Voll geile Ideen, die völlig normal sind

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Der Alkohol mal wieder. Aber ich bin ja nicht so.

„Ey, ich hab voll die geile Idee!“

„Was denn?“

„Na: Du brings‘ mich heim!“

„Was ist daran geil, das mache ich ständig?“

„Na, ick wohn‘ ja nicht hier.“

„Und?“

„Ick bezahl‘ Dir!“

„Das will ich doch hoffen. Aber wo soll’s denn hingehen?“

„Errätst Du nie!“

„Das glaube ich. Also wohin?“

„Lichtenberg.“

„Und was ist daran so besonders geil?“

„Na, na, also von hier aus, hör‘ ma!“

„Ja?“

„Also immerhin, ne?“

„…“

„Dit is WEIT WECH!“

„Wir, ähm, sind schon in Lichtenberg.“

„Oh, na dann will ick nix jesacht ha’m. Marie-Curie-Allee.“

Aber um ehrlich zu sein: Dass jemand eine Tour um die 8 € mit mehr als 4 € Trinkgeld garniert, ist dann tatsächlich, ähm, ziemlich geil. 😉

Laune von null auf hundert auf null

Eine 10€-Tour nach Friedrichshain rein. Nun ja, so mittel halt. Aber dann erwies sich die Kundin als äußerst nett, gesprächig, es war einfach schön. Einfach eine nette Unterhaltung, das kann nach einer Stunde Wartezeit selbst bei einer durchschnittlichen Fahrt schnell mal die Laune heben.

Dann, wir waren noch 300 Meter vom Ziel entfernt, winkte es. Deutlich, penetrant, ich hab in Gedanken die Augen verdreht und mir gedacht:

„Hallo, so langsam müsste doch auch der letzte begriffen haben, dass eine ausgeschaltete Fackel bedeutet, dass das Taxi besetzt ist!“

Andererseits hoffte ich doch auch irgendwie, die beiden noch einsacken zu können. Die Aussicht war gering, wir waren auf einer Hauptstraße, durch die gerade an jenem Abend mehr als genug Taxis fuhren. Aber während ich meine Kundin und ihr Gepäck auslud, passierte nichts. Kein Taxi, Totenstille. Also hab ich sofort Vollgas gegeben und bin zurückgeschossen. Und sie standen noch da, puh!

Mit Höflichkeiten haben wir uns dann nicht lange aufgehalten.

„Alt-Biesdorf, zur Tierklinik. Kennste?“

„Ja, schon mal gesehen.“

„Schön.“

„Und, ist das dann jetzt ein Notfall?“

„Ja.“

Und da war die gute Laune wieder hin. Sicher, die Fahrt war gut für mich, aber die Fahrgäste waren deprimiert, telefonierten die ganze Zeit, so eine Tour halt.

Was passiert ist, weiß ich nicht. Das Tier war wohl schon in der Klinik. Aber der Laune nach wurde der altehrwürdige Familienhund eingeschläfert. 🙁

Schön, dass ich helfen konnte. Aber irgendwie ging’s mir 15 € vorher noch deutlich besser.

Ottos Ecke

Die Schicht lief nicht schlecht, der Winker hat mich also nicht wirklich überrascht. Vor der O2-World etwa stand er und wollte zur Warschauer Straße. Das immerhin hatten wir gleich geklärt, obwohl er kein Deutsch und auch kein nennenswertes Englisch gesprochen hat.

„And where exactly in the Warschauer Straße you want to go?“

„Ottose Ecke.“

„Ottos Ecke?“

„Ottose Ecke.“

Ich hab mit meinem Fahrgast noch geklärt gekriegt, was er meinte. Hat irgendwer sonst eine Ahnung? Ich löse im Laufe des Abends (irgendwann nach dem Aufstehen) auf. 🙂

Vorsicht: Einmal ums Eck denken ist notwendig!

Das Schicksal belohnt halt doch die Unehrlichen

Ich bin ja eigentlich eine ehrliche Haut. Aber es gibt so Tage, die auch mich brechen. Ich halte die Tarifbindung im Taxigewerbe für sinnvoll und halte mich zu 99,9% daran. Und Ausnahmen mache ich meist nur, wenn ich selbst Mist gebaut habe. Und dann sind da die zwei Fahrten jährlich, bei denen ich gegen dieses Gesetz verstoße.

In diesem Fall war es eine nicht sonderlich gut gelaufene Schicht, bei der ich mich eigentlich schon auf dem Heimweg befunden habe. Keinen Bock mehr, nach anderthalb Stunden Wartezeit eine 5€-Tour, alles nicht so dolle. Dann aber ein Winker, der abgezählte acht Euro bereithielt und fragte, ob ich ihn zu einem Bahnhof bringen könnte.

Ich will’s nicht schönreden, ich hätte es nicht annehmen dürfen. Der Preis wäre eher so um die 10 bis 11 € gewesen. Aber zur Erklärung:

  1. Es war ein beschissenes Wetter.
  2. Er hatte offenbar wirklich nur noch 8 €.
  3. Er war Opfer einer undurchsichtigen Haltestellenverlegung geworden.
  4. Ich brauchte dringend Umsatz.
  5. Es lag in meiner Richtung.

Ich bin halt auch nicht perfekt und ich helfe gerne anderen Menschen. Also hab ich die Uhr nach 8 € ausgemacht. Und, was ist passiert? Ich hab danach ziemlich schnell noch einen Winker bekommen, auch fast auf dem Weg, mit gutem Umsatz und auch mit Trinkgeld. Hätte eigentlich so nicht sein sollen, freut mich aber trotzdem. 😀

Wie man seinen Kumpel im Taxi nicht vorstellen sollte

„Und er hier hinten: Problemkandidat! Weisste Bescheid!“

Na schönen Dank auch. Ging aber fast noch besser weiter:

„Deswegen sind die anderen Taxis ja alle weitergefahren. Wärste mal besser auch …“

Am Ende war’s ne vollkommen stressfreie 8€-Winkertour mit einem Zweier Trinkgeld obenauf. Derartige „Problemkandidaten“ kommen mir gerade recht …

Liebling, ich habe die Stadt geschrumpft!

Ich war auf dem Heimweg. Also besser gesagt: Auf dem Weg zum Abstellplatz des Autos, in dem Fall unsere Firma in Niederschöneweide. Die Schicht war mies, ich war krank … aber natürlich hab ich die Fackel angelassen. Wenn noch eine Tour kommen sollte, dann würde ich sie halt fahren. Man nimmt halt mit was geht, an einem anderen Tag wartet man eine Stunde darauf …

Und so kam es, dass mich am Treptower Park zwei Männer rangewunken haben. Das Fahrtziel war, für eine spontane Winkertour, bemerkenswert:

„Brings‘ uns nach Lichtenrade?“

Ich war ernsthaft sprachlos. Einen Zwischenhalt mit deutlichem Umweg dorthin gab es auch noch. Wow! Eine Tour mit fast 20 Kilometern Fahrtstrecke, fast 30 € Umsatz … oder um es mit den Worten meiner Fahrgäste zu sagen:

„Einfach am Dammweg rechts, sin‘ vielleicht zwei, drei Kilometer Luftlinie …“

Manchmal muss man um weniger Geld betteln

Der Plan ging voll auf: Statt einfach weiter die Prenzlauer Allee gen Süden in Richtung Innenstadt zu brezeln, bin ich auf Winkersuche in die Danziger abgebogen. Und siehe da, nach nur zweihundert Metern, an der Ecke Winsstraße, winste winkte es.

Ein reichlich alkoholisierter Mittvierziger stieg ein und bedeutete mir, nach rechts abzubiegen. Kaum, dass ich das getan hatte, meinte er:

„Thule 13!“

„Ähm, meinen Sie die Thulestraße?“

„Thule 13!“

Man sehe mir bitte nach, dass ich unsicher war, ob es noch eine Thulechaussee oder eine Kneipe namens Thule13 gab! Also fragte ich abermals nach:

„Sie meinen die Thulestraße zwischen Schönhauser und Prenzlauer?“

„Ja.“

„Gut, dann fahre ich also gleich wieder rechts und dann auf die Prenzlauer …“

„Nee nee, fahr mal geradeaus!“

„Ähm, das ist aber die komplett falsche Richtung!“

„Nee, fahr mal, ich zeig’s Dir dann!“

„Die Prenzlauer Allee läuft hier parallel und wir fahren Richtung Süden. Die Thulestraße ist aber nördlich von hier.“

„Na, fahr einfach mal. Wenn Du’s nicht kennst, zeig ich Dir’s!“

„Ich kenne die Thulestraße und ich hätte eine Bitte: Dürfte ich ab jetzt in die richtige Richtung fahren?“

„Ach, Du machst das schon … ich weiß doch eh nicht, wo ich hier bin!“

„Danke!“

Seien wir nicht albern: Ich hab die 800 Meter Umweg bis dahin gerne mitgenommen. Ist schließlich schnell und sicher verdientes Geld. Und ich hab bei dem Kerl keine Sorge gehabt, dass ich es bekommen würde (gab am Ende auch gutes Trinkgeld) – aber wie hätte das weitergehen sollen? Noch einen Kilometer in die falsche Richtung, noch zwei oder fünf? Und wer wäre der Arsch gewesen, wenn die Fahrt nachher wirklich 20 oder 30 € statt der eigentlichen 10 gekostet hätte?

Nee, zusätzliches Einkommen in allen Ehren – aber dann doch lieber als Tip mit einem „Boah Fuck, wir sind ja schon da!“ 🙂