40€-Bartwuchs

Ich stand mit einem Kollegen alleine am Ostbahnhof. War schon spät. Da tauchten plötzlich zwei potenzielle Kunden auf, ein junges Paar:

„Entschuldigen Sie, nimmt einer von Ihnen auch Kreditkarte?“

Ich hab stellvertretend für uns beide (ich kenne ihn) geantwortet, dass wir das tun würden und so eine leichte Handbewegung in seine Richtung gemacht, da er eben erster war. Die Dame wirkte hin- und hergerissen, grinste dann mich an und meinte:

„Wir nehmen Dich. Du hast den hübscheren Bart!“

OK, zugegeben, ich hab mich vor der Schicht rasiert – aber der Kollege hatte ein neueres Auto!

Die Fahrt brachte am Ende durch zwei Fahrtziele und einen längeren Zwischenstopp amtliche 35,50 € auf die Uhr. Dazu 1,50 € Zuschlag für Kartenzahlung – und am Ende noch die 3 € Trinkgeld, die auf glatte 40 noch gefehlt hatten. Sagen wir’s mal so: Ich hab dem Kollegen einen Tag später für seine Art des Rasierens gedankt. 😉

So … und jetzt frohe Weihnachten, werte Lesergemeinde!

Man kann’s halt echt nie wissen …

„Hi! Ach, rauch ruhig noch auf, dann zünd‘  ich mir auch noch eine an …“

Obwohl ich immer wieder gerne eine angefangene Kippe gegen eine sofortige Fahrt tausche, ist die Ansage ja erst einmal nett. Und hier am Ostbahnhof … ich kann’s als Raucher ja verstehen: Da geht man für die erste Kippe seit Stunden kurz vor die Tür und direkt da steht dann ja auch schon das Taxi. Da überschneidet sich das halt mal.

Ich hab also dem Kollegen hinter mir Bescheid gegeben, dass ich schon besetzt bin und hab eine Minute später dann einen Kunden zu ihm durchgereicht mit dem Hinweis darauf, diese Dame hier gleich zu fahren. Unschön, aber eben Teil der Geschichte, wenn man seinen Fisch schon an der Angel hat.

Sie hatte ihre frisch angezündete Zigarette beendet, bevor ich meine fertig rauchen konnte, wir stiegen dann beide ein und ich fragte sie, wo’s hingehen solle.

„Zum Engeldamm.“

-.-

Ich bin nach wie vor kein Kurzstreckenfeind, aber da die einzige Ampel grün gezeigt hat, hat die Fahrt am Ende ungelogen ungefähr 45 Sekunden gedauert. Vielleicht 50. Da kommen einem dann drei Minuten Raucherpause vorher doch reichlich unnötig vor. Aber ja, man weiß es halt nicht vorher. Nächstes Mal ist es vielleicht wieder die 50€-Schichtrettung, die man sich mit der aufgebrachten Geduld an Land zieht … und dass man das nicht weiß, macht die Sache ja auch irgendwie spannend. 😉

Eingeschränkte Wegewahl

Da war einer direkt am Taxistand aber reichlich besorgt und rief seinem Kumpel zu:

„Wat willst’n da lang? Da sind überall Bullen, da komm‘ ich nicht mit!“

Nun mag eine besondere Häufung von Polizeifahrzeugen ja durchaus auf potenziellen Ärger hinweisen – jetzt auch mal völlig egal, ob man keinen Bock auf die Polizei selbst oder auf die hat, derentwegen selbige vor Ort ist.

Aber wenn man schon derart sensibilisiert ist, dann täte man gut daran zu wissen, dass am Ostbahnhof einfach nur ein Revier samt Parkplatz ist und abgestellte Wannen nun nicht wirklich keine nennenswerte Gefahr für wen auch immer sind.

Auf die Idee, mit dem Taxi aus der Gefahrenzone zu flüchten, ist er aber leider auch nicht gekommen … 🙁

 

„Fußgänger“

Eine etwas traurige Pressemitteilung der Polizei dieses Wochenende ist diese: „Fußgänger bei Verkehrsunfall schwer verletzt„. Mal abgesehen davon, dass es immer traurig ist, wenn im Verkehr irgendwer verletzt wird: Bei besagtem „Fußgänger“ handelte es sich ebenfalls um einen Taxifahrer, zudem um einen, den ich von ein paar Gesprächen kenne. 🙁

Ich war nicht live dabei, ich weiß also wirklich nicht, was der andere Kollege da genau verbockt hat – aber das dürfte jetzt ohnehin erstmal eine Frage für Gutachter, Anwälte und Richter werden.

Ich kann nur hoffen, dass der Verletzte schnell wieder auf die Beine kommt, meine Daumen jedenfalls sind gedrückt.

PS: Ein Taxiunfall an Position 1 am Ostbahnhof. Nachts. Und ich war nicht involviert. Das ist ja auch schon wieder unheimlich, oder?

Nein, ich kann kein Taxi holen!

Wenn mal viel los ist – wie heute nacht nach dem reichlich späten Ende des Madonna-Konzertes in der O2-World Mercedes-Benz-Arena z.B. – treten nach dem Zustieg der Fahrgäste schon mal weitere an mich heran und fragen, ob ich nicht noch ein Taxi holen könne.

Ich versteh‘ das ja, aber tatsächlich kann ich das nicht. Zum einen wäre da das Problem, dass in der schönen neuen Datenfunkwelt die Kommunikation der Zentrale so läuft, dass ich einen Sprachwunsch anmelden muss und dann auf den Rückruf auf mein Handy warten muss. Die Zeiten mit dem Ins-Mikro-Rufen „Alle Kollegen hierher, es gibt was zu holen!“ sind langsam vorbei. Mit anderen Worten: Selbst anrufen oder via App bestellen ist in dem Fall schlicht der schnellere Weg – und bei aller Liebe: Nur weil ich zufällig den gleichen Job mache, werde ich das nicht einfach allen Leuten abnehmen.

Zumal kurz zuvor meist allgemeine Meldungen der Zentrale an etliche hundert Taxis rausgegangen ist, dass dort Leute warten. Und ja, natürlich fahren deswegen nicht alle Fahrer aus ganz Berlin da hin – aber eine konkrete Bestellung ist sowieso viel sicherer als ein vages „Da sind noch Leute …“ (denn da schwingt schon im Subtext mit: „… und die nehmen sowieso das erste Taxi, das dort zufällig vorbeikommt“).

Noch schwieriger aber: Das passiert rein logisch immer nur dann, wenn ich bereits Fahrgäste habe. Und selbst wenn ich noch ein wenig stehe, weil sie noch eine Adresse suchen oder mich was fragen: Ich bin zu dem Zeitpunkt beschäftigt. Man stelle sich mal vor, man hat es eilig, steigt ins Taxi und der Fahrer erklärt, er müsse mal eben noch was für ein paar Passanten erledigen …

Wie gesagt: Ich kann den Gedankengang der Leute durchaus nachvollziehen, für mich ist es am Ende trotzdem einfach nur ein nerviger Wunsch, den ich weder erfüllen kann, noch wirklich will. Also: Natürlich will ich, dass die Leute ein Taxi kriegen. Aber weder will ich mich bei meiner augenblicklichen Arbeit behindern lassen (und ja: auch im stehenden Auto Dinge abklären gehört dazu!), noch will ich einen Kollegen auf Verdacht zu jemandem schicken, der ganz offensichtlich sowieso jeden Taxifahrer anhält, egal ob besetzt oder nicht.

Und, liebe „enttäuschte“ Kunden: Bei uns ist es wie in allen anderen Branchen auch – wenn gerade viel los ist, muss man auch mal ein bisschen warten. Das ist nicht böse gemeint und keine Verschwörung, aber zerreissen können wir uns halt auch nicht …

PS: Teilen erwünscht. 🙂

Schnelle Hilfe

Die Wartezeit war wieder einmal jenseits von gut und böse, aber plötzlich hatte der Kollege vor mir, mit dem ich mich unterhalten hatte, eine Fahrt. Also stieg ich in mein Auto, um vorzurücken und war kurz davor, auszurasten. Denn ja, natürlich, die Batterie war leer.

Ja, sie wurde immer noch nicht ausgetauscht. Aber ich muss da auch mal vorbeugend sagen: Es ist ja nicht so, dass meine Chefs sich dem Austausch verweigern würden. Ich werde heute anrufen, drauf bestehen, dass eine neue eingebaut wird – und das wird es gewesen sein. Aber bislang wurde sie nur „getestet“, was halt ganz sicher keine halbe Stunde Warten am Taxistand eingeschlossen hat. Und da fressen Fackel, Funk, Handy, Radio etc. halt doch ganz ordentlich Strom.

Aber eigentlich wollte ich auf was ganz anderes raus:

Ich stand da also und drehte den Zündschlüssel, trat aufs Gaspedal, aber nix passierte. Scheiß-Situation, selbst an meiner Lieblingshalte. Ich stieg still in mich hereinfluchend aus und bemerkte einen Kollegen, der mich angrinste. Einer, den ich (Gesichtsblindheit und so) glaubte, noch nie gesehen zu haben. Er kam zu mir rüber, winkte zwei Kollegen ran, die er kannte und meinte zu mir:

„Na komm, mach mal die Haube auf!“

Er fummelte scheinbar wissend an der Batterie herum, bat mich, mal kurz zu starten, sah, dass es nicht ging und schlussfolgerte:

„Nee, Batterie is‘ leer!“

Bevor ich mich’s versah, waren er und seine Kollegen dabei, die 2925 anzuschieben und zu starten – und mit vereinter Kraft klappte das auf Anhieb. Es waren keine 100 Sekunden vergangen, seit ich liegengeblieben war, da saß ich schon wieder in einem tuckernden Wagen und ein Kunde grinste zum Fenster rein und fragte, ob ich ihn auch zum Berghain bringen könne, obwohl es so kurz sei.

Freilich war das nicht gerade die Tour, die ich mir erhofft hatte, aber wieviel besser als mit funktionsunfähigem Auto am Stand stehen ist das denn bitte!?

Jetzt, da ich das niederschreibe, würde ich die Kollegen kaum mehr erkennen. Damn! Denn selbstverständlich würde ich sie gerne auf einen Kaffee einladen oder wenigstens mal nach ihrem Namen fragen. Aber mehr als dass es der Sprache untereinander nach Türken gewesen sind, wüsste ich leider gerade auch nicht zu schlussfolgern. 🙁


PS: Ich hab in zwei Tagen Geburtstag und bin nach wie vor erfreut über Zuwendungen. 😉

Lieber heimlicher Mitleser …

ich muss ganz ehrlich sagen, dass es etwas seltsam ist, aus einer Menschenmenge heraus mit meinem Namen angesprochen (-geschrieen) zu werden. Nicht mal, weil mir meine Teilzeitprominenz am Taxistand peinlich ist, sondern weil es auf die Schnelle nur schwer möglich ist (gerade am Ostbahnhof) eine Unterscheidung zu treffen zwischen Dir und all den Prolls, die sonstwas in die Runde gröhlen.

Andererseits sage ich natürlich danke für den vorbeigebrachten Cheeseburger, denn Du hast mich in einem Moment erwischt, in dem ich tatsächlich Hunger hatte. Und auch wenn ich vielleicht immer hungrig aussehe: Das war ein Glückstreffer! 😀

Insofern auch insgesamt ein Danke: Das war mal originell!

Was ich aber abschließend noch fragen muss – weil ich zu faul zum Googeln, nicht aber zu faul zum Bloggen bin: Was war da gestern für ein Konzert? Ich hatte auf irgendwas Hardcore-mäßiges getippt. Mir schien das Publikum sympathisch, deswegen wollte ich das mal wissen. 🙂