„Einfach geradeaus …“

Ich dachte, ich kenne so langsam alle Strecken in Berlin, bei denen „Einfach geradeaus“ eine eher ungute Idee ist. Aber dieser Kunde hatte mich erwischt. OK, es lag auch daran, dass er den Zielort nur ungenau benannt hat, aber immerhin. Von Friedrichsfelde nach Weißensee, Pistoriusstraße. Als ich auf die Hauptstraße links abbog, fragte er kritisch:

„Ach, Du willst nich‘ hier über die Umgehungsstraße?“

Ich hatte das nicht einmal in Erwägung gezogen. Aber gut, ein Blick auf den Stadtplan:

Meine kürzeste Strecke. Quelle: Google Maps

Was der Kunde im Kopf hatte. Quelle: Google Maps

Aber auch ihm fiel vor dem Ziel bereits auf:

„Ach, wir sind schon hier? Du, dit haste aber … nee ehrlich, haste jut jemacht!“

PS: Ja, ich hab die Bilddateien beim Erstellen falsch beschriftet, es ist trotzdem so herum wahr. 🙂

„Spezialabkürzung“

Mein Kunde war sich sehr sicher:

„Immer geradeaus!“

„Ich weiß nicht, ob …“

„Wir fahren Pablo-Picasso …“

„Aber geradeaus kommen wir zur …“

„Ja ja, zeig ick Dir! Heut mach ma mal Spezialabkürzung!“

„Von Marzahn nach Hohenschönhausen, aber Spezial bitte!“ Quelle: maps.google.com

Nicht ganz bei der Sache

Ob es daran lag, dass ich die letzten Tage krank und mit deutlich erhöhtem Schlafbedürfnis zu Hause war und der Umschwung ins Taxi etwas plötzlich (nach nur 9 Stunden Schlaf) kam? Ich weiß es nicht. Jedenfalls hab ich heute nacht gleich zwei Touren so sehr versemmelt, dass ich am Ende die Uhr eine Weile ausgemacht habe, um meinen Umweg auszugleichen. Und beide Male hatte ich einfach nicht richtig zugehört. Dass ich kurz vor Feierabend statt Richtung Bahnhof Wuhlheide in Richtung Wuhletal gefahren bin, das lag vielleicht noch an sowas wie Erwartungshaltung in Friedrichsfelde. Aber gleich zu Beginn die Fahrt in die Gensinger, bei der ich zielsicher die Genslerstraße angesteuert habe … als ob ich die nicht eigentlich sehr gut auseinanderhalten könnte!

Die Krönung da war aber die Kundin, die mir völlig selbstverständlich zustimmte, dass wir auch über die Landsberger fahren könnten:

„Naja, auf der Frankfurter wird ja auch gebaut, nich?“

Ich hab’s wie gesagt nicht ausgenutzt und am Ende lieber das Trinkgeld für meine Ehrlichkeit kassiert als die paar Euro mehr auf der Uhr. Ich hoffe mal, heute Abend bin ich dann etwas mehr bei der Sache!

Zu ehrlich zum Bescheißen

Manche Dinge passieren selten, manche sehr selten – und bei manchen fragt man sich echt, wann das das letzte Mal passiert ist.

Ich hatte Fahrgäste vom Sisyphos im Auto, fuhr gerade auf die Elsenbrücke, und plötzlich war da dieses tiefschwarze Loch in meinem Gehirn.  Wo zur Hölle wollten die beiden? Wir unterhielten uns die ganze Zeit, ich hatte es offenbar einfach vergess …

„Fuck! Did you say Wilde Renate?“

„Yeah.“

Sehr schön. Ich war also eben vorbeigefahren. Mal abgesehen von den 40 Cent: Immerhin arbeite ich in einem Job, in dem ein Fehler schnell ausgeglichen werden kann. Ich hatte nicht eben einen Anzug zu eng genäht, auf den falschen Burger Currysauce geschüttet oder versehentlich eine halbe Milliarde Euro am Börsenmarkt verloren. Immerhin. Also Uhr aus und zurück.

Ich hab mich entschuldigt und versichert, dass das kein Versuch war, die beiden abzuzocken. Was sie recht schnell verstanden:

„Of course not. I mean: Why would you have told us?“

Um ehrlich zu sein: Taxifahrer-Krankheit! Natürlich rechne ich damit, dass jemand merkt, dass ich dreimal in dieselbe Richtung abbiege und das (abgesehen von wenigen Ausnahmen) nicht der kürzeste Weg sein kann. Was natürlich albern ist, Touristen wären oft so leicht zu verarschen.

An der Renate hab ich dann immerhin gesehen, warum ich vorbeigefahren war: Es war zu, alles dunkel, keine Schlange. Das erleichtert der Verpeilung ihren Zugriff enorm.

Am Ende hab ich die Kundschaft dann ohne Uhr noch zum about:blank gebracht. Auf dem kürzesten Weg dorthin wären ohnehin anderthalb Euro weniger angefallen. Mal ganz abgesehen von Wiedergutmachung und so: Das war eh der kürzeste Weg zurück zum Sisyphos. Und was soll ich sagen: Wenn man das nun angefallene Trinkgeld mit einberechnet, hatte ich am Ende dann doch wieder alles richtig gemacht. Sowas braucht’s auch hin und wieder. 🙂

Bescheuertster Ortskundefail ever!

„Hallo, wo darf’s hingehen?“

„Knorrpromenade.“

„Oh, welcher Stadtteil war das noch gleich?“

Und hier der nötige Einschub: Ja, es gibt in Berlin ausnahmsweise nur eine Knorrpromenade und die liegt sogar ziemlich unweit meiner Lieblingshalte am Ostbahnhof. Im Grunde kenne ich die, sogar inklusive Einbahnstraßenregelung. Da ich aber, wie ich immer gerne betone, auch als Taxifahrer nur mit Wasser koche, hab ich beim Stichwort „Promenade“ ein paar Kandidaten im Kopf, die nicht wirklich was miteinander zu tun haben. Und bevor man wegen eines kleinen Verhörers in einen komplett falschen Stadtteil startet, fragt man halt nochmal nach. Und die Antwort kam schnell:

„Torstraße, Schwedter Straße.“

OK, in der Ecke war mir das völlig fremd, also hatte ich da was verwechselt. Passiert. Irgendeine kleine Straße, die so ähnlich heißt, das ist wirklich Alltag. Immerhin wusste ich nun schon einmal, in welche Ecke es gehen sollte und bin losgefahren. Ich hab mir auf der Karte meines Trackers einen Wolf gezoomt, die Straße dort nicht gefunden und am Ende dann doch das Navi angeschmissen. Das aber leitete mich, obwohl inzwischen in die andere Richtung unterwegs, wie ich zunächst vermutet hatte, weiter nach Friedrichshain in den Boxhagener Kiez.

Obwohl ich bis dato dachte, der Kunde kenne sich aus, fragte ich mal eben schnell nach. Und ein Abgleich unseres Wissens ergab, dass natürlich das Navi und meine Intuition recht hatten. Der Fahrgast hatte noch vor dem Einstieg wohl etwas zu hektisch gegoogelt und war dank persönlichen Algorithmen für mich nicht mehr nachvollziehbar sehr schnell bei einer Firma gelandet, die zwar die Knorrpromenade im Namen führt, aber eben in der Schwedter Straße angesiedelt ist.

Das Ende vom Lied war fast schon langweilig und ist hier trotzdem erwähnenswert: Er hat das auf seine Kappe genommen und sich für die Weitergabe der falschen Infos entschuldigt. Und am Ende mittels Trinkgeld sogar den eigentlich höheren Betrag bis zu seiner Fantasieadresse gezahlt, den ich zunächst in den Raum geworfen hatte.

Natürlich war ich nicht gänzlich unschuldig, ich hätte meinem Wissen auch einfach vertrauen können. Aber ich glaube, dass es in einer großen Stadt mit etlichen doppelten Straßennamen auch nicht dumm ist, bei einer schnellen und deutlichen Ortsangabe erst einmal den Kunden zu vertrauen. Wie ich gerne sage: Vor der eigenen Haustüre kennen sich die Fahrgäste natürlich besser aus als ich. Dass ihr Ziel erst kürzlich falsch ergoogelt wurde, kann ich nicht immer erahnen.

In dem Fall war das Ergebnis wie gesagt super. Denn mal abgesehen vom Trinkgeld hatte ich am Ende einen Kunden, der trotz Umweg und damit höheren Kosten einfach nur nett und verständnisvoll war. Es ist ja nicht einmal so, dass ich in dem Fall nicht ein Auge zugedrückt hätte bezüglich des Preises, aber diese Variante ist einfach nur nice!

Mal wieder eine Kundenroute

Auf dem Bild sieht das ja erst einmal ganz nett aus:

„So fahr‘ ich immer!“ Quelle: openrouteservice.org

Dass die kürzeste Route ein Spezialfetisch von uns Taxifahrern ist: Schon klar. Dass ein Kunde also nicht an die Marzahner Chaussee (erkennbar hilfreich schräg im Bild) denkt, ist in Ordnung. Aber ausgerechnet die Schleife auf die Märkische Allee fahren zu wollen (anstatt direkt auf den Blumberger Damm) oder gefühlte dreihundert Kilometer die Oberfeldstraße (die lange senkrechte Strecke) anstelle des – nun ja, Blumberger Damms – wo weitgehend rechts vor links herrscht …

Ich weiß, für Nicht-Marzahner wirkt das geradezu kleinlich, trotz Blick auf die Karte. Aber sowas  absurdes habe ich selten erlebt. Dass Kunden mal auch nachts die „tagsüber schnellere“ Strecke wählen: OK. Aber ein verlängerter Weg bei gleichzeitig massiv erhöhter Nervigkeit ist echt beeindruckend!

Tierpark Marzahn

Eigentlich waren sie schon vorbeigelaufen, dann aber kamen sie zurück: Drei lustig angeheiterte Russen am Bahnhof Friedrichsfelde-Ost.

„Moin, wo darf’s hingehen?“

„Tierpark Marzahn.“

WTF?

OK, wir haben hier in Marzahn nächstes Jahr die IGA, da hätte es mich nur wenig verwundert, wenn dafür auch ein Zoo gebaut würde. Ich meine: Wer bei maximal 100 Meter hohen Bergen eine Seilbahn installiert, dem ist alles zuzutrauen!

Der gemeinhin bekannte Tierpark einerseits und Marzahn andererseits sind von Friedrichsfelde-Ost aus eben zwei entgegengesetzte Richtungen. Aber so sollte es wohl sein. Zwei Leute am Tierpark absetzen und dann nach Marzahn. Und hey, ich hatte eh genug an diesem Tag, da kam eine Tour nach Hause gerade recht. Am Tierpark kam dann die allerbeste Wende: Der offenbar zahlungswillige Typ (es waren drei Kollegen von einer Weihnachtsfeier) bot dem zweiten Kumpel an, dass er nicht hier aussteigen und die Bahn nehmen müsse, sondern wir das gerne noch mit dem Taxi erledigen könnten.

Also stand als nächstes zwischenzeitliches Fahrtziel Oberschöneweide an.

Da hier auch Nicht-Berliner mitlesen: Die Fahrt war auf ganz Deutschland umgerechnet etwa eine von Berlin über Erfurt nach Rostock. Und in Erfurt bekam ich dann gesagt, dass vor Rostock noch ein Zwischenstopp in Stuttgart fällig wäre. Bei mitlaufendem Taxameter.

So denn!

Ich brachte beide heim, aber am Ende kramte der Typ auf dem Beifahrersitz bei mehr als 35€ einen einsamen Zwanni raus und war offensichtlich selbst überrascht, dass das wohl nicht so ganz aufgehen würde. Also zur Sparkasse.

(Kartenzahlung wäre auch gegangen, aber der Kerl wollte wohl mehr als nur die Taxikohle abheben)

Die Sparkasse ums Eck hatte wie so viele nachts geschlossen. Also bat er mich, mal eben kurz nach Ahrensfelde zu fahren. Genau genommen war das noch Marzahn-Nord, aber auf unserer imaginären Deutschland-Tourkarte war es eben Malmö.

Wie eben schon bei ihm vor der Tür lotste er mich an eine Sparkasse, bei der ich mehr als 30 Meter entfernt halten musste. Ich bin ein zweites Mal auch ausgestiegen und hab ihn beobachtet. Dass er einfach abhaut, wäre so absurd ja nicht gewesen. Und tatsächlich verschwand er nach dem Geldholen weit weg hinter einem Busch und ich war kurz davor, mich zu ärgern. Ich Idiot lasse es ja auch mit mir machen!
Kurz ums Eck geschielt war allerdings klar, dass er nur mal kurz pinkeln musste. Danach kam er brav und artig zum Taxi zurückgetorkelt.

Für das, was ich dann getan hab, hatte ich weder einen handfesten Grund, noch eine rechtliche Grundlage. Aber in Anbetracht der ganzen Tour hab ich’s trotzdem getan: Ich hab folgendes gesagt:

„Hey, ist jetzt alles unnötig stressig gewesen und ich will ehrlich sein: Ich find’s cool, dass Du deine Freunde noch heimgebracht hast! Sowas sehe ich definitiv zu selten. Der Rest der Strecke liegt eh auf meinem Heimweg, also mache ich jetzt mal die Uhr aus und wir sind mit den knapp 40€ hier einfach quit, ok?“

Natürlich war das ok. Zumal der Kerl nie versucht hatte, den Preis zu drücken. Der war dankbar, happy und hat noch ein gutes Trinkgeld gegeben. Und für mich wäre die Tour auch mit 3€ mehr irgendwie keinen Fatz besser gewesen. OK, das Karma war dieses Wochenende ein Arschloch und es ging vergleichsweise beschissen weiter. Aber was will ich mich beschweren? Es war immer noch die ungefähr beste Tour, die ich an diesem Abend um diese Zeit hätte kriegen können. Und zudem: DER steigt auch nächstes Jahr wieder ins Taxi. Und ich werde für ihn da sein! 😉