Nochmal das Auto …

Nach dem gestrigen Eintrag kann ich heute gleich nochmal eine Truppe jugendlicher Fahrgäste vorkramen, die irgendwie mit der Autoauswahl so ihre Probleme hatten.

Mir tut es im Übrigen leid, dass immer Mercedes den Gegenpol bildet, wenn es um das Fabrikat geht. Ich sag es immer wieder: Auch wenn ich keinen Daimler fahre: Ich hab nix gegen die Autos! Die sind toll und haben in vielen Bereichen große Stärken. Ich möchte mich hier also nicht gegen die Mercedes fahrenden Kollegen stellen oder so, das ist Quatsch. Und wenn ich selbst Mercedes fahren würde, könnte ich auch noch genauer berichten, wo deren Vorzüge liegen. Ich finde nur manchmal dieses sture Eingeschossensein auf die Marke mit dem Stern befremdlich. Vor allem, wenn sie wie beim gestrigen Artikel – oder dem gleich folgenden Beispiel – ein bisschen unsinnig ist.

Wechseln wir rüber zum Berghain. (Im Übrigen ein Dank hier für den GNIT-Link im Berghain-Forum. 😉 ) Ich stehe in der Schlange, vielleicht an fünfter Position. Erstes Großraumtaxi. Ein Bus ist in der ganzen Schlange nicht zu finden*. Was entscheidend ist, denn nun treten 6 Jünglinge auf, die, auch für mich deutlich vernehmbar, den Fahrer der E-Klasse vor mir fragen, ob er 6 Leute mitnehmen würde. Er verneint aus nachvollziehbaren Gründen.

Torsten hat dereinst mal erwähnt, er hatte ein E-Klasse-T-Modell mit Notsitzen gehabt. Das scheint hier in Berlin selten zu sein. Die Rolle der Sechssitzer übernehmen hier wohl fast ausschließlich Tourans und Zafiras, neuerdings wohl auch Prius V’s.

So viel dazu. Die Jungs wanderten also weiter und ich hab mich innerlich schon gefreut, schnell eine Tour zu bekommen. Einer deutete auch auf meinen Wagen, da meinte ein anderer:

„No, that’s no Mercedes.“

Und dann sind sie weitergelaufen. Keine Ahnung, ob sie noch einen Wagen gefunden haben, der ihren Ansprüchen genügte. Hat auf jeden Fall länger als notwendig gedauert, von dort wegzukommen …

*Als Busse sind hier vielfach Vitos unterwegs. Da lässt sich dann Mercedes + Großraum auch in Berlin gut umsetzen. Deswegen habe ich erwähnt, dass kein Bus an der Halte stand.

Kollegial

Ich kam gerade von der netten Tour zurück ans Berghain und wollte mich wieder anstellen. Um das zu tun fuhr ich an der immer ewig erscheinenden Schlange an wartenden Taxen vorbei, um an deren Ende zu wenden. In dem Fall passierte etwas völlig normales: Von der anderen Seite aus kam ein freier Kollege angefahren, der sich ebenfalls anstellen wollte – wir konkurrierten quasi um den Platz in der Schlange.

Die Umgehensweise mit der Problematik ist im Kollegenkreis interessant zu beobachten. Da wird teilweise auf das Schlangenende zugerast und mit eiligen Manövern dem anderen Fahrer der Weg abgeschnitten, weil man ja zuerst da war. Was immer noch ein Streitthema sein kann, denn: War der Kollege, der von hinten an die Halte fährt, nicht eigentlich zuerst in einer Art Warteposition und nun nur am Nachrücken? Ich glaube, zu dem Thema gibt es nicht einmal Gerichtsurteile. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

Natürlich ist ein Platz weiter in der Schlange erst einmal Geld wert. Man kommt früher weg, das ist per se immer gut. Andererseits: Was, wenn der erste eine Tour für 4,80 € ums Eck kriegt und der dahinter 3 Minuten später eine für 32,40 €? Meiner Meinung nach ist es also mehr Glück als alles andere – vor allem an den von mir präferierten Halten mit hohem Taxidurchsatz und viel Publikumsverkehr – und entsprechend bin ich da immer kollegial. In erster Linie entscheidet beim Heranfahren an die Halte in meinen Augen die StVO (wenn ich wende, hab ich nicht Vorrang vor dem entgegenkommenden Kollegen), aber selbst wenn mich das Schicksal begünstigt, gebe ich schon auch mal ein Zeichen, dass der Kollege vorfahren kann. Lieber als Stress an der Halte ist mir ein Platz weiter hinten sowieso allemal!

Aber als ich nun das Ende der Schlange am Berghain erreichte, hielt der einfahrende Kollege Abstand und gab mir via Lichthupe zu verstehen, ich solle doch zuerst einscheren. Hab ich nach so netter Aufforderung natürlich gerne gemacht. 🙂
Und ja, das ist so eine Kleinigkeit. Eine einfach nur nette Geste, die im Endeffekt nur selten Auswirkungen auf unseren Umsatz hat. Zumindest nicht vorhersehbar, in welche Richtung. Trotzdem ist das selten da draußen, deswegen freut das doppelt und deswegen hab ich beim Aussteigen auch kurz noch mit freundschaftlichem Nicken in Richtung des Kollegen signalisiert, dass ich das zu schätzen weiß. Und ich habe festgestellt, dass es – ein bisschen wider Erwarten – keiner war, den ich kannte. Keiner aus meiner Firma, keiner von den Gesprächsrunden am Stand. Einfach nur ein kollegialer Taxifahrer. I like!

Freie Farbwahl …

… oder eher nicht. Zum einen ist die Taxifarbe in Deutschland immer noch gesetzlich vorgeschrieben. Im Gegensatz zum ein oder anderen Bundesland existiert hier in Berlin auch keine weit ausgelegte Ausnahmeregelung, die quasi einer Freigabe entspricht. Zum anderen war das sicher nicht freiwillig:

Legal, 1015er RAL, scheißegal. Quelle: Sash

Legal, 1015er RAL, scheißegal. Quelle: Sash

Das soll im Übrigen kein Kollegen-Bashing sein. Es wird einen Unfall gegeben haben und er hat vermutlich erst in drei Tagen einen Termin zum Folieren bekommen. Passiert. Und ich finde, bloß wegen der Farbe sollte man da auch echt beide Augen zudrücken. Wir müssen alle unser Geld verdienen, insbesondere wenn das Auto mal einen Schaden hatte. Ich wollte das nur festhalten, weil mir bislang kein Wagen aufgefallen ist, bei dem gleich so viele Teile ersetzt worden sind. Mal eine Tür und der Kotflügel, ok. Aber DAS war wahrscheinlich wirklich was größeres. 🙁

Der bin dann wohl ich …

„Komm her! Hier, Taxi!“

„Nee, den will ich nicht!“

„Aber …“

„Ich will den da!“

Sprach’s und zeigte im Rahmen einer leicht kreisenden Handbewegung auf mich, der ich hinter dem Kollegen auf Position 2 stand. Ich hab’s mal als Kompliment genommen. Und so lange es nur ums Taxifahren geht …

Tour des Tages

Vorwort:

Um ehrlich zu sein, wollte ich diesen Artikel heute nicht schreiben. Ich hatte zwar genug Stichworte und Erinnerungen hier rumliegen, aber mir war danach, es an meinem Geburtstag mal gut sein zu lassen. Nicht ohne Grund höre ich an meinem Geburtstag immer als erstes dieses Lied. Ich bin ja immer da und mache dieses oder jenes, aber auf meinen Geburtstag freue ich mich immer noch wie ein Kind und lasse es mir gut gehen. Momentan trinke ich ein Bier und höre Musik, heute Abend geht’s dann ins Kino (Gravity – den man schon wegen dieses absolut grandiosen „Verrisses“ von Eugen Reichl ansehen muss.). Und dann mal sehen. Was leckeres kochen vielleicht.
Naja, Schreiben kam da eigentlich nicht drin vor. Aber während im großen Hohlraum unter meiner Schädeldecke die Beats von Lars Ulrich miteinander Fangen spielten, ist mir doch ein wenig unwohl geworden bei dem Gedanken. Dass ich da so sitzen konnte, verdankte ich dem Leser oder der Leserin, der/die mir die neuen Kopfhörer geschenkt hat. Ihr seid meinem Aufruf fleißig gefolgt und auch wenn ich dieses Vorwort hier ziemlich breittrete, kann ich gar nicht alle Geschenke aufzählen. Haufenweise interessante Bücher, daneben praktische Helferlein für die Küche, neue Spiele, Chilis, Socken, und und und … das sich über Geburtstage freuende Kind in mir ist jedenfalls überglücklich. Und es ist noch nicht einmal alles angekommen.
Naja, irgendwie kam ich mir jedenfalls doof vor, ausgerechnet heute nicht zu bloggen, wo mein heutiger Tag doch auch durch Euch so großartig ist. Also hab ich eben die Herren Hetfield und co. um eine Pause gebeten und den Tab mit WordPress geöffnet. Fühlt sich fast noch besser an. 🙂

So, jetzt aber! Blogeintrag:

Ich kam am Berghain an. War ein günstiger Zeitpunkt. Es lief dort gut, die Schlange am Eingang war lang. Ergo: Viele Leute, die abgewiesen werden und woanders hin müssen. Sicher, das sind nicht die dicken Touren, aber wenn man schnell wieder weg ist von der Halte … und manchmal sind ja auch Glücksgriffe dabei. Meiner war etwas sonderbar.

Eine fünfköpfige Truppe Jungs, meiner bescheidenen Interpretation nach Kanadier. Die Interpretation stützt sich vor allem darauf, dass sie französisch sprachen, mit mir aber in gutem Englisch reden konnten. Etwas, das ich bei Franzosen noch nie erlebt habe, der Akzent ist immer unter aller Sau – allerdings auch so unglaublich witzig! 🙂

Naja, ist ja auch egal. Die Jungs fragten mich, ob ich sie alle mitnehmen könnte, was ja kein Problem ist. Wie zu erwarten war, wollten sie in einen Club.

„Do you know the Twister?“

„No, sorry guys. Do you have a street for me?“

An dieser Stelle kann mich vielleicht ein Berliner Kollege aufklären. Ich hab noch nie von einem solchen Club gehört und auch die oberflächliche Google-Suche spuckte nur ein Tattoostudio aus.

„Well, no. I, I call my friend. He’s inside …“

Na gut. Soll mich ja mal nicht stören. Ich hab die Uhr noch nicht angemacht, bislang war ja wirklich noch nicht klar, ob das was werden würde. Bis auf einen der Jungs saßen schon alle im Auto, ich hab die Fackel mal ausgemacht, damit die anrückenden Kollegen vorbeifahren. Vor uns war inzwischen Platz frei geworden und ich stand blöd im Weg. Die folgenden Ereignisse auf ihrer Seite kann ich nicht so gut nachvollziehen, denn mein Französisch ist wirklich festgerostet inzwischen. Der Typ hinten rechts, der etwa so aussah wie Justin Bieber an einem Bad Hair Day, telefonierte zwar kurz mit seinem Kumpel, aber irgendwas klappte nicht. Dann wartete er darauf, zurückgerufen zu werden.

Vor uns wurde die Taxischlange kürzer und die Jungs begannen, sich zu entschuldigen. War alles noch im grünen Bereich, aber mit der Zeit wurde ich etwas genervter. Klar wäre es ok gewesen, das Taxameter schon anzumachen, aber das Geschrei wäre sicher groß gewesen, wenn das mit dem Club ausgefallen wäre und sie nur zum Ostbahnhof hätten laufen wollen. Nachdem das Schauspiel aus Telefonieren, Googeln und Warten fünf Minuten anhielt, hab ich einfach mal recht scharf dazwischengefragt, ob das noch was wird und dass ich zwar gerne die ganze Nacht warte, aber dann doch die Uhr anmachen würde.

Mir wurde wirklich aufrichtig geknickt mitgeteilt, dass das bestimmt gleich klappen würde und der schlacksige braunhaarige Typ auf dem Beifahrersitz legte mir eine Zwei-Euro-Münze aufs Armaturenbrett mit der Bitte, die Warterei zu entschuldigen. Eigentlich wirklich herzallerliebste Kerle. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie allerhöchstens 20 waren und schon getankt hatten.

Das mit dem ominösen Twister, das sie „on the internet, damnit!“ gefunden haben wollen, löste sich in Wohlgefallen auf. Aber sie hatten eine neue Idee:

„You know a place called Fits? Fits Club?“

„Do you mean Fritz?“

„Yeah! Filitz-Club!“

Ich wollte, ich hätte mich verhört. Der Fritz-Club liegt – die meisten von Euch wissen das wahrscheinlich inzwischen – direkt am Ostbahnhof, keine 700 Meter entfernt. Wäre ich skrupellos gewesen, hätte sich da sicher was machen lassen, denn die Jungs hatten keine Ahnung:

„Would that be far?“

„You’re serious? This is 400 meters from here.“

Ich war nicht so angepisst, wie das niedergeschrieben vielleicht aussehen mag, aber offenbar war ihnen das selbst etwas unheimlich.

„Uh! That is bad! Shit, man! We let you wait and then …“

„Guys, keep cool. I’ll bring you there, no problem. But it will cost around 6 € for only a few meters …“

… und ich wäre schnell wieder hier, wo sich die Schlange so langsam auf wenige Wagen verkürzt hat. Als wir uns dann letztlich vom Acker gemacht haben, hatte ich sicher ein paar Minuten länger gewartet, als wenn ich einfach in der Schlange vorgerückt wäre. Aber: So ganz mein Schaden sollte es nicht sein. Denn in ihrer Sorge, das mit dem Fritz-Club wäre zumindest mal für mich scheiße, haben sie schnell noch das Ritter Butzke ins Spiel gebracht. Mit grob einem Zehner ist das zwar keine Hammer-Tour, aber immer noch besser als die üblichen Verdächtigen der abgelehnten Berghain-Kundschaft (Watergate, Tresor, Kater Holzig, RAW, Suicide Circus …)

Außerdem hatte ich ja noch die zwei Euro auf dem Armaturenbrett. 🙂

Ja, wow und so, ne?

Ich stand so mit einem Kollegen aus meiner Firma am Ostbahnhof. Er hatte nur kurz auf der Durchfahrt angehalten, ein kleiner Luxus der Nachtschicht. Da bleiben die Taxifahrer schon mal in zweiter Reihe stehen, um zu quatschen. Ich selbst stand auf Position vier, hatte also noch ein wenig Wartezeit vor mir. Dachte ich zumindest. Denn unser Gespräch wurde recht jäh unterbrochen von einem jugendlichen Kerl, der mich mit folgenden liebenswerten Worten anquatschte:

„Was‘ los, bisse frei? Machnwer Erkner?“

Ja, scheiß doch die Wand an! Prima Tour ins Umland, auf dem berüchtigten Silbertablett serviert. Die Verabschiedung des Kollegen fiel quasi komplett aus – auch etwas, das man lernt als Taxifahrer. Wir haben unglaublich viel Zeit, „während der Arbeit“ miteinander zu quatschen, dann aber kommt wer und das Gespräch endet schonmal so in etwa:

„Nee, und ganz interessant bezüglich des neuen Navis ist, oh Kundschaft, man sieht sich!“

Und die ganz große Herausforderung für uns alle ist, unseren Freunden und Partnern zu erklären, dass wir auch Telefongespräche mal derart beenden müssen. 🙂

Aber man will so eine Tour ja auch nicht verlieren, nur weil man sich noch ausquatschen muss. In dem Fall hat das gut geklappt und ich hatte den Fang bei mir im Auto sitzen. Also Erkner. Schon ein paar Mal war ich da, aber ehrlich gesagt trotz Nähe zur Stadtgrenze immer mit Navi. Das ist jetzt echt kein tolles Eingeständnis, aber ich bin halt Zugewanderter. Ich hab wie blöde auf die Ortskundeprüfung gelernt, die aber ist mit komplett Berlin schon umfangreich genug. All mein Wissen übers Umland habe ich nur (!) aus den Fahrten dorthin. Und die sind einfach mal selten. Deswegen schätze ich da heute noch vieles falsch ein. So viel im Vorfeld dazu, dass ich erst darüber nachdachte, über die Autobahn zu fahren. Schließlich gibt es doch auf dem Weg nach Frankfurt einen Abzweig nach Erkner …
Ja, ist Bullshit. Der Umweg ist so groß, dass man keine Zeit spart – das hab ich erst während der Tour von meinem Navi erfahren. Das dadurch anfänglich etwas blöde Umhergegurke beendete ich dann immerhin halbwegs rechtzeitig und der Umweg hielt sich in Grenzen. Aber so ganz ohne Grund war das auch nicht, denn der junge und sehr relaxte Kerl hatte es eilig. Richtig eilig!

Er wollte einen Zug erwischen, für den wir die Strecke in irgendwas knapp über einer halben Stunde hätten schaffen müssen. Deswegen die verzweifelte Suche nach einer schnellen Route.

Hektische Fahrten sind immer mies. Denn hier geraten die eigenen und die Kundeninteressen ganz massiv aneinander. Sicher, die Tour schnell rumbringen wollen wir auch, aber keine einzige Fahrt, die einem durchschnittlich auch nur einmal passiert als Taxifahrer, ist auch nur einen einzigen Monat Fahrverbot wert. Selbst eine Fahrt in meine Heimatstadt Stuttgart ersetzt mir nicht den Lohn eines Monats Arbeit. Und die Fahrt nach Erkner wäre schon für’n Arsch gewesen, wenn auch nur 20 € Bußgeld anfallen würden – was bei einem Blitzer und 11 km/h Übertretung der erlaubten Geschwindigkeit schon der Fall wäre …

Das kann man sich ruhig mal vor Augen halten, wenn man der Meinung ist, der Taxifahrer da fahre doch ein bisschen lahm.
(Und ja: Ich weiß, dass viele Kollegen trotzdem rasen wie die Irren. Dafür, dass nicht alle ganz knusper sind, kann ich auch nix.)

Auf der anderen Seite will man ja auch ein guter Dienstleister und/oder einfach nett sein. Auch mal locker sein. Ein bisschen mehr geben, als es jetzt notwendig gewesen wäre, einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Oder dafür Sorge tragen, dass ein Kunde nicht nachts stundenlang auf einem Provinzbahnhof stehen muss.

Ich hab mein Kistchen also unter Einbeziehung aller notwendiger Vorsichtsmaßnahmen so gut befeuert, wie es nur ging. Straßenrand und Tacho im Auge behalten, bei bekannten Abkürzungen kurzen Prozess gemacht, die Gelbphasen bis aufs Letzte genutzt. Und mein Kunde war ein Guter. Ehrlich. Er hat mich nicht zum Rasen gezwungen. Ich hab versucht, es ihm recht zu machen, mehr nicht. Wir haben uns viel unterhalten und er hat sogar ausdrücklich klargemacht, dass es ihm leid tue, dass er mir das jetzt indirekt so stressig machen würde. Sein Onkel Harry sei ja auch Taxifahrer, bei ihm im Dorf, er kenne ja die Geschichten. Aber mehr als den Fuffi jetzt hätte er halt nicht, sonst hätte ich ihn gerne bis ganz nach Frankfurt bringen können, dann wäre die Zeit auch egal …

Traumkunde. Also wenn man vom Zeitplan absieht.

Und hey: Der Onkel ist Taxifahrer, er hat einen Fuffi und die Fahrt wird nur knapp über 40 kosten … ja, man denkt bei solchen Touren auch mal übers Trinkgeld nach. 😉

Diesen Teil hat der Kollege Harry aus einem Kaff bei Oldenburg aber offenbar eher stiefmütterlich behandelt. Denn obwohl die Fahrt stressfrei verlief und wir am Ende unter Ausnutzung einiger wirklich nur sehr schwer noch als grau definierbarer StVO-Grenzbereiche 5 Minuten vor dem Zug am Bahnhof Erkner ankamen, ergab sich folgender Dialog:

„Tja, bitte! Das hätten wir. Gerade so, aber immerhin. Dann wären wir bei 41,80 €.“

„Ja, hier. Mach einfach 42.“

Ja, wow und so, ne? 🙁

Aber gut, der Umsatz war klasse, es ist mal wieder alles gut gegangen, da wollen wir wohl besser nicht meckern.

Kleiner Link am Rande: Eine der tollen Touren nach Erkner war diese hier: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Die Lösung ist Schlaf.

Ganz offensichtlich zumindest.

Wie beschissen mein gestriger Abend war, ist schwer zu beschreiben, weil er auf sehr subtile Art beschissen war. Dass ich vor allem wegen der Kinder unserer Nachbarn nicht so richtig schlafen konnte: Sei es drum, das passiert als Nachtarbeiter halt auch mal. Dafür zahle ich weniger Steuern. Kann in ganz blöden Fällen aber trotzdem nerven. Ich bin dann mit vielleicht vier Stunden Schlaf zu wenig pünktlich aufgebrochen und es wollte einfach nix passen. Mir lag das Essen unnötig schwer im Magen, ich hatte meine Bonbons vergessen und einen miesen Geschmack auf der Zunge. Das Auto machte komische Geräusche und völlig furchtbarerweise weigerte sich der CD-Player bei ungefähr 80% aller Lieder, sie bis zum Ende zu spielen. Und nach einer halben Stunde hätte ich umfallen können, wäre es am Steuer nur möglich. Dazu langweilige Kundschaft und quasi nicht existentes Trinkgeld.

Das sind die seltenen Momente, in denen auch ich mich frage, ob ich jetzt wirklich für die paar Kröten noch die Nacht durchziehen will. Scheiß auf Freitag, scheiß auf alles!

Entsprechend luxuriös war meine Laune, als ich um 21.30 Uhr mit viel zu vielen Kilometern und zu wenigen Euros auf der Uhr wieder zu Hause aufgeschlagen bin, um mich ins Bett zu schmeißen. Ich hab mir nicht einmal einen Wecker gestellt. Schlaf, so viel eben nötig ist. Der Rest war mir egal.

Und was soll ich sagen …

Um 0.25 Uhr bin ich aufgewacht. Schnell auf eine Kippe und eine Cola an den Rechner, die CD neu gebrannt und dann langsam in die Klamotten geschlüpft. Zwischenrein meine bessere Hälfte ins Bett gebracht und dann volles Rohr Richtung Innenstadt. Das Auto hatte sich beruhigt, Green Day brezelten ohne Unterbrechung die ersten drei Minuten der Fahrt aus dem Radio, danach hatte ich schon einen Winker. Auf diesen einen folgte eine Dreier-, danach noch eine Zweiergruppe. Das erste Mal am Ostbahnhof aufgeschlagen bin ich nach einer Stunde und 10 Minuten mit 48 € mehr auf der Uhr. Und hab mich als Dritter (!) angestellt.

Kurz darauf rollte Kollege Thorsten an den Stand und meinte:

„Scheiße, ist das tot heute!“

Das war es bei mir nur, bis ich ins Bett bin. Danach war heute, vorsichtig ausgedrückt, einfach alles perfekt.* So dürfen Monate immer anfangen. Dafür verkrafte ich auch zwei Stunden schlechte Laune zu Schichtbeginn.

*Das Trinkgeld ist miserabel geblieben. Aber das stört nicht so arg, wenn sonst echt alles passt.