Doppelt dreist

Ich würde gerne eine Kundengeschichte hier niederschreiben – das mache ich ja gelegentlich – aber was will ich sagen: Meine Kundschaft ist heute Nacht durch ausserordentliche Nettigkeit aufgefallen. Nicht nur, dass ich zum Schluss noch richtig lange Fahrten mit viel Trinkgeld bekommen habe (was in etwa das Gegenteil der Ereignisse vor 1 Uhr darstellt), es waren alle einfach nur nett und lieb und keiner ernsthaft einen Eintrag wert.

Aber ich kann ja meinen Lesern nichts vorenthalten, worüber ich gerne meckere. Das tue ich meist nur, um ein bisschen meine Glaubwürdigkeit als Taxifahrer zu unterstreichen, heute meine ich es allerdings verdammt ernst. Es gibt so ein paar Dinge, die mich immer mal wieder aufregen. Die klassischen Festpreisverhandlungen sind so ein Fall, unfreundliche Fahrgäste und Taxistandparker.
Ich will ja gnädig sein: Taxistände sind meist sehr günstig an viel frequentierten Plätzen gelegen und ich kenne die Seite der nicht geschäftlichen Fahrer natürlich auch. Und machen wir uns nichts vor: Ein großer Taxistand zu einer Uhrzeit, zu der wenige Fahrer da sind, läd natürlich ein, kurz dort anzuhalten. Wahrscheinlich ist es sogar sinnvoller, als den fließenden Verkehr zu behindern.

Aber natürlich behindern uns Fahrer diese Falschparker. An Ständen, bei denen ständig Bewegung herrscht, erschweren sie die Übersicht, zwingen zum Ausweichen oder führen im schlimmsten Fall dann dazu, dass wir irgendwo illegal und gefährlich rumstehen müssen. Ich kann nur immer wieder empfehlen, sich irgendwo im Umfeld ins absolute Halteverbot zu stellen. Das ist genauso illegal, stört aber unter Umständen wirklich nur die Cops.

Ach herrje, was laber ich hier wieder rum!

Also: Das ärgert mich. Da ich aber von Natur aus kein sonderlich impulsiver Mensch bin und mich ungerne wegen so eines Schwachsinns streite, sage ich meist nichts. Gerade am Ostbahnhof laden Leute gerne kurz was ein, die Minute hab ich meistens.

Und so war es auch gestern Abend. An der dritten Rücke stand mitten zwischen den Taxen ein einzelner verirrter Privat-PKW. Alle Kollegen sind stumm an ihm vorbeigefahren, geärgert hat sich wohl jeder, aber so war es eben. Ein Kollege, der ihn überholt hat, hat mir nachher gesagt, dass der Fahrer da geschlafen hat.

Irgendwann kamen dann jedenfalls die Leute, die er mitnehmen wollte und luden ihr Gepäck ein. Der Fahrer ist nicht ausgestiegen, hat nicht geholfen, aber darüber braucht man sich bei privaten Fahrten natürlich eigentlich auch keinen Kopf machen.

Und dann hat der den Wagen zurückgesetzt, mein Auto dabei getroffen und ist dann weggefahren.

Moooment! WTF?

Also so in etwa sahen meine Gedanken aus. Und glaubt mir: Zu überhören oder nicht zu bemerken war der Spaß nun wirklich nicht. Vorausgesetzt natürlich, man schläft nicht. Naja, mein Chef wird sich freuen, mal wieder einen unverschuldeten Unfall zu haben, und der Typ wird wahrscheinlich ziemlichen Ärger bezüglich Fahrerflucht bekommen. Oder glaubt der ernsthaft, ich hätte mir bei seinem Wegfahren das Kennzeichen nicht notiert?

Also auf der Rücke parken: Nee, aber verkraftbar!

Auto anrempeln: Kann natürlich mal passieren…

Fahrerflucht: So dann nicht!

Leute jibt et!

15 Kommentare bis “Doppelt dreist”

  1. Boh , der hat bestimmt noch weiter gepennt. Wer seinen Gästen nicht mal beim Einladen hilft , von dem kann man anscheinend auch kein logisches Denken erwarten.
    Hoffe das der richtig eins aufn Deckel bekommt.Solche Leute dürften keinen Führerschein haben, denn der Nächste sitzt nicht im Auto und kanns Kennzeichen aufschreiben.Tztztztz
    Schönen Tag Dir mit weiterhin netten Fahrgästen

  2. Und gibt es nicht das Gebot, sich niemals mit einem Taxifahrer anzulegen, denn im Zweifelsfall ist das eine eingeschworene Gemeinschaft?

  3. Nils sagt:

    Würde mich nicht wundern, wenn der unter Drogen stand. Denn wie sonst kann man so naiv sein, zu glauben, in der Situation ungeschoren davon zu kommen. An einem Taxistand! Wenn man ein Taxi anbumst (wo ja in der Regel jemand drin sitzt)!! Vielleicht beging er auch deswegen die Fahrerflucht, weil er spontan Angst hätte, dass Drogen am Steuer das schlimmste seiner Delikte sind.
    Ist er denn fluchtartig davongebraust oder in ganz normalem Tempo?

  4. Matthias sagt:

    Oh bittebittebitte halte uns darüber auf dem Laufenden!
    Ich hasse es, wenn irgendwo solche Geschichten angefangen und nie zu Ende gebracht werden. Vgl. auch Shopblogger und seine 10k Euro.

  5. Sash sagt:

    @Teilzeitberlinerin:
    Na mir persönlich kann es ja egal sein, wie die miteinander umgehen. Es wirkt nur am Taxistand so kurios 😀

    @Der Maskierte:
    Erzähl das mal den kuriosen Kollegen um mich rum 🙁
    Nee, aber ich hab im Zweifelsfall einen Zeugen und ich hab die Cops auf die Videoüberwachung aufmerksam gemacht…

    @Nils:
    An sowas hab ich natürlich auch gedacht. Wer weiss? Als er losgefahren ist, hab ich gehupt, er hat kurz gebremst und ist dann ganz normal weitergefahren.

    @Matthias:
    Ich kann es nicht versprechen. Ich weiß ja noch nicht, inwieweit ich den Rest überhaupt mitbekomme. Aber wenn es was gibt, schreibe ich es natürlich.
    Vorerst nur so viel: Mein Chef hat sich gefreut 🙂

  6. Will Sagen sagt:

    Na, vielleicht hab ich ja auch noch was davon. 😉

  7. Aro sagt:

    Ups, da gibt’s eine Videoüberwachung? Da muss ich künftig wohl beim Popeln besser aufpassen.

  8. Sash sagt:

    @Will Sagen:
    Wie das?

    @Aro:
    Besser is‘ das! 🙂

  9. Will Sagen sagt:

    Als Begutachtungsauftrag. Wer weiß…

  10. daedalus sagt:

    Bei mir ist das damals so gelaufen:
    Ein Transporter (Privatfahrzeug) hat mein Auto vom Parkplatz geschoben und ihn in einem nicht mehr fahrtüchtigem Zustand stehenlassen. Da es massenhaft Zeugen gab, hab ich mir wenig Sorgen gemacht. Blöderweise gilt in Deutschland aber die Fahrerhaftung. Der Halter vom Fahrzeug hat behauptet, dass er nicht gefahren sei. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, da die Zeugen nur das Nummernschild und Auto kannten, aber nicht den Fahrer beschreiben konnten.

    Für mich persönlich war das nun nicht so dramatisch (auch wenn ich über 10 Monate warten musste, bis seine Versicherung überzeugt war, dass sie zahlen muss), aber die Signalwirkung halte ich für verdammt gefährlich. Überspitzt formuliert: Das nächste mal fährt er ein Kind an und haut ab. Und mir kann keiner erzählen er wüsste nicht, wer mit seinem Privatwagen unterwegs ist.

  11. Marco sagt:

    @daedalus: Die Fahrerhaftung „gilt“ in Deutschland nicht. Zumindest nicht in dem Sinne, dass nur der Fahrer für Schäden haftet. In dem von dir geschilderten Fall haftet eindeutig der Halter, § 7 StVG. Anders wäre es nur, wenn der Fahrer das Auto ohne Wissen und Willen des Halters und ohne dass er das schuldhaft ermöglicht hätte, benutzt hätte. Letzteres ist extrem unwahrscheinlich. http://www.buzer.de/s1.htm?a=7&g=stvg
    Und einen Direktanspruch gegen de Kfz-Haftpflichtversicherung hast du auch (die scheint ja auch letztendlich gezahlt zu haben, das wäre ja nicht der Fall gewesen, wenn schon der Halter nicht in der Hftung gewesen wäre): http://www.buzer.de/gesetz/7966/a152664.htm

  12. daedalus sagt:

    @marco

    ich geb zu, meine Ausdrücke waren rechtlich nicht einwandfrei 🙂
    Fakt ist aber, dass ich ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft bekommen habe, dass das Verfahren wegen Fahrerflucht eingestellt wurde, weil der Fahrer eben nicht gefunden werden konnte – und das war kein Bagatellschaden, sondern insgesamt so schätzungsweise 20.000 Euro (mein Wagen war nicht der einzige, er hat den halben Parkplatz mitgenommen.
    Mir persönlich ist ja auch kein Schaden dadurch entstanden, ich wurde nur durch diesen Eintrag hier mal wieder dran erinnert und hoffe, dass in diesem Fall der Verursacher zur Verantwortung gezogen wird.

  13. Sash sagt:

    @Will Sagen:
    Das wäre natürlich mal wieder ein Beweis dafür, dass die Welt ein Dorf ist. 🙂

    @Marco und daedalus:
    Ich versuche jedenfalls, auf dem Laufenden zu bleiben und neue Erkenntnisse mitzuteilen. Inwiefern der Fahrer zu ermitteln ist, weiss ich jetzt ja auch noch nicht.

  14. […] jetzt Post bekommen. Nicht ganz unerwartet, schließlich ermitteln die gerade in meinem Sinne einen flüchtigen Unfallteilnehmer. Aber die Vorurteile sitzen tief, so fragte auch meine bessere Hälfte beim Anblick des Briefes […]

  15. […] quasi aufdrängt, mir einen neuen fahrbaren Untersatz zu bezahlen. Vorgeschädigt durch den Unfall mit Fahrerflucht ist die Kiste ja […]

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