Hey, Adina-Hotels!

Ich weiß, Ihr seid nicht die ersten*, die diesem unsagbar bescheuerten Trend folgen – aber druckt gefälligst einen Hinweis auf eure Karten, von welchem eurer grandiosen Häuser sie sind! Ich hab echt Verständnis für Corporate Identity und vielleicht kriegt Ihr die Teile ja auch billiger, wenn Ihr sie gleich für alle Hotels bestellt. Aber das ist gespart am falschen Ende!

In Berlin habt Ihr drei innerstädtische Standorte und beim Ruf Berlins als Party-Hauptstadt war der französische Töffel in meinem Taxi sicher nicht der einzige, der sich nicht mehr erinnern konnte, wo sein Hotel jetzt genau liegt – also mal abgesehen von der hilfreichen Antwort „Berlin“.

Mir könnte es ja eigentlich egal sein, für mich als Taxifahrer ist das im Zweifelsfall mehr Umsatz, wenn ich eure Läden alle nacheinander abklappern muss. Das Schlimme ist nur, dass die Idee, für drei Hotels die gleichen Karten rauszugeben, so strunzdoof ist, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass man zusätzlich zur Karte auch noch eine gesonderte Adresse mitzunehmen hat. Und das wirkt sich nicht gerade positiv auf die Meinung eurer Kunden aus.

Also falls Ihr euch fragt, wieso der verstrahlte Glatzenträger mit dem schielenden Blick in eurer Niederlassung am Hackeschen Markt beim Auschecken kein Trinkgeld gegeben hat:

Das hat jetzt der Taxifahrer, der eures Ideenreichtums wegen trotz ausreichender Ortskenntnis nach Hotels suchen muss …

*Die Kollegen von Meininger sind da nicht besser …

Sind wir hier richtig?

„Sind wir hier richtig?“

„Ja, keine Ahnung!“

„Wie, keine Ahnung? Ich dachte, Sie wohnen hier.“

„Ja schon, aber nachs sieht das ja alles anders aus!“

So geht es mir manchmal tagsüber …

Paul

Arm an Kuriositäten ist Silvester natürlich nicht. Auch nie gewesen. Die Anzahl bekloppter Totalausfälle hat sich bei mir dieses Jahr sichtbar in Grenzen gehalten, abgesehen vom stressigen Fahrgast, den ich gestern erwähnt hatte, bleibt nur noch Paul.

Aufgegabelt hab ich ihn wie erstaunlich viele Fahrgäste in dieser Nacht in Friedrichsfelde. Dort kam er als ich an einer Ampel stand auf mich zugesprintet und ich war ein wenig erleichtert, dass er geradeaus laufen konnte. Sein bismarck’scher Bart verriet mir, dass kein jugendlicher Springinsfeld meine Dienste beanspruchte, sondern jemand, der sich vielleicht wenigstens auskennt mit den Folgen, die der Alkohol so auf seinen Körper hat. Diesbezüglich lag ich auch richtig. Ein wenig abstrus war die Fahrt dann trotzdem.

„Guten Abend und frohes Neues! Wo soll es denn hingehen?“

„Hinjehn? Ubahnstraße.“

„Urbanstraße, ja?“

„Saick doch!“

„In Kreuzberg, nehme ich an.“

„Logo.“

Zugegeben: aus dem Kopf hätte ich keine andere gekannt, aber man muss in Berlin ja wachsam sein.

„Und Du? Darf ick Du sang? Du bis ok?“

„Alles bestens – und das Du ist auch ok.“

„Ick bin Paul.“

„Sascha.“

„Sascha. Jut. Ick bin Paul. Bringste mir heim?“

„Das hatte ich vor.“

„Jut, haste Jeld bei?“

Au Backe. Ich hab während meine Antwort unauffällig zu ihm geschielt um das Risiko abzuschätzen. Gut, einen Überfall hatte er sicher nicht geplant. Aber die Frage nach meinem Geld ist nichts, was ich so einfach auf die leichte Schulter nehme. Da ist Taktieren angesagt.

„Naja, ein bisschen Wechselgeld halt, wie üblich.“

„HAHA! Ick mach doch nur Spaß. Ick zahl Dir dit ja ooch.“

„Das will ich doch hoffen. Ich dachte, das ist Teil des Deals.“

„HAHA! Klar. Du bringst mir heim, allet ok! Haste Jeld bei?“

„Wechselgeld, hab ich eben schon gesagt.“

„HAHA! Du bis mir eener! Ick mach nur Spaß! Ick bin Paul, und Du?“

Das Gespräch sollte nach diesem Start (wir waren noch nicht einmal auf der Frankfurter Allee!) nicht arg viel besser werden. Ein „HAHA!“ jagte das nächste und ich wurde etwa 15-mal gefragt, ob ich Geld dabei hätte. Immerhin war damit schnell klar, dass keine böse Absicht vorlag und einfach nur aufgrund des Alkoholpegels die Witzeplatte in seinem Kopf ein wenig sprang.

Ich hab silvestermäßig Fünfe grade sein lassen und nicht einmal protestiert, als er das ein oder andere Lachen damit verband, meinen Arm zu – ja was eigentlich? Knuddeln, massieren, festhalten … egal! Paul war dicht, ich hatte eine 20€-Tour und wäre ihn bald wieder los. Ich entschied mich für den Weg über die Elsenbrücke, es war mir im Gegenzug recht egal, ob wir vielleicht über die Schilling ein paar Cent hätten sparen können. Paul fragte ohnehin immer nur nach, wo wir seien, um anschließend mit lautem „HAHA!“ einzuleiten, dass es ihm völlig egal sei, so lange ich ihn nur heimbringen würde.

Also heim. Genau genommen ging es in eine Kneipe, was ich zwar nicht für die beste Idee hielt bei seinem Zustand, aber wieder einmal hab ich mich einfach zurückgezogen in die Rolle des Fahrers. Ich konnte an Silvester nicht die Welt retten und der Kater eines einzelnen Bismarcks konnte mir gleich dreimal egal sein. Am Hermannplatz fing er an, sich kindisch zu freuen und kurz vor seiner Kneipe fragte er ein letztes Mal, ob ich Geld dabei hätte. Aber wie ich erwartet hatte, zahlte er anstandslos die knapp 20 € auf der Uhr.

Während Paul mir für die 80 Cent Trinkgeld, die er gab, versuchte möglichst viele blaue Flecken durchs Anknuffen meines Arms zu verschaffen, sah ich etwas ängstlich zu einem Typen vor mir an der Straße, der im Gegenzug zu Paul zwar nicht den Bart, dafür aber den Habitus des deutschen Reiches versprühte. Seine Brille nur durchs zweite Glas von einem Monokel zu unterscheiden, steifer Gang, altmodische Weste … ein bisschen psychopathisch wirkte er schon. Aber er war ein potenzieller Kunde. Paul knuffte noch um sich und bedankte sich überschwänglich, als der feine Herr Kurs auf mein Taxi nahm. Naja, immerhin ein Fahrgast!

„Nee Paul, kaum jeh ick, kommste jeloofn!“

richtete er das Wort an meinen Fahrgast. Sie kannten sich also. Wahrscheinlich hat das geholfen, den überglücklichen Paul schneller aus dem Auto zu bekommen. Bismarck der Zweite ist dann übrigens trotzdem eingestiegen. War eine sehr nette Fahrt ohne komische Dialoge bis nach Lichtenrade. Nochmal 20 €, dieses Mal aber mit mehr Trinkgeld …

Kuriose Nacht

Taxifahren ist ja ein besonders guter Job, um ihn nebenher auszuüben. Sicher, Geld verdient man nicht unbedingt viel, aber wenn man hier und da mal ein paar Stündchen entbehren kann und einen Chef hat, der einem das durchgehen lässt, dann kann man sich ein paar Euro verdienen, ohne dass es sich allzu sehr nach Arbeit anfühlt. Und das tut es wirklich nicht, wenn man mal für ein paar wenige Touren ohne Anspruch aufbricht. Ich mache das ja auch manchmal …

Der Anruf um Mitternacht war bereits der zweite von Jo am gestrigen Abend und ich habe mich breitschlagen lassen, ihn aus der Kneipe nach Hause zu fahren. Im Nachhinein betrachtet war das auch besser so: wer weiß, ob ein Kollege ihn in dem Zustand mitgenommen hätte. Mehr hatte ich nicht vor, ich war ja nicht auf Arbeit. Deswegen habe ich mich auch nicht geärgert, als ich auf halber Strecke festgestellt hab, dass ich die Fackel ausgeschaltet hatte. Das allerdings sollte auch keinen Unterschied machen. Die potenziellen Kunden konnten mich von da an zwar sehen, aber trotz einer kompletten Durchquerung Prenzlauer Bergs fand sich keiner, der mir nicht in letzter Sekunde von einem Kollegen weggeschnappt wurde. Naja, Pech.

Nachdem ich für Ozie noch was an der Packstation abgeholt hatte, hab ich das Auto abgestellt und bin zu meinem Dönerladen rein. Kurz Kippen geholt und dann gehört wie der Typ vor mir sagt:

„Bestellste mir ein Taxi?“

Der Nachtschichtler griff nach dem Telefon, da warf ich ein:

„Also ich möchte mich nicht über Gebühr einmischen, aber ich bin Taxifahrer und ich hab mein Taxi gerade hier vor der Tür abgestellt.“

Und zack! Da hatte ich noch die zweite Tour, die den Ausflug zu später Stunde noch lohnend gemacht hat. Kurz nach Hellersdorf rüber, freie Straßen, alles bestens! Und nein, wie Arbeit hat sich das wirklich nicht angefühlt.

Panik!!!

Einen kurzen noch, weil mir gerade danach ist:

Der Fahrgast war ein bisschen verplant aber soweit nett. Als wir an der Kreuzung Rosa-Luxemburg-Straße/Torstraße ankamen, fiel ihm beim Blick auf den Kiosk ein, dass er noch Kippen bräuchte.

„Äh, ich spring kurz raus. Ich lass die Tasche hier. OK?“

So wirklich was dagegen sagen wollte ich nicht, aber ich stand auf der Linksabbiegerspur echt ziemlich blöd. Da aber hinter uns frei war, ließ ich ihn raus und rangierte dann ein wenig rückwärts, um das Auto wenigstens rechts an den Fahrbahnrand, bzw. halbseitig auf den Gehweg zu bekommen. Meinen Fahrgast hatte ich bei diesem Manöver erstmal völlig aus den Augen verloren, denn der befand sich jetzt auf der anderen Seite des Kiosks. Da sich aber seine Tasche – offenbar ein Notebook – im Wagen befand, machte ich mir keine Sorgen, dass er jetzt unbemerkt die Fliege macht. Dann allerdings dauerte es. Nach einer Minute sprang das Taxameter wieder an und ich fragte mich, wo mein Fahrgast bleibt. Ein bisschen Nervosität machte sich breit, auf Stress hatte ich ja nun wirklich keine Lust.

Plötzlich kam mir mein Kunde mit weit aufgerissenen Augen von der anderen Straßenseite entgegen. Völlig weggetreten vor Schock. Nachdem er sich unter vielen Danksagungen ins Auto fallengelassen hatte, erzählte er mir dann, dass er ein anderes Taxi hat wegfahren sehen und überzeugt war, ich wäre das gewesen. Und anstatt mal kurz ums Eck zu linsen, wo ich eigentlich stehen sollte, ist er dem wohl noch ein Stückchen panisch hinterhergerannt. Kann man ja mal machen. 🙂

Wie dem auch sei: beidseitige Erleichterung und ein angenehmes Ende mit Trinkgeld. Passt also.

 

Vorführmodell

Dank der gesperrten Karlshorster Straße kam ich gar nicht ohne Umweg bis nach Rummelsburg. Dass diese Tour so ein Glücksgriff sein sollte, ahnte ich aber nicht. Denn am Wochenende ist zwar immer irgendwo Party, aber dass die zwei verstrahlten Jungs ausgerechnet zu einem Open Air wollten, das bereits um 23 Uhr – kurz nachdem wir dort aufschlugen – beendet sein sollte, war Glück. In Berlin alle Veranstaltungen im Überblick zu behalten ist fast unmöglich und ich wäre sicher nicht einfach so auf Verdacht bis fast nach Schöneweide gegurkt, nur um mal zu gucken, was da geht. Aber ich sah dann, dass ein paar Kollegen bereits dort rumstehen und das ist meist ein gutes Zeichen. Also hab ich mich angestellt.

Zunächst war ich ein bisschen enttäuscht vom Publikum dort. Zuerst wollten mich 7 Leute mit ziemlich überheblichem Tonfall davon überzeugen, dass ich sie ja wohl schon alle mitnehmen könnte – mit dem irgendwie für mich sehr zwiespältigen Argument, dass das ja voll ok wäre, weil es nur so eine kurze Fahrt sei. Aber auch wenn ich in Besitz eines gültigen Staplerscheins bin: mir sind solche Fahrten nicht erlaubt. Und schon dreimal nicht, wenn ich sie machen muss, um nicht uncool zu sein.
Als nächstes wurde mein Auto dann einige Zeit verschmäht, weil die Leute lieber Mercedes fahren wollten. Das ist prinzipiell natürlich ok, ich bin nach wie vor ein Fürsprecher für die freie Fahrzeugwahl durch die Kunden. Aber ein bisschen denkt man in solchen Momenten dann doch darüber nach, was die Leute denken würden, wenn ich sie stehen lassen würde und doch lieber die hübschen Frauen oder die schwerreichen Typen einsacke, die mir irgendwie als Kundschaft besser gefallen würden.

(sind übrigens beides nicht ernsthaft die Kriterien, nach denen ich wählen würde, aber es veranschaulicht die Sache ganz gut.)

Aber wie meist, wenn es mal nicht so läuft, kam die Erlösung in Form eines sehr sympathischen Menschen. Er wirkte reichlich verpeilt, aber transportabel. Beliebt gemacht hat er sich gleich vor dem Einstieg, als er einen Blick ins Auto warf und mich fragte:

„Nimmste mich mit oder warteste eigentlich auf ’ne Großraumtour?“

„Nee Quatsch, steig ein!“

Das ist meine Kundschaft: Die, die man vom äußeren nie für Taxikunden halten würde, die aber letztlich durch Freundlichkeit und Verständnis auffallen. Er hatte auch eine gute 20€-Tour bis in die City zu bieten. Zumindest vorläufig. Er telefonierte noch ein bisschen hin und her und es wurde klar, dass er in einer Zwickmühle steckte: Auf der einen Seite hätte er locker noch zwei bis drei Verabredungen zum Weiterfeiern gehabt, auf der anderen hatte er bereits 24 Stunden Party hinter sich und freute sich aufs Bett. Und, wer soll in solchen Momenten bei der Entscheidungsfindung helfen? Der Taxifahrer, na klar!

Zunächst  versuchte er irgendwie, sich von der Rückbank aus im Spiegel über dem Beifahrersitz zu erkennen und zu bestimmen, ob er noch partytauglich wäre. Das misslang allerdings wegen unzureichender Lichtverhältnisse und er fragte mich, ob ich denn der Meinung sei, er würde noch „gut genug aussehen, um wohin zu gehen, wo ich mich präsentieren und vorführen muss“.

Schon der Verkehrslage wegen musterte ich ihn nur kurz und war dann aus Prinzip diplomatisch unschlüssig. Bei jeder WG-Party wäre er nicht weiter aufgefallen, auf der anderen Seite sah man schon, dass die Haare etwas speckig und die Klamotten nicht mehr frisch gebügelt waren. Er nahm es dankbar entgegen, dass ich nicht umgehend rumgeflippt bin und sein Äußeres gelobt habe und befand sich des Bettes eher für würdig.

Und das Bett stand dankenswerterweise auch weiter weg als die Party es gewesen wäre. Ich hatte also auch etwas davon. 😉

Die Leute haben Ideen

Also eines muss man sagen: Kreativ sind Betrunkene ja, insbesondere auf der Suche nach potenziellen Sexualpartnern. Selbst ich gehe ja manchmal dazwischen, wenn ein paar Spinner meinen, sie müssten anfangen, Leuten auf der Straße Obszönitäten nachrufen. Irgendwann ist auch mal gut.

Von der Sorte waren die beiden biertrinkenden Gesellen in meinem Auto glücklicherweise nicht. Sie gönnten sich noch eben schnell die Kurzstrecke mit dem Taxi, ansonsten stellten sie eher melancholisch fest, dass sie ihre Zeit in Berlin sinnloserweise nur mit Arbeit verbracht hätten. Sie bescheinigten sich den Status „chronisch untervögelt“, aber immerhin in Zimmerlautstärke. Bis dann einer eine Radfahrerin auf der Straße entdeckte.

Nun kam ein Satz, der mich beinahe vor Lachen dazu gebracht hätte, just das falsche, äh richtige, also… egal. Einer der Jungs lehnte sich vor zu mir und sagte in lieblich-vertrauensvollem Tonfall:

„Duu? Kannst Du die da mal bitte kurz anfahren?“