Die Verkehrsteilnehmer der Woche

Gleich vorweg: An diese Liste wird nie wieder jemand rankommen, wir müssen uns also auch diese Woche mit etwas weniger Glamour zufrieden geben.

Nummer drei: Nostalgiebeschriftung

Damals, als ich noch jung war … so fange ich nicht viele Texte an. Aber in dem Fall muss ich es, denn ich hab seit Jahren das erste Mal wieder eine A-Klasse gesehen, die statt der Typenbezeichnung einfach „ELK“ am Heck kleben hatte. Da hab ich mich doch gleich mal wieder alt und jung zugleich gefühlt.

Platz zwei: Der Extrem-Twitterer

Bei Twitter besteht die große Kunst ja, seine Texte in höchstens 140 Zeichen zu pressen. Noch weniger Platz bieten andere öffentliche Plattformen, zum Beispiel die Textfelder an Bussen, die im Normalfall für Linienbezeichnung und Fahrtziel verwendet werden. Gestern kam mir einer  der zahlreichen Ersatzbusse für die S-Bahn entgegen, dessen Schild „S7 Ich habe fertig“ verkündete. Chapeau!

Number One: Der gewitzte Schleicher

Als ich hinter ihm her bin, hab ich noch überlegt, Lichthupe zu geben. Selbst auf der Darßer Straße nachts um zwei Uhr ist eine vollkommen uneingeschaltete Beleuchtung nämlich ein bisschen arg wenig. Andererseits war’s ein Streifenwagen und weder weiß ich, wie undercover die Beamten glaubten, unterwegs zu sein, noch, ob sie mit Kritik angemessen umgehen würden. Als sie aber an der Falkenberger Chaussee/Hansastraße kurz stoppten, dann aber beschlossen, die menschenleere Kreuzung mit Blaulicht zu überqueren, war mir auch klar, dass die fehlende Gefechtsfeldbeleuchtung eher ein Versehen war. War jetzt halt blöd, ich konnte ihnen ja schlecht bei rot über die Ampel folgen, um ihnen das mitzuteilen.

Klischeefahrten, linke

Der letzte Samstagabend war spannend in Friedrichshain. Dank der Demo zur Unterstützung der Rigaer 94 war der Stadtteil völlig unberechenbar für Verkehrsteilnehmer. Was allerdings weniger an den Demonstranten lag, sondern mehr an der kreativen Umsetzung der Straßensperrungen seitens der Polizei. Ich bin im Wesentlichen gut durchgekommen an dem Abend, ich hab nur einmal ein paar Inder 500 Meter vor ihrem Hotel versichern müssen, dass ich ohne 10€-Umweg nicht weiterkomme und einmal einen alteingesessenen Kreuzberger mit etwa 400 Meter Umweg anstatt der kürzesten Route abspeisen.

Im Gegenzug hab ich dank meines grotesken Jobs (wo antikapitalistische Demos die Einnahmen steigern) eine kurze Zeit Ersatz für die „Szene-Bahn“ M10 übernehmen können.

Da Demos nun ja irgendwie an der Tagesordnung in Berlin sind, fand ich das noch relativ normal, obwohl ich meine Sympathien für die Rigaer 94 nicht verschweigen will und gestern zudem festgestellt wurde, dass die Anlass gebende Räumung vor kurzem rechtswidrig war.

Aber gut, ich war an dem Abend also viel dort in der Gegend unterwegs. Eine Fahrt mit Demoteilnehmern, Cops oder beteiligten Journalisten hab ich nicht gehabt. Leider. Eine hätte ich haben können: Einen Funkauftrag für eine Großraumfahrt. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich in der Nähe, aber Großraumfahrten werden bisweilen in ziemlich großem Umkreis ausgeschrieben. Egal. Als Start- und Zielpunkt standen da jedoch tatsächlich „Rigaer Straße“ und „Wedekindstraße“. Ich kann da natürlich nicht sicher sein, aber wieviel wollen wir wetten, dass es von ungefähr der Rigaer 94 (das besetzte Haus) zur Wedekind 10 (Polizeirevier) gegangen ist? 😉

PS: Fahrten in die andere Richtung hab ich vor meinem Job als Taxifahrer auch gelegentlich gemacht. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem der entsetzte Kerl, der unweit einer Anti-Nazi-Demo festgesetzt wurde, weil er von seinem eben beendeten Urlaub ein ausgeblasenes Straußenei dabei hatte und ihm das als potenzielle Waffe ausgelegt wurde. Lacht nicht, sowas passiert wirklich!

PPS: Nein, mit „Szene-Bahn“ meine ich nicht die linke Szene!

Das wachsame Auge des Gesetzes

Ich stand gerade bei einem Kollegen am Auto, als ich merkte, dass zwei zufällig vorbeilaufende Polizisten Interesse an meinem Taxi hatten. Ich hab meinerseits signalisiert, dass ich der Fahrer des Autos bin, da baffte mich der eine Beamte nach einem weiteren kurzen Blick in den Wagen aggressiv an:

„KÖNNTE ICH GLEICH AUSBAUEN HIER!“

Bitte was?

Und genau das hab ich dann auch gefragt.

„ICH SAG, KÖNNTE ICH GLEICH HIER AUSBAUEN, DEINEN RADARWARNER!“

Da er jedoch äußerst eindrucksvoll passiv-aggressiv davongewatschelt ist, konnte ich Schnuffi nicht mehr erklären, dass ein wachsames Auge auch nur so viel wert ist wie der Sachverstand dahinter. Sein „Radarwarner“ war nämlich im schlimmsten Fall die Dashcam, bei der zwar die Gerichte hier und da auch anzweifeln, ob das rechtens ist, aber bei weitem keine Einstimmigkeit wie bei Radarwarnern herrscht. Vielleicht hat er aber auch den Transponder für die Flughafenzufahrt oder gar die Doppelsteckdose auf dem Armaturenbrett gemeint.

Oder es hat einfach die Uniform im Schritt gekniffen, was weiß ich schon?

Fundsachen: The next level

Da hab ich neulich erst eine Tendenz zu mehr Fundsachen zu erkennen geglaubt. Dann habe ich bei einem iPhone bereits darum gebettelt, dass das wieder vorübergeht. Und jetzt dann eine Strickjacke.

Textilien sind so ein Thema, wenn sie Fundsachen werden. Bei mir waren das bisher immer Schals und Handschuhe – und da hab ich die 10€-Ausnahmeregelung (bis 10 € muss man Fundsachen nicht melden) immer großzügig ausgelegt. Denn selbst wenn irgendwelche H&M-Faustschmeichler einen Zwanni gekostet haben mögen: Wenn ich den Aufwand von mir, dem Fundamt und am Ende dem erfreuten Zurückbekommer addiere, ergibt das nie einen Sinn. Zumal ich bezweifle, dass irgendwer sich wegen eines abgewetzten Schals ernsthaft ans Fundamt wendet. Man möge mich deswegen verurteilen, aber ich hab schon zwei oder drei Dinge einfach in die Tonne gekloppt.

Und jetzt kam diese fucking Strickjacke.

Lag nach der Schicht einfach auf der Rückbank. Ein schwarzes und offenbar mit Parfum imprägniertes Etwas mit erkennbar null Funktion. So ein Bauchfrei-Modell, im Wesentlichen also ein BH mit Ärmeln. Keine Taschen, erkennbar abgenutzt und in meinen Augen ein 1a-Kandidat für Germany’s next Top-Mülltonne. Aber ich bin da nicht vorschnell und hab einfach mal den Hersteller gegoogelt. Nicht, dass das am Ende … HOLY FUCKING SHIT!

Ja, da war ich dann. Auf der Website von Sonia Rykiel. Und hab festgestellt, dass die Oberbekleidung zu Preisen verticken, bei denen meine Peergroup an motorisierte Fahrzeuge denkt.

Ja ja, ok, sie haben auch Klamotten für dreistellige Beträge. Aber trotzdem!

Nun ist es halt so: Ich mag’s noch so obszön finden, dass jemand einen Monatslohn von mir für ein unförmiges Stofftaschentuch ausgibt – ich kann aber nicht in der einen Woche ein zerkratztes iPhone artig melden und in der nächsten ein Kleidungsstück mit demselben „Wert“ in die Tonne hauen. Der Gedanke, dass das jemandem fehlt, drängt sich halt doch auf.

Also hab ich das Ding heute Nacht abgegeben und einen Cop fünf Minuten lang davon abgehalten, sich vor dem PC zu langweilen.

Und Karma, falls Du hier mitliest: Dafür erwarte ich mindestens drei Zehner im Fußraum! 😉

Fundsachen-Overkill

Da hab ich neulich noch angemerkt, dass sich bei den Fundsachen eine Trendwende ergibt … und schon jetzt, wenige  Tage später, will ich rufen:

„Halt! Stopp! Bitte keine mehr!“

Während an Bargeld eher lächerliche 17 Cent übers Wochenende zutage getreten sind, hat sich die Samstagsschicht mit einem besonderen Schmankerl verabschiedet: Als ich das Auto abgestellt hab, prangte mittig auf der Rückbank ein bereits leicht ramponiertes iPhone 5. 🙁

Der Akku war natürlich leer und das Telefon aus. Aber egal wie: Es ist Extra-Stress. Während ich bei Kleinzeug wirklich konsequent die 10€-Grenze verinnerlicht hab und Zeug entsorge oder in Gebrauch nehme, ist das bei einem – noch dazu so teuren – Handy ja keine Option. Bereits zwei guten Freunden sind just bei ihrem Besuch hier in Berlin teure technische Geräte abhanden gekommen … an sowas hängt man. Ich hab echt kein Verständnis für Leute, die so einen Fund nicht melden.

Zuerst hab ich der Zentrale Bescheid gesagt. Inklusive Ortsangaben der letzten drei Touren. Dann kurz eine Meldung bei Twitter rausgehauen und das Abends nochmal wiederholt. Beides bis Mitternacht ohne Erfolg.

Da es mich in den kommenden Tagen noch mehr Arbeit gekostet hätte, zur Polizei oder zum Fundbüro zu fahren – oder letzterem einen Brief zu schreiben* – hab ich dann gleich während der Schicht bei den Cops gehalten. Und heute Nacht gab es sonst wohl nicht viel zu tun. Ich wurde umgehend reingebeten und hatte umgehend einen Beamten an der Seite, der fachmännisch festgestellt hat, dass das Telefon keine weiteren Informationen preisgab. Angeschaltet bekommen hab ich’s zwar noch einmal, aber natürlich war’s gesperrt.

„Und wenn ich jetzt ‚Notfall‘ drücke?“

fragte der Polizist.

„Können Sie einen Notruf absetzen.“

„Wählt der dann gleich?“

„Nein, es wird die Tastatur angezeigt.“

„Ah, stimmt! Weil dann kann ich jetzt die IMEI mit Raute und …“

„Ähm, die IMEI ist auf der Rückseite aufgedruckt.“

„Hmm, aber eigentlich müsste ich das hier … geht aber nicht.“

„Wie gesagt: Steht hinten drauf …“

„Wirklich? Orrr … das kann man ja nicht … und ich hab meine Brille doch schon auf!“

„Ich kann’s auch vorlesen.“

„Ist ja auch nur, dann könnte ich gleich abfragen, ob’s vermisst wird. Sonst machen wir normale Fundanzeige. Weil, ob das wirklich die IMEI ist  …“

„Naja, immerhin steht da: ‚IMEI:‘ …“

Also hab ich meine Adleraugen auch noch sinnvoll einsetzen können. 🙂

Leider gab es noch keine Anfrage nach dem Telefon. Tja. Dann wird es jetzt für den Besitzer wohl mindestens eine Woche dauern. So lange nämlich kann es dauern, bis die Sachen beim Fundbüro auftauchen. Ich hoffe, dass es am Ende wieder beim Besitzer ankommt, sonst war auch für mich der ganze Stress umsonst. OK, gut, ich könnte mir dann in 6 Monaten ein iPhone beim Fundbüro abholen – aber das ist bis dahin ja noch mehr veraltet als ohnehin schon seit der Einführung des iPhone 6. 😉

*Hab ich beim letzten Mal gelernt: Man ist nicht verpflichtet, seinen Fund gleich abzuliefern. Man ist nur verpflichtet, ihn anzuzeigen – was auch schriftlich erfolgen kann. Das kann nützlich sein, wenn man davon ausgeht, dass sich die Besitzer eh nicht ermitteln lassen werden und man den Fund in dem Fall gerne behalten würde und ihn dann nicht erst aufwändig wieder beim Fundbüro abholen will. Die können einen zwar zur Abgabe verpflichten (und sie erwecken im ersten Schreiben auch beinahe schon absichtlich den Eindruck, dass sie’s auf jeden Fall tun werden), aber das muss nicht passieren. Die Kamera von vor ein paar Jahren liegt immer noch hier …

Eingeschränkte Wegewahl

Da war einer direkt am Taxistand aber reichlich besorgt und rief seinem Kumpel zu:

„Wat willst’n da lang? Da sind überall Bullen, da komm‘ ich nicht mit!“

Nun mag eine besondere Häufung von Polizeifahrzeugen ja durchaus auf potenziellen Ärger hinweisen – jetzt auch mal völlig egal, ob man keinen Bock auf die Polizei selbst oder auf die hat, derentwegen selbige vor Ort ist.

Aber wenn man schon derart sensibilisiert ist, dann täte man gut daran zu wissen, dass am Ostbahnhof einfach nur ein Revier samt Parkplatz ist und abgestellte Wannen nun nicht wirklich keine nennenswerte Gefahr für wen auch immer sind.

Auf die Idee, mit dem Taxi aus der Gefahrenzone zu flüchten, ist er aber leider auch nicht gekommen … 🙁

 

„Fußgänger“

Eine etwas traurige Pressemitteilung der Polizei dieses Wochenende ist diese: „Fußgänger bei Verkehrsunfall schwer verletzt„. Mal abgesehen davon, dass es immer traurig ist, wenn im Verkehr irgendwer verletzt wird: Bei besagtem „Fußgänger“ handelte es sich ebenfalls um einen Taxifahrer, zudem um einen, den ich von ein paar Gesprächen kenne. 🙁

Ich war nicht live dabei, ich weiß also wirklich nicht, was der andere Kollege da genau verbockt hat – aber das dürfte jetzt ohnehin erstmal eine Frage für Gutachter, Anwälte und Richter werden.

Ich kann nur hoffen, dass der Verletzte schnell wieder auf die Beine kommt, meine Daumen jedenfalls sind gedrückt.

PS: Ein Taxiunfall an Position 1 am Ostbahnhof. Nachts. Und ich war nicht involviert. Das ist ja auch schon wieder unheimlich, oder?