Die gute Tat für heute

Ich hab spät in der Nacht ein Pärchen nach Mahlsdorf gebracht. Und Mahlsdorf klingt nicht nur wie „Dorf“, es ist auch eines. Ich hätte bei runtergelassener Scheibe quasi nach Brandenburg spucken können. Und dann hundert Meter  stadteinwärts eine Winkerin. Yeah! \o/

„Bestellt auf XY?“

„Oh. Nein, das  bin ich nicht. Ich war nur zufällig hier, hab gerade Kundschaft abgeladen.“

„Und was machen wir jetzt?“

„Sehen Sie, ich würde sie natürlich gerne mitnehmen. Aber vermutlich kommt der Kollege gleich. Der hat extra gewartet und sich nun auf den Weg gemacht …“

„Oh! Verstehe. Gerade hieß es halt, dass in einer Minute … und jetzt sind Sie da …“

„Wissen Sie was? Ich fahre jetzt mal hier ran. Sollte in fünf Minuten niemand da sein, dann nehme ich Sie mit. Aber so viel Kollegialität muss sein, so verdienen wir halt unser Geld.“

„Oh, ja, ja … vielen Dank! Sie sind der erste, der mir das so erklärt.“

Der Kollege kam eine Minute später. Definitiv keiner, der sich via Sprachfunk näher an die Kundin herangelogen hat, was ja leider immer noch passiert.

Ja, ich hätte die Tour gut gebrauchen können. Und ja, ich hab zwei Lebensminuten mit dem Gespräch „verschwendet“. Am Ende der Schicht wusste ich nicht einmal mehr, ob das gut oder schlecht war, weil ich die ein oder andere Tour danach zwei Minuten früher nicht bekommen hätte. So geht’s also auch, liebe Tourenklauer …

Irgendwas doppelt?

Ende der Fahrt. Dreizehn irgendwas.

„Sorry, is’n bisschen zerknittert. Sind 15, passt so.“

Und er reicht mir einen zerknüllten Zehner und einen ebensolchen Fünfer. Passiert oft, mir egal.

„Nur kurz: Irgendwas doppelt?“

Hey, einer der nachdenkt! Denn ja: Ich hab schon zwei- oder dreimal bei schnell flüchtenden Fahrgästen am Ende doch noch einen Fünfer mehr in so einem Geknülle gefunden und ihn am Ende dann halt doch als Trinkgeld eingesteckt. Also wenn jemand nicht die drei Sekunden warten kann …

„Aber wenn’s so ist, sei’s Dir gegönnt. Is aber nicht zufällig ein Fuffi drin oder so?“

Ich will nicht lügen: Nette Einstellung! 😀

Aber ebenso ungelogen war meine Antwort:

„Nein, sind 15, passt alles!“

 

Nasser Sitz

Die Kundin zahlte, gab Trinkgeld, verabschiedete sich nett und stieg aus. Eine weitere Fahrt absolviert, dazu eine unerwartete Winkertour, die prima lief, obwohl es Sprachprobleme gab und die Kundin die Adresse ganz woanders vermutet hatte. Ich war ob all dieser Dinge froh, doch dann sah ich, dass mir ein nasser Beifahrersitz hinterlassen wurde.

Bitte nicht!

Weder Kundin noch Auto haben unangenehm gerochen, aber wir hatten den schönsten Herbsttag, den man sich denken konnte, all das Laub auf der Straße knisterte vor Trockenheit … und so nett die Kundin auch war: Aus nachvollziehbaren Gründen meldet niemand seine Inkontinenz während des Einstiegs an, was sollte sonst passiert sein?

Und während ich kurz davor war, mich wirklich zu ärgern, hab ich – schon alleine aus Psychohygienegründen – nach Ideen gesucht, was denn sonst noch ein Grund sein könnte.

Glücklicherweise wurde ich sehr schnell fündig: Die gute Frau war während der Fahrt die meiste Zeit damit beschäftigt gewesen, einen frischen Blumenstrauß zu bändigen!

Und ja: Ich wäre auch gerne schneller drauf gekommen! 😉

Wenn ich mal nur halb richtig liege

„Noch drei Kilometer bis zum Oktoberfest, ich sollte mal nach … oh, ein Winker!“

Noch besser war, dass ihn dort auf der linken Seite im Dunkeln die zwei ebenfalls freien Kollegen vor mir nicht gesehen haben! Also drehen und einsacken. Hat zwar Lederhosen an, schwankt aber noch nicht bedrohlich. Prima!

„Brimsa Nfeld Cherstraß?“

Au Backe!

„Sorry, könnten Sie das wiederholen?“

„Na Felde, Icherstas!“

„Entschuldigung, das hab ich immer noch nicht richtig verstanden.“

„Is ok. Ich Schlaanfall habt …“

Ui. Und ich hatte schon gedacht …

„… und bsoffn au bin!“

Puh, immerhin zu 50% reicht die Erfahrung noch aus. 😉

War dann nach zwei drei weiteren Versuchen mit der Aussprache übrigens eine supernette Fahrt ohne weitere Komplikationen.

Party-Metropole Berlin

Sie haben mich an einer Baustelle rangewunken. An einer Baustelle, die von dieser Seite aus dafür sorgte, dass ich einen riesigemn Umweg fahren musste. Obwohl es sogar noch vor null Uhr war, ließen sie  mich wissen, dass die Lust auf Party gerade eher so mittel wäre. Der Abend  zuvor war heftig, eigentlich reiche es ihnen allen schon jetzt. Passiert halt mal, schon klar. Dann  aber  dieser goldwerte Dialog:

„Uh, ein Seniorendomizil! Da wäre ich jetzt gerne!“

„Ehrlich? Nix zu tun und …“

„Ich will jetzt da hin!“

„Wieso das, Alter?“

„Optimaler Abendverlauf! Ich lauf da rein und lass mich waschen!“

„Boah, geil Alter! Waschen lassen! Ich bin dabei!“

Ich will echt nicht diese Ich-werde-alt-Schiene fahren, aber mit so einer Jugend ist doch echt keine Revolution mehr machbar, oder? 😉

Äh … danke?

Mal wieder ein eher kurioses Trinkgeld:

Fast so praktisch wie ein Einkaufswagenchip! Quelle: Sash

Und für alle, die jetzt ähnlich fragend gucken wie ich zuerst: Das ist ein „Griff“, den man sich ans Handy kleben kann, um es mit einem Finger zu halten.

Der Erste. \o/

„Hier, stimmt so. Und was ich noch sagen wollte: Sie sind der erste Taxifahrer, der genau so gefahren ist, wie ich auch gefahren wäre.“

„Naja, ist ja aber kein Geheimnis, dass ich hier die Karte offen hab und nachschauen konnte, welche Straße das genau ist.“

„Ja, aber genau der Weg! Danke dafür!“

Ein eigentlich schwieriges Lob, denn aus Taxifahrersicht muss ich sagen, dass man sich als Kunde die Strecke aussuchen darf und wenn es wichtig ist, dann sollte man was erwähnen. Außerdem waren noch die meisten „guten Strecken“ von Kunden schlicht länger als der kürzeste Weg, da sind Abweichungen also nicht zwingend schlimm.

Aber in dem Fall war’s einfach ein Kompliment dafür, dass ich nicht den naheliegenden Umweg über eine Hauptstraße gefahren bin, wie offenbar die anderen Kollegen. Und so mag ich das dann doch ganz gerne. 🙂