Andere Jobs, andere Beifahrer

Er hat mich noch kurz vor dem Ostbahnhof erwischt. Ein netter Typ, der auch umgehend auf mein Angebot, loszuquasseln, losgequasselt hat. Feierabend, Gastronomie, nun endlich ein Tag frei, hopsassa und trallala. Im Ernst: Hat Spaß gemacht. Wir waren dann auch gleich beim Thema Arbeit und so ließ er mich dann wissen, dass er auch schon mal Fahrer gewesen sei. LKW und international allerdings. Das aber hätte er nach einigen Jahren aufgegeben, weil er – was zweifelsohne richtig war – eher einer wäre, der gerne redet, viel mit Menschen zu tun hat, etc.

Seine ersten Lösungsstrategien allerdings klangen auch nicht schlecht:

„Zuerst hab ich mir einen Hund mitgenommen. Einen Chihuahua. Arg viel größere kannste ja nicht mitnehmen. Aber der war dann trotzdem stressig. Bei jeder etwas engeren Kurve hat er gejault. Später hatte ich dann einen Wellensittich. Aber da konnteste nicht schlafen. Also zumindest, so lange man ihn nicht abgedeckt hat. Dann ging’s eigentlich …“

Ich fand’s ’ne lustige Vorstellung. 🙂

Aber ich muss auch sagen: Ja, der Typ war wirklich mehr Barmann als Trucker! Wobei Taxifahrer als Mischung vielleicht auch noch ganz gut geklappt hätte. Aber ohne Tiere halt … denn – wie die Hardcore-Leser wissen – es gibt zwar keine Regelung, wann wir Tiere mitnehmen müssen, aber eigene dürfen wir nicht dabeihaben.

Zuständigkeitserfreunisse

Ja, liebe Dudenredaktion: Nehmt „Zuständigkeitserfreunisse“ ruhig in die nächste Ausgabe mit auf. Denn es gibt sie!

Ich bin an Silvester irgendwann quer durch Buckow in Richtung Osten gefahren. Ich würde das in jeder anderen Schicht eher vermeiden, weil ich zwischen Lichtenrade und Kreuzberg auf dem Damm mehr Kundschaft erwarten würde … aber hey, Silvester! Irgendwo winkt sicher wer. Und 5 Minuten Pause wären auch kein Weltuntergang …

Aber, siehe da, da winkte es. Ich hab angehalten und es doch gleich ein wenig bereut. Silvester ist bekannt dafür, dass alle betrunken sind, und so war es bei mir in der Schicht bisher natürlich auch. Dann aber kamen von der linken Straßenseite zwei Frührentnerinnen angewatschelt und schleiften dabei einen Typen in ihrem Alter mit sich mit. Ja: schleiften.

Während meine Gedanken nur darum kreisten, ob mit dem Kerl jemand mitfahren würde und ob das medizinisch gesehen schon grenzwertig sein könnte, trällerte die eine Helferin nur:

„Na, dann sind sie wohl das bestellte Taxi!“

Puh.

„Nee, leider nicht, ich war nur zufällig hier.“

„Ach? Hmm, na was machen wir denn nun?“

„Naja, ich fahre gerne, aber der Kollege ist sicher schon unterwe … ach, sehen Sie mal: Da vorne kommt er ja schon!“

Und ja, ein suchender Kollege mit ausgeschalteter Fackel tastete sich langsam heran. Als er mich ansah, hab ich auf die inzwischen hinter mir stehenden Kunden verwiesen und zugesehen, dass ich Land gewinne.

Er hat mir schon leid getan, ganz ehrlich. Da nimmt der arme Kerl tatsächlich Bestellungen an Silvester an – und dann sowas! Aber, um das mal in Perspektive zu rücken:

Ja, auch das ist ein guter Grund, an Silvester nur Winker mitzunehmen, denn die kann man sich vorher anschauen! Darüber hinaus: Die Kollegen, die Bestellungen annehmen, finden nix mieser, als wenn irgendwer sie vor ihnen einsackt – und das mache ich nach wie vor nicht. Dass da auch mal eine Niete hängenbleibt, passiert halt. Und zu guter Letzt: Wie ich von vielen meiner Fahrten mit total zerstörten Leuten ja auch weiß: Es kann ja trotzdem eine gute Tour geworden sein! Vielleicht ist der Typ gleich eingepennt, hatte eine 50€-Tour und hat am Ende mit einem Hunderter und „schdimmso“ gezahlt, weil er’s nicht mehr gerafft hat. Und ablehnen können hat der Kollege auch noch. Man sollte meine Schadenfreude, so man sie denn aus diesem Text herauslesen könnte, wirklich nicht überbewerten.

Aber ja: In einer Schicht mit 50€-Stundenschnitt war ich heilfroh, dass dieser Kelch Kerl an mir vorüberging!

OK, dann geht das in Ordnung …

Frohes Neues erstmal! \o/

Bevor ich mich hier über die Silvesterschicht auslasse, muss ich nochmal einen Kollegen aus dem letzten Jahr loben. Dabei war mir anfänglich gar nicht danach. Er hat eine Ampel genutzt, um auf einer weniger befahrenen Spur an mir vorbeizuziehen. Mit angeschalteter Fackel natürlich – also genauso frei wie ich.

Wie ich schon öfter erwähnt habe: Das ist scheiße! Wenn man frei ist, überholt man freie Kollegen nicht. Da gibt es kein Gesetz für, es ist einfach eine stille Übereinkunft aller Taxifahrer mit einem Rest von Berufsethos. Natürlich hätten wir alle gerne die nächsten Winker, aber es gibt auch wenig Sinn, wenn immer die sie kriegen, die sich trauen, am schnellsten zu fahren …

Besagter Kollege blieb auch vor mir, denn da er ca. 65 km/h bei 50 erlaubten fuhr, schien mir ein Überholen nicht wirklich sinnvoll zu sein. Ein Arschloch eben.

Und es kam, wie es kommen musste: An der nächsten roten Ampel war er erster, und just dort standen zwei Winker, die dann auch prompt auf ihn zuliefen und einzusteigen gedachten. In meiner Fantasie ramme ich solche Kollegen ja gerne mal und gebe mich danach höchst bestürzt darüber, dass sie nun doch keine Fahrt hätten, sondern mit mir auf die Polizei warten müssten. In Wirklichkeit wünsche ich ihnen einfach eine Massenkarambolage mit 12 Gefahrenguttransportern und allem, was man sich als fantasiereicher Mensch an Folgen gerade noch so vorstellen kann. Oder kurz gesagt: Ich hab wirklich ein kleines Problem mit unfairem und unkollegialem Verhalten.

Und nun hatte die Drecksau meine Fahrgäste!

Aber nee: Der Kollege verschloss die Türen und gestikulierte winkenderweise – und am Ende kamen die Kunden, immerhin nur leicht irritiert, zu mir gewatschelt.

Offenbar wollte der Kollege doch einfach nur schnell heim, zu seiner Halte oder zu einer Bestellung und hat vergessen, die Fackel auszumachen. Oder es für unnötig erachtet oder tatsächlich nur meinetwegen aufgegeben und die Kunden weitergereicht. Ist mir von der Sache her dann sogar wieder vergleichsweise egal. Immerhin war er insofern ein fairer Mitspieler, als dass er wusste, dass er mich überholt hatte, obwohl er das eigentlich nicht hätte sollen. Dann will ich mal nix gesagt haben.

Ach ja, Schicksal, diesen „Blitz beim Scheißen“-Wunsch kannste auch ad acta legen …

Silvester und Taxifahren

oder: Alle Jahre wieder

Seit ich an Silvester Taxi fahre, schreibe ich jedes Jahr, wie das für uns Taxifahrer ist, was es in dieser Nacht für Kunden so zu beachten gibt und versuche ein wenig zu allgemeinem Verständnis aufzurufen. Von der Sache her würde ich’s heute wieder tun, aber als ich mir den Text von letztem Jahr durchgelesen hab, musste ich anerkennen, dass ich ihn nicht nochmal besser schreiben kann. Alle, die noch so neu sind, dass sie meine Hinweise nie gelesen haben, ist hier der Link:

Taxifahren an Silvester

Wesentlich besser kam aber die kurze und etwas frechere Liste vom Jahr davor an. Deswegen hab ich diese einfach nochmal kurz (inkl. Brot-Witz) in eine Grafik gepackt, die jeder gerne teilen kann, wo immer es gerade beliebt:

So wird das mit dem Taxifahren an Silvester was! Quelle: Sash

So wird das mit dem Taxifahren an Silvester was! Quelle: Sash

Auf eine Verlinkung bestehe ich nicht, aber ich rate es Euch. Dann landet die Wut auf Taxifahrer auch dort, wo sie hingehört: Bei mir (obwohl ich natürlich auch nix für den wie auch immer gearteten Anlass kann). 😉

Wenn überdies trotz der Grafik und des hyperinformativen Links noch Fragen offen sein sollten, dann scheut Euch nicht, sie in den Kommentaren zu stellen. Ich beantworte sie nach Möglichkeit gerne – und ein paar Fahrer aus anderen Städten schauen hier ja auch gerne mal vorbei …

Für all die, die bis dahin nicht mehr hier reinschauen: Guten Rutsch Euch!

40€-Bartwuchs

Ich stand mit einem Kollegen alleine am Ostbahnhof. War schon spät. Da tauchten plötzlich zwei potenzielle Kunden auf, ein junges Paar:

„Entschuldigen Sie, nimmt einer von Ihnen auch Kreditkarte?“

Ich hab stellvertretend für uns beide (ich kenne ihn) geantwortet, dass wir das tun würden und so eine leichte Handbewegung in seine Richtung gemacht, da er eben erster war. Die Dame wirkte hin- und hergerissen, grinste dann mich an und meinte:

„Wir nehmen Dich. Du hast den hübscheren Bart!“

OK, zugegeben, ich hab mich vor der Schicht rasiert – aber der Kollege hatte ein neueres Auto!

Die Fahrt brachte am Ende durch zwei Fahrtziele und einen längeren Zwischenstopp amtliche 35,50 € auf die Uhr. Dazu 1,50 € Zuschlag für Kartenzahlung – und am Ende noch die 3 € Trinkgeld, die auf glatte 40 noch gefehlt hatten. Sagen wir’s mal so: Ich hab dem Kollegen einen Tag später für seine Art des Rasierens gedankt. 😉

So … und jetzt frohe Weihnachten, werte Lesergemeinde!

Eifersüchtig und taxifreundlich

Die Story hat mir ein Kollege am Stand erzählt, aber ich muss sie einfach weitertratschen …

Besagter Kollege stand am Ostbahnhof und bekam einen Funkauftrag zu einem nahegelegenen Altersheim. Dort sprang ihm eine Seniorin ins Auto – und zwar mit folgenden Worten:

„Nur, dass se sich nich‘ wundern: Ick bin sehr eifersüchtig!“

Der Kollege ließ das mal so stehen und brachte sie wie gewünscht zu einem Kiosk ums Eck. Er meinte zu mir:

„Ick dachte noch: Na Wahnsinn – was ick mir hier wieder für ’ne Tour rausjelassn hab …“

Am Kiosk, den sie eifersüchtig aufsuchte, um ihren Gatten aufzutreiben, wurden sie nicht fündig, also ging es zum nächsten Dönerladen. Sie sprach dort mit Angestellten, blieb aber auch dort erfolglos. Dann kam sie zurück zum Auto und meinte:

„Wissense, ich bin ja nicht nur eifersüchtig – ich fahr‘ auch gerne Taxi!“

Also hat sie den Kollegen gebeten, mit ihr an der Eastside-Gallery langzufahren, dann musste er ihr das Matrix zeigen und zu guter letzt auch noch die Revaler und die Warschauer Straße.

„Dann kann ich meiner Tochter sagen: Kenn ich alles schon!“

Am Ende blieb eine 19€-Tour, die bereits im Vorfeld mit 25 € großzügig beglichen worden war – und offensichtlich waren alle Beteiligten zufrieden. Gut, was mit dem Gatten war … who cares?

Klassischer Fall von: Sowas kann man sich einfach nicht ausdenken!

Reif für die Weihnachtsfeier

Gut, heute ist natürlich nicht unsere Betriebsweihnachtsfeier. Die ist – taxigewerbegerecht – am kommenden Montagabend. Und bis dahin bleibt mir eigentlich noch ein ganz normales halbes Arbeitswochenende. Was aber auch ok ist, so lange es auch normal bleibt. Die erste Hälfte war dieses Mal nämlich (erwartbar) nicht normal gewesen.

Am Donnerstag bin ich ein paar Stunden vor dem Wecker aufgestanden, damit die Bude noch halbwegs besuchstauglich werden konnte – und damit ich früh wieder müde sein würde. Von der Sache her lief es gut, die Wohnung glänzte, die Familie flog ein, ich auch pünktlich zur Arbeit und früh wieder zurück. Mit mittelprächtig passablem Ergebnis. Dumm nur, dass ich rhythmusbedingt trotzdem erst nach 5 Uhr eingeschlafen bin …

Dann folgte der eigentliche Grund für all das: 9 Uhr aufstehen und nach Potsdam fahren. Beerdigung. Noch dazu nicht irgendeine, sondern die meines Schwiegervaters – im übrigen auch ein Berliner Ex-Taxifahrer. Unerwartetes Ableben mit 54 inklusive „nicht ganz einfacher“ Familiengeschichte. Was halt so passiert. Für eine Beerdigung war’s zweifelsohne schön, aber ich denke, es ist verständlich, dass sich der Jubel diesbezüglich trotzdem in Grenzen gehalten hat. Mit anschließendem Kaffee und allem was dazugehört war es am Ende 18.30 Uhr, als ich völlig übermüdet wieder zu Hause war. Und trotzdem hab ich’s anschließend nur auf anderthalb Stunden Schlaf gebracht. Kunststück, war’s doch eigentlich eher Aufstehenszeit für mich …

Letztlich war es 23 Uhr, als ich mich mit einer verbliebenen Rest-Coffee auf den Weg gemacht hab in eine regnerische und eigentlich gute Freitagsschicht, bei der von Beginn an klar war, dass alles über drei Stunden schon ziemlich gewagt wäre bezüglich der Verkehrssicherheit. Mit viel Glück hab ich’s aber bis nicht einmal 2 Uhr wirklich auf fast 100 € geschafft und damit sogar noch mein finanzielles Minimalziel erreicht. So gesehen will ich’s mal beim Stöhnen belassen und nicht ins Jammern abdriften.

Und die letzten Stunden hab ich mich einfach etwas krampfhaft am Schreibtisch wachgehalten, damit ab heute Abend dann wirklich wieder alles nach Plan laufen kann. Und wenn’s das tut, dann würde ich sagen, hab ich mir mein Bier am Montagabend auch verdient.