Wo wir bleiben…

Das Taxigewerbe ist für Außenstehende manchmal wie jede andere Branche ein Buch mit sieben Siegeln. Es gibt so einiges, das auf Anhieb komisch wirkt. Ein gutes Beispiel ist da der Autor Tom König vom Spiegel, der unterstellt, an Bahnhöfen und Flughäfen stünden nur diejenigen Fahrer, die

„zu dumm, zu faul oder zu inkompetent sind, um anderswo eine Fuhre zu bekommen.“

Sein Ausweg, um nicht auf diese „Galgenvögel“ zurückgreifen zu müssen, ist, sich ein Taxi zu bestellen. Sollte er das in Berlin machen, dann wird er erstaunt feststellen, dass sein Fahrer just einer von diesen komischen Vögeln ist, da man an den Taxihalten nicht nur auf Einsteiger, sondern auch auf Funkaufträge wartet.

Ich habe mir mehrmals überlegt, ob ich seinen Artikel hier verreissen soll, aber zum einen spricht er tatsächlich für sich, zum anderen würde eine Beschäftigung mit jedem krummen Satz in diesem „Artikel“ das Zitatrecht dann doch etwas überstrapazieren. Meine Lust auf Ärger mit einem Journalisten zu bekommen, der möglicherweise zu der Reihe Galgenvögel gehört, die entweder zu dumm, zu faul oder zu inkompetent sind, um einen einfachen Sachverhalt zu recherchieren, hält sich in engen Grenzen. Er hat eine Mail von mir erhalten, auf die ich wahrscheinlich keine Antwort kriegen werde. Damit ist es dann in meinen Augen gut.

Aber bleiben wir beim Rumstehen: Viele Kunden verstehen nicht, weswegen wir überhaupt „blöd rumstehen“, während anderswo die Hütte raucht.
Ganz einfach: Es gibt derzeit nicht genügend Kundschaft für alle Taxen, folglich sind wir immer eine gewisse Zeit unbesetzt. Wenn wir nicht mit 7000 Taxen den ganzen Tag wie irre sinnlos durch die Gegend fahren wollen, um ein bis zwei Kunden stündlich zu bekommen, bietet es sich an, auf Touren auch im Stillstand zu warten.

Natürlich sind wir aber froh, wenn wir vom Stand wegkommen. Stehenderweise verdient man nichts, und letztlich machen wir den Job ja auch für Geld. Manchmal versucht die werte Kundschaft es dann aber doch, diese Situation unangemessen auszunutzen.

„Alter, machste mal Kurzstrecke zum Maria?“

„Nein. Kurzstrecke mache ich sicher nicht vom Stand aus. Aber wahrscheinlich kostet es sowieso auch nur 4 €.“

Die Kurzstrecke hat als wesentlichste Einschränkung, dass man sie nur nutzen kann, wenn man sich ein Taxi heranwinkt. So böse das vielleicht für Kunden wirken mag, aber letztlich ist der Tarif nicht gemacht worden, um alle kurzen Taxifahrten billiger zu machen, sondern um zusätzliche Kundschaft ins Taxi zu locken. Natürlich müssen wir vom Stand aus auch Touren fahren, die vielleicht nur 4 € bringen – rentabel ist das natürlich für uns nicht. Deswegen ist der Startpreis schon bei (durchaus abenteuerlichen) 3,20 € und eine Fahrt von 2 Kilometern Länge kostet im Normalfall eben 6,60 €. Damit halten wir unsere Verluste niedriger, und im Gegenzug wird die Fahrt pro Kilometer ja auch günstiger, wenn sie länger wird.
Da ich das (über die Zahlen darf man sich zweifelsohne Streiten) für eine grundsätzlich faire Regelung halte – und diese zudem den aktuellen Stand der Gesetze wiedergibt – bin ich eisern und mache keine Fahrt zum Kurzstreckentarif vom Stand aus. Auch wenn es vom Geld wie im vorliegenden Fall keinen Unterschied macht.

„Ey komm, Kurzstrecke sind mal 2 Kilometer und das Maria ist ja nichtmal da vorne, Alter!“

„Ich hab auch nicht gesagt, dass ich dich nicht hinbringe, oder dass ich die 4 € nicht für angemessen halte – aber ich kann eben nicht ausschließen, dass es auch 4,20 € werden.“

„Ach ja, is ja gut! Machste?“

„Nicht mit Kurzstrecke, ansonsten gerne.“

Kleine Lügen erhalten die Freundschaft. „Gerne“ ist jetzt nicht wirklich das, was bei einer so kurzen Tour und ziemlich fragwürdiger Kundschaft die Gedankengänge wiedergibt, die mir so zu eigen sind.

Aber ich stand sowieso recht weit hinten und 4 € sind 4 €, mein Gott!

„Weissdu, das Maria hat ja mal nur noch bis 24. diesen Monat offen. Da kannst du mal froh sein, dass du da hinfahren kannst.“

„Ich sag ja nichts dagegen. Auf der anderen Seite: Schade ums Maria, aber für mich ist das nur ein Club von vielen.“

„Aber der hat nur noch bis Mitte des Monats offen!“

„Ja, das ist zweifelsohne scheiße, aber eher für die Clubgänger, weniger wegen mir.“

„Schon klar, Alter. Du stehst hier und wartest, weil du lieber nach Kreuzberg willst…“

Kreuzberg? Also wenn man 10 Kollegen am Ostbahnhof fragt, welches die unbeliebten Touren sind, dann die kurzen nach Kreuzberg. Ich denke da eher an Marzahn, Hohenschönhausen, Mahlsdorf, Köpenick, die Flughäfen…

„Aber Alter, weissdu: Nach Kreuzberg fahr ich vielleicht morgens um 5, nicht jetzt! Da ist mal völlig fürn Arsch, wenn du hier stehst. Du solltest mal froh sein, dass das Maria noch offen hat!“

„Na wenn du meinst…“

„Ja, ich meine: Das Maria hat nur noch bis zum 24. offen. Und dann? Wo bleibt ihr dann?“

Einen größeren Anfall von Egozentrik hab ich in den letzten Jahren wirklich nicht erlebt. Der hat ernsthaft geglaubt, seine Tour – für 4 € – sei das Beste, was am Ostbahnhof bis 5 Uhr früh anfällt, und außerdem sind wir ansonsten wohl nur fürs Maria zuständig. Also sowas beklopptes hab ich noch nicht mal von den größten Gegnern der Ostbahnhof-Halte gehört. 🙂

„Und weissdu, dann ist mal richtig Schicht! Wenn das Maria nicht mehr ist. Dann könnt ihr euch die Kurzstrecke mal voll in Arsch schieben. Dann ist ja hier gar nix mehr drin für euch. Ich meine, die machen ja nur noch am 24. auf. Verstehste? Ja, das ist mal Sache! Was meinst du?“

„Ganz ehrlich: Ich meine, dass das der größte unzusammenhängende Quatsch war, den ich je auf einer so kurzen Tour gehört habe. Macht im Übrigen genau 4 €.“

Mit einem Euro Trinkgeld hab ich mich zwar nur bedingt entschädigt gefühlt, aber was will man machen? Und falls es jemanden interessiert: Das Maria hatte zu…

Pechvogel des Tages

Juhu, die Durststrecke hat ein Ende! Die gestrige Schicht lief wie eine normale Wochenendschicht, die Ferien sind vorbei und der Mai macht sowieso alles neu! Soweit eine sachliche Zusammenfassung meiner Hoffnungen und Wünsche.

Wie immer hab ich am Wochenende wenig Zeit, und verwende den Platz hier nur für einen kurzen Wettbewerb mit Klaus. Der hat mir heute früh am Ostbahnhof schon angedroht, ich müsste wieder als persönlicher Pechvogel herhalten, wenn seine Schicht nicht so laufen sollte, wie er sich das vorstellt.

Dann lege ich doch mal vor:

Meine Tour heute Morgen hat 6,60 € gebracht. Wer bringt jetzt wem Unglück, Klaus?

(Aber abgesehen davon gab es 2,40 € Trinkgeld, und die Tour hat direkt zum Abstellplatz meines Autos geführt. Also so richtig mies drauf bin ich deswegen auch nicht 😉 )

Die Fahrgäste da aufnehmen

…wo sie passieren.

Wochenende: Endlich mal wieder keine langen Wartezeiten!

Naja, eigentlich lief es den ganzen Monat nicht so sonderlich gut, und das reichte bei meinem Glück sogar bis in die Wochenendschichten hinein. Aber glücklicherweise gibt es an Freitagen und Samstagen eben doch die ein oder anderen Winker. Das bedeutet einmal mehr nicht länger leer zu einem Halteplatz gurken, nicht unbezahlt und unbesetzt irgendwo rumstehen und Zeit verschwenden – jeder Winker ist mir prinzipiell doppelt so lieb wie eine Tour vom Stand.

Und Winker sind tatsächlich immer gut. Seien es die in den hintersten Außenbezirken, die einem schöne Fahrten in die Stadt rein bescheren, oder die mitten in der Stadt, mit denen man gar nicht rechnet, weil man nur einer von zahlreichen kreisenden Geiern ist.

So gesehen war es wirklich ein Glücksgriff, ausgerechnet an der Boxhagener Straße – müsste Höhe Simon-Dach gewesen sein – rangewunken zu werden. Eine junge Frau, vielleicht 25. Sie winkte direkt vom Kneipeneingang aus, was mit der Grund gewesen sein mag, weswegen der Kollege 15 Meter vor mir auf der Straße sie nicht wahrgenommen hat. Zudem war sie dunkel und unauffällig gekleidet.

Sie stöckelte zu meinem aprupt angehaltenen Taxi und meinte:

„Meine Kolleg kommt sich gleich raus. Brauchen noch eine Minute!“

Na das nenne ich mal erträglich.

2 Minuten später kamen zwei Jungs aus dem Lokal, beide keiner meiner beiden Sprachen wirklich mächtig, und formulierten mit Hand und Fuß, dass es eine Minute dauern würde. Diese Zeit dauerte es etwa, bis die anfänglich beschriebene Dame wieder aus dem Laden gestürmt kam, dieses Mal wild gestikulierend und mit englischen Worten auf den Lippen:

„Sorry, I am so sorry! She will come soon!“

Sie stellte mir die beiden Jungs, Pedro und Sandro vor, was dazu führte, dass sie mich nervös anlächelten und so taten, als hätten sie mit sich selbst nicht das geringste am Hut. Sandro schien das tatsächlich unangenehm zu sein, und so begleitete er die Winkerin wieder ins Lokal, um den ominösen vierten Fahrgast aufzutreiben.

Pedro versuchte mit rotem Kopf erfolglos, sich in Luft aufzulösen.

In den folgenden 2 Minuten habe ich mir überlegt, vielleicht doch besser das Taxameter anzuschalten. Kurz mal ranfahren ist ja ok, aber inzwischen sind etwa 15 bis 20 Kollegen an der Ecke vorbeigefahren. Wenn jemand jetzt unbedingt noch einen letzten Drink nehmen will, dann kann man das Taxi doch auch danach erst anhalten. Oder eben den Preis zahlen, den die Bereitstellung kostet.

Aber ich hab es gelassen. Ich freu mich über Winker, ich weiss ja, dass man sich nicht immer schnellstens lösen kann und anderswo hätte ich sicher auch gewartet. Mal ganz abgesehen von dem Theater, den es bedeuten würde, wenn jemand einsteigt, und da schon 7 € auf der Uhr stehen…

Und darauf wäre es sicher beinahe rausgelaufen, denn auch Pedro verschwand noch einmal in der Bar. Dann allerdings kamen sie zu viert raus. Und wie! Die vierte Person war weiblich, und eine Vorzeige-Schnapsdrossel erster Güte. Die beiden Jungs stützten sie auf Geheiß der zweiten Dame, was allerdings nur bedingt fruchtete. Die junge Frau war offensichtlich recht hastig auf der Toilette eingesammelt worden, was ich erschreckenderweise nicht aus Erzählungen erfahren habe. Allzu sehr ins Detail gehen möchte ich nicht, darum stoppe ich hier.

Das Einsteigen hat dann auch keine ganze Minute mehr gedauert, wahrscheinlich weil ich das Taxameter umgehend beim ersten Kundenkontakt mit meinem Auto schnellstens angeschmissen habe. Am Ostbahnhof wäre ich in der Zeit sicher auch 5 Plätze vorgerückt…

„Wir gehen in die, äh the the A&O-Hostel…“

„Boxhagener Straße?“

„Yeah! Right! Must be somewhere nearby…“

Das hätte ich als Tourist unter einem Straßenschild mit der Aufschrift „Boxhagener Straße“ auch mutmaßen können 🙂

Also war die Tour entsprechend kurz. Knapp ein Kilometer um genau zu sein, oder anders ausgedrückt: Alle bis auf die letzte Kundin hätten in der Zeit auch laufen können. Naja, besser 4,80 € als gar kein Umsatz und außerdem eine Erinnerung mehr, die mich mahnt, das Taxameter doch schnell zu starten! Und immerhin weiss ich jetzt, dass es  Tamponschnüre auch in blauer Farbe gibt. Ach Mist, ich wollte doch nix mehr dazu sagen!

Die Kollegen, das Wochenende

…und der ganze Rest.

Es ist wahrlich kein sonderlich schöner Monat. Pah, Monat! Im Grunde läuft das Geschäft seit 3 Monaten durchgehend desaströs. Die meisten Kollegen meiner mir bekannten Kollegen bestätigen das, und die die es nicht tun haben meist ein- oder zwei Abende Glück gehabt. Hier mal ein Puffbesuch mit Prämie, da mal eine Ferntour.

Den Vogel bezüglich Ferntouren abgeschossen hat Kollege Paul. Der hat jetzt im März 5 Touren gehabt, die man immerhin so halbwegs als Ferntouren einordnen könnte: 2 mal Cottbus, 2 mal Fürstenwalde und einmal noch irgendein anderes brandenburgisches Nest.

Und ich? Naja, nix von alledem. Es war einfach ein beschissener Monat. Bestenfalls kamen die Kollegen zu mir gerannt und haben mit Freudentränen in den Augen geschildert, wie viel ihnen die Tour gebracht hat. Naja, es sei ihnen gegönnt, ich würde es wohl auch kaum anders machen.

Allerdings würde ich es definitiv anders machen als die Kollegen heute am Ostbahnhof. Just als ich mit einem der netteren Exemplare sprach, gerieten vor uns 2 Kollegen mit einem Fahrgast in Streit. Der Fahrgast beschwerte sich lautstark und fragte auf Englisch:

„What is the problem with Erkelenzdamm?“

Der entsprechende Kollege antwortete auch noch hämisch:

„Jaja, ick weeß ja wo der is. Deswegen fahr ick dir trotzdem nich!“

Das Dumme ist, dass ich im ganzen Trubel – der Fahrgast trat dann an mich heran – nicht nach der Konzessionsnummer dieses Kollegenschweins geschaut habe. Und irgendwie war der dann ziemlich schnell weg. Naja, ich hab dann trotz ebenso einstündiger Wartezeit nicht lange gefackelt und den armen Typen zu seinem Ziel gebracht. Ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch mehr als 7,00 € auf der Uhr gewünscht hätte, aber ich halte nach wie vor nix vom Tourenablehnen aufgrund der Länge…

Glücklicherweise war das seit langem mal wieder ein besonderer Fall, so viel Stress gab es ja schon aufgrund mangelnder Kundschaft in letzter Zeit kaum.

Deswegen hab ich es mir dann am Samstag (Ja, da lief es dann plötzlich! Grrr….) rausgenommen, mich gemütlich auf zwei Kaffee mit Axel zu treffen, mit dem ich wegen der Kabel1-Geschichte seit langem mal wieder in Austausch getreten bin.
Und ich will meinen werten Lehrer und Kollegen jetzt nicht in den Himmel loben: Aber es hat verdammt gut getan, sich mal innerhalb des Gewerbes auf Augenhöhe mit jemandem unterhalten zu können. Bis auf ein paar ebenfalls bloggende Kollegen bescheren mir dieses Vergnügen nämlich wirklich nur die allerwenigsten…

Das Ende der Pause hat dann just Jo eingeläutet, indem er mich mal flugs ums Eck bestellt hat. Ich war dann zwar erst über eine Stunde später da, aber das schreibe ich nur, um die Zeitumstellung (die mir wie üblich keine Probleme gemacht hat) auch noch in diesem Artikel unterzubringen.
Jo hat dann noch eine „alte Rechnung“ beglichen, sodass es eigentlich gar nicht so schlecht aussah an dem Abend. Und ich glaube für die Route, die wir gefahren sind, lade ich ihn irgendwann dann doch noch mal auf ein Bier ein. Oder wenn es passt – des Anlasses wegen – auf einen „Kurzen“ – denn das ist so etwa das, was ich ihm schuldig geblieben bin in meiner frühsonntäglichen Verplanung 😉

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten von der Straße. Kaum Leute unterwegs, Schlaglöcher überall und die Bremsen an meinem Auto quietschen munter vor sich hin, obwohl der Hausschrauber die vor zwei Wochen genau aufgrund meines Verdachts für in Ordnung befunden hat. Doofe Geschichte, ich finde es nicht sehr angenehm, mit einem quietschenden Auto an Kunden ranzufahren…

Ach ja, die Kunden:

„Sie sind gewesen von den Fahren Taxi bisher besten alle!“

Na, immerhin 😀

Fettnäpfchen Taxi-Floskeln

So sehr mir an einer guten Unterhaltung im Taxi liegt: Der Einstieg in die Unterhaltung gelingt doch am Besten mit Standard-Phrasen. Es mag den ein oder anderen schockieren, das ausgerechnet von mir zu hören – aber wozu sollte ich mir jedes Mal was neues ausdenken? Klar, bei ganz besonderen Fahrzielen oder außergewöhnlicher Kundschaft finden sich auch mal besondere Worte.

Ansonsten… da viele Gespräche nicht über Smalltalk herausgehen, verlaufen sie auch oft ähnlich. Sehr gerne sage ich bei Fahrgästen mit Gepäck beim Ausstieg

„So, jetzt befreien wir noch das Gepäck. Das gibt immer so einen Ärger, wenn ich das mitnehme…“

Kleiner Witz zum Schluß, wirkt originell und lustig. Ich würde schätzen, ich hab den Satz jetzt bereits 500 mal gesagt. Sonderlich individuell ist das nicht, aber das merkt ja auch keiner.
Also jetzt natürlich schon. Ich warte jetzt darauf, dass mich jemand ertappt 🙂

Und beim Einstieg? Unterschiedlich – aber bei Fahrten vom Ostbahnhof klappt als Einstieg eigentlich immer wieder

„Na, dem Gepäck nach war das aber auch (k)eine lange Reise!?“

Das ist fantastisch. Das klappt sogar, wenn die Leute kein Gepäck haben 😀
Und schon hat man ein Thema zum Reden, die Reise. War sie privat, beruflich, schön, scheiße, wie war das Wetter und was ist in Berlin seit der Abfahrt alles passiert?

Damit bin ich jetzt seit 2 Jahren echt gut gefahren (<-Wortspiel!), und ich hätte nicht gedacht, dass ich mit dem Spruch mal irgendwas falsch machen könnte. Ist ja auch herrlich unverfänglich, unterstellt nichts böses…

Hab ich gedacht.

Und dann, neulich, pack ich den Spruch wieder aus der Mottenkiste und als Antwort kam nur so ein eher verstohlenes

„Naja…“

Und dann gleich die Erklärung dazu:

„Wie man es nimmt. Wir waren bei der Beerdigung unseres Vaters…“

Wenig Gepäck und trotzdem die längste aller denkbaren Reisen, irgendwie… ich blamier mich nicht oft in meinem Auto, aber da hab ich mich mal echt ganz aufrichtig entschuldigt.

Sie haben es mir im Übrigen nicht übel genommen.

Blabla

So, das Wochenende neigt sich dem Ende zu. Ich bin kurz vor dem Einschlafen, und heute Abend geht es wieder raus auf die Piste. Wenn ich Glück habe, ist mein Tagfahrer ja meinem genialen Einfall gefolgt, die quietschenden Bremsen und den Lärm im Radkasten mal diagnostizieren und abstellen zu lassen.

Entgegen meiner Hoffnungen werde ich mit dem Auto nämlich noch ein bisschen umherfahren müssen, auch wenn meine Chefs gerade in größerem Stil neue Autos kaufen. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass das nicht einmal Großraumwagen sind, will ich auch nicht grundlos meckern.
Die Kiste hat jetzt etwa 275.000 Kilometer runter, und laut Aussage meines Brötchengebers ist geplant, sie außer Dienst zu stellen, wenn sie zwischen 300.000 und 400.000 km den ersten größeren Schaden hat. Und da selbst wir die Kiste nur auf 5.000 bis 7.000 Kilometer monatlich bringen, wird das wohl eher gegen Ende des Jahres was. Wenn sich nicht irgend ein netter Amokfahrer quasi aufdrängt, mir einen neuen fahrbaren Untersatz zu bezahlen. Vorgeschädigt durch den Unfall mit Fahrerflucht ist die Kiste ja noch…

Was die Kunden angeht, hatte ich in letzer Zeit wirklich Glück.
Einmal hatte ich zwar eine Dauertelefoniererin im Auto, die sich aber zuletzt doch noch einen Funken Sympathie ergattert hat, als sie sich sehr nett und mit gutem Trinkgeld verabschiedet hat.
Bevor das jemand falsch versteht: Ich hab gar nichts gegen das Telefonieren bei mir im Taxi, aber wenn es dann wirklich ohne ein „Hallo“ abläuft, finde ich das schon etwas unverschämt. Unterhaltsam muss ein Fahrgast ja nicht sein, aber ein Wort mehr als „Landsberger 115“ könnte es dann ja doch sein…

Naja, ich hoffe mal, von der nächsten Schicht gibt es irgendwa spannendes zu berichten. Sonst muss ich ja wirklich ganz tief in meinem kleinen Büchlein blättern 😉

Genervt

Eigentlich bin ich ja wirklich ein ganz Netter. Vom ein oder anderen bösen Gedanken mal abgesehen versuche ich mich im Job meist vorbildlich zu verhalten. Klappt nicht immer, Fehler passieren. Soweit, so gut! Aber neulich war ich mal wirklich genervt.

Die Fahrgäste selbst waren eigentlich ganz in Ordnung, aber den letzten Nerv gekostet haben sie mich trotzdem. Und somit war mein Abschied nicht unbedingt erste Sahne, aber das ist jetzt auch vorbei.

Angehalten haben sie mich an der Ecke Grünberger/Wedekind. Ich hab mich auch standesgemäß gefreut, schließlich hab ich die Abkürzung Richtung Ostbahnhof nur genommen, weil vor mir auf der Warschauer ein ganzes Bataillon leerer Taxen unterwegs war. Die Gruppe war jedoch recht groß, und beim Überfliegen stellte ich fest, dass ich selbst mit ausgeklappten Sitzen nicht alle unterkriegen würde. 8 Leute etwa. Plus minus 2, sie sind ständig durcheinandergewuselt.

Es waren durchweg junge Männer, der Sprache nach Spanier. Zunächst hatten sie nur eine Frage: Wo das Berghain ist. Gut, das ist Luftlinie nur 200 Meter entfernt, der Fußweg ist etwas länger – aber dennoch schnell geklärt. Mein Gesprächspartner sprach problemlos englisch, und so war die Sache in zwei Minuten geklärt. Ob ich sie hinbringen könnte? Klar. Aber nicht alle.

Der erste ist schon eingestiegen, da kam der zweite an und fragte mich, wie man denn nun genau hinkommt. Ich hab ihm das auch erklärt, woraufhin er meinte, sie würden dann laufen. Dann kam der Dritte und hat gefragt, wie viel das kosten würde. Ich hatte gute Laune, einen guten Umsatz und hab gemeint, ich drücke eine Kurzstrecke rein, würden 4 € Festpreis sein.

Dann kam ein weiterer der Gruppe an – er konnte sogar perfekt deutsch – und fragte, wie man denn genau hinkommt. Dann fragte er nach dem Preis.

Nun kam der fünfte der Gruppe und wollte wissen, wie weit das Matrix weg wäre und ob man da auch hinlaufen könnte. Ich hab erklärt, wie weit das etwa weg wäre und eine grobe Richtung genannt. Dann sollte es zum Matrix gehen, zu Fuß. Der bisher in meinem Wagen sitzende Typ stieg aus, dafür stieg einer der anderen ein und fragte, was es zum Berghain kosten würde. Ich hab ihm die Frage beantwortet, und er meinte, sie sollten doch alle mit dem Taxi fahren.

Daraufhin setzten sich zwei weitere ins Auto und der Deutschsprachige kam zu mir und fragte, ob es gehen würde, dass ich sie nacheinander abhole, wenn es nicht so weit ist. Ich hab gesagt, dass das kein Problem wäre, es allerdings sein könnte, dass die Kurzstrecke nicht reicht, und es am Ende vielleicht einen Zehner kosten würde. Den Preis fand er gut, ja sogar „nicht der Rede wert“. Er wollte nur noch mit den anderen reden.

Von denen kam dann auch einer zum Wagen und forderte einen der Insassen auf, auszusteigen, weil er gerne mit der ersten Fuhre am Club sein wollte. Daraufhin stiegen zwei Leute aus, während einer von draussen zu mir kam und mich fragte, wie weit es denn etwa zu dem Club sei.

zu diesem Zeitpunkt stand ich dann seit etwa 10 Minuten blöd in der Friedrichshainer Prärie herum und wartete darauf, loszufahren.

Dann kam ein zweites Taxi.

Der Fahrer wurde vom Rest umringt und es sind ein paar Leute eingestiegen. Daraufhin ist der verbleibende Fahrgast bei mir wieder raus, um auch in das andere Auto zu kommen. Der, der sich stattdessen bei mir in den Wagen setzte, fragte mich, ob ich nicht doch zum Matrix fahren würde. Dann kam einer aus dem anderen Auto angesprintet, und wies den Kerl an, er solle doch besser mit den anderen fahren.

Der glückliche Kollege lud den Kerl ein und brauste davon.

Mein Sprachgenosse kam an und fragte mich, ob wir jetzt ins Berghain fahren würden.

In den folgenden 2 Minuten setzten sich die Leute im Wagen dreimal um, dann konnte ich los. Endlich. Aus irgendeinem Grund sind 3 Leute übrig geblieben. Hatte der Fahrer vorher doch nur 2 mitgenommen? Oder 3? Naja, egal. Die Fahrt dauerte ja nur eine runde Minute, ich wollte das fast viertelstündige Vorspiel gnädig vergessen. Am Ziel angekommen wurde mir auch ein Fünfer gegeben, sogar Trinkgeld also. Ende gut, alles gut?

So halb.

Hinter mir saßen zwei Quasselstrippen, die mich übers Berghain ausfragten, wobei ich all mein Wissen zusammenkramen musste. Als einer von ihnen ausgestiegen ist, kam der andere wieder rein und fragte mich, wo genau der Eingang sei. Ich hab ihn ihm gezeigt. Daraufhin wollte er wissen, wie weit es denn etwa zum Matrix sei, falls sie hier nicht reinkommen würden. Während ich mit ihm redete, stieg mein letzter Fahrgast aus, nicht allerdings ohne die Tür sperrangelweit offenstehen zu lassen. Das sah der eben erst ausgestiegene Quasselpartner als seine Chance an, als er einen Anruf bekam.

Er setzte sich in meinen Wagen und telefonierte. 3 oder 4 Minuten lang. Letztlich fragte er mich dann, ob ich vielleicht die verbliebenen Hansel doch noch aufgabeln könnte. Das fand der andere natürlich unsinnig und sie gerieten in einen lebhaften Disput darüber. Ausgetragen wurde er natürlich in meinem Auto. Einer von den anderen kam auch zum Wagen zurück und warf ein, dass man dann doch gleich zum Matrix fahren könne, hier sehe es so dunkel aus. Der Vierte aber weigerte sich und beharrte darauf, hier zu bleiben.

Ich stand inzwischen auch gute 10 Minuten am Berghain und durfte den Kollegen zusehen, wie sie einer nach dem anderen mit zahlender Kundschaft ihres Weges zogen.

Völlig unerwartet zog nun einer der Streithähne eine Münze hervor, gab sie mir und meinte:

„Here. This is another 2 €. Pick up the others, they will pay you the rest!“

Alles klar. Aber natürlich kann man auch darüber nochmal diskutieren. Haben sie dann auch gemacht. Schwer genervt bin ich eine runde halbe Stunde nach Erstkontakt mit den Vögeln endlich losgekommen und bin den anderen entgegengefahren. Ich hab einfach die Kurzstrecke weiterlaufen lassen.

Die anderen habe ich nicht gefunden.

Weiß Gott, ob die sich inzwischen ein anderes Taxi – womöglich zum Matrix? – genommen haben oder sich verlaufen hatten. Als das Taxameter das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich es ausgemacht und bin zum Bahnhof gefahren.

Natürlich hätte ich den Jungs besser noch Bescheid gesagt, bzw. ihnen die zwei Euro zurückgegeben. Aber ich hatte wirklich keinen Bock, die nochmal eine Viertelstunde im Auto zu haben!