Kuriose Nacht

Taxifahren ist ja ein besonders guter Job, um ihn nebenher auszuüben. Sicher, Geld verdient man nicht unbedingt viel, aber wenn man hier und da mal ein paar Stündchen entbehren kann und einen Chef hat, der einem das durchgehen lässt, dann kann man sich ein paar Euro verdienen, ohne dass es sich allzu sehr nach Arbeit anfühlt. Und das tut es wirklich nicht, wenn man mal für ein paar wenige Touren ohne Anspruch aufbricht. Ich mache das ja auch manchmal …

Der Anruf um Mitternacht war bereits der zweite von Jo am gestrigen Abend und ich habe mich breitschlagen lassen, ihn aus der Kneipe nach Hause zu fahren. Im Nachhinein betrachtet war das auch besser so: wer weiß, ob ein Kollege ihn in dem Zustand mitgenommen hätte. Mehr hatte ich nicht vor, ich war ja nicht auf Arbeit. Deswegen habe ich mich auch nicht geärgert, als ich auf halber Strecke festgestellt hab, dass ich die Fackel ausgeschaltet hatte. Das allerdings sollte auch keinen Unterschied machen. Die potenziellen Kunden konnten mich von da an zwar sehen, aber trotz einer kompletten Durchquerung Prenzlauer Bergs fand sich keiner, der mir nicht in letzter Sekunde von einem Kollegen weggeschnappt wurde. Naja, Pech.

Nachdem ich für Ozie noch was an der Packstation abgeholt hatte, hab ich das Auto abgestellt und bin zu meinem Dönerladen rein. Kurz Kippen geholt und dann gehört wie der Typ vor mir sagt:

„Bestellste mir ein Taxi?“

Der Nachtschichtler griff nach dem Telefon, da warf ich ein:

„Also ich möchte mich nicht über Gebühr einmischen, aber ich bin Taxifahrer und ich hab mein Taxi gerade hier vor der Tür abgestellt.“

Und zack! Da hatte ich noch die zweite Tour, die den Ausflug zu später Stunde noch lohnend gemacht hat. Kurz nach Hellersdorf rüber, freie Straßen, alles bestens! Und nein, wie Arbeit hat sich das wirklich nicht angefühlt.

17 Kommentare bis “Kuriose Nacht”

  1. a.-n. sagt:

    Aber du musstest das Taxi erst umständlich holen oder war das an dem Tag anders?

  2. Sash sagt:

    @a.-n.:
    Hab’s gerade meistens vor der Türe stehen 🙂

  3. Busfahrer sagt:

    Praktisch, praktisch – aus den vergangenen Blogposts liest man ja raus, dass du kein eigenes Auto hast (wozu auch in Berlin). Jetzt wo die Kiste vor deiner Tür steht – darfst du Sie dann auch privat nutzen, für Großeinkauf o.ä?

  4. Sash sagt:

    @Busfahrer:
    Jepp, kann ich. Hat mein Chef gleich bei der Einstellung gesagt: „Wenn Du ein Auto hast, denk drüber nach, es zu verkaufen …“

  5. Odenwälder Taxifahrer sagt:

    Wie is das denn bei dir?: ab wann sind es denn zu viele leerkilometer??

  6. Sash sagt:

    @Odenwälder Taxifahrer:
    Wir haben da keinen festen Wert. Sicher freut sich mein Chef, wenn ich grob auf 1,00 €/km komme, bei 1,20 macht niemand rum. Außerdem sagen sie auch immer: Wenn ich was privat gefahren bin, dann soll ich das auf den Abschreibern notieren – so lange es also irgendwie nachvollziehbar bleibt, kriegt man da bei uns keine Probleme. Selbst wenn man mal in einer Schicht 200k m für 100 € verballert. Bei solchen Extremfällen sage ich aber meist auch gleich Bescheid, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, ich würde da Schwarzfahrten machen oder sonstwas. So kitschig es klingt: eigentlich ist alles ok, so lange sie einem vertrauen, dass man weiß, was man macht, sie nicht bescheißt und wenigstens mitdenkt.

  7. Apotheker-Typ sagt:

    @Sash: Wie ist das denn mit den Leer-km? Ich meine: A): Wenn ich an der Tanke anhalte, schnell noch im Supermarkt nebenan was einkaufe vor dem Nachhauseweg, wäre das ein (theoretischer) Verstoß gemäß Arbeitsrecht? Und B): Wenn man als Taxifahrer auf Winkersuche durch die Stadt cruised, sind das nicht sowieso kiloweise Leer-km? Und wie unterscheidet man die von „anderen“ Leer-km?

  8. Sash sagt:

    @Apotheker-Typ:
    B) Die kannste natürlich nicht unterscheiden. Aber es gibt eben welche, die sich unnötig anfühlen und welche, die man ggf. schon für sich als Privatfahrt betrachtet (wobei ich da auch nicht alles notiere, klar). Also für mich ist es schon normal, dass ich vielleicht nochmal eine Runde durch belebtes Gebiet drehe, bevor ich zu einer Halte fahre – ich verzichte aber auch mal drauf, wenn ich eh schon 80 km und nur 50 € auf der Uhr habe.
    A) Ich würde nicht sagen, dass das ein theoretischer Verstoß ist, sondern eher das, was uns arbeitsrechtlich den Arsch rettet. Das sind jene frei bestimmten Pausen, mit denen ich eine 10-stündige Schicht rechtfertigen kann 😉
    Ich will ehrlich sein: Ich hab keine Ahnung, ob es da Einschränkungen gibt. Laut meinem Chef darf ich während der Arbeitszeit machen, was ich will. Auch 8 von 10 Stunden privat auf einem Parkplatz im Kreis fahren. Ich muss halt damit rechnen, dass er irgendwann mal (hatten mal einen Kollegen, der ein halbes Jahr lang immer 150 km für seine 100€-Schichten gefahren ist) nachfragen und ein bisschen mehr Sorgfalt anmahnt. Dazu kommt es aber quasi nie, wir sind ja auch keine Idioten reiten unsern Chef mit Blödsinn in den Ruin.

  9. Apotheker-Typ sagt:

    @Sash: Danke für die aufschlussreiche Antwort.
    „…Auch 8 von 10 Stunden privat auf einem Parkplatz im Kreis fahren…“ Vielleicht findest Du ja mal einen Kunden, der das wünscht. Aber auf jeden Fall wirst Du dann Kreismeister! 😉 Doch wenn Du das schon machst, wollen wir hinterher Fotos von den Donuts hier im Blog sehen!

  10. Sash sagt:

    @Apotheker-Typ:
    Ein paar so klassische Unsinnsfahrten habe ich bisher ja tatsächlich noch nicht in der Liste – wer weiß, was da noch kommt. 🙂

  11. Zero the Hero sagt:

    Unsinnsfahrten? Irgendwo liegt immer ein versteckter Sinn 😉
    Wir haben mal ein Taxi gerufen und an die Tanke geschickt, 2 Kästen Bier holen (wir wollten unsere Gartenparty nicht unterbrechen und fahren konnte eh keiner mehr).

  12. taxi-row sagt:

    Das sind doch keine unsinnsfahrten! Bier Vodka Zigaretten alles mit dem Taxi einkaufen lassen ist unser täglich geschäft aufm Land 🙂

  13. Sash sagt:

    @Zero the Hero:
    Aber im Kreis fahren wäre eine Unsinnsfahrt, oder?

  14. Apotheker-Typ sagt:

    @Sash: Der Kreis ist das Symbol für das Universum, für Unendlickeit (nur in Mathe nicht, da ist das ne umgekippte 8), er symbolisiert das Ying und Yang, er symolisiert den Umlauf von Planeten um die Sonne und von Elektronen um den Atomkern (jaja, beides ist anders, es ist nur ein Symbol). Also wenn Dich ein Kunde mehrere Stunden Kreise fahren läßt, will er vielleicht nur meditieren…

  15. Sash sagt:

    @Apotheker-Typ:
    Ähm, ja. Sicher.
    🙂

  16. Zero the Hero sagt:

    Sash, solange Du jemanden findest, der Dich dafür bezahlt…Nenn es „Formel T“ oder so.

  17. Sash sagt:

    @Zero the Hero:
    Gute Idee. 🙂

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