Taxifahren an Silvester

Die langjährigen Leser werden auf das Revival dieses Textes so sehr gewartet haben wie auf die Best-of-CD von Scooter, den neuen bringe ich hiermit das näher, was einfach gesagt werden muss, wenn Silvester bevorsteht:

Stellt Euch darauf ein, dass es schwer bis unmöglich wird, an Silvester ein Taxi zu bekommen und bleibt trotzdem gelassen!

Damit ist das wichtigste gesagt. Wer alles weitere als lockere Liste haben will, dem sei dieser Text aus dem Vorjahr empfohlen: 10 Tipps zum Taxifahren an Silvester. (ihr dürft das gerne wieder in den Social Networks teilen – wie auch diesen Artikel hier)

Nun aber in der langen Version:

Wie sich die meisten sicher denken können, ist Silvester für uns die lohnendste Schicht. Das ganze Land feiert, fast jeder trinkt – und am Ende müssen alle zu besonders später Stunde und bei kaltem Wetter heim. Das ist natürlich großartig für Taxifahrer, andererseits sind die Ausmaße an Silvester einfach so gigantisch, dass wir schlicht nicht alle Kunden befördern können. Obwohl wir die meiste Zeit des Jahres ewig rumstehen und auf Kunden warten, also in mehr als ausreichender Zahl existieren, wird es an Silvester eng. Das Problem lässt sich auch nicht einfach lösen, denn wo sollen plötzlich mehr Autos und Fahrer herkommen? Für eine einzelne Schicht wohlbemerkt.
Der effizienteste Weg für uns (und die Kunden) ist damit, dass wir einfach alle Kunden aufsammeln, die uns über den Weg laufen und sie schnell heimbringen, dort die nächsten einladen usw. usf. Damit sind fast alle Taxis fast immer besetzt, besser kann man es nicht machen. Was aber dennoch heißen kann, dass man als einzelner Kunde ewig warten muss oder gar kein Taxi bekommt. Das ist natürlich immer blöd in dem Moment (und ich kriege jedes Jahr erboste Hinweise, was für eine Frechheit das doch ist), aber über den eigenen Tellerrand schauend sollte jeder sehen, dass es insgesamt unsinnig wäre, ewig leer zu den Kunden hinzufahren, obwohl unterwegs genügend andere Leute warten und man in derselben Zeit eigentlich doppelt so viele Fahrgäste transportieren hätte können.

Deswegen ist es an Silvester soweit ich weiß überall unmöglich, sich ein Taxi zu bestellen oder gar vorzubestellen. MyTaxi zum Beispiel hat gestern schon eine entsprechende Rundmail rausgeschickt.

Für alle, die keine Möglichkeit haben, mit einem Privatauto (mit nüchternem Fahrer bitte!) oder Bus und Bahn heimzukommen, empfehlen sich also Geduld, warme Klamotten und Wegzehrung für den Fall, dass man kein Glück hat.

Darüber hinaus bringt es überhaupt nichts, zu versuchen, sich vorzudrängeln oder sich gar ums Taxi zu streiten. Ich kenne keinen Taxifahrer, der sich in so einem Fall nicht für die anderen Kunden entscheiden würde. Und auch wenn man persönlich Pech hatte: Bitte lasst das am Ende nicht an dem Fahrer aus, der Euch dann mitnimmt! Wir, die wir auf der Straße sind, wenn alle anderen feiern und uns den ganzen Stress mit streitenden Kunden, Feuerwerk und Glasscherben auf der Straße geben, sind die, die am allerwenigsten dafür können, wenn es bei Euch länger dauert. Schiebt Frust wegen der zu dünnen Fahrpläne der Bahnen, ärgert Euch darüber, dass Ihr zu blau zum Autofahren seid oder dass eure Eltern in so eine blöde Wohngegend gezogen sind. Wir paar Taxifahrer auf der Straße sind die, die all das ausbügeln und ich glaube, ich spreche für alle Kollegen, wenn ich sage, dass wir an dem stressigen Tag trotz 25 € Stundenlohn (die Zahl ist halbwegs realistisch als Maximum) nicht auch noch Lust haben, uns anzuhören, dass wir an der Misere schuld seien.

Im Gegensatz zur privaten Konkurrenz können wir in dieser Ausnahmesituation nicht einmal unsere Preise erhöhen, sondern fahren zuverlässig zu dem Tarif, der auch für die Fahrt am vorletzten Montag gültig war.

Bitte bedenkt das, wenn es Euch selbst gerade nervt: Wir haben es in der Nacht auch nicht leicht, obwohl unser Umsatz gut ist!

Ich schreibe das wie jedes Jahr aber nicht, um Euch vom Taxifahren abzuhalten. Mitnichten! Über verständnisvolle Kundschaft freuen wir Taxifahrer uns an Silvester mehr noch als an anderen Tagen – und unsere Umsätze sind auch nur deshalb so ein guter Ausgleich für den Stress, weil so viele Leute ein Taxi brauchen. Am Ende wird das schon irgendwie. Mit ein bisschen Warten oder umdisponieren kommen am Ende wie jedes Jahr doch alle nach Hause und wir Taxifahrer hatten auch eine gute Schicht. Es wird halt alles nochmal besser, wenn alle ein wenig mitdenken und Verständnis haben.

So gesehen bleibt also alles beim alten: Ihr feiert schön und am Besten ohne Gefahr zu laufen, Brocken zu lachen – und wir Taxifahrer schmeißen uns in unsere Kisten und bringen Euch schnell und sicher heim. Und mit ein wenig gegenseitiger Unterstützung habt Ihr den besten Tag und wir zumindest den besten Arbeitstag des Jahres.

Deal? 🙂

PS:

Für alle, die gerne vergleichen wollen: Hier ist der entsprechende Text aus dem Vorjahr (mit Links zu anderen Silvester-Texten der Jahre davor).

14 Kommentare bis “Taxifahren an Silvester”

  1. Dominik sagt:

    In ländlichen Gegenden (z.B. Meiner Heimat dem Odenwald, badischer Teil, kannst du auch an Silvester vorbestellen. Geht gar nicht anders, zu viele Dörfer abseits der Hauptstraßen. Allerdings sind die Wartezeiten entsprechend lange.

  2. „Es wird halt alles […] besser, wenn alle ein wenig mitdenken und Verständnis haben.“ Das lässt sich sehr gut verallgemeinern 🙂

  3. Zeddi sagt:

    Bonus: Einfach kräftig mit guten Freunden und leckerem Fleisch vom Holzkohlegrill zuhause feiern, die Freunde schlafen dann halt auch da 😉

  4. Aro sagt:

    Ich bräuchte in der Silvesternacht bitte ein Taxi in Mahlsdorf. Weiß aber noch nicht genau, wann. Bitte halte Dich doch so ab 1 Uhr in der Gegend auf. Und keine Angst: Es geht auch nicht weit 😉

  5. Wahlberliner sagt:

    Ich wünsche keine „ins-Auto-Kotzer“. Oder vielleicht ist es an Silvester sogar legitim, die potentiell kotz-gefährdeten Kunden stehen zu lassen, damit das Auto nicht zu lange ausfällt…

  6. ednong sagt:

    … Brocken zu lachen …

    LOL – immer wieder herrlich. Dann hoffe ich mal, dass keiner Brocken lacht. Oder eben teuer bezahlt. Mit Silvester-Aufschlag.

    Trotz Allem: Dir viel Spaß und eine sehr, sehr erfolgreiche Schicht. Verbuchst du die noch im Jahr 2014 oder schon für 2015?

  7. Sash sagt:

    @Dominik:
    OK, gut zu wissen.

    @Marcel Förster:
    Das sowieso. Und irgendwo muss man ja mal damit anfangen. 🙂

    @Zeddi:
    Das vermeidet die Problematik natürlich.

    @Aro:
    OK, bin dann zwischen 22 und 4 Uhr da. Halte dich kurzfristig bereit. 😉

    @Wahlberliner:
    Danke. Aber ganz vermeiden lassen werden sich die Kandidaten vermutlich nicht. Ich bin ja auch nicht unfair.

    @ednong:
    Der Aufschlag hätte es in sich, das kannst Du mir glauben … und danke für die guten Wünsche!
    Ich buche die Schicht im neuen Jahr, hab im Dezember schon „den Sack zu“. Sollte außerdem meinen Chefs in Sachen Mindestlohn zugutekommen, falls der Januar mies wird. 🙂

  8. Cliff McLane sagt:

    Ich hätte da mal eine gute Empfehlug von hier vom Land, die aber bei schlechtem Wetter auch für Großstädter gilt:

    – Geht bei schlechtem Wetter nirgendwohin mit Kleidung die keine drei Kilometer bei Kälte / Schnee / Regen durchhält.
    – Verlasst euch bei schlechtem Wetter weder auf ÖPNV noch Taxis, die kommen auch nicht weiter als ihr.
    – Wenn der Akku eures Telefons leer ist, weil ihr zu viel geknipst habt, könnt ihr auch kein Uber rufen, und außer auf dem 31c3 ist die Anzahl der Leute, die ein Ladekabel dabei haben, sehr begrenzt.

  9. Timmy sagt:

    Netter Blog und super unterhaltsam geschriebene Artikel. Erinnert mich vom Blogtitel etwas an die ‚SMS‘-Variante. Habe deinen Blog mal in den Lesezeichen gespeichert und schaue ab und zu vorbei 🙂

  10. Sash sagt:

    @Timmy:
    Danke für die netten Worte. 🙂
    SMS von gestern Nacht war damals vor viereinhalb Jahren zumindest noch so unbekannt, dass es mir nicht als Vorbild gedient hat. Im Gegenteil: das waren mehrere harte Tage Namensfindung. Lang lang ist’s her …

  11. Uwe sagt:

    Bei uns ( Kleinstadt/Mietwagenfirma) geht fast alles über Vorbestellung. Und von 0:30 – 3:30 sind wir jetzt schon so gut wie ausgebucht.
    Zentrale möchte ich heute Nacht auch nicht machen, das Gemecker der Kunden muss ich mir am Telefon nicht antun.
    Ansonsten: guten Rutsch!

  12. Sash sagt:

    @Uwe:
    Das ist ja was anderes: Würdet ihr Vorbestellungen annehmen, wenn alle Welt euch an jeder Ecke anhalten würde?

  13. Roichi sagt:

    Da fällt mir ein, ich wollte doch noch Brot einpacken.
    😉

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