Eins über Soll

Während ich z. B. dem Schichtumsatz eigentlich nie eine Grenze nach oben setze, versuche ich andere Dinge besonders selten vorkommen zu lassen oder einzuschränken. Ich versuche beispielsweise Umwege gering zu halten oder nehme nie mehr Personen mit, als mit meinem Fahrzeug erlaubt. Ebenso versuche ich, die Zahl ausgepackter Geschlechtsorgane auf ungefähr null zu halten. Wobei ich da in der letzten Reihe z.B. wirklich überhaupt keinen Einfluss drauf habe.

Nun hab ich’s letzte Schicht dann trotz besseren Wissens nicht aktiv unterbunden. Einfach weil ich dem angetrunkenen und nicht mehr auf der Höhe seiner sexuellen Leistungsfähigkeit befindlichen jungen Mann die Pein ersparen wollte, dass ich durchaus gesehen habe, was er da ungelenk zu verstecken suchte.
Seine Entblößung hatte auch nix mit meiner Wenigkeit zu tun, sondern eher mit seiner Freundin neben ihm. Man mag den beiden mangelnde Rücksicht bescheinigen, aber wenn ich ehrlich bin, hab ich als Taxifahrer schon viel schlimmeres gesehen als einen verstörten Typen, der sich seine Nudel beim Versuch einklemmt, mich nix sehen zu lassen.

Und bevor jetzt die Schreie kommen von wegen „Verunreinigung“ des Autos: da hab ich ein Auge drauf gehabt. Also währenddessen eher im übertragenen Sinne. Aber den Geräuschen nach war das wohl der erste Fall, wo der Mund einer alkoholisierten Dame mein Auto vor Verunreinigung bewahrt hat, statt eine solche herbeigeführt zu haben. Und über diese Ironie alleine kann ich mich schon genug amüsieren.

Abgesehen von der spärlichen Unterhaltung (man beachte: es gab dennoch eine!) war es eine angenehme und lange Tour und die beiden müssen jetzt im schlimmsten Fall (eines der wenigen Beispiele, in denen das Lesen von GNIT den worst case darstellt) damit leben, dass ich offenbar mehr über ihr Sexualleben weiß als ihnen lieb ist. Aber dafür haben sie mir auch die schöne Statistik bezüglich ausgepackter Geschlechtsteile versaut, da ist das nur fair.

Grüße in den Bezirk Tempelhof-Schöneberg an dieser Stelle! 😉

Botschaften, die einen das Gruseln lehren

Die recht begrenzte Kommunikation mit meinem Tagfahrer ist manchmal auch etwas kurios. Entweder ruft er mich an und fragt, ob ich heute auch wirklich fahre – oder er sagt mir, dass das Auto aus diesem oder jenem Grunde kaputt ist. Ansonsten läuft es so: wir schreiben uns ganz altmodisch Zettelchen, die wir im Auto hinterlegen. Der Kollege hat’s nicht so mit dem Internet, zumindest mal hat er keine eMail. Und auch mein einziger Versuch, ihm eine SMS zu senden, war irgendwie ergebnislos. Aber wir kommen schon klar und es ist jedes Mal schön, bei Schichtantritt einen Zettel vorzufinden. Meist steht dann nämlich drauf, dass er am nächsten Tag nicht fährt – was bedeutet, dass ich das Auto mit heimnehmen kann.

So im Grunde auch heute. Davor aber noch eine Notiz, die mich schlimmstes befürchten ließ:

„Hallo Sascha!
Sollen eine neue Kupplung haben.
Kommt mir ein bisschen komisch vor.“

Äh, what?

Nachdem ich dann ein paar Meter gefahren war, war mir aber klar, dass das wohl rein subjektiv war. Natürlich fuhr sich das Auto anders, aber das bin ich inzwischen gewohnt. Unser Mechaniker hat genau zwei Lieblingseinstellungen für neue Kupplungen: Einmal ist der Schleifpunkt 5 cm unter dem Bodenblech, ansonsten 5 cm über dem Pedal. 😉
Diesmal halt zweiteres. Hab’s mit der Routine langsam raus. Und den Wagen nicht einmal abgewürgt.

Glück im Unglück

Eine Gruppe leicht verstrahlter Leute teilt sich am Ostbahnhof auf zwei Taxis auf. Das zweite ist meines, nur ein einzelner junger Mann steigt ein.

„Hi, ich müsste nach Stralau.“

„Alles klar, das kriegen wir hin.“

„Da haste jetzt die schlechte Tour bekommen. Meine Kumpels müssen bis nach Marzahn.“

„Ach, das passt schon. Hat der Kollege halt heute mehr Glück gehabt. Ich bin schon froh, nach der letzten Fahrt mal jemanden zu haben, dem nicht schlecht ist und wo ich mir keine Sorgen machen muss …“

„Das is‘ jetzt witzig. Mei’m Kumpel im anderen Taxi is‘ tatsächlich übel.“

Merke: nicht jede verpasste 20€-Tour macht einen traurig. 🙂

PS: Die Fahrt davor war gar nicht wild, aber wenn jemand sagt, das ihm schlecht ist, bin ich schon immer ein wenig angespannter …

Schichtentscheidend

Ob wir eine Stadtrundfahrt durch Berlin machen könnten, wurde ich kürzlich auf Twitter von @ms_pinkman gefragt.

Ich war unsicher. Stadtrundfahrt? Ich? Soo gut bin ich da ja als quasi noch Neuberliner mit ausschließlich nächtlicher Herangehensweise an die Stadt vielleicht eher ungeeignet …
Aber wie der folgende Dialog so ergab, ging es natürlich auch darum, mal im Reallife hallo zu sagen. Außerdem, so wurde mir versichert, läge eine nahezu umfassende Anspruchslosigkeit vor und meine Sicht auf Berlin als Nachttaxifahrer wäre voll in Ordnung. Das – und zugegeben auch die sehenswerte Preisvorstellung für dieses Arrangement – haben mich zustimmen lassen. Eine kleine, noch spontanere, Variante hatte ich ja schon mal.

Die letzte Woche habe ich dann damit verbracht, immer mal wieder über der Frage zu verzweifeln, wo ich eigentlich hinfahren könnte. Zwei Stunden waren als Zeitrahmen angesetzt, da wird die komplette Stadt schnell ein bisschen groß.

Aber gut, am Ende bin ich fast unvorbereitet in den entscheidenden gestrigen Abend gestartet. Die zwei Stunden waren – perfekt für mich – an den Schichtbeginn und noch vor das Fußballspiel von Uruguay gepackt. Erkannt haben wir uns am verabredeten Startpunkt lediglich durch das nette Lächeln und wir traten die Fahrt an. Von Friedrichshain über Kreuzberg und Neukölln, Tempelhof streifend nach Schöneberg, Charlottenburg und anschließend zurück über Tiergarten, Mitte, wieder Friedrichshain und Lichtenberg.

Der Zielpunkt hatte sich davor schon eher kurzfristig von „einer netten Bar“ zum Hotel verschoben, das am äußersten südöstlichen Ende Berlins lag. Das hat mich am Ende zwar die erste Halbzeit des Spiels gekostet, aber abgesehen von der finanziellen Entschädigung ist mir nach dem Ansehen der zweiten Halbzeit auch klar, dass ich bei der ersten nix verpasst habe.

Für mich ist nach der ersten Kriegste-das-hin-Anspannung eine nette Fahrt daraus geworden, während ich nebenher einfach mal über alles gequatscht habe, vovon ich einen Namen im Kopf hatte. Inklusive unnachahmlicher Currywurstbestellung und viel nettem Geplauder. Und scheinbar beruhte das auf Gegenseitigkeit. Was mich in Anbetracht dieser recht neuen Form von Fahrt wirklich sehr freut. 🙂

Aber ich habe auch einmal mehr festgestellt, dass ich mich an den Taxirhythmus gewöhnt habe. Zwei Stunden quasi am Stück durch die Gegend zu fahren, strengt doch mehr an als die üblichen Touren mit viel mehr Pause. Aber die hatte ich in dem Fall danach beim Fußballschauen zu Hause. Danach war es allerdings wirklich schwer, mich nochmal aufzuraffen und trotz dem äußerst grandiosen Start hab ich am Ende mein (dieses Mal allerdings eher großzügige) Schichtziel um 2 € verfehlt.

Aber nun ja, das ist Jammern auf hohem Niveau. Wie fast immer war das eine sehr schöne Lesertour, und dieses Mal sowas von absolut entscheidend für den Tag.

An dieser Stelle noch ein kleines Sorry an all die, bei denen es mal nicht geklappt hat. Ich mache das wirklich gerne, aber zum einen sind meine Arbeitszeiten begrenzt, zum anderen bin ich bei der Arbeit oft auch mal spontan am anderen Ende der Stadt, ohne das vorhersehen zu können. Manchmal bleibt mir nix anderes übrig, als am Handy das Gespräch kommentarlos wegzudrücken. Alles Gute ist eben nie beisammen, so isses halt.

Außer gestern Abend.

PS: Die Tour wird sicher noch lange den Rekord für die längste Fahrt innerhalb des Berliner Stadtgebietes halten. Müssten am Ende knapp 70 Kilometer gewesen sein.

PPS: Das entstandene Foto enthalte ich Euch vor. Ihr wisst schon … Aliens, meine Frisur … diese Geschichten.

PPPS: Mir wurde bei dieser Fahrt gesagt, dass bisher die Taxifahrer die freundlichsten Dienstleister in Berlin waren. Ein Dank an die Kollegen, die das immer wieder richtig gut hinkriegen!

Wer von Euch war das?

Manchmal kommen die tollsten Fahrten ziemlich ungewöhnlich daher.

„Wo soll’s hingehen?“

„Nach Mahlow.“

Uff. Ich hab’s schon oft erklärt: das Umland ist am allerwenigsten meine Stärke. Ich kenne es wirklich nur von den paar Fahrten nach außerhalb und entsprechend unsicher bin ich da immer wieder. Wenn man sein Leben lang in einer Stadt wohnt, kennt man im Umland Leute, hat mal einen Schulausflug hier- und dahin gemacht. Ich musste das lernen. Bzw. eben gerade nicht: ich musste den Berliner Stadtplan auswendig lernen und war froh, alles ab 2 cm jenseits der Stadtgrenze ignorieren zu können, weil es auch so schon umfangreich genug war. Und in Mahlow selbst bin ich meines Wissens nach auch wirklich noch kein einziges Mal in den letzten fünfeinhalb Jahren gelandet.

„OK, da muss ich jetzt selbst nachsehen, wie man da am besten …“

„Oh, wie man von hier fährt? Ich würde sagen: am Besten außenrum. Also das Adlergestell runter.“

Ähm. Nun ja. Kann man machen – und wir sind auch angekommen. Und dem Kunden hat das so gepasst und er hat ein gutes Trinkgeld gegeben. Aber ohne es am Anfang einschätzen zu können, bin ich mit dieser Tour heute Nacht den größten Umweg gefahren, seit ich im Taxi sitze.

Hier die Karte.

Der direkte Weg wäre satte 10 von 30 km kürzer gewesen. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob mich da ein unbekannter Leser veräppeln wollte …

Nachvollziehbare Argumentation

Am Taxistand:

„Entschuldigen Sie, kommen wir für 13 € von hier zur X-Straße, Ecke Y-Straße?“

„Mal überlegen … ja. Auf jeden Fall! Das passt locker.“

„Oh, super. Ich hab noch 13 €, die können Sie gerne haben. Mehr halt nicht.“

Am Fahrtziel:

„Und dann … wären wir bei 9,80 €.“

„Vielen Dank. Aber ich hab gesagt, Sie kriegen meine 13 €, deswegen: bitte!“

Ein auf Ehrlichkeit basierendes Geschäftsverhältnis ist doch immer wieder schön. 😉

Gute Umsätze (oder eben nicht)

Ein Wochenende, zwei grundverschiedene Tage,

Am Freitag musste ich noch zur Werkstatt und war früh auf der Straße. Hab dafür später auch mal eine halbe Stunde Pause gemacht. Wie dem auch sei: 10 Stunden Arbeitszeit. Ergebnis: 157,00 €. Traurig für einen Wochenendtag.

Am Samstag bin ich erst nach dem Deutschlandspiel rausgefahren. Ohne Pause, war ja eh schon spät. Ergebnis: 156,50 € in 6,25 Stunden. Das kann man durchaus gut nennen. Sogar für ein Wochenende.

Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als 1.000 Worte:

Eindeutiges Statement: Lieber Fußball gucken als Taxi fahren. Quelle: docs.google.com/Sash

Eindeutiges Statement: Lieber Fußball gucken als Taxi fahren. Quelle: docs.google.com/Sash

(Die Tabelle zeigt den Umsatz zu Beginn jeder vollen Stunde. Google lässt sich nicht überreden, die Stunden anzuzeigen. Die Touren wurden nach Anfangszeit zugeordnet. Und zuletzt: Nicht vergessen, mein Verdienst davon beträgt nur 45% der angegebenen Werte. Brutto. Und Trinkgeld ist gerade auch eher so eine Rotgeldveranstaltung.)