Post vom Präsidenten! \o/

Nein, fürs Bundesverdienstkreuz bin ich nicht vorgeschlagen, mir schreibt immer noch eher der Polizei- als der Bundespräsident. Will heißen: Die Post aufgrund des letzten Blitzers ist angekommen. Und bei allem Ärgern über die eigene Blödheit bin ich doch eigentlich recht verzückt ob der Tatsache, dass ich es einmal mehr geschafft hab, dass am Ende doch nur ein Bußgeld von 15 € hängenbleibt. Nach Abzug der Toleranz genau 10 km/h über erlaubt, also 40 statt 30. Somit sind alle Blitzer, die ich jemals im Taxi mitgenommen hab, zwischen 8 und 10 km/h und zwischen 10 und 15 € geblieben. Ich denke, das kann ich nach inzwischen fast 7 Jahren in dem Job nicht nur sportlich nehmen, sondern auch ganz ehrlich als Anlass für die Behauptung, dass ich wohl wirklich nicht sonderlich heize.

Also sei’s drum, der Präsident kriegt seine Überweisung und alles ist gut. 🙂

PS: Foto gab’s leider keines.

Fucking Police!

Nachdem wir trotz seines ziemlichen Slangs geklärt hatten, in welches Hotel er genau müsse und dass er nur einen Zehner dabei hat, den Rest aber vor Ort begleichen würde, ging’s auch schon los:

„Fucking Shit, man! Fucking Police! They fucked me!“

„Calm down! What happened?“

„They, they just took everything: my phone, my wallet!“

„OK!? But why?“

„Man, they handcuffed me and took everything. EVERYTHING! Understand?“

„I understood. But what did you do?“

„I just walked down the tracks …“

„The tracks? So you were the reason, why they stopped the train traffic on the main line in Berlin?“

„Yes, I am. But hey, I was drunk, DRUNK! Understand?“

Geht so. 0.o

Und seinem Kumpel vor’m Hotel ging’s nicht arg viel besser. Der war völlig sprachlos und bat mich vielmals um Entschuldigung, während er die Rechnung für den verärgerten Fahrgast beglich. Aber was willste dazu auch sagen? Nehme an, das Nachspiel für ihn wird nicht lustig.

Spontan verlängerte Touren

Nach Alt-Stralau, vom Ostbahnhof aus quasi nur geradeaus. Manchmal freut man sich – gerade nach nur kurzer Wartezeit – über solche Fahrten extremer Einfachheit. Auch verkehsmäßig, ist man abends ja in Stralau, bevor man gucken kann. Doch dann:

„Och nee, echt jetzt?“

maulte meine Kundin. Aus Gründen. Vor uns schob sich das schon vorher vorhandene Blaulicht zusammen, die Stralauer Allee wurde genau vor unseren Nasen in genau unsere Fahrtrichtung abgesperrt. Mir hat’s durch einen kurzen Haken über Warschauer, Revaler und Modersohnstraße immerhin knapp 2 € extra gebracht, aber so aus der Rourine gerissen werden, ist nicht immer erfreulich.

Viel schlimmer aber war’s natürlich für die Beteiligten des Unfalls, wegen dem abgesperrt wurde. Was die Polizei dazu schreibt, klingt wirklich überhaupt nicht gut. 🙁

Die Irrfahrt der Woche

Der Freitag war ein Scheißtag. Ich war unausgeschlafen und früh in die Schicht gestartet, die Umsätze sollten später auch noch mies werden, aber mit Abstand am meisten hat mich die erste Tour geärgert. Ich hoffe, Ihr habt ein wenig Zeit mitgebracht an diesem Montagmorgen, denn die Fahrt war ziemlich lang …

Eingestiegen sind sie mir am Ostbahnhof noch auf der letzten Rücke. Bemerkt hatte ich das etwas ungleiche Paar genau in dem Moment, in dem der Mann mir versehentlich gegens Auto lief. Amtlicher Zustand für 20.30 Uhr, dachte ich mir. Er war jetzt allerdings keineswegs, wie die meisten vermuten werden, irgendein Spätpubertierender, der sich mit dem Alkohol maßlos verschätzt hatte, sondern ein Rentner, der die 70 auf der Lebensuhr ganz sicher schon voll hatte. Angetrunken war er zwar auch, aber man merkte auch deutlich, dass er insgesamt nicht mehr so fit war. Er wirkte in seiner fleckigen Hose etwas heruntergekommen, aber auch ganz nett, wie er sich da hinten auf der Rückbank zurechttüddelte.
Neben mir stieg eine Frau Mitte 50 ein. Breite Statur, kurzrasierte graue Haare, eher der rustikale Typ Mensch. Berliner Schnauze durch und durch und scheinbar auch ein wenig genervt von ihm. Naja, wo die Liebe halt so hinfällt.

Er machte reichlich ungelenk und in nur mäßig zusammenhängenden Sätzen klar, dass es erst einmal in die Köpenicker Straße gehen sollte, unweit des schlesischen Tores. Dort aber solle ich kurz warten. Er wolle was holen, dann zur Bank und zurück zum Bahnhof. Da wären sie gerade so nett am Trinken. Na gut. Als wir ankamen, konnte er kaum aussteigen, seine Begleiterin half ihm. Sie steckte mir ihren Ausweis zu, in zwei, drei Minuten wären sie wieder da. Ich wartete also. Eine Hausnummer weiter war ein Polizeieinsatz, ich stand also immerhin nicht alleine blöd in zweiter Reihe. Und ich stand eine ganze Weile da. Zwischenzeitlich hatte ich schon Sorge, dass sie nicht wiederkommen würden, aber in der Ausweishülle der Frau steckten auch noch ein aktuelles Monatsticket der BVG und ein paar weitere Sachen, die definitiv wert waren, wiederzukommen. Außerdem war die Polizei ja vor Ort …

Auf der Uhr waren zu den rund 6 € Fahrtkosten inzwischen weitere 6 € Wartezeittarif aufgelaufen, ein bisschen mehr als zwei, drei Minuten so kosten – aber dann kamen sie. Sie mit verdrehten Augen, er mit einer Gemütlichkeit, die ihresgleichen sucht. Den Arsch halb aus der Hose hängend zwängte er sich wieder ins Auto und verlangte, dass ich sie beide zum Kotti bringe, Berliner Sparkasse. Na jut.

Dort wurde es dann etwas seltsam. Er gab ihr eine Bankkarte nebst PIN und blieb selbst im Auto. Aber ok, er war halt nicht mehr so fit zu Fuß. Im Auto fing er an rumzuzetern, was sie denn so lange brauche, wobei ich ihn ein wenig beruhigen konnte. Mein Gott, Automaten nerven halt manchmal. In dem Fall aber kam sie zurück und sagte, die PIN wäre falsch. Und sie zitierte exakt die Nummer, die er ihr gegeben hat. Inzwischen erfuhr ich auch, dass es gar nicht seine Bankkarte war, sondern die seiner Frau. Aber OK, ist ja nicht mein Leben.

Er schimpfte ein bisschen vor sich hin, dass er dann ja auch gleich die 150 € aus der Wohnung hätte mitnehmen können. Sie verdrehte wieder nur die Augen und die Fahrt – inzwischen waren wir bei über 20 € – sollte wieder in seine Wohnung gehen. Natürlich hab ich mir zu dem Zeitpunkt so langsam Sorgen um meine Kohle gemacht, aber wenn man mal ehrlich ist, hab ich schon seltsamere Fahrten gehabt. Zurück in der Köpenicker hielt ich abermals ziemlich blöd, dieses mal als Einziger auf weiter Flur. Die nächsten 10 Minuten bekam ich folglich ein Best-of an Beleidigungen von Rad- und Autofahrern zu hören. Aber was willste machen, wenn die Kundschaft gehbehindert ist? Mal kurz ums Eck fahren?

Irgendwann kam die Begleiterin wieder raus und meinte:

„Er sucht noch seinen Ausweis.“

„Wozu?“

„Weeß ick do’nüscht!“

Ich kam mit ihr ein bisschen ins Gespräch, so langsam wollte ich auch wissen, was hier eigentlich abging. Er ließ sich kreuz und quer durch Kreuzberg fahren, sie beklagt, dass sie schon wieder nüchtern werden würde … und sie war nicht einmal seine Frau. Hä?

Von ihr hab ich dann erfahren, dass sie den Herrn nur flüchtig kennt, ein paarmal beim Trinken getroffen, so wie an dem Abend eben. Beim Trinken hätte sich der Kerl dann in die Hose gemacht („Gut, dass Sie Ledersitze haben!“)* und außerdem noch mehr Geld holen wollen. Seine Frau gab ihm dann die Bankkarte mit. Er hatte in die illustere Runde gefragt, wer ihn begleiten wolle – aber bis auf sie hätten alle abgelehnt. Sie wisse nun auch warum, meinte sie. So eine Odyssee wolle sie sich auch kein zweites Mal mehr antun. Sie war offenbar auch davon ausgegangen, dass es einfach kurz eine fünfminütige Fahrt ums Eck sein würde – und dann, zack: nächstes Bier!

Als sie das mit dem Ausweis nochmal anspricht, sage ich ihr, dass sie ihm das besser ausredet. Die Uhr laufe schließlich und wirklich brauchen sollte er den Ausweis bei ihrem Stammkiosk ja wohl nicht ernsthaft. Daraufhin hat sie zum einen entgegnet, dass sie ohnehin vermutet, er hätte den Ausweis dort gelassen, zum anderen bemängelte sie, dass ich die Uhr ja auch ausmachen könnte, weil: Da sitzt ja keener drin!

Ich hab sie noch kurz darüber aufgeklärt, was es mit dem Wartezeittarif auf sich hat und dass ich mir auch besseres vorstellen könnte, als darauf zu warten, dass jemand mal kurz seine Wohnung auf den Kopf stellt. Und, das sei positiv angemerkt: Das hat sie verstanden und dann beschlossen, den Typen rauszuholen. Die Uhr stand nun bei 30 €, mehr als eine Stunde war seit Beginn der Fahrt verstrichen – und wir waren keinen Kilometer Luftlinie vom Start- und Zielpunkt entfernt.

Natürlich machte ich mir inzwischen Sorgen, aber wenigstens sie schien mir trotz Alkoholisierung zurechnungsfähig und auf eine ihr ganz eigene Art auch sympathisch zu sein. Meine Begeisterung hielt sich trotzdem in Grenzen, als sie nach ein paar Minuten wieder alleine rauskam und sagte:

„Dit wird nüscht mehr!“

„Wie jetzt?“

„Na, der will ohne seen Ausweis nich‘ weg hier!“

„Das ist ja meinetwegen ok. Aber wer bezahlt mir jetzt bitte die Fahrt?“

„Na, ick sicher nich‘!“

Na dann ist ja alles geklärt! -.-

Sie drückte mir noch einen Zettel von ihm in die Hand, der – so mutmaße ich mal – irgendwie ein Versprechen für eine Rechnungsbegleichung sein sollte. Allerdings war das Dokument mit vier Zeilen „Text“ sowas von komplett unleserlich, da hätten sich Ärzte noch eine Scheibe von abschneiden können. Ehrlich: Ein Wort habe ich gefühlt als „Taxi“ entziffern können, der Rest war eine Aneinanderreihung von Kringeln. Hätte auch Steno oder Arabisch sein können. Bei allem Optimismus und gutem Willen war das Ding so wertvoll wie eine Kinderzeichnung.

Da sie aber selbst noch zum Ostbahnhof zurückwollte, hab ich sie kurzerhand eingeladen und ihr gesagt, dass wir dann eben zur Polizei fahren. Sie fand das nicht unbedingt toll, hat sich aber auch nur so mittelprächtig gewehrt. Ich hab ihr (der Wahrheit entsprechend) auch nochmal gesagt, dass das jetzt nichts persönliches ist und ich von ihr auch gar nicht erwarten würde, dass sie das Geld zahlt (obwohl sie gerne dürfe!) und ich sie nur als Zeugin bräuchte, weil sie den Typen kennt. Es war eine schmale Gratwanderung, denn gepasst hat ihr der Mist natürlich überhaupt nicht. Aber ich hab sie bei ihrem Unmut über den Typen gepackt und zudem einfach auf ihr Gerechtigkeitsempfinden gesetzt:

„Ist für Sie scheiße, ist für mich scheiße, schon klar. Aber ich hab jetzt anderthalb Stunden Zeit für sie geopfert, da nehmen Sie sich bitte jetzt auch die Zeit für mich!“

Und so saßen wir dann 5 Minuten später auf dem Polizeirevier und haben uns gemeinsam ein bisschen über den Abendverlauf geärgert. Und so ewig es uns auch vorkam: Eigentlich war die Wartezeit kurz. Im Büro der Beamtin erläuterte ich kurz, wie das alles verlaufen war, die Version meiner Begleiterin war genau gleich, nur angereichert durch Wiederholungen und Unwichtigkeiten. Ein kleines Problem war dann doch die Identität des Missetäters, denn sie kannte ihn nur als „Herbert“. Die Wohnadresse, zu der wir gefahren waren, war auch nicht seine, sondern die seiner „Frau“, die aber in Wirklichkeit nur sein Freundin war.

„Hilde Schuhmann, so stand’s ja auch auf der Karte vonner Bank!“

Ein nachnamenloser Herbert also. Na klasse.

Aber was wäre die Welt ohne herzerweichend bescheuerte Zufälle!

Während die Beamtin mit hochgezogenen Augenbrauen die Anzeige aufnahm, kam einer ihrer Kollegen rein und meinte, sie solle unbedingt mal auf Wache XY anrufen, das hätte vielleicht „mit der Geschichte hier“ zu tun. Während ich mit mir selbst Wetten abschloss, ob es dabei auch wirklich um „meine Geschichte“ gehen könnte, verschwand die Polizistin zum Telefonieren. Und siehe da: Ein gewisser Herbert hatte wohl seinen Ausweis an einem Bahnhofsimbiss liegen lassen und die Cops haben da aus zwei Halbsätzen mal eben flugs einen Zusammenhang erschlossen. Fast wie bei Tatort. Ja, scheiß doch die Wand an! 😀

Natürlich: Das kann trotzdem alles im Sand verlaufen. Von Hans Baecker hab ich auch nie wieder was gehört. Vielleicht ist der Kerl ja dement und mittellos, was weiß ich schon. Seine Bekannte wusste da jedenfalls auch nix. Aber mal davon ausgehend, dass er zahlen wollte und es irgendwie auch kann … vielleicht wird das ja noch was. Dann wären zwei Stunden Zeitaufwand für am Ende 37,40 € ja eigentlich doch ganz in Ordnung.

*Das war schon lange getrocknet und gerochen hat auch nix. Diesbezüglich hat mir die Fahrt genau null Ärger gemacht. Einmal abgewischt hab ich hinterher vorsichtshalber aber doch.

Noch ein Wochenendeindruck

Ich stand gemütlich an der Ampel, immerhin zeigte sie mir ihr schönstes Rot. Im CD-Player rotierte „Großes Kino“ von Blumentopf, meine linke Hand am Lenkrad deutete die zu „Block und Bleistift“ passenden Scratches an, ich war auf dem weg zum Sisyphos, ich war mit mir im Reinen.

Offenbar auch mit sich im Reinen, wenn auch mit mehr chemischer Nachhilfe, war dann der Typ, der vor mir über den Zebrastreifen torkelte. Bedächtig setzte er einen Schritt neben den anderen, vorwärts kam er nur sehr langsam. Das Hemd hing ihm einseitig aus der Hose, er grinste grenzdebil und nahm hin und wieder zur Sicherheit noch einen weiteren Schluck. Die inzwischen wohl beendete Party hing im sichtbar nach, er hatte zweifelsohne ein paar Drinks zu viel gehabt, aber er schien sich über seinen Zustand sehr zu freuen.

Weniger erfreut war die Staatsmacht, denn die wollte – von links kommend und in Zweierbesetzung in einen Opel Corsa gepfercht – nur schnell rechts abbiegen und musste deswegen diesen Zebrastreifen passieren. Was sich da hinter seinem Rücken abspielte, bekam der Betrunkene nicht mehr wirklich mit. Er hatte fast die Hälfte des Zebrastreifens geschafft und die Ampel war noch grün für ihn. So gut lief’s vermutlich die letzten drei Blocks nicht für ihn. Dass das Warten für die Polizisten unangenehm war, konnte ich mir vorstellen. Und ja, auch als Fußgänger sollte man halbwegs einen Blick auf seine Verkehrstauglichkeit haben.

Dass der Streifenwagen dann allerdings wirklich neben ihm nochmal gebremst hat, und der steuerführende Beamte den Partyhirbel angepöbelt oder mit irgendwas gedroht hat, das hat mich dann doch etwas überrascht. Und mich natürlich noch am wenigsten, denn während der blau-silberne Kleinwagen mit aufheulendem Motor verschwand, stand der Zebrastreifenflaneur ziemlich ratlos in der Gegend herum und versuchte, sich dieses Ereignis zu erklären.

Da stand er dann, zuckte die Schultern und nahm lieber noch einen Schluck. Ich hab ihn dann schnell umkurvt, inzwischen hatte ich ja selbst schon lange grün …

„Wenn ick hier ’ne Straßensperrung hätte, wüsste ick dit ja wohl …“

Ich bin am Abend des ersten Mais extra einen Umweg gefahren. Dass ich durch Neukölln nicht komme, wusste ich. Aber ein kleiner Schlenker über Treptow … zurück nach Friedrichshain? Nein, denn nicht nur die Sonnenallee war gesperrt, auch die Ziegrastraße, durch die man sonst vor allem des Estrel-Hotels wegen kennen muss. Von dort über die Teupitzer, Treptower … da ist die Demo doch nie im Leben unterwegs!

Ich wagte also den Versuch, fuhr an die Absperrung heran und fragte die diensthabende Beamtin, ob denn wirklich auch die Treptower Straße dicht sei. Die Antwort hat mich etwas überrascht. Denn trotz quer über der Straße geparketem und Blaulicht aussendendem Wagen, meinte sie mit tiefstem Desinteresse völlig emotionslos:

„Wüsst‘ ick nüscht von. Ick bin da ooch nich‘ so …“

Und winkte mich durch.

Noch lustiger wurde es eine halbe Stunde später, denn da erfuhr ich dann aus dem Radio, dass ein Teil der Treptower Straße eines Feuers wegen komplett gesperrt wäre. War mir aber egal. Ick bin da ooch nich‘ so … 😉

So nicht, Berlin!

Ich hatte ja eigentlich auf einen guten Wochenstart gehofft. Das kann mal anders laufen, aber die vergangene Nacht hatte beinahe etwas surreales. Da hat mich die Stadt mal komplett getrollt. Oder irgendwas in der Art. Normal war das jedenfalls nicht mehr.

Fangen wir damit an, dass Cheffe mal wieder eine halbe Stunde vor meinem Weckerklingeln angerufen hat. Das ist erträglich, war aber insofern unnötig, als die Nachricht eigentlich nur war, dass das Auto fertig repariert ist. OK. Obwohl, Moment, so einfach war das alles nicht. Ich sollte die 72 von der Werkstatt abholen und den Schlüssel gleich dazu. Um deren Öffnungszeiten Rechnung zu tragen, hätte ich runde zweieinhalb Stunden früher aus dem Haus gehen müssen als geplant. Aber das ließ sich klären, ich habe ja auch einen Schlüssel bei mir. War jedenfalls so direkt in Anschluss an die letzte Tiefschlafphase ein überraschend quirliges Telefonat, über das ich dann jenes Telefonat vergaß, das ich eigentlich wegen des Wasserschadens mit meiner Wohnungsbaugesellschaft zu führen gedachte.

Aber gut, alles kein Beinbruch.

Dann kam das erwartete: Der Bahnstreik. Natürlich wäre eine S-Bahn-Verbindung zu unserer Werkstatt in Britz deutlich schneller gewesen, aber die S-Bahn und die Innenstadtlinien wollte ich meiden. Kostet 20 Minuten mehr, wäre aber sicher angenehmer. Das hat soweit auch gepasst, trotz dreimaligem Umsteigen. Dummerweise hab ich in Schöneweide einen Bus um eine halbe Minute verpasst. Was völlig egal war, denn er wurde umgehend – noch an der Haltestelle – in einen Unfall mit einem anderen Bus verwickelt. Nur Blechschaden, aber natürlich:

„Wat jetz‘ is‘, wat jetz‘ is‘? Nüscht is‘! Jar nüscht! Stehenbleiben und Abschleppwajen – dit is, Mäuschen!“

erklärte die am Crash unschuldige Busfahrerin einem fragenden Fahrgast eloquent.

Gut, egal. Ob der verpasste Bus jetzt einen Crash baut … das war mir wirklich egal. Dass ich erst den 10 Minuten später nahm, hatte wiederum handfeste Auswirkungen, denn so musste ich einem Stammgast leider eine 30€-Tour zum Schichtbeginn absagen.

Aber egal – läuft ja eh gut, Bahnstreik und so!

Am Auto angekommen, stellte ich fest, dass die gerichtete Stoßstange von blauem Tape gehalten wird. Ich bin noch unsicher, unserem Schrauber würde ich auch zutrauen, dass das die ganze Reparatur war. Ich frage heute besser nochmal nach. Außerdem war das Auto dreckig. Da hatte niemand Schuld dran, es hatte nur wohl die vergangenen Tage unter hartnäckigen Bäumen gestanden. Also erst einmal waschen!

Aber – richtig! – egal. Einfach bei meiner Stammtanke den Kärcher geschwungen und dann ab an den Bahnhof. Da gab es gut Beeinträchtigungen, da war viel Volk auf der Straße.

Nur wollte keine Sau Taxi fahren. Nach ewigem Warten bin ich leer weg gefahren und hatte noch eine Winkertour. Dann nach Festquatschen mit einem Kollegen nach einer Dreiviertelstunde warten eine Wahnsinnsfahrt bis zum Matrix. 5,80 € plus 20 Cent Trinkgeld, danach eine Winkerin, es lief langsam an. 25 € auf der Uhr …

Und dann stand an der Ampel neben mir plötzlich ein Autofahrer und meinte:

„Ey, mach ma‘ dein Licht an!“

„Ist an.“

„Nich‘ hinten!“

Und tatsächlich. Zumindest beide Rücklichter gingen nicht, die Bremslichter scheinbar auch nicht. Das ist nun wirklich ein bisschen arg wenig. Ich bin nochmal kurz zum Bahnhof rüber. Da kenne ich einige Kollegen, etliche mit Zafira.

Aber gestern: Kein einziger Zafira! Was eine Rolle spielte, da in meinem Auto offenbar alle Ersatzlampen aufgebraucht waren. Das kontrolliere ich nun auch nicht jede Woche. Aber gut, Lampen kann man notfalls irgendwo kaufen – und die hinteren sind ja noch halbwegs austauschbar. Ein Kollege meinte aber auch, ich solle mir keine großen Hoffnungen machen. Dass alle Lampen gleichzeitig durch sind, sei doch unwahrscheinlich. Eher wär’s eine Sicherung. Wie praktisch, dass ich auch keine Sicherungen dabeihatte und immer noch kein Kollege mit Zafira da war. Zu zweit haben wir dann eine halbe Stunde lang versucht, in der Bedienungsanleitung wenigstens die richtige zu finden, um deren Dahinscheiden zu bestätigen – aber nicht einmal das gelang uns. Als der Kollege erster war, hab ich mich verabschiedet. Ein kaputtes Rücklicht kann man ja mal machen – aber gänzlich ohne Heckbeleuchtung war mir etwas zu viel.

Was ein Scheißtag: Anderthalb Stunden Anfahrt, drei Stunden auf der Straße und 12 € brutto verdient.

Aber immer wenn man denkt, es geht nicht mehr … winkt es.

Ich hatte die Fackel schon aus, ich wollte die Kiste einfach abstellen, um am nächsten Tag – also heute – das mit der Werkstatt zu klären. Aber die Winkerin stand an der Landsberger, das würde schon noch gehen. Vermutlich in die Richtung, in die ich eh fahren wollte. War ja Zeit, dass das Glück sich noch meldete!

Was hätte an dem Punkt noch passieren sollen? Vielleicht eine betrunkene Bulgarin, die kein Deutsch oder Englisch spricht, kein Ziel angeben kann und erst durch die Polizei wieder aus meinem Taxi entfernt werden konnte? Sowas?

Ja, genau. Genau das ist dann passiert. Die Frau stieg ein, redete auf mich ein und wir verstanden voneinander maximal 5 Worte. Sie hatte eine Adresse oder so auf ein Blatt gekritzelt, bei der mein Navi schon nach dem zweiten Buchstaben nur eine einzige Straße gefunden hat. Eine völlig falsche. Noch dazu in Spandau. Die Frau hatte offenbar ein dringliches Problem, aber wir hatten so wenig gemeinsames Vokabular, dass ich bis jetzt nicht weiß, ob jemand ihren Freund erschlagen hat oder sie wissen wollte, wo sie um die Uhrzeit noch was zu essen kriegt. Dass in ihrem Vokabular auch „Policia“ vorkam, war dann letztlich mein Glück – sie schien tatsächlich Gefallen daran zu finden, dass ich die Polizei hole. Den Ausstieg aus dem Taxi verweigerte sie bis dahin aber. Genau das, was ich an dem Abend noch gebraucht hatte. Hat am Ende gut 25 Minuten gedauert.

Als die Polizei da war, war alles prima. Also ja, die Polizisten konnten auch kein bulgarisch, aber sie ist ausgestiegen und hat weitererzählt. Das ist sicher für alle Beteiligten noch eine lange Nacht geworden. Und ich hab Blut und Wasser geschwitzt, dass die Cops bei meinem Wegfahren nicht merken, dass mein Auto hinten keine funktionierenden Lichter mehr hat …

Nun also heute Abend nochmal kurz zur Werkstatt und/oder zur Firma, alles weitere wird schon klappen. Und so einen Tag wie gestern findet man eh nicht zweimal pro Jahr, da kann ich wohl beruhigt davon ausgehen, dass es einfach besser wird heute.