Die Theorie des Monats

Es kommt vor, dass man als Taxifahrer lange und vergleichsweise blöde in der Gegend rumsteht. Täglich. Unbezahlte Wartezeit gefällt niemandem, aber jeden ereilt sie mal in diesem Gewerbe in dieser Stadt. Ich selbst hatte natürlich wieder einmal die ganz besondere Niete gezogen: Der letzte Zug hat Fahrgäste für alle Kutscher vor mir übrig gehabt und ich stand nun da. So spät, wie es inzwischen war, wusste ich nicht einmal, ob es einen weiteren Zug geben würde. Geschweige denn, ob Fahrgäste anfallen würden.

Fast anderthalb Stunden dauerte das Warten insgesamt. Inzwischen kamen einige mir bekannte Kollegen vorbei, wir unterhielten uns nett. Wie immer dabei: Mohammed. Wir quatschten über die Auftragslage allgemein und den ein oder anderen Fahrgast, dann war er plötzlich da: der unerwartete ICE!

Ich hab kurz angemerkt, dass ich ja froh sein könnte, schließlich würde garantiert wenigstens ein Fahrgast aus dem 400 Meter langen Zug kommen. Und ich war erster!

Mohammed stellte daraufhin eine interessante Theorie auf:

„Ach, isse nix gut erster seien! ICE, meine Freund. Wenn ICE, erste Leute kommen bei Stand immer die Junge! Immer die Junge! Junge wo sind schnell raus aus Zug und schnell in Taxi. Isse besser sein weiter hinten! Komme alte Leute, weit weg! Junge wohne direkt hier, nur Koffer schwer!“

Und? Was hab ich für eine Tour bekommen?

Köpenicker Straße – 4,60 €. 🙁

Ich hoffe, ich sehe Mohammed bald wieder. Würde mich ja interessieren, was er als sechster in der Schlange hatte!

Aber der Automat!!!

Tolle Unterhaltung neulich am Ostbahnhof. Ein Mittfünfziger war etwas verwirrt, als er an mein Auto trat, das direkt neben seinem stand:

„Warum stehen Sie hier in zweiter Reihe?“

„Weil Sie hier am Taxistand stehen.“

„Aber hier ist ein Parkschein-Automat!“

„Der macht das Schild dahinten leider nicht ungültig.“

Baukräne, Versicherungen und Fahrradschlösser

Mal ein Bild. So sieht es aus wenn die Treptowers im Hintergrund von der untergehenden Sonne bestrahlt werden, während wir uns am Ostbahnhof die Reifen plattstehen…

Taxi, Taxi, Taxi, Taxi, Tower... Quelle: Sash

PS: Ich hätte gerne mal eine Erklärung zu dem Fahrradschloss am Schild…

Die kleinen Momente im Leben…

Ich stand gerade gemütlich an der Halte am Ostbahnhof. Aus dem Gebäude kam eine größere jugendliche Reisegruppe, den umhergebrüllten Wortfetzen nach Holländer. Um den äußerst schmalen Gehweg (sieht man hier auf dem zweiten Foto ganz gut auf der rechten Seite) entlangzutrotten, musste sich die Gruppe in eine lange Schlange umformatieren.  Das gelang recht gut und so sind sie im Gänsemarsch dem Weg gefolgt.

Irgendwann kam einer aus der Truppe auf die Idee, an einem abgestellten Fahrrad die Klingel zu betätigen…

Es hat ganze zwei Minuten gedauert, bis ich in Ruhe weiterlesen konnte, weil das offenbar einen Gruppenreflex ausgelöst hat und fortan die meisten der Reisenden mindestens eine der Klingeln zum Ertönen brachten. Eine wunderbar absurde Kakophonie. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich hätten sie als Holländer ja auch dem Swaffelen zugeneigt sein können. Das wäre zwar leiser gewesen, aber auch weitaus verstörender.

Wie du mir…

Ich bin echt kein Freund kindischer Racheaktionen. Und bei aller lockenden Befriedigung ob der Anwendung des „Auge um Auge“-Prinzips sehe ich ja auch ein, dass das schnell böse enden kann. Dieses Wochenende brachte dennoch unschöne Dinge hervor, die mich anders entscheiden ließen.

Die vertrackte Situation am Ostbahnhof hab ich ja am Samstag schon geschildert. Schöne Scheiße!

Im Laufe der Tage hat sich dort nämlich ein Mist entwickelt wie an der Kulturbrauerei: Wenn man an der legalen (bzw. zumindest mal legal gedachten) Halte steht, kommen einfach irgendwelche Arschlöcher vorbei, stellen sich an die ehemalige Halte, sind damit kundennäher und sorgen dafür, dass dort wo alle warten kein Fahrgast mehr ankommt. Von der Behinderung der BVG-Busse durch diese Aktion wollen wir gar nicht sprechen, von der Reaktionsträgheit der Cops, vor deren Fenster das stattfindet, auch nicht.

Immer und immer wieder sind Fahrer im Hoffen auf ein Missverständnis wegen der ungewohnten Situation zu den Kollegen gefahren und haben ihnen erklärt, wo eigentlich gerade die Halte ist. Ein oder zwei sind mal rübergefahren, meist aber blieben die Fahrer stehen.

Nun hat die Taxihalte am Ostbahnhof zwar etliche Nachteile, aber auch das ein oder andere Gute: Man kennt sich. Als sich irgendwann am Abend mal 4 Schwarzlader auf einmal eingefunden hatten, sind wir einfach gesammelt abgerückt, haben den Kollegen im Vorbeifahren erklärt, weswegen sie dort unerwünscht sind und haben uns dann hinter sie an die ohnehin verfluchte illegale Halte direkt vor den Fritz-Club gestellt, der zu diesem Zeitpunkt die meisten Fahrgäste hergab.

Und während wir binnen drei Minuten mit Kundschaft unterwegs waren, haben sich die anderen, unfreiwillig dumm rumstehend, hoffentlich Gedanken darüber gemacht, wie man sich so fühlt, wenn irgendwelche Penner ihnen illegal die Kundschaft wegschnappen.

OK, schön wäre es zumindest. Aber wenigstens haben wir so auch mal eine Fahrt gekriegt und es ist immer noch besser, als diesen Arschgeigen die Reifen aufzuschlitzen.

Von meiner Seite aus hagelt es Verständnis für so ziemlich jedes Verhalten und ich gehe auch bei eindeutigen Fehlern erstmal von einem Versehen aus. Ich hab die Tage öfter mal einen Kollegen vorgewunken, der zwar vor mir da war, sich aber zunächst falsch angestellt hat. Natürlich! Ist ja eine beschissene Situation gerade – und blicken muss man die gleich dreimal nicht! Aber bei Aufkündigung der Kollegialität aus Profitgier ist Schluss! Nichts dagegen, unsinnige Amtsvorgaben zu umgehen und selbst für eine bessere Organisation zu kümmern. Klappt ja beispielsweise am Matrix trotz regelmäßiger unsinniger Bußgeldbescheide der Bullen auch ganz gut. Weitgehend zumindest. Aber so wie diese „Kollegen“ es vormachen, muss ja auch nicht sein. Hoffe, wenigstens einer hat sein Lankrad durchgenagt. So wie wir vorher. In dem Fall dann eben doch: Auge um Auge…

Nachtrag: Klaus hat wie versprochen ein paar Bilder und einen Text zur Situation bei Tageslicht auf sein Blog gestellt.

Taxis am Ostbahnhof

In nächster Zeit werden wohl öfter mal Kunden am Ostbahnhof ein Taxi suchen und keines finden. Wieso das? Ganz einfach: Man hat uns versteckt. Direkt vor der Bahnhofshalle, an der Straße „Am Ostbahnhof“ befindet sich normalerweise (mit einigen Unterbrechungen) über die gesamte Länge ein Taxistand. Der ist zwar bezüglich der Reihenfolge für Kunden nur schwer zu durchschauen, aber immerhin sind Taxen da. In der Regel in rauher Menge. Das hat sich jetzt „ein Bisschen“ verändert…

Das Parkdeck neben dem Taxistand und den Bushaltestellen wurde abgerissen und wird wohl bis Sommer erneuert / umgebaut / abgeschafft, was weiß ich. Durch die großflächige Baustelle fällt eine Menge Platz für Busse und Taxen weg und so findet man uns jetzt mit viel Glück, wenn man aus dem Bahnhof kommt, irgendwo ganz weit rechts. Vergesst eure Ferngläser nicht! Nachts lässt sich der Schein unserer Fackeln noch ausmachen, wie die Tagfahrer das regeln, weiß ich nicht. Denn nicht einmal für ein kleines Hinweisschild auf den verschobenen Taxistand scheint es gereicht zu haben. Überhaupt kann man aus Taxifahrersicht ziemlich angepisst sein wegen der neuen Regelungen dort. Es ist schlicht nicht genug Platz für die übliche Menge an Taxen da – und was da ist, ist auch nur Murks. Ich hab mal ein paar Bilder gemacht:

„Legale“ Nachrücke? Quelle: Sash

Zugegeben: Hier erkennt man nicht viel – ich finde dennoch, dass dieses Bild schon einiges an Aussagekraft hat. Das ist wohl gerade als letzter legaler Taxihalt gedacht: Genau dort, wo man gemeinhin nicht halten darf, weil es „im Kreuzungsbereich“ ist.

Korrektur: An diesem Punkt lag ich wohl falsch. Wie mir Kollegen geschildert haben, stellt dieses Schild – wenngleich nicht so betitelt – das Ende des Halteplatzes dar. Die Unsinnigkeit ist indes nicht arg viel weniger geworden: Das Anfangsschild steht schwer sichtbar unter der Brücke und der komplette Halteplatz ist entsprechend zugeparkt – sodass uns nur die zweite Reihe bleibt.

Aber kommen wir zu ein paar aufschlussreicheren Infos:

Der Taxistand in seiner ganzen Pracht, Quelle: Sash

Das ist gerade quasi der Taxistand. Er besticht durch eine gewisse Leere. Zur Erklärung habe ich einige Buchstaben eingefügt:

A) An dieser Ecke soll derzeit das erste Taxi der Reihe halten. Es ist damit der ungefähr am weitesten vom Haupteingang entfernte Platz in dieser ganzen Konstellation überhaupt. Bei aller Liebe für die freie Fahrzeugwahl: Kein Wunder, dass wir diesen Platz nicht besetzen, denn wer wartet schon gerne dreimal so lange als der Rest, bloß damit ihm am Ende doch nie ein Kunde einsteigt?
Deswegen ist die gesamte linke Seite hier auch leer – wenngleich das der Platz für die ersten 10 Taxen sein soll…

B) Die Leere auf dieser Seite ist auch lustig, denn hier herrscht (auch für uns) absolutes Halteverbot. Der Grund sind die vier Baken in der Straßenmitte, die ein Schlagloch umrahmen. Damit der Bus da noch vorbeikommt, haben wir eine Lücke im an sich sinnvollsten Teil des Taxistandes (das ist im Normalfall die dritte Nachrücke, so ca. für Taxe 16 bis 22 oder so…)

C) zeigt das Ende des Standes und die Position an, aus der ich das erste Foto gemacht habe. Ab dort beginnt der inzwischen viel genutzte und komplett illegale Nachrückplatz bis unter die Unterführung in der Koppenstraße.

Geht aber noch weiter:

Hier also die glücklichen ersten! Quelle: Sash

Das hier ist also die derzeitige „Spitze“ des Taxistandes. Zu den Buchstaben:

D) ist die Fortsetzung der ersten Halteplätze (A im letzten Bild) und zwar bis genau zum ersten Taxi.

E) Die ersten Taxen halten derzeit meist zu zweit illegal an der Bushaltestelle, weil das gerade noch so ein Bereich ist, in dem gelegentlich Kunden auftauchen nund nicht gleich allesamt hinten irgendwo einsteigen…

F) Dort beginnt die Baustelle und lässt nur eine schmale Durchfahrt, die komplett als Bushaltestelle genutzt wird, ebenso wie der Bereich davor bis zu unserem Stand.

G) markiert die Position des dritten in der Reihe, vor seinem Auto beginnt unmittelbar ebenfalls eine Bushaltestelle. Offiziell als Position 11 vorgesehen ist das der Taxihalteplatz der am nächsten zum Haupteingang des Bahnhofs liegt und dabei legal ist.

H) Der Bahnhofsvorbau markiert recht eindrücklich, wo sich tatsächlich die Ausgänge befinden – und wo sich auch normalerweise die ersten Taxen befinden würden. Im Laufe der Nacht werden dort am hinteren Ende der schmalen Baustellendurchfahrt übrigens durchaus (natürlich wieder illegal) ein paar Taxen bereitgehalten. Z.B. um Besucher aus dem Fritz-Club aufzunehmen, aus deren Blickfeld wir sonst völlig verschwunden wären.

Ja, ich verstehe, dass das gerade schwierig ist dort – aber ein bisschen werde ich auch das Gefühl nicht los, dass an die Taxifahrer mal wieder zuletzt gedacht wurde. Und hey – es existiert hier ein Bedarf an Taxen!

Ich bin jedenfalls schon mal gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen alles entwickeln wird und wie viel wir wegen Falschparken im Laufe des halben Jahres so an „Extrakosten“ haben werden, falls jemand auf die Idee kommen sollte, das alles zu ahnden.

Ich wünsche euch an schönes Wochenende, man liest sich am Montag wieder!

Gottes Segen…

Ich erinnere mich daran, dass in einer der Toiletten in der früheren Wohnung meiner Mutter ein Comic an der Wand hing. Er zeigte einen Geistlichen mit gefalteten Händen, die Augen himmelwärts zum Gebet gerichtet. Daneben lehnte sich ein Taxifahrer aus seinem Mercedes und schimpfte:

„Was heißt hier Gottes Segen? Achtzehnfuffzich, aber zack zack!“

Auch wenn ich eher auf eine sachliche Verhandlungsweise mit den Kunden stehe, amüsiert hat mich der schon immer. Vielleicht auch, weil ich mit der Kirche nicht viel anfangen kann 😉

Inzwischen bin ich um einige Erfahrungen im Taxi reicher und nach einer Anfrage derletzt habe ich großes Verständnis für den fauchenden Fahrzeuglenker. Am Ostbahnhof sind zwei Frauen fast die komplette Taxi-Schlange entlanggetingelt, um irgendeinen Fahrer zu überreden, sie mit einer Kurzsstrecke zur Zossener Straße zur Heilig-Kreuz-Kirche zu bringen. Es hat sie nicht gestört, dass wir ihnen gesagt haben, Kurzstrecke sei vom Stand aus kein legitimer Tarif, sie ignorierten auch meinen Einwand, dass es sich um eine Route von 4 Kilometern Länge (Google Maps) handelt.

„Aber wir sind doch von der Kirche und wir müssen doch…“

Ich bin fair im Umgang mit allen (auch potenziellen) Fahrgästen. Aber ich hasse das, wenn sich Leute Privilegien rausnehmen wollen, bloß weil einen bestimmten Job haben, viel Geld – oder eben weil sie sich aus Überforderung einen virtuellen Freund zulegen müssen. Eine Taxifahrt kann lustig sein, ein wirklich ergreifendes Erlebnis, interessant, auch mal traurig oder bestürzend. Letztlich ist es aber auch einfach eine Geschäftsbeziehung: Der Fahrgast will ans Ziel kommen, der Taxifahrer Geld verdienen. Um das Ganze erfolgreich abzuwickeln, müssen beide Seiten mitspielen.

An dem Abend hat Gott seine Schäfchen wohl ganz schön im Regen stehen lassen. Angeblich ist der Alte ja allwissend. Dementsprechend muss ich wohl die Pfarrer dieses Landes bitten, künftig ein bisschen mehr über den Taxitarif zu predigen. Und dann preiset seine Herrlichkeit, aber zack zack! 😉