Ich glaube, meine Schulter hatte heute Sex im Taxi …

Und eigentlich habe ich immer noch keine Ahnung, was genau los war.

Eingeladen hab ich sie, da war ich schon fast auf dem Weg zur Firma. Der Abend lief erst schlecht, dann gut, und so langsam hatte ich meine Zeit abgesessen und die nötige Kohle im Sack. Aber dann: Winker. Na gut, alles mitnehmen, warten kann ich auch morgen wieder!

Die beiden waren sehr sehr betrunken und außerdem Schotten. Mein Englisch loben konnten sie ganz gut, das eigene war aber schon des Alkohols wegen kaum mehr verständlich. Die Straßenangabe war so schwammig, dass ich von der Allee der Kosmonauten bis zur Littenstraße bei jedem Versuch etwas neues herausgehört habe. Aber es sollte unweit des „Nollnoplaas“ sein, von dort könnten Sie es mir zeigen. Und nach einer dreiminütigen Vergewisserung, dass es der Nollendorf- und nicht der Nöldnerplatz war, konnte es auch schon losgehen. Ein guter Zwanni, von so mitten in Friedrichshain – nicht ganz meine Richtung, aber Geld ist Geld.

Während er eher müde vor sich hinbrabbelte, fand die junge Dame allerdings offenbar Gefallen an dem Taxifahrer, der sie sicher heimbringt, wo sie doch keine Ahnung hätten, wo sie wären. Das gipfelte in dem Wunsch, ich solle doch einfach dahin fahren, wo ich wolle, sie würde einfach mitkommen. Was grundsätzlich eine nette Idee war, aber ich glaube, sie hätte sich ziemlich verarscht gefühlt, wenn ich sie im Hinterhof meiner Firma in Niederschöneweide rausgelassen hätte. 😉

Aber natürlich war das so nicht gemeint. Sie lehnte sich zum Reden stets so vor, dass sie mir fast direkt ins Ohr flüsterte und legte mir die Hand auf die Schulter. Damit kann ich inzwischen ganz gut leben, am Anfang hat mich das noch erschreckt. So wirklich üblich ist Körperkontakt dann ja nun auch nicht zwischen Fahrern und Kunden im Taxi. Soweit hätte ich das mit allen Komplimenten, die sie mir machte, auch noch als weitgehend normal abgetan. Man klopft einem Kumpel ja auch mal auf die Schulter, ne?

Dann aber hat sie damit angefangen, mich zu massieren. Ich will jetzt nicht behaupten, dass das grundsätzlich einfach in Ordnung ist, aber ich hab nunmal auch meine Vorlieben und die Tatsachen, dass sie nett war und wir uns gut verstanden, haben mich das dann doch durchaus genießen lassen. Hey, eine Schultermassage während der Arbeit … andere bezahlen für sowas!

Etwas irritiert hab ich dann allerdings zur Kenntnis genommen, dass die gute Frau zum einen nur noch schwer geradeaus reden konnte – und dieses Mal weder ihres Akzents noch des Alkohols wegen, sondern weil sie leise aber doch hörbar gestöhnt hat – und zum anderen meine Schulter indes angepackt hat, wie man normalerweise fremde Schultern wirklich nicht anpackt. Ich kenne den Unterschied zwischen Massage und Festkrallen – und das war letzteres. Wobei es, das muss ich auch zugeben, immerhin dazu geführt hat, dass meine linke Schulter nun derart unverkrampft ist, dass ich merke, wie verspannt die rechte ist …
Was immer da zwischen der jungen Dame und meiner linken Schulter vorgefallen ist: Es hat beiden Seiten gefallen. Und nur um das festzuhalten: Es geht hier nicht um eine flüchtige Berührung, der Spaß hat ein paar Minuten angehalten.

Am Ende habe ich die beiden mangels näherer Zielinfos am Nollendorfplatz rausgelassen. Ihr Begleiter meinte, er wisse schon, wo sie nun lang müssten. Sie hat mir mich anschmachtend irgendwelche Unanständigkeiten ins Ohr geflüstert, die ich aber ganz ehrlich nicht mehr verstanden habe. Alkohol und so. Dann gab es von ihm (!) fast einen Fünfer Trinkgeld und ich darf mich jetzt mit der Frage beschäftigen, was da eigentlich genau passiert ist.

Nicht wirklich hilfreich dabei war, dass ich beim Abstellen des Autos auf ihrem Sitzplatz eine Dose Vaseline gefunden habe.

Immer wenn man denkt, man hat schon alles erlebt …

Die eindeutig bessere Wahl

Ich verkündete der Kundin, dass das mit der Kurzstrecke wie von mir prophezeiht hingehauen hätte und nun vier Euro von ihr bekommen würde. Sie drückte mir allerlei Kleingeld in die Hand und fragte, ob das so stimmen würde. Ich kam alleine beim Zählen der Euro-Münzen auf sieben Euro, nebenbei lag aber noch einiges an Centbeträgen auf meiner Handfläche …

„Ja, reicht definitiv. Ich würde sogar sagen, dass das eher schon zu viel ist.“

„Dann stimmt das so. Besser zu viel als zu wenig sag ich immer!“

Die Einstellung gefällt mir. 🙂

Was Fahrgäste vorgeben zu sein …

Das war seit langem die außergewöhnlichste Fahrt. Eine Winkertour in den frühen Morgenstunden, die ich nur bekommen habe, weil bei einem Kollegen in die E-Klasse ein Möbelstück nicht reingepasst hatte. Na also, wozu fahre ich schließlich genau dieses Auto!?

Zunächt hatte ich noch gedacht, sie hätten das gute Stück direkt von der letzten Kneipe geklaut, aber im Gespräch fiel sehr schnell das Wort Flohmarkt. Die beiden hatten gut einen im Tee, ein Pärchen rund um mein Alter, er eher etwas jünger, sie etwas älter. Eigentlich nix besonderes.

Nach dem Taxifahrer-Kunden-Smalltalk redeten die beiden munter untereinander. Ich hab mich nicht mehr eingemischt, ist ja nicht meine Sache. Als er dann aber sagte, dass er ja immerhin 300 € die Stunde für sie zahle – und sie das mit „Na das wär‘ ja ein Traumlohn!“ beiseite wischte – war ich etwas verwundert. Aber egal, ob sie nun wirklich Prostituierte oder das alles nur ein Necken war … alles im grünen Bereich.

Irgendwann fing er dann aber an, über ihren Zuhälter zu reden:

„Ich kenn doch den Paul, brauchste mir nix erzählen …“

Und sie konterte:

„Ach, Paul! Paul ist egal. Paul ist nur für Probleme da. Der hat gar nix zu sagen. Mit Matze müssteste reden, wenn’s ums Geld geht!“

„Na, dann ruf ich den doch mal an …“

„Matze? Den kennste nicht.“

„Natürlich.“

„Niemals. Der ist für Kunden nicht erreichbar.“

„Ohne Witz! Ich ruf‘ den jetzt an!“

„Jaja, schon klar. Na, dann mach mal …“

Bis dahin hab ich das noch für eine Neckerei gehalten. Dann hat er telefoniert:

„Hi Matze, Tom hier. Du, ich bin gerade mit Leila unterwegs, eine von deinen Frauen, kennste, ne? Ja, Leila. Ja nee, wir fahren gerade zu ihr. Was denn? Darf man nicht mal mehr Spaß haben? Nee, im Ernst, ist das ok? Ah, ok, verstehe. Freundschaftspreis, ja? Danke, Alter! Ja, sag ich ihr, geile Sache!“

Um ehrlich zu sein, das klang dann doch ziemlich nach Fake-Anruf. Aber schließlich bat sie darum, noch eben mit ihm sprechen zu können – und das hörte sich ungefähr so an:

„Matze? Ja. Ja. Ja. Was? Ey, nee! Nicht dein Ernst. Ja, nee passt schon. Wir sehen uns dann.“

Und während sie auflegte, kam dann noch mittelleise folgendes hinterher:

„Freundschaftspreis!? Du Arschloch!“

Die Fahrt dauerte noch an. Ich wunderte mich so langsam wirklich über die Umstände der Protagonisten. Am Ende rief Tom nochmal Matze an, was aber kaum sinnvolle Infos ergab, da Tom breit war wie sonstnochwas und ich Matze nicht hören konnte. Und Leila schmollte.

Beim Bezahlen bat Tom dann Leila, mir aus seinem Geldbeutel einen Zwanni zu geben; die Fahrt plus gutem Trinkgeld also.

Hä? Wieso hatte sie jetzt sein Portemonnaie?

Da meinte Leila dann:

„Ach, Sie als Taxifahrer kriegen sicher noch komischeres als unsere Gespräche mit, oder?“

Ich flüchtete mich in die nächstgelegene Ausredengasse:

„Vielleicht. Ich hab ehrlich gesagt nicht wirklich zugehört.“

Bis dahin hatte ich noch nicht ernsthaft beschlossen, die Fahrt zu verbloggen. Ich hab mich in einem Pärchen verschätzt, ach herrje, sowas passiert dann doch öfter mal. Dann aber meinte Leila enttäuscht:

„Was? Dabei haben wir uns so eine Mühe gegeben! Und Sie beachten unser Hörspiel gar nicht!?“

PS 1:
WTF?

PS 2:
Doch „Leila“, ich hab zugehört. Ich wollte bei der Nachfrage nur niemanden in Verlegenheit bringen.

PS 3:
Auch wenn ich das jetzt verfremdet habe: Wir Taxifahrer haben keine Schweigepflicht! Die beiden wussten das wohl – aber ich erwähne das an dieser Stelle nicht ohne Grund! 😉

Fahrgäste, die gierig und fies sind.

„Kriegst auch einen Euro Trinkgeld. Oder wären Dir zwei lieber?“

„Das ist jetzt fies.“

„Was ist daran fies?“

„Na komm‘, wenn ich mich jetzt für zwei entscheide, dann klingt das, als wäre ich gierig …“

„Nur keine Sorge. Also ich … ich arbeite für die Pharmaindustrie, ja?“

„OK?“

„Und mein Medikament kostet 2.800 €. Für eine Injektion. Und da machst Du dir Sorgen, wegen einem Euro gierig zu wirken?“

„OK, dann hätte ich gerne zwei.“

„Na also.“

Der eine Euro mehr hat sich im Übrigen als 50-Cent-Münze herausgestellt. Aber das war dem Alkohol geschuldet, da bin ich mir sicher.

PS: Es ging im Übrigen um eine Kurzstrecke. Da ist mehr als der eine Euro schon eher selten. Obwohl ich in den letzten Tagen mehrfach das Vergnügen hatte.

Wenn Fahrgäste mal RICHTIG Panik kriegen

Die drei betrunkenen Briten waren eigentlich guter Laune, aber plötzlich tippte mir der Beifahrer hektisch auf die Schulter und meinte, dass wir Probleme mit dem Auto hätten und nestelte panisch an seinem Sicherheitsgurt. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden und folgte seinem angsterfüllten Blick auf die Mittelkonsole und musste mich beherrschen, nicht laut loszulachen.

Der Zufall war einfach zu genial. Ich muss da kurz ein wenig ausholen …

Ich höre gelegentlich zur Entspannung Musik im Auto und das tue ich manchmal auch, indem ich mich aus meiner CD-Sammlung zu Hause bediene und ganze Alben mitnehme. Da die Anzeige gerne mal Fragen aufwirft, sehe ich inzwischen aber zu, dass ich wenn Kunden einsteigen nicht nur wie immer die Musik leise mache, sondern auch auf Radio als Quelle switche. Das hatte ich dieses Mal vergessen. Die CD hatte CD-Text, und dabei zeigt das Radio nur selbigen, keine Titelnummer oder ablaufende Zeit an. Das lautlos vor sich hindudelnde Album war die gute alte Americana von The Offspring und wir waren bei Titel 10 angekommen. Die Angst des Fahrgastes lässt sich somit ganz gut nachvollziehen:

In der Tat eine, ähm, missverständliche "Warnmeldung". :) Bild später nachgestellt, Quelle: Sash

In der Tat eine, ähm, missverständliche „Warnmeldung“.
Bild später nachgestellt, Quelle: Sash

Ich überlege gerade, ob ich mir einen Sampler mit fehlinterpretierbaren Titeln zulegen sollte … Vorschläge für Lieder? 😀

Wie man’s wieder reinholt.

Natürlich ist es unsinnig für mich persönlich, freiwillig die Option Kurzstrecke zu erwähnen. Mache ich auch wesentlich seltener als früher, aber es kommt trotzdem immer wieder vor, dass ein Fahrgast es vergisst, rechtzeitig zu erwähnen und am Ende alle völlig genervt von 3 € Preisunterschied sind. Deswegen hab ich den etwas schüchternen Winker (vom Ostkreuz zum Sisyphos) tatsächlich vorsichtshalber gefragt, ob er jetzt eine Kurzstrecke meinen würde. Eher nicht so wirklich, denn die Antwort war ein überraschtes

„Oh? Äh … ja, das … äh, wäre natürlich toll.“.

Naja. Am Ende hat er dann die Kurzstrecke mit 7 € beglichen, was – es war nicht direkt am Ostkreuz, wo er zugestiegen war – selbst auf den Normalpreis noch einen Euro Trinkgeld bedeutet hätte. So aber eben drei. 🙂

Zur Lage am Sisyphos wollte ich ohnehin noch was sagen: Da scheint die Trinkgeldbereitschaft der Kunden im Vergleich zum letzten Jahr deutlich hochgegangen zu sein, kann das ein Kollege bestätigen?

Und sowas höre ich JEDE NACHT!

Wenn es Leute interessiert, wie das Leben als Taxifahrer so ist, dann unterteilen sie sich ziemlich deutlich in zwei Gruppen:

Gruppe 1 fragt, ob das nicht ein total langweiliger Job sei, immer nur hin- und herfahren, kaputte Leute, scheiß Verkehr …

Gruppe 2 ist der festen Überzeugung, als Taxifahrer hätte man jeden Tag mit Spitzenpolitikern, Schwerkriminellen und vor allem natürlich mit Sex zu tun. Gerne auch alles auf einmal. Äh, vergesst den letzten Satz – niemand sollte sich schwerkriminelle Politiker beim Sex vorstellen müssen … 😉

Wen ich mag, das sind die Leute aus der völlig untergehenden Gruppe 3: Die absolvieren gerade eine nahezu durchschnittliche Taxifahrt, erkennen dabei ein oder zwei lustige Dinge und sind dann völlig gefesselt von der Vorstellung, sowas könne einem als Taxifahrer öfter passieren.

Dieses Mal war es eine tiefenentspannte und vor allem völlig müde Truppe aus dem Sisyphos. Seit 30 Stunden wollen sie gefeiert haben, und wer das Publikum dort kennt, weiß, dass das kein Witz war. Sie ließen sich an unterschiedlichen Punkten der Route aussetzen und dabei kam es zu einer wirklich unglaublich lächerlichen Begebenheit:

Person A versprach, sich morgen wegen einer ausgeliehenen Jacke nochmal zu melden und sie vorbeizubringen – und Person B entgegnete, dass sie das doch schon gestern getan hätten und sie die Jacke schon wieder hätte. Aber natürlich ist diese kleine Vergesslichkeit auf Drogen viel lustiger. Und so wandte sich Person B zu mir, stierte mich mit weit aufgerissenen Augen über den Innenspiegel an und meinte:

„O mein Gott, und sowas musst Du JEDE NACHT mit anhören!?“

Nein, nicht. Aber:

„Sagen wir’s mal so: Mir ist an der Fahrt bisher nichts besonderes aufgefallen.“

Und so isses halt: DIE großen Stories passieren selten, selbst uns Taxifahrern. Unsere Zielgruppe sind ja nicht nur Verhaltensauffällige. Aber man kriegt halt irgendwann alles mal mit. Und wirklich ungewöhnlich ist dann halt auch recht schnell nichts mehr – dazu muss man sich schon wie ich bemühen, auch kleine Dinge lustig zu finden.

PS: Das erste Mal hatte ich „Gruppe 3“ in Form von ein paar Mädels, die sich einfach nur darüber unterhalten haben, wie eine von ihnen ein neues Bett gekauft und aufgebaut hat. Wirklich unglaublich … ähm, spannend?