Für sie dat selbe!

„Nein, einmal Nummer 63 extra scharf und eine große Cola bitte.“

Das wäre sicher die beste Antwort gewesen, die ich hätte geben können. Wahrscheinlich würde ich dann aber jetzt nicht so gut gelaunt bloggen.

„Für sie dat selbe!“

hat leider nicht mein geschätzter Freund beim Stammdöner oder der Kellner bei der letzten Betriebsweihnachtsfeier zu mir gesagt, sondern ein offensichtlich im Dienst befindlicher Teil der Staatsgewalt.

„Für sie dat selbe!“

war also offensichtlich eine Belehrung, eine Feststellung, eine Frage oder irgendwas, was ich scheinbar ernst nehmen sollte, denn ein freundlicher Plausch unter Nachtschichtlern war es nicht. Die einzige nähere Information zum Sachverhalt lautete wortwörtlich:

„Mann, mich kotzt das hier langsam an!“

Danach sind sie weitergefahren.

OK, es ist natürlich nicht so, dass ich nicht wüsste, worum es geht. Wenngleich die oben stehenden Aussagen tatsächlich alles war, was ich von der Polizei heute Nacht gesagt bekommen habe. Es geht um das Problem mit dem Halten der Taxen vor dem Matrix.

In dem Fall würde ich aber – trotz aller Bekenntnisse zur StVO in den letzten Tagen – lieber von einem Problem der Gesetzeslage oder einem Problem mit missgelaunten Polizisten reden. Denn eigentlich gibt es kein Problem.

Wie vor fast jeder Veranstaltung in dieser von mehr als 3 Millionen Menschen bevölkerten Stadt stehen vor dem Matrix nachts Taxen. Mal mehr, mal weniger, mal in der Rotherstr., mal am Warschauer Platz. Immer jedoch in zweiter Reihe. Das ist zweifelsohne nicht legal, im Grunde aber völlig egal. Im Gegensatz zu vielen anderen Plätzen in der Stadt ist diese Ecke, die Oberbaum City, eigentlich kein Nachtschwärmerviertel. Ja, das Matrix liegt dort, ansonsten findet sich auf dieser Seite der Warschauer Str. kaum eine geöffnete Lokalität, die großes Publikum anzieht. Das Haus B, eine Schwulendisco und das Billard-House kann man noch dazu zählen, aber unter der Woche ist das ein Geschäftsviertel, das mit nur wenigen Anwohnern nachts nahezu entvölkert ist. Bis auf die Clubgäste und die Taxifahrer.

Die Straßen, von denen wir reden, sind recht breite Tempo-30-Zonen mit Kopfsteinpflaster, an ruhigen Tagen stehen nur vereinzelt Autos am Straßenrand. Um es für Unbedarfte mal ganz deutlich zu sagen: Was in dem Eck Berlins auf der Straße los ist, interessiert kein Schwein!

Und im Normalfall auch nicht die Berufsgruppe, deren Angehörige von manchen gerne mal als solche bezeichnet werden.

In anderthalb Jahren regelmäßiger Matrixbesuche ist bisher noch in jeder Nacht mindestens ein Streifenwagen oder eine Wanne an mir vorbeigefahren. Mal stand ich alleine da, mal im Kreise von 20 Kollegen. Und in 90% der Fälle nicht gesetzeskonform. Bisher bin ich dreimal angesprochen, bzw. weggeschickt worden. Heute schon inklusive!

Mir ist natürlich klar, dass die Polizei durchaus wichtigere Aufgaben hat, ich glaube dennoch auch, dass es kein Zufall ist. Ich behaupte nämlich weiterhin, dass wir der Polizei vor Ort eine Menge Arbeit ersparen, indem wir massenhaft alkoholisierte Jugendliche direkt vor dem Club einsammeln, und sie dadurch gar nicht erst auf die Idee kommen, bei einem spontanen Ausflug ihre Umgebung auf verschiedenste Art umzugestalten.

Dazu kommt, dass die Verkehrsbehinderung zumindest unter der Woche nicht existent ist. Am Wochenende wird es durchaus mal eng um den Club selbst, aber als Taxifahrer sind wir ja doch sehr zuverlässig an unseren Fahrzeugen anzutreffen, sodass sowohl für ein- und ausparkende Clubgänger, als auch für Rettungs- und sonstige Einsatzfahrzeuge stets umgehend der Platz, so er denn benötigt wird, freigemacht wird. Irgendwelche unschönen Einzelfälle mag es sicher schon gegeben haben, ich habe aber jedenfalls noch keinen mitbekommen.

Nur gelegentlich kommt eine (wahrscheinlich ist es immer die gleiche) Streifenwagenbesatzung vorbei und beschwört Weltuntergang und Sittenverfall ob der anarchistischen Zustände.

Ich bin natürlich im Unrecht, werde aber sicher noch das ein oder andere Mal dort zu finden sein. Auch in der zweiten Reihe. Bis es dazu irgendwelche Änderungen gibt (Man könnte ja beispielsweise eine Taxihalte dort einrichten) muss ich wohl weiterhin mal kurz wegfahren oder einfach „Jo, alles klar!“ antworten, wenn mal wieder ein Auto neben meinem Fenster hält, und der Fahrer zu mir sagt:

„Für sie dat selbe!“

9 Kommentare bis “Für sie dat selbe!”

  1. Taxi 123 sagt:

    Manchmal sind die Kollegen in GrünWeiß ein bißchen komisch. Da sagen sie einem dann, daß man „Runden“ drehen soll, statt illegal zu halten. Nur ist unnötiges Herumfahren explizit verboten. Ich kann mich dann also entscheiden, gegen welchen Teil der StVO ich verstoßen will. Ich weiß ja nicht, wie in Berlin das Verhältnis zwischen Halteplätzen und Taxis ist, aber bei uns sind immer noch einige Taxen zuviel. Und die haben nicht alle gerade Kundschaft.

  2. Der Maskierte sagt:

    Bei der Aussage der Rennleitung merkt man doch, wie ernst sie selbst das nehmen. Ist eine Order Muffti, da gehe ich fast jede Wette ein.

  3. Sash sagt:

    @Taxi 123:
    Ich hab auch keine Ahnung, wie das Verhältnis ist. Aber klar ist an manchen schwachen Tagen zumindest gefühlt jede Halte überfüllt.

    @Der Maskierte:
    Das hat mich ja mit am meisten geärgert. Lasse mich ja „gerne“ davon überzeugen, dass es gute Gründe gibt…

  4. Nick sagt:

    “Für sie dat selbe!” <– unglaublich, jetzt sind sogar die Polizisten im Friedrichshain schon Westdeutsche zugezogene 😉

    Und eine Lanze muss ich noch (wie immer und überall) für Berlin (die Stadt mit dem allerbesten ÖPNV-Netz) brechen.
    Die Verkehrsverbindung ist tatsächlich sogar während der Woche existent!
    M13(!? Irgendwelche traMs aufjedenfall) und Nachtbusse sind auch Mittwochfrüh um 3 am Start.

    Ich würde das nicht sagen, wenn ich nicht selbst mal in völliger Verzweiflung in der Nacht von Sonntag auf Montag an der Warschauer stand und nicht auf die erste S-Bahn warten wollte.
    Mit 3 Mal umsteigen und kurzer Anbaggerei durch die nächstbeste Nutte ist man sogar in annehmbarer Zeit zurück in Spandau.

    Dass das mit dem Taxi einfacher und schöner gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt 😉

  5. Aro sagt:

    Ihr habt Betriebsweihnachtsfeiern? Cool.
    Im Übrigen muss ich Dir mal widersprechen: Selbstverständlich sind nachts auch manche Halten nicht überfüllt. Z.B. die am Bhf. Tempelhof, Kladow Kirche oder am Kriminalgericht Moabit. Du willst mit deiner Argumentation doch nur von deinem kriminellen Verhalten ablenken!

  6. Sash sagt:

    @Nick:
    Ich stimme dir grundsätzlich gerne zu. Ich fahr ja selbst unter der Woche nachts zwischen 3 und 5 Uhr meistens heim – nach Marzahn. Da fährt zwar keine S-Bahn mehr, aber mit 800 Meter Fußweg komme ich zur Tram, und die fährt pünktlich alle halbe Stunde bis direkt vor meine Haustür.
    Auf der anderen Seite ist besonders das M-Netz etwas kompliziert, um es als Touri in der ersten Nacht wirklich zu blicken.

    @Aro:
    Erwischt 😀
    Aber dass sich die Taxen ungleich verteilen, sollte auch den Planern klar sein.
    Und das mit der Betriebsweinachtsfeier hatten wir letztes Jahr schon 😉

  7. Aro sagt:

    Und das mit der Betriebsweinachtsfeier hatten wir letztes Jahr schon
    Kann gar nicht sein, da gab’s dieses Blog noch gar nicht 😀

  8. Sash sagt:

    @Aro:
    Ich habe es kommen sehen…
    🙂

  9. […] am Matrix trotz regelmäßiger unsinniger Bußgeldbescheide der Bullen auch ganz gut. Weitgehend zumindest. Aber so wie diese “Kollegen” es vormachen, muss ja auch nicht sein. Hoffe, wenigstens […]

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