrift an Flöten und Apfelkuchen. Das wird wahrscheinlich an meiner Sozialisation in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts liegen … 😉

Ganz aus der Luft gegriffen sind Filmcharaktere ja meistens nicht, und so befand sich auch in meiner bunten Truppe, die ich von Treptow nach Prenzlauer Berg bringen sollte, einer, der – wie er erst nach einigen Nachfragen seiner Freunde zugab – eigentlich nur deswegen zu Hause einen Zwischenstopp einlegen wollte, weil er noch auf’s Klo wollte.

Das Gejohle unter den Mitreisenden war natürlich groß, o.g. Name steht nicht grundlos in der Überschrift.

Eine unschöne Angewohnheit, dieses Gelächter. Paruresis ist nämlich in der Tat eine Phobie, die ziemlich ernste Züge annehmen kann. Da darf man ruhig mal drüber nachdenken, bevor man darüber lacht, dass der Kollege auf dem Klo gerade keinen Tropfen rauskriegt!

Von den fünf geladenen Fahrgästen sind dann komischerweise gleich vier in der Wohnung in Friedrichshain verschwunden, während ich mich gefreut hab, dass ich eine bezahlte Kippenpause hatte. Der einzige verbleibende Mensch hat sich mit mir über dieses und jenes unterhalten, insbesondere darüber, ob einer von uns auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, wo der Club wäre, den wir anpeilten. Eine grobe Richtung, sogar einen Straßennamen, hab ich genannt bekommen. Ein Club war mir da aber zugegebenermaßen unbekannt. Dem Fahrgast auch.

Aber er war ja nur kurz alleine. Die gut gelaunte Truppe purzelte reichlich unsortiert in mein Taxi zurück und wir konnten die Fahrt fortsetzen. Vom frisch Erleichterten selbst bekam ich dann die genauen Koordinaten und wir schafften es im Anschluss auch ohne weiteres, dort anzukommen. Ein bisschen irritierend war nur die Tatsache, dass sich alle in der Wohnung gewesenen über deren Schönheit und – insbesondere und ganz explizit erwähnt! – die der Toilette begeisterten.

Entweder hatte ich eine ganze Wagenladung von Paruresis Betroffener im Gepäck – oder die Toilette sucht in Sachen Geräumigkeit wirklich ihresgleichen. Ich werde es wohl nie erfahren …

Wie die Parties heute losgehen …

„Passen hier fünf Leute rein?“

„Ja, Moment.“

Ein Großraumtaxi ist halt doch eine feine Sache. Auch wenn der Raum in der letzten Sitzreihe alles andere als groß ausfällt. Dieses Mal waren es nicht interessierte Kunden am Stand, sondern wagemutige Winker, die mich in Mitte aus einem Strom hellelfenbeinfarbener Wagen herausgezogen haben. Die Geräumigkeit der Zafiras scheint inzwischen bekannt zu sein. Obwohl der Wagen manchmal als sehr klein wahrgenommen wird …

Naja, ich hab jedenfalls einen der beiden Zusatzsitze ausgeklappt und in der Truppe befand sich sogar eine recht kleine Person, die freiwillig hinter ihren Kumpels in den tiefsten Tiefen der 1925 verschwand. Die Zieladresse war zunächst eine kleine Straße in Friedrichshain, die mir natürlich auf Anhieb nichts sagte – obwohl ich an ihr sicher an die dreitausendmal vorbeigefahren bin in den letzten Jahren. Selektive Wahrnehmung kann ich.

Dort angekommen wollte ich wissen, wer nun aussteigt – da sich die allgemeine Aufbruchstimmung in Grenzen hielt.

„Niemand. Es kommt noch einer.“

„OK, also alle …“

„Nein, es …“

„Ich hab schon verstanden. Aber es müssen alle von der Rückbank, damit ich den zweiten Sitz hinten noch ausklappen kann.“

Erleichterung.

„Und dann? Wo soll es dann hingehen?“

„Zum Berghain.“

Viel Spaß mit einer Gruppe aus sechs Leuten an einem Tag, an dem die Schlange bis 50 Meter vors Gelände reicht …

Aber zunächst mussten wir auf Juan warten. Den hatte niemand fünf Minuten vor Ankunft angerufen, wie das so die Idee der meisten Leute ist. Stattdessen durfte ich bezahlt vor der Türe warten, wärend im Taxi von der überwiegend weiblichen Belegschaft bereits diskutiert wurde, ob sie ihn überhaupt reinlassen – also zumindest, wenn er „nicht heiß ist oder das Taxi zahlt“. Ich mag Menschen mit dieser Prioritätensetzung nicht unbedingt, aber erfrischenderweise war das verstrahlte Etwas, das nach zwei weiteren Minuten mit komplett derangierter Frisur aus dem Haus stolperte, in den Augen der Damen heiß. Geld hatte er jedenfalls nach eigenem Bekunden keines dabei.

Davor sollte es noch an eine Bank gehen. Die Sparkasse am Bersarinplatz sollte es nicht sein – also schlug ich den klitzekleinen Umweg zur Volksbank in der Warschauer vor. Wurde angenommen. Etwas irritiert muss ich kurz darauf auf die Frage reagiert haben, ob es eine Bordtoilette gäbe. Selbstverständlich aus der allerhintersten Reihe – was dann dafür sorgte, dass auch beim Bankstopp – obwohl nur eine noch Geld holen wollte, wiederum alle aussteigen mussten. Wohin sich die gute Frau dann an der Warschauer Straße genau zum Pinkeln zurückgezogen hat, will ich besser gar nicht wissen.

Für die 3,00 € Zuschläge hab ich dieses Mal ziemlich oft die Sitze umgeklappt. Immerhin hab ich ein wenig Mitleid bekommen, mit Trinkgeld sah es dagegen ziemlich mau aus.

Am Ende will ich aber nicht meckern. Von der Torstraße zum Berghain für knapp 22 € ist immerhin auch was, was man ohne eine solche Truppe legal niemals zusammenbekommen würde. 😉

„Ist gut, ehrlich!“

Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das ein Versehen war. Aber nichts spricht dafür.

Ich muss dazu sagen, dass ich am vergangenen Samstag eine fantastische Schicht hatte. Was insbesondere damit zusammenhing, dass mich gleich drei Leser aufgespürt haben. Zumindest eine der Touren werde ich gesondert erwähnen müssen, die war nämlich auch abgesehen von den mehr als nur ausgeglichenen Finanzen einfach geradezu eine entspannende Pause in einer sonst doch eher hektischen Wochenendschicht.

Nun will ich aber erst einmal das Feld von hinten aufrollen und eine der letzten Fahrten ins Visier nehmen.

Ich erhoffte, nach gutem Umsatz und noch besserem Trinkgeld, mit gutem Gewissen ein kleines Päuschen an meiner Stammhalte einlegen zu können. Ich kam auf dritter Position zu stehen, einer vor mir fuhr gleich weg, dann bekam ich aber doch noch die Gelegenheit, auszusteigen und eine Zigarette zu rauchen. Diese war noch nicht einmal zur Hälfte beendet, da wurde ich von einer Gruppe junger Leute gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei. Ich bejahte, verwies aber auf den recht knappen Platz in der letzten Reihe.
Für diese fand sich aber problemlos eine junge Dame, der Rest ging dann schnell. Fünf Leute saßen im Auto und arbeiteten eine Route mit drei Stopps aus. Hervorragend, hatte ich doch zum Erreichen meines finanziellen Ziels allenfalls noch 7 € offen.

„Erstmal Flughafenstraße.“

Damit wäre das mit dem Geld erledigt.

Die darauffolgenden Stopps reihten sich wie Perlen auf einer Schnur, im Wesentlichen fuhr ich einen sehr an ein Rechteck angelehnten Halbkreis. Die Leute waren alle total umgänglich, ich hätte ihnen zudem im Vorbeigehen Nüchternheit attestiert. Freundschaftliche Atmosphäre, nettes Gepläkel beim Aussteigen, alles super. Die Uhr kam bei 18,60 € zum Stehen und ich verkündete der letzten Mitreisenden aus reinem Spaß an der Freude:

„Das wären dann 18,60 €. Und wegen der 1,50 € Zuschlag für die fünfte mach ich heute auch keinen Terz.“

Ich hatte kurz davor bemerkt, dass ich den Zuschlag noch nicht gedrückt hatte – und ich wollte jetzt einfach nicht noch sagen: „Da kommen aber noch …“ Manchmal siegen Faulheit und Bequemlichkeit, und wann, wenn nicht an einem Tag wie diesem, ist das mal ok?

Meine verbleibende Fahrgästin kramte in ihrem Portemonnaie und reichte mir ihren Fund weiter:

„Vielen Dank. Stimmt so.“

Ich war verunsichert. Ich wollte schon einfach die Kohle einsacken, beinahe hätte ich es selbst übersehen. Ich hielt ihr meine Hand mit dem Geld noch einmal hin:

„Ähm, ganz ehrlich: Sind Sie sicher? Wir waren bei 18,60.“

Sie bejahte und versicherte noch einmal:

„Glauben Sie mir, das ist gut so.“

Also hab ich das Geld eingesteckt. Die ganzen 33 €.

Gute Planung

Gute Planung soll das A und O sein. Bei der Arbeit, auch sonst im Leben. Muss was dran sein, schließlich erzählen es alle. Etwas irritierend nur, dass es oft die besonders gehetzten sind, die solches von sich geben …

Herzerfrischend planlos waren dafür ein paar von den angereisten bayrischen Fußballfans, die die Stadt am Samstag Abend unsicher gemacht haben. Fünf Blaumützen mit noch erträglichem Alkoholpegel und Mitteilungsbedürfnis ließen sich von mir am Ostbahnhof einsacken. Ich hatte das einzige Großraumtaxi vor Ort und die Kollegen waren zu anständig, die Jungs auf ihre vier Sitzplätze zu verteilen – obwohl es eine lukrative Tour war.

Denn sie wollten zum Flughafen. Der Zeitpunkt war etwas sonderbar, denn es war etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht. Begründet haben sie es jedoch damit, dass der Sonderzug zurück wohl voller sei als auf dem Weg nach Berlin und sie nun keinen Platz mehr hätten. Also würden sie fliegen. Mit dem nächsten Flug. Um 3 Uhr. Oder um 6, wer weiß das schon? Die Jungs nicht, aber sie hatten für alle Eventualitäten vorgesorgt und einen ganzen Rucksack unterschiedlichster Alkoholika zum Kommandounternehmen Heimflug mitgeschleppt.

Desweiteren war es das erste Mal in meinem Leben, dass ich ernsthaft auf die Frage, „Host a guade Musi a?“ geantwortet habe. Nur so fürs Protokoll und für eventuell später mal nachzuweisende Fremdsprachenkenntnisse meinerseits. 😉

Trotz des Unentschiedens nicht unhappy waren sie wohl auch sonst guter Dinge und der erste schlief bereits nach 10 Minuten. Sie staunten über die ein oder anderen Sehenswürdigkeiten im Vorbeifahren, waren sonst aber echt problemlose Fahrgäste. Die Fahrt kam mir sehr gelegen, auch wenn ich danach eine lange (und irrsinnige*) Leerfahrt hatte.

Am Flughafen freilich war alles ausgestorben, selbst die Taxischlange war überschaubar. Wahrscheinlich haben die drei Fahrer einfach nur die letzten Fahrgäste verschlafen und niemand wollte sie wecken. Die Jungs jedenfalls ließen sie auch in Ruhe und bestätigten nebenbei eines meiner Lieblingsklischees:

Während der Fahrt, als ich ihren Musikwunsch erfüllte:
„Alter, Du kriegst mal fettes Trinkgeld! Du bist korrekt drauf!“

Nach der Fahrt, beim Bezahlen:
„Was macht das? 24,90 €? OK, mach auf jeden Fall mal 25!“

Was sich bis dato alles irgendwie nicht nach guter Planung anhörte, wurde wahrscheinlich eine, als ihr eigentlicher Zug abfuhr. Der nämlich blieb in der Folge weitere zwei Stunden in Berlin, da er noch in Friedrichshain einen Mann überrollte. Das jedenfalls teilte die Polizei gestern mit. Sollte um 3 Uhr tatsächlich ein Flieger gestartet sein, waren sie wohl die ersten in der Heimat …


*Die Leerfahrt war deshalb unsinnig, da ich im Anschluss bis Lichtenberg gefahren bin, wo mich letztlich Jo anrief und mich nach Reinickendorf bestellte.