Überraschend überschaubar

Ich fahre gerne irgendwo zwischen der Schönhauser und der Prenzlauer Allee entlang. Ob nun am Kollwitzplatz vorbei oder nur schnell über die Danziger Straße: Die Anzahl der Winker, die ich in Prenzl’berg aufgenommen habe, wird langsam unüberschaubar. An diesem Abend war es ein Ehepaar, das sich bis zur Danziger, fast an der Prenzlauer, zu Fuß durchgeschlagen hatte und nun erfreut war, dass bereits nach nur kurzer Wartezeit ein Taxi angepfiffen kam.

Sie enterten die Rückbank und ließen als Fahrtziel das Westin Grand verlauten. Mittelprächtige Tour, direkt nach Mitte – arg viel besser konnte es kaum kommen. Die Fahrt von dort gestaltet sich ja reichlich unspektakulär: Rechts auf die Prenzlauer fahren und wenn man das nächste mal abzubiegen gedenkt, steht man schon vor dem Gebäude.

Die beiden schnatterten miteinander und bekamen nicht viel mit von der Fahrt am Alexanderplatz vorbei. Erst als wir dann vor ihrem Hotel standen, bemerkten sie:

„Ach, wir sind ja schon da. Na, so groß ist Berlin ja dann auch nicht.“

Naja, das könnte natürlich daran liegen, dass ihre 10-minütige Fahrt nicht wirklich durchs ganze Stadtgebiet geführt hat – auch wenn der ein oder andere Bewohner von Mitte ihnen das vielleicht so erklärt hat…


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Und nein, auf dieser Karte ist auch noch nicht ganz Berlin zu sehen…

Trinkgeld-Alarm

Manche Fragen stelle ich inzwischen relativ standardmäßig. So zum Beispiel die nach der Straßenecke oder einem markanten Punkt, wenn Kunden mir ihre Hausnummern nennen. Ich bin ja sehr froh drum, wenn sie das tun. Allerdings ändert das wenig an der Tatsache, dass ich bis auf sehr wenige Ausnahmen mit Hausnummern aus dem Kopf auch nichts anfangen kann. Ganz ehrlich: Ich hab nicht einmal eine Ahnung, ob es am Ostbahnhof Hausnummern gibt und wenn ja, welche.

Aber das Suchen wird wesentlich leichter, wenn man weiss, was man sucht – und mein Navi kann im Zweifelsfall auch seine mehr oder minder unqualifizierten Bemerkungen dazu loswerden. Wichtig ist es eigentlich nur, wenn ich mir nicht sicher bin, von welcher Seite aus ich die Straße auf dem kürzesten Weg anfahren muss.

Im vorliegenden Fall war es eigentlich unnötig. Der Kunde wollte in die alte Jakobstraße, die sich sowieso vom Ostbahnhof aus am Besten vom Anfang an befahren lässt. Derletzt hatte ich allerdings schonmal Kundschaft, die unbedingt über den Moritzplatz dorthin wollte und auch der Gewohnheit wegen fragte ich nach:

„Wohin da wollen sie genau?“

„Nummer xy!“

„An welcher Ecke ist das?“

„Äh, weiss ich gerade nicht.“

„Ist da irgendwas Besonderes in der Nähe?“

„Ich, äh, mal überlegen… ja, ähm, also da fällt mir wirklich überhaupt nix markantes ein.“

Soo ungenau hat es dann auch noch keiner geschafft, seine Wohnumgebung zu schildern 🙂

Die Fahrt war aber relativ kurz, dafür aber ganz nett. Wir haben uns im Schnelldurchgang ein wenig unterhalten und wie so manch anderer war er einer der Kunden, die auch die kurzen Strecken lohnend machen. Für die 6,40 € auf der Uhr gab es einen glatten Zehner und damit hatte ich an der Tour etwa so viel verdient wie an einer trinkgeldlosen 14€-Fahrt. Und als ich dann beschwingt aus dem Auto steigen wollte, um ihm mit dem Gepäck zu helfen, hab ich nach langer Zeit mal wieder versehentlich den Alarm betätigt. Glücklicherweise habe ich bis heute nicht vergessen, wo im Motorraum sich der Ausschaltknopf befindet. Ein gutes hatte die Sache dann aber doch: Das Gesicht meines Kunden!

„Oh, äh, ich… das… hab ich was falsch gemacht?“

Nee, nicht wirklich. Obwohl so ein Alarm als Trinkgeldbestätigung auch lustig wäre 😉

afk, Kundenwünsche erfüllen…

In den letzten Tagen und Wochen sind einige Artikel über unschönes Verhalten zustande gekommen. Wie das halt so ist: Man behält die unschönen Dinge oftmals besser im Gedächtnis, sie fallen einem mehr auf, man hält sie für wichtiger, bla bla bla. Selektive Wahrnehmung und so…

Deswegen möchte ich euch ins Wochenende entlassen mit einem kleinen Gegenbeispiel, einem kurzen Lob seitens meiner Kundschaft. Die dazugehörige Tour war kaum der Rede wert. Vom Ostbahnhof zum schlesischen Tor, keine drei Minuten und keine sechs Euro. Ich hab ihm versichert, dass mir die kurze Strecke nichts ausmacht – was in Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade mal 5 Minuten warten musste, noch nicht einmal übereifrige Freundlichkeit war.

Ich hab wie immer bedauert, dass viele Kollegen das nicht so sehen und ihm am Ende einen guten Abend gewünscht. Er bezahlte die Tour mit einem durchschnittlichen Trinkgeld und verabschiedete sich mit folgenden Worten:

„Vielen Dank. War eine sehr schöne Fahrt. Vermehrt euch!“

Ich äh, arbeite dann mal an der Kundenzufriedenheit 😉

Blog-Trinkgeld

Ich schreibe ja nicht immer, wenn ich mal von Lesern eingeladen werde, sie zu chauffieren. Auch das meistens ziemlich ansehnliche Trinkgeld (Danke an alle! Ihr wisst, wer ihr seid!) lasse ich meist unter einem Mantel des Schweigens verschwinden. Wenn ich diesen Mantel trage – und das tue ich immer, wenn mich jemand sieht – dann wirke ich darin noch voluminöser als sonst. Das liegt dann also an der vielen Verschwiegenheit! 😉

Nun muss aber auch ich gelegentlich Ausnahmen machen, und schreiben, was mir so im Taxi passiert. Ich vermute, Taxigeschichten werden hier im Blog ganz gerne gelesen…
Im Laufe der Woche hat mich ein Leser (ich halte es mal besser anonym, hoffe dass das ok ist…) wegen einer recht kurzen Tour angefragt. Glücklicherweise hat das zeitlich und räumlich hervorragend gepasst, und so hab ich ihn von einer geschäftlichen Veranstaltung in Mitte in ein nahegelegenes Hotel gebracht. Gut, die Bremsen quietschten ein wenig und die Scheiben waren etwas dreckig – ansonsten habe ich hoffentlich einen brauchbaren Eindruck hinterlassen. 🙂

Wie eigentlich immer bei Fahrten mit Lesern war die Tour zu kurz, um sich vernünftig zu unterhalten. Auf der anderen Seite wäre es ja auch unfair, wenn ich ausgerechnet mit euch Lesern große Umwege fahren würde, oder?

Weswegen ich die Fahrt nicht verschweigen kann, ist weil jener Leser beinahe einen Trinkgeld-Rekord gebrochen hat. Nicht den absoluten – den hält nach wie vor mit recht großzügigem Abstand der betrunkene Brite aus dem Matrix – aber wenigstens prozentual kam mein Fahrgast dem freudig erregten Angelsachsen sehr sehr nahe!

Exakt 400% gab es auf den Fahrpreis extra! 😀

Gut, ich sollte der Fairness halber erwähnen, dass es als „Blog-Trinkgeld“ deklariert war, und somit nicht wirklich für die Fahrt war. Andererseits hat mein geliebter Brite seine knapp 432 % ja auch eher für die Stadt Berlin gegeben…

Haie im Taxi

So langsam beginnt die Urlaubszeit, und nicht nur mein Tagfahrer hat sich in wärmere Gefilde verabschiedet. Allerlei Menschen zieht es in die weite Welt. Zwar wird im Urlaub sicher gerne mal Taxi gefahren, mit dem Taxi dorthin fahren sehr zu meinem Bedauern aber doch die wenigsten 🙂

Manch einer nutzt die gemütliche Atmosphäre in meinem Wagen aber dazu, über den Urlaub zu reden. Die meisten tun das im Nachhinein und erzählen, wo sie überall waren, was sie gesehen haben etc. Das ist das, was bei Erwachsenen davon übrig bleibt, wenn man in der Schule nach jeden Ferien einen Aufsatz über seine Erlebnisse schreiben muss.

Mein Fahrgast hingegen kann von der Regel ausgenommen werden. Zum einen stand ihm sein Urlaub erst noch bevor, zum anderen geht er sicher noch zur Schule. Er war etwa 8 Jahre alt. Ganz alleine tippelte er vor den Taxen an der letzten Rücke des Bahnhofs umher und traute sich nicht, einen Taxifahrer anzusprechen. Als der Kollege vor mir vorrückte und die Rücke damit verließ, war ihm seine Enttäuschung aber anzumerken, so dass ich ihn ansprach.

„Hey, brauchst du etwa ein Taxi?“

„Ja, weil ich muss nach Kreuzberg. Da muss ich…“

„Na, komm erst mal rein!“

Er log mir dann vor, dass er ja „laut gerufen“ hätte, aber der Kollege ihn leider nicht gehört hat. Schon klar 😉

Aber er nannte mir eine Straße, die nicht sonderlich weit weg lag, und dann ging es los. Er erzählte von einem Ferienlager, auf das er sich furchtbar freut, da sind dann hunderte Millionen von Kindern, quasi also alle. Ein riesiges Zeltlager und das direkt am Meer.

„Na, das ist ja dann sicher ziemlich weit weg, oder?“

„Ja, voll! Das ist auf jeden Fall glaub ich nicht mehr in Berlin!“

„Und wie kommt ihr da hin?“

„Mit dem Bus.“

„Wie lange fahrt ihr denn dann?“

„Mindestens eine Stunde! Ich glaub, sogar zwei!“

Ach Gottchen, wie niedlich!

„Und das ist direkt am Meer?“

„Ja, da ist so ein Bereich im Meer. Der ist abgesperrt. Da kann man dann schwimmen. Das ist abgesperrt, weil da auch Haie und so und alles ist!“

„Na, das klingt ja ganz schön spannend.“

„Ja, und der Kai und der Thorsten und der Umut, die kommen auch mit. Und dann… darf ich mal telefonieren?“

„Klar, warum nicht?“

Bevor wir am Ziel angekommen sind, hat er mich gebeten, an einer anderen Straße anzuhalten. Er hat gefragt, ob das teurer wird als 10 €, was ich guten Gewissens verneinen konnte. Dann hat er Umut angerufen und ihm gesagt, dass er mit dem Taxi vorbeikommt. Ein paar „Gucksdu! Hab ich gesagt, ich fahr Taxi!“ später konnten wir dann zu ihm nach Hause fahren. Dort hat er mir dann von seinem Kleingeld die 7,20 € gezahlt und mir noch ein Trinkgeld gegeben. Ich kann also nicht behaupten, dass ich als Taxifahrer irgendwie zu kurz gekommen wäre.

Aber ich muss zugeben, dass ich mir danach ein wenig gewünscht habe, auch nochmal so klein und naiv zu sein. Wahrscheinlich ist er inzwischen in irgendeinem Ferienlager an einem Baggersee in Brandenburg. Wenn es hochkommt an der Ostsee. Ich hab aber keine Zweifel, dass er seine Haie und all die anderen wilden Tiere, die er mir so genannt hat, zu sehen bekommt. Man muss ja nur wollen 😀

Blöde Kollegen…

Ich hab ja echt nicht vor, mich dauernd über Kollegen zu beschweren. Zum einen ist es ja nicht so, dass die Straßen wirklich voll von Arschlöchern im Taxifahrergewand sind, zum anderen bin ich ja beileibe nicht perfekt und will mich gar nicht als oberster Moralapostel gerieren.

Aber manchmal geht es einfach nicht anders.

Am Wochenende stand ich zum Beispiel mal wieder in Erwartung einer hoffentlich langen Tour zu einem der Flughäfen morgens am Ostbahnhof. Vier Kollegen standen bereits auf Rücke 1, ich hielt tapfer die Abstauberposition auf der anderen Straßenseite. Das ist kein schlechter Standpunkt, es gibt immer noch viele Menschen, die dort das erste Taxi nehmen, weil sie vermuten, es wären zwei getrennte Schlangen. Am niedlichsten sind dabei übrigens die, die tatsächlich glauben, man müsste je nach Fahrtrichtung entweder auf der einen oder der anderen Seite einsteigen. Ich kläre sie dann manchmal über dieses lustige Ding vor meinem Bauch auf, mit dem man den Wagen wenden kann 😉

Aber gut. Irgendwann hat der vierte Kollege auf der anderen Seite wohl einen Funkauftrag bekommen und der Platz war frei für mich. Ich hab also gewendet, mich in die Lücke eingefädelt und mir zu Unterhaltungszwecken mein Handy geschnappt.

Aus dem Augenwinkel hab ich auf dem Gehweg eine Bewegung realisiert und mich umgedreht. Auf einer Stufe am Bordstein, etwa 4 Meter von meinem Auto entfernt saß eine junge Frau. Rote Haare, ein nicht mehr ganz taufrisches Kleid am Leib, barfuß und mit Tränen in den Augen. Sie hat mich kurz angesehen, sich dann aber wieder abgewandt, und so ließ ich es dabei bewenden. Ich wäre zwar durchaus interessiert daran gewesen, was ihr so den Abend versaut hat, aber ich war ja auch zum Arbeiten da.
Kurz darauf kam dann auch ein Freund von ihr vorbei, sie unterhielten sich kurz, hab ich alles nur so nebenbei mitbekommen. Das Fenster war zu, sie wollten nix von mir – wayne?

Irgendwann kam dann der Freund allerdings doch angelatscht und bat mich, die Scheibe herunterzulassen:

„Ja bitte?“

„Entschuldigung, würden sie uns fahren?“

„Na selbstverständlich!“

„Ist aber nicht weit…“

„Das ist doch egal.“

Also hat er seine Holde aufgesammelt und sie sind beide in mein Taxi gekrabbelt. Er hinten, sie vorne. Ihr Ziel lag jetzt wirklich nicht weit weg, aber passable 7 € sind nebst einem Trinkgeld dann auch ein Zehner gewesen. Die beiden sind echt nett gewesen, und auch über die Tatsache, dass sie ein wenig betrunken war, konnte man gut hinwegsehen. Der Grund für ihre Taxifahrt war, dass die werten Dame eine Fußverletzung hatte. Ich vermute mal eine eingtretene Glasscherbe oder ähnliches.
Der Grund, warum sie bei mir im Taxi saßen, war indes der, dass alle vier Kollegen am Stand ihr offensichtlich eine Abfuhr erteilt hatten. Ob jetzt wegen der Strecke oder des Fußes oder trotz des Fußes aber wegen der Strecke: Keine Ahnung!

Aber echt: ‚Ne verletzte junge Frau abweisen und dann weiter eine halbe Stunde Zeitung lesen… prima! Kunden müssen ja was wahnsinnig enervierendes sein, wenn man so lange am Kreuzworträtsel der Bild verzweifelt…

Pechvogel des Tages

Juhu, die Durststrecke hat ein Ende! Die gestrige Schicht lief wie eine normale Wochenendschicht, die Ferien sind vorbei und der Mai macht sowieso alles neu! Soweit eine sachliche Zusammenfassung meiner Hoffnungen und Wünsche.

Wie immer hab ich am Wochenende wenig Zeit, und verwende den Platz hier nur für einen kurzen Wettbewerb mit Klaus. Der hat mir heute früh am Ostbahnhof schon angedroht, ich müsste wieder als persönlicher Pechvogel herhalten, wenn seine Schicht nicht so laufen sollte, wie er sich das vorstellt.

Dann lege ich doch mal vor:

Meine Tour heute Morgen hat 6,60 € gebracht. Wer bringt jetzt wem Unglück, Klaus?

(Aber abgesehen davon gab es 2,40 € Trinkgeld, und die Tour hat direkt zum Abstellplatz meines Autos geführt. Also so richtig mies drauf bin ich deswegen auch nicht 😉 )