2 Jahre

Die Zeit vergeht und GNIT ist plötzlich zwei ganze Jahre alt. Was soll man sagen?

Geile Scheiße, ey!

Ich könnte jetzt den ganzen Artikel vom Vorjahr hier runterbeten, fast ohne Veränderungen. Muss ja aber auch nicht sein. Ein paar von euch kennen ihn ja noch. Überraschenderweise stelle ich allerdings fest, dass ich mein heimliches Ziel bereits jetzt erreicht habe: GNIT scheint nun wirklich der meistgelesenste Taxi-Blog in Deutschland zu sein – wozu allerdings in erheblichem Maße die beiden Kollegen beigetragen haben, die vor mir standen und nun gar nicht mehr, bzw. nur noch sehr selten bloggen.

Wie dem auch sei: Ich für meinen Teil werde diesen Tag heute genießen und einfach hoffen, dass es so weitergeht wie bisher. Ich bemühe mich, meinen Teil dazu beizutragen. Ich freue mich natürlich über jede Form von Glückwünschen – oder kommentiert ihr nur noch, wenn es Schokolade gibt? – und lustigen Anekdoten zum zweiten Jahr.

Dank meiner unverhofften Zahnarzt-Odyssee bin ich allerdings gerade tatsächlich ein wenig außer Puste, was Geschichten angeht. Wenn ihr also irgendwann mal die Idee hattet, mir mit eigenem Content auszuhelfen, dann wäre jetzt ein prima Zeitpunkt dafür! Ich hoffe einfach mal, dass die erste Arbeitsnacht genug für einen Eintrag bereithält.

Und vergesst nicht, mich heute während der Schicht zu stalken 🙂

So, auf ins dritte Jahr! Ich hoffe, ihr bleibt alle an Bord und holt noch ein paar Leute mit ins Boot. Hie ist ja schließlich noch Platz für ein paar Leser …

PS: Mein Bankberater hat mir mitgeteilt, dass ihr mich besser heute als morgen flattrt!

Nichts …

Ich bin ziemlich müde, die Augen tränen langsam vom vielen Gähnen, ein leichter Schimmer legt sich über die Bilder, die der letzte Streifen Nacht vor meinem Gesicht bereit hält. So erkenne ich gerade noch rechtzeitig, dass sich ein einsamer Mensch zu mir verirrt. In mir herrscht derweil Unbehagen. Ich fühle eine gewisse Leere im Kopf und frage mich, worum der Kerl mich nun bitten wird. Es wäre ohnehin die letzte Tat vor dem Schlafengehen, zu arg viel mehr bin ich nicht mehr in der Lage.

Eine Adresse wird genannt und ich nehme eigentlich kaum noch wahr, ob ich angesprochen bin oder sein Smartphone. Im ersten Augenblick sagt sie mir gar nichts. Aber auch nach weiterem Überlegen will mir einfach nichts einfallen. Vielleicht ist ja etwas neues gemeint – ich bin zunächst froh, denn dann bin ich offenbar doch noch nicht so durch wie ich dachte.

„Und was genau gibt es da neues?“

frage ich mehr so vor mich hin.

„Na nichts! Nichts neues gibt es da, das ist es ja!“

Also entweder ich träume schon oder ich hab mal wieder den letzten Töffel erwischt.

„Nichts neues?“

„Nichts!“

„Ja und …?“

„Da gibt es immer was neues!“

Das ist mir eine Nummer zu hoch. Ich straffe nochmal ein paar mir verbliebene Muskeln und versuche mich zu konzentrieren. Die Umgebung meines Traumes löst sich langsam auf, vor mir verschwindet die Kulisse des Ostbahnhofs und der grell-orange gekleidete Jeck mit dem unsinnigen Wunsch entpuppt sich als Leuchtpunkt auf meiner Google-Analytics-Seite. Ein Leser aus Köln. Mit mir gesprochen hat er zweifelsohne nicht, aber sein Wunsch ist ein realer: Ich hab heute keinen Artikel für GNIT. Was einem das schlechte Gewissen so für Streiche spielt …

Ich schalte den Monitor aus und gehe ins Bett. Einen Tag lang kommt auch ein Taxiblog ohne neue Artikel aus.

Liebe Berliner Kollegen,

einige von euch lesen hier mit, ich weiß das. Schließlich kommentieren ja auch ein paar und andere hab ich sogar schon getroffen. Dieser Artikel richtet sich mal ausnahmsweise hauptsächlich an euch.*

Wir haben ja alle mal Stress mit unserem Berlin-Wissen. Neue Straßen werden gebaut, alte umbenannt. Hotels wechseln ihre Namen öfter als deren Gäste die Unterwäsche und an der Baustelle, an der man gestern noch rechts abbiegen konnte, dürfen heute plötzlich nur noch einmotorige Flugzeuge mit Überschallgeschwindigkeit senkrecht starten. Sprich: Es passiert ja viel in der Stadt, das man nicht mitkriegt. Allerorten verschwinden und entstehen Zieladdressen oder Probleme – oder beides.

Manchmal steht man dann wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg, andererseits bekommt man auch viel mit. Mal erzählen einem die Fahrgäste interessante Neuerungen oder man kommt einfach an Stellen vorbei, die andere seit zwei Jahren nicht gesehen haben.

Aro von berlinstreet.de, Klaus vom Cab-log und meine Wenigkeit haben uns überlegt, dass es doch eine gute Idee wäre, solche Neuigkeiten mal zu bündeln. Sprich: Dass jeder von uns einfach mal auf eine einzige Seite schreibt, was es gerade neues gibt in der Stadt. Großes, Kleines, Dauerhaftes und Vorübergehendes.
Wir wissen natürlich, dass Berlin zu groß ist, um mit einem Blog wirklich alles abzudecken – aber wir dachten, man könne doch mal damit anfangen, die News zu sammeln, die wirklich für uns Taxifahrer relevant sind. Und wir sind ja einige!

Deswegen haben wir auf der ausrangierten Domain taxi-weblog.de mal einen Versuch in die Richtung gewagt und einfach angefangen:

taxi-weblog.de

Ich möchte hier allerdings nicht einfach nur Werbung für die Seite machen, sondern auffordern, mitzumachen! Jede zusätzliche Info ist gut, jeder kann dazu beitragen, dass die mitlesenden Kollegen auf dem Laufenden bleiben. Einfach eine Mail an die Adresse auf der Seite schicken und schon können wir alle davon profitieren.

Wer auf dem Laufenden bleiben will: Die Seite hat natürlich einen RSS-Feed, dessen Daten werden zudem auf eine eigens angelegte Facebook-Seite geleitet. Das sind bisher die Möglichkeiten, vielleicht kommen ja noch welche hinzu.

Also schaut euch die Seite mal an und denkt vielleicht beim nächsten Ärgern über eine neue Baustelle darüber nach, eine Mail zu schicken. Oder wenn ihr bemerkt, dass ein Hotel einen anderen Namen hat – ihr wisst ja mit am Besten, was so die Dinge sind, die uns dabei helfen, unsere Arbeit noch besser zu machen!

Und vielleicht fallen euch ja noch Kollegen ein, die auch mitmachen wollen. Mit einer Mail ist man dabei! 🙂

Ansonsten: Gute Kasse und allseits gute Fahrt!

*Jeder andere, der in Berlin irgendwas neues sieht, darf natürlich auch gerne eine Meldung machen. Die Seite selbst ist aber wahrscheinlich doch nur für Taxifahrer interessant.

Hauptstadtflughafen

oder doch nur Kindergarten?

Dass beim neuen Flughafen in Schönefeld in letzter Zeit alles schief geht, was schief gehen könnte, ist ja kein Geheimnis. Spätestens seit der Eröffnungstermin kurz vorher mal eben um knapp ein Jahr verschoben wurde und ständig herumdiskutiert wird, wer nun woran schuld sei und was das alles wieder kostet, hab ich die Hoffnung ja eigentlich aufgegeben, aus der Ecke noch was sinnvolles zu hören. Und ich hatte Recht, denn die neueste Nachricht ist auch mal wieder herrlich:

Der Landkreis Dahme-Spreewald hat die Taxi-Vereinbarung mit Berlin gekündigt.

(Artikel in der Berliner Morgenpost / in der Berliner Zeitung)

Abseits vom großen Milliarden-Geschacher und den Verschiebungen bei der Eröffnung sorgen ja die Taxifahrer um den Flughafen auch ständig für Publicity. Nur halt nie für gute …

Die Tatsache, dass der Flughafen (auch der alte, bisherige) außerhalb der Stadtgrenze von Berlin liegt, war immer schon ein Streitthema im Gewerbe. Vor allem aber machte die Realität die jetzt aufgekündigte Taxi-Vereinbarung notwendig. Denn das lukrative Flughafengeschäft war für den kleinen Landkreis (LDS), in dem der Airport liegt, schon immer ein bisschen zu viel. Ursprünglich gab es dort nur 40 Taxen, was natürlich zu wenig war, um in Schönefeld einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Deswegen – und natürlich auch, weil weit die meisten Fluggäste nach Berlin wollen – durften laut Vereinbarung auch die Berliner Taxifahrer dort Fahrgäste aufnehmen.

Was prinzipiell eine gegenseitige Hilfe und eine Win-Win-Situation war, wurde im Laufe der Zeit im Trubel des Alltags zum Problem. Man ersann eine Regelung mit gesonderten Warteschlangen, die zunächst die LDS-Taxen bevorzugte, da es von ihnen weniger gab, sie also schneller vorrückten. Das nervte die Berliner Taxifahrer und mit Ausblick auf gute Geschäfte mit dem neuen Flughafen zogen plötzlich einige Taxiunternehmen von Berlin nach LDS. Inzwischen stehen LDS-Taxen am Flughafen länger als Berliner Taxen, eine vernünftige Regelung hat im Grunde nie existiert und das einzige, wozu der Hickhack am Flughafen scheinbar gut ist, ist Zwietracht zwischen den Fahrern der beiden Gebiete zu säen.

Daneben gibt es bis heute das Problem, dass es zwei unterschiedliche Tarife gibt, so dass die Fluggäste je nach Kennzeichen des Taxis unterschiedlich viel Geld zahlen müssen. Bekloppt war schon immer ein zu schwaches Wort dafür.

Im letzten Jahr rang man sich im Taxigewerbe einen genauso faulen Kompromiss ab: Vom Flughafen aus fahren wir alle zum (für diese Strecke teureren) LDS-Tarif, zum Flughafen hin natürlich weiter zu Berliner Konditionen. Diese Regelung, die eigentlich jetzt schon gelten sollte – wäre der Flughafen fertig – ist für Kunden zwar ähnlich bescheuert, aber selbst dieser hanebüchene Kompromiss war nur zu machen, wenn zeitgleich einigen Brandenburger Taxen erlaubt würde, auch in Berlin legal Kunden aufzunehmen. Das kleine Zuckerchen wäre gar nicht so schlimm, wie manche Berliner Kollegen denken, allerdings hätten die neuen Tarife und die unklare LDS-Regelung auch hier in Berlin dem ohnehin schon grassierenden Betrug im Taxi jede Menge neue Türen geöffnet, ohne dass irgendwer eine Idee zur Kontrolle gehabt hätte. Folglich wurde auch gegen diese einvernehmliche Regelung der Gewerbevertretungen von den Fahrern selbst demonstriert – und gleich nochmal mehr, als dann klar wurde, dass am neuen Flughafen ziemlich happige Gebühren für die Fahrgäste fällig würden.

(Tatsächlich ein Unding, denn der neue Flughafen bietet – so er mal fertig ist – bessere Zuganbindungen an die Stadt und der Tarif sollte ja ohnehin schon höher werden als bisher. Das ist schon die Profiliga im Kundenvergraulen!)

Nun aber kündigt LDS die Vereinbarung zum Jahresende. In Anbetracht dessen, wie die Regelungen aussehen, sollte man fast glücklich darüber sein. Allerdings wirft das natürlich ganz andere Probleme auf. Sollte – und das ist bei den Streithähnen in den Gewerbevertretungen kein unrealistisches Szenario – bis Ende des Jahres keine Lösung gefunden werden, dann sähe es wie folgt aus:

Kein Berliner Taxifahrer darf mehr am Flughafen Schönefeld (und vor allem später am BER) Fahrgäste aufnehmen und kein Brandenburger Kollege irgendwo in Berlin, insbesondere nicht in Tegel, der ja zumindest noch ein paar Monate ein gut frequentierter Flughafen sein wird und für den es für LDS-Taxen bisher auch eine Ausnahmeregelung gab. Im Grunde eine geregelte Situation, noch dazu eine, die so im Grunde überall in Deutschland gilt: An den Stadt- oder Landkreisgrenzen ist Schluss für uns Taxifahrer mit Fahrgastaufnahme.

Vorschnell gutheißen sollte man das allerdings auch nicht unbedingt, denn wie bereits erwähnt sind viele Fluggäste letztlich Berlin-Besucher. Aus der moralischen Ecke will ich gar nicht diskutieren, ob „wir“ Berliner Taxifahrer nicht ein Teil vom Kuchen abhaben müssten, denn es waren ja wiederum Berliner (wenn auch nicht Taxifahrer), die entschieden haben, zwei Flughäfen im Stadtgebiet zu schließen, um einen dritten auf dem Land nie fertigzustellen.
Aber wäre es nicht auch ein wenig absurd, den ganzen Hauptstadtflughafentaxiverkehr von Fahrern erledigen zu lassen, die nie die Ortskunde in Berlin nachweisen mussten? Und wie sinnig ist es für LDS, entweder zu wenige Taxen für den Flughafen zu haben, oder aber hunderte neu zuzulassen, die dann von einer einzigen Location (an der es auch mal schlecht laufen kann) abhängig sind, wenn es ein paar Kilometer weiter jede Menge freie Taxen gibt? Und wie soll man sich die Zukunft als Taxifahrer in Berlin vorstellen, wenn all die Flughafenfahrer ihr Geld künftig auch in der City verdienen müssen?

Es sind also erhebliche Zweifel angebracht, ob das irgendwem einen Vorteil bringen würde: Den Berlinern, den Brandenburgern, den Kunden …

Sicher, eigentlich geht es um Machtpolitik. Der Landkreis will mit diesem Horrorszenario für den Fall einer Nicht-Übereinkunft im Gepäck die Verhandlungen aus einer Position der Stärke heraus beginnen, um selbst aus der zukünftigen Regelung möglichst viele Vorteile herauszuziehen. Das ist – ohne den Streit zwischen den Lagern befeuern zu wollen – wirklich dummes und egoistisches Rumgeprolle und man kommt nicht umhin, Klaus ein wenig Beifall zu klatschen ob der Idee, Schönefeld einzugemeinden. 🙂

Das wäre natürlich etwas zu viel des Guten, aber wir könnten das doch gewerbeintern machen: Pflichtfahrgebiete zusammenschmeißen, ein gemeinsamer Tarif, eine gemeinsame Ortskundeprüfung für beide Gebiete. Um die Ausgestaltung dieser Regelung könnte man ruhig nach Herzenslust streiten – denn dafür würde es sich wenigstens lohnen. Etwas, das ich über den Kindergarten-Hickhack um diesen blöden Flughafen schon lange nicht mehr sagen würde!

Droschken-Reglement

Mein geschätzter Kollege Aro hat mal wieder tief in die Geschichtsbücher dieser Stadt geschaut und zeigt auf berlinstreet.de einige Auszüge aus dem Droschken-Reglement von 1888, was als Vorgänger der heutigen Berliner Taxiordnung gelten kann. Und vieles kommt einem tatsächlich sehr bekannt vor. Von daher sehr lesenswert!

Droschken-Reglement von 1888

Im Übrigen solltet ihr ohnehin bei Aro lesen, aber das hab ich ja schon oft gesagt, nicht wahr?

Taxitarif in Berlin steigt?

Ich sage es ehrlich: Ich weiß es auch noch nicht. Laut der Berliner Zeitung ist es jedoch (mal wieder) bald soweit. Die von den Verbänden vorgeschlagene Erhöhung wäre durchaus saftig (siehe Artikel). Meine Meinung dazu hat sich eigentlich nicht geändert: Ich halte es für wichtiger, erst andere Probleme anzugehen – sprich: die Qualität erhöhen. Oder wenigstens zu kontrollieren.

Dass es sich – vorausgesetzt, die Anzahl der Kunden bleibt gleich – natürlich um eine lohnende Gehaltserhöhung und einen an sich gerechtfertigten Inflationsausgleich handelt, finde ich natürlich rein egoistisch betrachtet toll. Aber mal ehrlich: Es gäbe so viel zu tun im Taxigewerbe. Wieso nur sind Preiserhöhungen letztlich das (gefühlt) einzige, was davon durchgesetzt wird?

Liebe Verkehrsteilnehmer …

wenn ihr nicht wisst, wie ihr einer Situation begegnen sollt, die euch vielleicht bis dato unbekannt ist, empfehle ich die Lektüre des Ratgebers meines geschätzten Kollegen Yok. Der Artikel ist wie immer nur diesen Monat abrufbar, also beeilt euch!

Besondere Grüße gehen hierbei an den Skater, der mir mit seinem Board vor einiger Zeit im Kreisverkehr am Kotti nachts unbeleuchtet entgegen kam …