„Kein Wechselgeldtrick“

Es kam wirklich einiges durcheinander beim Bezahlen der Gruppe. Denn eine von den Frauen wollte eigentlich während der ganzen Rechnerei einen Fuffi kleingewechselt bekommen und das hat die ganze Aktion etwas verkompliziert.

„Sorry, das sollte jetzt nicht so’n Wechselgeldtrick werden, ehrlich!“,

meinte Sie, als wir alles geklärt hatten, zu mir. Was eigentlich schade war, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Fahrt bezahlt, Trinkgeld, dazu den Fünfziger von ihr in der Tasche und den kleingewechselten Schein ebenfalls. Wechselgeldbetrug zum Wohle des „Opfers“ hätte ich voll ok gefunden und ich kann sie nun nur nachträglich anflehen, damit doch auf Deutschlandtour im Taxi zu gehen … 😉

Ich bin qualifiziert. Für Betrunkene.

Es war eine mehr als nur heitere Fahrt. Auch wenn ungefähr jeder zweite Satz „Entschuldigung, ich bin … wie sagt man heute? … rotzevoll!“ oder ähnlich lautete. Sie gehörte definitiv zu den mittelschweren Fällen in der Nacht, ich hatte zumindest mal keine größeren Sorgen bei ihr. Sie hat mich über meinen Job ausgefragt, damit nebenbei auch über das hier: Schreiben, Bloggen usw.

Dass ich ein Buch geschrieben habe, hat sie erschreckend euphorisch aufgefasst, das Googeln danach gelang allerdings auch nicht mehr so wirklich. Naja, sowas kann an einem Wochenende schon mal passieren. Sie wäre ja, erzählte sie, Headhunter. Sie vermittle gute Leute an Unternehmen. Und da sie mich spontan sympathisch fand, hatte sie offenbar eine dieser unsagbar überzeugenden Betrunkenenideen, nämlich mich zu vermitteln. In einen besseren Job. Das freilich erwähnte sie nicht einmal, da hat sich viel alleine in ihrem Kopf abgespielt. Alleine bei zwei Fragen wurde ich involviert:

Ob ich a) überhaupt einen Job wolle und b) eigentlich auch Softwareentwicklung könne.

Immerhin war ihr nach der Verneinung beider Fragen auch bewusst, dass das vielleicht schwierig werden könnte. Aber hey, ich nehme das mal als Kompliment! 😀

Vorstellungsrunden

„Wie heißt Du eigentlich?“

„Ich?“

„Ja.“

„Sascha.“

„Freut mich, Sascha.“

„Mich auch.“

„Ich heiße Carsten unsharbeisoopilien.“

„Sorry, das hab ich nicht verstanden.“

„Ich heiße Carsten*. Ich arbeite beim Zoo. Bei den Reptilien*. Ach Gott, das hört sich immer komisch an, wenn ich das so sage!“

„Das klingt interessant.“

„Ja, das sagen immer alle. Für mich isses total normal.“

DAS kenne ich als Taxifahrer ja nun zur Genüge. 🙂

*Tier- und Menschennamen selbstverständlich geändert.

Voll geile Ideen, die völlig normal sind

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Der Alkohol mal wieder. Aber ich bin ja nicht so.

„Ey, ich hab voll die geile Idee!“

„Was denn?“

„Na: Du brings‘ mich heim!“

„Was ist daran geil, das mache ich ständig?“

„Na, ick wohn‘ ja nicht hier.“

„Und?“

„Ick bezahl‘ Dir!“

„Das will ich doch hoffen. Aber wo soll’s denn hingehen?“

„Errätst Du nie!“

„Das glaube ich. Also wohin?“

„Lichtenberg.“

„Und was ist daran so besonders geil?“

„Na, na, also von hier aus, hör‘ ma!“

„Ja?“

„Also immerhin, ne?“

„…“

„Dit is WEIT WECH!“

„Wir, ähm, sind schon in Lichtenberg.“

„Oh, na dann will ick nix jesacht ha’m. Marie-Curie-Allee.“

Aber um ehrlich zu sein: Dass jemand eine Tour um die 8 € mit mehr als 4 € Trinkgeld garniert, ist dann tatsächlich, ähm, ziemlich geil. 😉

Osterferien oder Januar II

Obwohl dieses Wochenende das erste Mal dieses Jahr sowas wie Ausgehwetter angesagt war, waren die Umsätze im Taxi grotesk niedrig. Auf mein normales Wochenende fehlen knapp 40%, und das hat nur bedingt damit zu tun, dass ich auch immer ein wenig früher Feierabend gemacht habe. Die 2 Stunden, die ich normal mehr runtergerissen hätte, hätten locker den doppelten Stundenschnitt von Silvester hergeben müssen, um das Wochenende noch gut zu machen. Ein Tag schlechter als der andere – aber immerhin bin ich viel zum Lesen gekommen.

Dass ich heute früher Feierabend gemacht hab, lag aber eher an der letzten Fahrt. Die Informationen, wo es letztlich hingehen sollte, waren nämlich zu Beginn sparsam, es war eine Tour mit zwei Zwischenstopps. Als wir dann am Ende aber keinen Kilometer von der Firma entfernt gelandet waren, wollte ich wirklich nicht nochmal in die Stadt zurück. Obwohl die Fahrt Laune gemacht hat. Eine besoffene Sechsergruppe inklusive einer potenziellen Kotzerin mit mauen Richtungsangaben – trotzdem toll. Manchmal machen es dann doch die Menschen hinter den Fahrgästen aus.

Und die Tour war lang und hat meinen Umsatz erheblich erhöht. 34,40 € inkl. Zuschläge. Was auch schon wieder niedlich war. Ohne die Zuschläge standen ja erst einmal 31,40 € auf der Uhr. Mir wurden 35 mit einem „Stimmt so“ gereicht. Als ich dann den bösen Knopf gedrückt habe, der beides zusammenzählt, wurde mir von einer Kundin immerhin noch eine Münze nachgereicht:

„Tut mir leid, wir dachten, es wären nur die 31,40.“

Ich hab ihr kurz das System mit den Zuschlägen erläutert und sie fand das nicht etwa doof oder unnötig, sondern schön, es zu wissen. Da sind mir die zwei verlorenen Euro Trinkgeld dann doch auch egal gewesen, verständige Kundschaft ist mir persönlich mehr wert.

Laune von null auf hundert auf null

Eine 10€-Tour nach Friedrichshain rein. Nun ja, so mittel halt. Aber dann erwies sich die Kundin als äußerst nett, gesprächig, es war einfach schön. Einfach eine nette Unterhaltung, das kann nach einer Stunde Wartezeit selbst bei einer durchschnittlichen Fahrt schnell mal die Laune heben.

Dann, wir waren noch 300 Meter vom Ziel entfernt, winkte es. Deutlich, penetrant, ich hab in Gedanken die Augen verdreht und mir gedacht:

„Hallo, so langsam müsste doch auch der letzte begriffen haben, dass eine ausgeschaltete Fackel bedeutet, dass das Taxi besetzt ist!“

Andererseits hoffte ich doch auch irgendwie, die beiden noch einsacken zu können. Die Aussicht war gering, wir waren auf einer Hauptstraße, durch die gerade an jenem Abend mehr als genug Taxis fuhren. Aber während ich meine Kundin und ihr Gepäck auslud, passierte nichts. Kein Taxi, Totenstille. Also hab ich sofort Vollgas gegeben und bin zurückgeschossen. Und sie standen noch da, puh!

Mit Höflichkeiten haben wir uns dann nicht lange aufgehalten.

„Alt-Biesdorf, zur Tierklinik. Kennste?“

„Ja, schon mal gesehen.“

„Schön.“

„Und, ist das dann jetzt ein Notfall?“

„Ja.“

Und da war die gute Laune wieder hin. Sicher, die Fahrt war gut für mich, aber die Fahrgäste waren deprimiert, telefonierten die ganze Zeit, so eine Tour halt.

Was passiert ist, weiß ich nicht. Das Tier war wohl schon in der Klinik. Aber der Laune nach wurde der altehrwürdige Familienhund eingeschläfert. 🙁

Schön, dass ich helfen konnte. Aber irgendwie ging’s mir 15 € vorher noch deutlich besser.

Drei Fahrgäste auf einem Sitz

Die erste Frage, die er mir stellen würde, hatte ich bereits erraten, als er noch 30 Meter von meinem Auto entfernt war:

„Sach ma‘, würdste mir auch mit die beeden Hunde …?“

„Wenn sie das Autofahren gewöhnt sind, sicher.“

Obwohl ich ganz ganz sicher eher Katzen- als Hundemensch bin: Ich mag Hunde. Sie haben mir im Taxi auch noch nie wirklich Ärger gemacht und wie bei fast allem fahre ich seit 6 Jahren auch bei Hunden folgende Strategie:

So lange ich niemals unaushaltbaren Stress mit XY hatte, fahre ich XY!

Das ist, möchte ich mal anmerken, ein vollkommen geiles Konzept. Man kann es auf Hunde anwenden, auf Besoffene, auf mitgeführte Bierflaschen, Schalke-Fans oder Kinder. Und man muss so ehrlich sein und eine einzelne Entgleisung unter 50 Fahrten auch mal als Zufall ansehen.
Deswegen nehme ich immer noch supergerne Biertrinker und Hunde mit, Schalke-Fans bis auf weiteres, Kinder immer und verhänge andererseits bald mal eine Sperre für Soldaten. Insgesamt aber klappt das sehr gut, meist entpuppen sich die Problemkandidaten dann halt doch als zumindest brauchbare Kundschaft.

Und die beiden Hunde waren super. Knuffige und ruhige Viecher, bei denen das einzige Problem war, dass der eigentlich im Fußraum platzierten Dame irgendwann danach war, Herrchen auch noch auf jenen Schoß zu springen, auf dem bereits der andere Hund saß. Aber, obgleich etwas seltsam gestapelt: Die beiden (und auch Herrchen) waren super unkomplizierte Fahrgäste.

Und abgerundet wurde das Ganze dann noch durch mehr als 4 € Trinkgeld für meine Nettigkeit den Tieren gegenüber. Die Hunde haben ihr Abo auf problemlosen Zustieg soeben bis 2016 verlängert, jetzt ist die Bundeswehr am Zug.