So langsam beginnt die Urlaubszeit, und nicht nur mein Tagfahrer hat sich in wärmere Gefilde verabschiedet. Allerlei Menschen zieht es in die weite Welt. Zwar wird im Urlaub sicher gerne mal Taxi gefahren, mit dem Taxi dorthin fahren sehr zu meinem Bedauern aber doch die wenigsten 🙂
Manch einer nutzt die gemütliche Atmosphäre in meinem Wagen aber dazu, über den Urlaub zu reden. Die meisten tun das im Nachhinein und erzählen, wo sie überall waren, was sie gesehen haben etc. Das ist das, was bei Erwachsenen davon übrig bleibt, wenn man in der Schule nach jeden Ferien einen Aufsatz über seine Erlebnisse schreiben muss.
Mein Fahrgast hingegen kann von der Regel ausgenommen werden. Zum einen stand ihm sein Urlaub erst noch bevor, zum anderen geht er sicher noch zur Schule. Er war etwa 8 Jahre alt. Ganz alleine tippelte er vor den Taxen an der letzten Rücke des Bahnhofs umher und traute sich nicht, einen Taxifahrer anzusprechen. Als der Kollege vor mir vorrückte und die Rücke damit verließ, war ihm seine Enttäuschung aber anzumerken, so dass ich ihn ansprach.
„Hey, brauchst du etwa ein Taxi?“
„Ja, weil ich muss nach Kreuzberg. Da muss ich…“
„Na, komm erst mal rein!“
Er log mir dann vor, dass er ja „laut gerufen“ hätte, aber der Kollege ihn leider nicht gehört hat. Schon klar 😉
Aber er nannte mir eine Straße, die nicht sonderlich weit weg lag, und dann ging es los. Er erzählte von einem Ferienlager, auf das er sich furchtbar freut, da sind dann hunderte Millionen von Kindern, quasi also alle. Ein riesiges Zeltlager und das direkt am Meer.
„Na, das ist ja dann sicher ziemlich weit weg, oder?“
„Ja, voll! Das ist auf jeden Fall glaub ich nicht mehr in Berlin!“
„Und wie kommt ihr da hin?“
„Mit dem Bus.“
„Wie lange fahrt ihr denn dann?“
„Mindestens eine Stunde! Ich glaub, sogar zwei!“
Ach Gottchen, wie niedlich!
„Und das ist direkt am Meer?“
„Ja, da ist so ein Bereich im Meer. Der ist abgesperrt. Da kann man dann schwimmen. Das ist abgesperrt, weil da auch Haie und so und alles ist!“
„Na, das klingt ja ganz schön spannend.“
„Ja, und der Kai und der Thorsten und der Umut, die kommen auch mit. Und dann… darf ich mal telefonieren?“
„Klar, warum nicht?“
Bevor wir am Ziel angekommen sind, hat er mich gebeten, an einer anderen Straße anzuhalten. Er hat gefragt, ob das teurer wird als 10 €, was ich guten Gewissens verneinen konnte. Dann hat er Umut angerufen und ihm gesagt, dass er mit dem Taxi vorbeikommt. Ein paar „Gucksdu! Hab ich gesagt, ich fahr Taxi!“ später konnten wir dann zu ihm nach Hause fahren. Dort hat er mir dann von seinem Kleingeld die 7,20 € gezahlt und mir noch ein Trinkgeld gegeben. Ich kann also nicht behaupten, dass ich als Taxifahrer irgendwie zu kurz gekommen wäre.
Aber ich muss zugeben, dass ich mir danach ein wenig gewünscht habe, auch nochmal so klein und naiv zu sein. Wahrscheinlich ist er inzwischen in irgendeinem Ferienlager an einem Baggersee in Brandenburg. Wenn es hochkommt an der Ostsee. Ich hab aber keine Zweifel, dass er seine Haie und all die anderen wilden Tiere, die er mir so genannt hat, zu sehen bekommt. Man muss ja nur wollen 😀
