Mindestlohn, bist Du’s?

Als im Frühling noch nicht so recht klar war, ob Taxifahrer nicht vielleicht auch vom Mindestlohn ausgenommen werden könnten, habe ich ein wenig überlegt, wie sich das Geschäft wohl entwickeln würde, würde er beschlossen. Ich kam (im Rahmen langer Diskussionen) zu der Erkenntnis, dass vermutlich der Umsatz steigen würde. Und zwar im Laufe dieses Jahres noch. Alleine die große Unsicherheit auf der Unternehmerseite, wie man künftig mindestens 8,50 € zahlen solle, müsste im Großen und Ganzen dazu führen, dass Fahrer zumindest nicht neu eingestellt werden. Darüber hinaus müssten einige Kündigungen auch schon ausgesprochen worden sein.

Und nun, drei Monate vor Tag X; nachdem der Mindestlohn beschlossen wurde?

Wenn ich meine eigenen Zahlen nehme und den Kollegen Glauben schenke, dann boomt das Geschäft wie nie. Dass wir an manchen Abenden für einen Zehner Umsatz die Stunde rausgefahren sind, daran können sich manche kaum noch erinnern. Meine (statistisch natürlich eigentlich irrelevanten) Zahlen legen eine Umsatzsteigerung von 10 bis 25% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahe, gefühlt isses fast das Doppelte, was ich gerade einfahre.

Natürlich kann das alles auch noch eine normale Schwankung sein, bzw. ein reines Nachtschichtphänomen. Gerüchten zufolge haben aber große Firmen schon reihenweise Autos verkauft und die Umsätze sollen auch in der Tagschicht hochgegangen sein. Was irgendwie ins Bild passen würde. Für eine endgültige Bestätigung bräuchte es eigentlich (monats-)aktuelle Konzessionszahlen vom LABO. Wenn jemand weiß, wie man da rankommt, würde ich mich über einen Hinweis freuen.

Bis dahin bleibt die Frage: Bist Du’s, Mindestlohn?

Preiskämpfe am Taxistand

Ein kleines Sorry an den Kollegen, dessen Fahrt ich vorhin übernommen habe, wäre wohl angebracht. Ja, ich hab die Tour vom Ostbahnhof nach Erkner für 45 € gemacht – aber ich find’s ok.

Ich hatte mich zusammen mit einem Kollegen aus meiner Firma noch darüber gewundert, was in dem Taxi vor mir wohl vorging. Die dort eingestiegene Kundin saß schon seit drei Minuten im Auto und selbiges ist nicht losgefahren.

„Ist vielleicht was komplizierteres …“,

meinte ich noch. Und dann stieg sie aus und kam zu mir. Ich hatte durchaus Sorge, dass es irgendein ernstes Problem gab, aber es war nur, dass der Kollege für die Fahrt 70 € haben wollte. Nun, nach außerhalb sind die Preise frei vereinbar und ich wusste, dass 45 € kein Problem wären. Zumindest für mich nicht. Ich weiß nämlich auch, dass einige Chefs da draußen wohl ziemlich streng auf den Schnitt schauen und zwei Euro pro Kilometer geradezu vorschreiben. Wie bei so vielen Dingen geht meine Firma uns Fahrern mit sowas nicht auf die Nerven. Natürlich kann ich nicht mal eben für einen Zwanni nach Hamburg gurken – aber so lange ich (mehr oder weniger) am Monatsende auf einen Euro pro Kilometer komme, fragt niemand nach, ob ich für eine Fahrt einen Fünfer „zu wenig“ genommen hab.

Ich hab die Fahrt also angetreten, meinen Umsatz für die Schicht damit komplettiert, mit einer netten und absolut unproblematischen Kundin eine halbe Stunde Zeit verbracht und am Ende einen Fünfer Trinkgeld einstecken dürfen. Ich bin zufrieden. 🙂

Dass das dumm gelaufen ist für den Kollegen, tut mir leid. Ehrlich. Und ich will hier auch keine Werbung für Niedrigstpreise machen. Ich hab selbst oft genug Fahrten abgelehnt, die sich für mich selbst zwar gelohnt hätten, die ich aber meinen Chefs nicht zumuten hätte können. Und mehr zu verlangen ist ja auch legal. Hätte die Kundin mir 70 € geboten, hätte ich ihr sicher nicht gesagt, dass weniger auch reicht. Und ich ärgere mich heute noch über den Deppen, der beim Innungsfunk den Kurs gehalten und damit angegeben hat, dass er auch für 130 € nach Leipzig fahren würde, weil er ja sonst „in der ganzen Schicht nicht so viel verdienen“ würde. Dem Kunden entgegenkommen ist das eine, sich oder die Firma ruinieren das andere. Mein Schnitt stimmt am Monats- und damit meist auch am Tagesende – im Rahmen dessen allerdings freue ich mich trotzdem gerne über Touren wie die heutige. 😀

Unmögliche Schicht

Heute war wieder so eine Nacht …

Zu allererst war sie verdammt komisch. Obwohl ich die 72 ohnehin noch ein paar Tage alleine gehabt hätte, fühlte es sich verdammt komisch an, zu wissen, dass ich das Auto künftig nicht mehr mit Harald teilen werde. Was auch daran liegt, dass ich eben doch als Junior-, bzw. Zweifahrer dazu gekommen bin und die Ordnung im Auto überwiegend seine Handschrift trägt. Über was man sich halt so Gedanken macht … 🙁

Meine Laune war also ohnehin auf Halbmast. Eigentlich wollte ich heute Nacht mehr als die normal angepeilten 170 € einfahren, aber ich hatte ehrlich gesagt schon nach anderthalb Stunden keinen Bock mehr, überhaupt was zu tun. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend – in meinem Fall eher: dem Morgen – loben. Da kamen dann zum einen viele nette Worte von Kollegen, dann eine Stammkunden-Vorbestellung für später, die mich etwas bei der Stange hielt. Waren die Fahrten bis dahin an einer Hand abzuzählen, ging es nun deutlich schneller.

Am Ende haben dann zwei besonders lange Fahrten dafür gesorgt, dass ich doch 9 Stunden auf der Straße war, der Kilometer-, der Stundenschnitt sowie das Endergebnis gepasst haben. Dazu mit fast schon absurd netter Kundschaft und langen Gesprächen – mehr Win-Win geht in so einer verkorksten Nacht echt kaum noch. Aber ja, es gibt sie halt doch: die Gründe, diesen Job wahnsinnig zu mögen und die einen binnen einer Schicht wieder ein bisschen aufs Neue begeistern.

Einzelheiten reiche ich später nach. Ich muss den gestrigen Tag trotzdem erst einmal verarbeiten. Auch bei den Kommentaren werde ich vermutlich erst später wieder reinschauen.

Mission Kundenberuhigung

Ich war ja zu Beginn mehr als nur froh. Ein Winker auf dem Weg in die Stadt! Insbesondere, da ich das Auto zu Hause gehabt hatte und die Leerkilometer am Anfang den Schnitt gerne drücken bei meiner Wohnlage am Stadtrand.

Aber was für ein Schichtanfang!

Der Fahrgast war ein hagerer Typ in meinem Alter und hatte optische Anleihen eines Inders. Und er war sauer. Stinksauer.

Natürlich nicht meinetwegen, sondern wegen eines Kollegen.

„DIESES ARSCHLOCH VON TAXIFAHRER!“

„Oh, was ist los?“

„DER WOLLTE MICH ABZOCKEN!“

Ich schreibe ungerne in Großbuchstaben, deswegen mal mit meinen Worten: Der Fahrgast wollte zur Warschauer Brücke, bzw. in ein angrenzendes Gebäude. Er hatte es eilig. Ziemlich. Er musste zur Arbeit, pünktlich, und hat deswegen ein Taxi gerufen. An sich prima, denn genau dafür sind wir da. War der Kollege wohl auch. Nur hat er dann einen, nun ja, fragwürdigen Weg eingeworfen.

Ich hab mal eine Karte erstellt. Das ist nicht der genaue Routenverlauf, aber die Karte zeigt in grün den Startpunkt, in rot das Ziel und in gelb die Position, an der ich den Fahrgast aufgegabelt habe, nachdem er offenbar das andere Taxi zum Anhalten gezwungen hatte und ausgestiegen war.

Nun kann man dem Fahrgast sicher ein hitziges Gemüt unterstellen, allerdings ist wirklich nicht ersichtlich, wie er an besagten Punkt der Karte gelangt sein könnte, wenn nicht durch viel Absicht. Ich kenne natürlich nur die Version des Kunden, die muss nicht unbedingt wahr sein, das ist mir bewusst. Aber er hat den Kollegen offenbar darauf hingewiesen, dass er in die falsche Richtung fahren würde und als Antwort bekommen, das sei der kürzeste Weg.

„ABER WOHIN?“

will der Fahrgast gefragt haben:

„WOHIN IST DAS DER KÜRZESTE WEG?“

Da musste ich dann sogar etwas schmunzeln. Die Frage wäre mir so pointiert bei der Geschichte nicht in den Sinn gekommen. 🙂

Ich hab übrhaupt gute Miene zum bösen Spiel gemacht und ihn sich ein bisschen aufregen lassen. War ja nicht gegen mich gerichtet. Und das hat er auch klargestellt und uns Taxifahrern allgemein ein gutes Zeugnis ausgestellt. Er schien sich tatsächlich eher aufzuregen, weil ihm sowas noch nie passiert war und ihn die Dreistigkeit des „Kollegen“ völlig überrascht hatte.

„Der hat mich vielleicht für ’nen Touri gehalten, keine Ahnung, was mit dem abging!“

Sollte seine Schilderung der Wahrheit entsprechen, dann ist der weitere Verlauf jedenfalls passend: der Fahrer hat kein Geld gekriegt, die Zentrale ist bereits informiert und der Anruf beim LABO inzwischen vermutlich auch.

Der Fahrgast kam am Ende drei Minuten zu spät, trotzdem hab zumindest ich noch ein dickes Trinkgeld bekommen. Und mit meinem offenen Ohr hoffentlich diesen Kunden für uns ehrliche Kollegen gerettet. Hoffe ich zumindest …

Kurzer Zwischenbericht

Dass es diese Woche an interessanten Fahrgästen bei GNIT mangelt, ist kein Zufall. Zuerst hatte ich letztes Wochenende viel zu tun und ein wenig Stress mit dem Ersatzauto – und nun ist die 72 immer noch in der Werkstatt, weil tatsächlich das Getriebe erneut raus muss. Pech gehabt, Montagsmodell, sowas in der Art. Ist ja noch nicht lange drin gewesen. Ich hoffe, dass es zeitlich klappt, dass ich heute Abend auf die Straße kann, aber das werde ich wohl erst im Laufe des Nachmittags erfahren. Irgendwas musste ja kommen, nachdem der Monat so gut angefangen hat. 😉

Das Firmengrillen war wie immer eigentlich nett, aber inzwischen bin ich bekannt als „der, der immer alles ins Internet schreibt“. Vielleicht kann ich mich deswegen an keine Kollegenanekdote erinnern. Oder es lag am letzten Bier, das weiß man ja nie.

Naja, dann drücke ich unserem Mechaniker mal die Daumen, dass er das mit dem Getriebe heute fertig bekommt.

Triggerwarnung: in Kürze erscheint noch ein Uber-Artikel. 😉

Killer Nr. 1

Die wirklichen Gefahren im Taxi lauern ja nicht wirklich in Form von Räubern oder Kotzern auf uns. Am gefährlichsten ist nach wie vor der Straßenverkehr. Und man selbst wird auch schnell zum Problemkandidaten – z.B. wenn man müde ist. Ich hab mein Koffein nicht umsonst dabei und ich denke, dass jeder schon mal irgendwann an dem Punkt war, den mein Chef damals mit den poetisch anmutenden Worten „wenn die Mülltonnen zu winken anfangen“ umschrieben hat:
Man ist so müde, dass man unachtsam wird, erschrickt dann, weil man was gesehen zu haben glaubt – und stellt fest, dass es irgendwas banales wie eine Mülltonne oder ein Verkehrsschild war.

Als ich neulich mit einem Kollegen ins Gespräch gekommen bin, hat er mir von der nächsten Stufe erzählt, die ich bisher wirklich noch nie erreicht habe.

Ich möchte vorweg sagen, dass der Kollege kein schlechter ist. Er teilt meine Einstellung, heimzufahren, wenn man müde ist. An dem Morgen hat sich die „kurze Winkertour zum Schichtende“ allerdings als ewige Fahrt ans andere Ende der Stadt entpuppt und auf dem langweiligen Weg zurück, alleine im Auto, hat ihn dann halt die Müdigkeit voll getroffen.

Er meinte:

„OK, das einem die Augen zuzufallen drohen … kennen wir alle. Aber ick war so weit, dass ick mir plötzlich jedacht hab: ‚Nu ja, so für ein paar Sekunden is ja nich schlimm …‘ Als ick DIT jedacht hatte, war ick aber auch uff ein‘ Schlach wieder hellwach vor Panik.“

DAS glaube ich. Und wohl dem, der das noch erkennt!

Anschnallpflicht für Taxifahrer

Ich bin von mehreren Seiten gestern darauf hingewiesen worden, dass die Anschnallpflicht für Taxifahrer demnächst kommen soll. Zum Beispiel hat Spiegel Online das hier berichtet. Das überrascht mich zwar zugegebenermaßen, ich hätte nicht gedacht, dass diese Regelung noch irgendwer auf dem Schirm hat, aber es gibt auch nichts, was mir egaler sein könnte.

Bisher ist es uns Taxifahrern erlaubt, während der Personenbeförderung – also so lange Kundschaft an Bord ist – keinen Sicherheitsgurt anzulegen. Der Hintergedanke ist, dass wir im Falle eines Überfall schnell das Fahrzeug verlassen können.

Nun ist das natürlich eine nette Sonderregelung, allerdings ist sie – o Wunder – statistisch nicht so recht sinnig. Der BZP führt in seinem Statement zugunsten der Einführung der Anschnallpflicht zwar an, dass es auch letztes Jahr wieder zu 244 Verletzungen bei Überfällen* kam, die Zahl der Verletzungen durch Unfälle jedoch wesentlich höher liege und die „heutige Sicherheitstechnik“ (ich bin sicher, sie meinen Airbags) geradezu ein Anschnallen erfordere, um nicht ihrerseits zu Verletzungen zu führen.

Und ich wüsste nicht, was sich an der Erkenntnis ändern sollte. Ich bin davon bisher schon ausgegangen und schnalle mich dementsprechend an, auch wenn ich es nicht müsste. Sicher, wahrscheinlich gibt es unter Taxifahrern weit mehr Gurtmuffel als sonstwo – eben weil man sich daran gewöhnt, sich halt nicht anzuschnallen. Und die dürfen sich meinetwegen gerne über die Bevormundung beschweren. Mir persönlich isses wie gesagt halt völlig egal, da ich mich sowieso anschnalle.

Danke an all die Hinweisgeber!

*Spiegel Online macht im verlinkten Artikel aus den 244 Überfällen mit Verletzungsfolge im letzten Jahr insgesamt „genau 244 Überfälle“, was natürlich Quatsch ist und vermutlich nicht einmal Berlin abdecken würde. Die weitergehenden Schlussfolgerungen sind jedoch zufälligerweise richtig, und das ist ja immerhin schon mal was.