Trinkgeld-Alarm

Manche Fragen stelle ich inzwischen relativ standardmäßig. So zum Beispiel die nach der Straßenecke oder einem markanten Punkt, wenn Kunden mir ihre Hausnummern nennen. Ich bin ja sehr froh drum, wenn sie das tun. Allerdings ändert das wenig an der Tatsache, dass ich bis auf sehr wenige Ausnahmen mit Hausnummern aus dem Kopf auch nichts anfangen kann. Ganz ehrlich: Ich hab nicht einmal eine Ahnung, ob es am Ostbahnhof Hausnummern gibt und wenn ja, welche.

Aber das Suchen wird wesentlich leichter, wenn man weiss, was man sucht – und mein Navi kann im Zweifelsfall auch seine mehr oder minder unqualifizierten Bemerkungen dazu loswerden. Wichtig ist es eigentlich nur, wenn ich mir nicht sicher bin, von welcher Seite aus ich die Straße auf dem kürzesten Weg anfahren muss.

Im vorliegenden Fall war es eigentlich unnötig. Der Kunde wollte in die alte Jakobstraße, die sich sowieso vom Ostbahnhof aus am Besten vom Anfang an befahren lässt. Derletzt hatte ich allerdings schonmal Kundschaft, die unbedingt über den Moritzplatz dorthin wollte und auch der Gewohnheit wegen fragte ich nach:

„Wohin da wollen sie genau?“

„Nummer xy!“

„An welcher Ecke ist das?“

„Äh, weiss ich gerade nicht.“

„Ist da irgendwas Besonderes in der Nähe?“

„Ich, äh, mal überlegen… ja, ähm, also da fällt mir wirklich überhaupt nix markantes ein.“

Soo ungenau hat es dann auch noch keiner geschafft, seine Wohnumgebung zu schildern 🙂

Die Fahrt war aber relativ kurz, dafür aber ganz nett. Wir haben uns im Schnelldurchgang ein wenig unterhalten und wie so manch anderer war er einer der Kunden, die auch die kurzen Strecken lohnend machen. Für die 6,40 € auf der Uhr gab es einen glatten Zehner und damit hatte ich an der Tour etwa so viel verdient wie an einer trinkgeldlosen 14€-Fahrt. Und als ich dann beschwingt aus dem Auto steigen wollte, um ihm mit dem Gepäck zu helfen, hab ich nach langer Zeit mal wieder versehentlich den Alarm betätigt. Glücklicherweise habe ich bis heute nicht vergessen, wo im Motorraum sich der Ausschaltknopf befindet. Ein gutes hatte die Sache dann aber doch: Das Gesicht meines Kunden!

„Oh, äh, ich… das… hab ich was falsch gemacht?“

Nee, nicht wirklich. Obwohl so ein Alarm als Trinkgeldbestätigung auch lustig wäre 😉

8 Kommentare bis “Trinkgeld-Alarm”

  1. Häng dir doch eine Glocke in die Karre, die du bei amtlichen Trinkgeld läutest. 😀

  2. Agnostiker sagt:

    Vor ein paar Monaten stand ich auf meinem Balkon und sah ein zwischen den Büschen parkendes Taxi komisch blinken. Mir fiel auf, dass das ja das SOS-Morsezeichen ist, und dann auch noch in rot. Ich glaube du hast hier einmal diesen Alarm beschrieben.

    Es war dunkel und ich konnte weder erkennen, von welcher Taxi-Gesellschaft der Wagen war, noch welche Nummer das Taxi hatte.
    Geplagt von einem „wenn du da jetzt nix machst und ne Woche später in der Zeitung liest, dass ein Taxi-Fahrer ermordet aufgefunden wurde, wirfst du dir das ewig vor“-Gedanken begann ich alle Taxiunternehmen (sind nur drei, bayrische Provinz) anzurufen, wobei mir aber keiner weiterhelfen konnte. Außer mit dem Ratschlag, ich soll doch bitte die Polizei rufen.

    Was ich dann auch tat: Einen Anruf (bei einem schlecht gelaunten Beamten) später tauchte auch schon ein Polizeibus mit vier Uniformierten auf, welche aus dem Bus sprangen und mit gezückter Taschenlampe die Umgebung sondierten. Fanden zwar niemanden, klingelten aber den Taxi-Fahrer aus dem Bett, welcher wohl auch aus Versehen an den Schalter umlegte, es aber nicht bemerkte.

    Mir tut es zwar leid, dass ich einen Taxi-Fahrer dadurch unsanft wecken ließ, aber ich würde es wieder tun.

  3. Hannah sagt:

    Ob dir überhaupt noch jemand Trinkgeld gibt, sobald sich rumgesprochen hat, dass es da diesen einen irren Taxifahrer gibt, der immer gleich die Sirene anwirft?

  4. Christian H. sagt:

    @Agnostiker:
    Mir täte DIESER Taxifahrer nicht leid. Eher täten mir die Beamten leid, welche die Zeit auch zu anderen Dingen nutzen könnten.
    Beim Taxi-Blinken zählt jede Sekunde, da ein böser Mensch nicht wartet, bis ein Beobachter alle Taxizentralen angerufen hat. Wäre es wirklich ernst gewesen, wäre es für den Fahrer wohl zu spät gewesen.

  5. ednong sagt:

    Ja, das wäre was: hat das Trinkgeld einen bestimmten Prozentsatz überschritten, geht der Alarm los 😉 Dazu dann noch ein Foto vom verdutzten Fahrgast – und ab ins Blog damit …

  6. Michi sagt:

    Wäre es umgekehrt nicht viel lustiger? Wenns nix gibt, geht die Musik los.

    „Soll ichs abschalten? Kostet auch nur 2 €!“ 😀

  7. opatios sagt:

    @Michi:
    So als „Geizkragen-Alarm“? 😉

  8. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Aber nicht, dass ich es dann wieder hergeben muss… 🙁

    @Agnostiker:
    Ich würde auch lieber gleich die Polizei rufen. Was sollen die Unternehmen denn machen? Über Funk nachfragen, ob er gerade überfallen wird? Der stille Alarm ist ja eben da, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Aber schön, dass du dir die Mühe gemacht hast. Einmal falscher Alarm kann ja passieren. Sicher, schade um die Zeit. Aber wirklich dramatisch ist das auch nicht. Und dass der Kollege wachgeklingelt wurde – mein Gott, er wird draus lernen 😉

    @Hannah:
    Die Befürchtung hab ich ja auch…

    @ednong:
    Ach, man kann sich als Taxifahrer auch lukrativer Feinde machen 😀

    @Michi:
    Dreist, aber vielleicht wirkungsvoll 😀

    @opatios:
    Kann es ja mal als Feature bei ’ner Taxi-Umrüstungsfirma vorschlagen 😉

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