Fahrten, die nur einmal pro Jahrzehnt kommen

Ich bleibe bei dem Artikel kurz und pointenlos, weil es keine meiner Fahrten war und ich etwas verfremden muss. Ein Kollege kam am Stand angerannt und rief:

„Sascha, Sascha, ich hab mal wieder eine Story für Dich!“

Und was für eine! Der Kollege wurde zu einem guten Restaurant bestellt, wo der angetrunkene Kunde ihm mitteilte, die Fahrt würde nicht im Taxi stattfinden, sondern in seinem Auto. Das kann man machen, kostet halt doppelt, weil man als Taxifahrer nach der Tour selbstverständlich mit einem Kollegen wieder zum eigenen Taxi zurückfährt. Ohne etwas derartiges zu erwarten, stand der Kollege plötzlich vor einer Kiste sondersgleichen:

„Ich hab nochmal gegoogelt: 500 PS hatte der!“

Die Fahrt war kurz, beinhaltete aber zwei Stopps an Bordellen. Der Kollege tat sich an 20€-Getränken ohne Alkohol gütlich, während der „Fahrgast“ … nun ja, etwas mehr Geld ausgab. Daraufhin folgten noch etwas seltsame auf Lautsprecher durchgeführte Telefonate mit der Freundin des Kerls, der selbiger vorwarf, ihn zu betrügen (!) und am Ende eine unkomplizierte Überreichung dreier grüner Scheine, wovon sich nach zwei Stunden Zeitaufwand immer noch bequem die 20€-Tour zurück zum Taxi bezahlen ließ …

Ich jammere ja gerne mal über meine Finanzen. Aber SO locker will ich das Geld eigentlich nie sitzen haben. Wie man sieht, macht man ja doch nur Blödsinn damit!

Ich bin qualifiziert. Für Betrunkene.

Es war eine mehr als nur heitere Fahrt. Auch wenn ungefähr jeder zweite Satz „Entschuldigung, ich bin … wie sagt man heute? … rotzevoll!“ oder ähnlich lautete. Sie gehörte definitiv zu den mittelschweren Fällen in der Nacht, ich hatte zumindest mal keine größeren Sorgen bei ihr. Sie hat mich über meinen Job ausgefragt, damit nebenbei auch über das hier: Schreiben, Bloggen usw.

Dass ich ein Buch geschrieben habe, hat sie erschreckend euphorisch aufgefasst, das Googeln danach gelang allerdings auch nicht mehr so wirklich. Naja, sowas kann an einem Wochenende schon mal passieren. Sie wäre ja, erzählte sie, Headhunter. Sie vermittle gute Leute an Unternehmen. Und da sie mich spontan sympathisch fand, hatte sie offenbar eine dieser unsagbar überzeugenden Betrunkenenideen, nämlich mich zu vermitteln. In einen besseren Job. Das freilich erwähnte sie nicht einmal, da hat sich viel alleine in ihrem Kopf abgespielt. Alleine bei zwei Fragen wurde ich involviert:

Ob ich a) überhaupt einen Job wolle und b) eigentlich auch Softwareentwicklung könne.

Immerhin war ihr nach der Verneinung beider Fragen auch bewusst, dass das vielleicht schwierig werden könnte. Aber hey, ich nehme das mal als Kompliment! 😀

Die kleinen Sofortbelohnungen

Vor mir steht rechts ein Kollege am Straßenrand und möchte auf die Straße fahren. Die Fackel ist aus, aber ich weiß, dass sie gleich wieder angeht. Er hat eben Kunden ausgeladen, sie stehen neben dem Wagen. Trotzdem gebe ich Lichthupe, damit er rauszieht. Ich hab zwar keinen Fahrgast, aber auch keine Eile. Ich verzichte auf meine Vorfahrt. Es läuft gut, endlich mal wieder.

Der Kollege kann sein Glück kaum fassen und schießt hervor. Mit einem kurzen Druck auf den Warnblinker bedankt er sich, während seine Fackel wieder angeht. Die nächsten Winker vor uns wären seine. Da aber fährt er bereits rechts ran. Er möchte wenden, um sich an die Schlange vorm Tresor anzustellen. Ich fahre dann also doch noch an ihm vorbei, winke ihm im Vorbeifahren kurz zu. Ich hab ihn noch nie vorher gesehen.

Keine 100 Meter weiter winkt es. Nur eine Kurzstrecke, aber vermutlich die am ehrlichsten verdiente in dieser Nacht. 🙂

Voll geile Ideen, die völlig normal sind

Er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Der Alkohol mal wieder. Aber ich bin ja nicht so.

„Ey, ich hab voll die geile Idee!“

„Was denn?“

„Na: Du brings‘ mich heim!“

„Was ist daran geil, das mache ich ständig?“

„Na, ick wohn‘ ja nicht hier.“

„Und?“

„Ick bezahl‘ Dir!“

„Das will ich doch hoffen. Aber wo soll’s denn hingehen?“

„Errätst Du nie!“

„Das glaube ich. Also wohin?“

„Lichtenberg.“

„Und was ist daran so besonders geil?“

„Na, na, also von hier aus, hör‘ ma!“

„Ja?“

„Also immerhin, ne?“

„…“

„Dit is WEIT WECH!“

„Wir, ähm, sind schon in Lichtenberg.“

„Oh, na dann will ick nix jesacht ha’m. Marie-Curie-Allee.“

Aber um ehrlich zu sein: Dass jemand eine Tour um die 8 € mit mehr als 4 € Trinkgeld garniert, ist dann tatsächlich, ähm, ziemlich geil. 😉

Die letzten Winterschichten

Inzwischen wird es ja langsam sogar während meiner Schichten wieder hell, die Temperaturen gehen bis in den zweistelligen Bereich – der Winter verzieht sich. Das mit der Helligkeit dürfte meinetwegen gerne auch mal für ein Jahr anders sein, aber bei den Temperaturen wird es langsam mal wieder Zeit.

In einer der letzten kalten Nächte vor knapp über einer Woche hat’s mich aber dann fast noch erwischt.

Ich hatte einen Glückstreffer am Ostbahnhof gelandet: Eine Fahrt nach Großziethen. Bis nach außerhalb. OK, das „außerhalb“ ist etwas irreführend, tatsächlich ist die kleine Gemeinde trotz seltener Erwähnung hier im Blog die, die vom Bahnhof aus am nächsten zu erreichen ist. Nur will da halt normalerweise niemand hin. 😉

Ich wollte das jetzt auch nicht unbedingt, denn ich konnte das Auto danach in Marzahn abstellen – eine wesentlich weitere Leerfahrt als die Tour selber. Aber mit so viel Umsatz hatte ich nicht mehr gerechnet und war bereits etwas müde. So gesehen trotzdem ein schönes Schichtende. Die Kundin war zwar nicht gesprächig, aber unkompliziert. Trinkgeld gab’s auch und ich hab mich auf den Weg in den Feierabend gemacht. Ich hab mir aus einer Laune heraus den Weg über Adlershof, Köpenick und Biesdorf ausgeguckt, nicht einmal der allerkürzeste, aber ok. Und sich an Strecken gewöhnen, die man sonst eher nie fährt, gehört irgendwie auch zum Job.

In Altglienicke dann war alles optimal. Die Straßen leer, die Musik laut, die Sitzheizung angeschaltet … für einen Moment hab ich mir gewünscht, im Auto rauchen zu dürfen. Ich bin wie üblich nicht gerast, aber ja, hier und da mal 10 oder 15 km/h über erlaubt hab ich riskiert. Die Arbeit war gefühlt vorbei, und dass die Cops da unten noch stehen würden … wäre das erste Mal in bald 7 Jahren. Und so war ich wohl auch an der Brücke über den Teltowkanal nicht ganz auf 30. Was ich in dem Moment nicht erwartet hatte, war das wohl elementarste Fahrschulwissen: Gerade bei Brücken muss man aufpassen wegen Vereisung!

Der kleine Tippser auf die Bremse verpuffte wirkungslos, die Räder blockierten sofort. Kann man witzig finden, wenn direkt dahinter keine Kurve kommt – was bei der Brücke aber natürlich der Fall ist.

Ich hatte eine ähnliche Situation vor über 10 Jahren schonmal. Das war noch in Süddeutschland, besser gesagt in Fellbach direkt hinterm Kappelbergtunnel. Ich wollte die dortige Ausfahrt der B14 nehmen, war wie erlaubt auch mit ungefähr 100 km/h unterwegs und wollte auf dem Verzögerungsstreifen vorsichtig abbremsen, weil auch dort eine ziemlich scharfe Kurve folgte. Ich hatte meinen Führerschein damals noch nicht sehr lange und war gelinde gesagt ziemlich perplex, als ich das erste Mal auf die Bremse trat und das Auto nicht bremste. Und keiner will das mit über 90 auf dem Tacho und einer viel zu schnell näherkommenden Böschung erleben. Ich weiß nicht, was all die anderen Fahrer da draußen in solchen Situationen tun, in Panik. Ich hab dabei bisher glücklicherweise immer das richtige gemacht. In dem Fall hab ich den Fuß von der Bremse genommen und das Auto in höchster Konzentration in der vermutlich höchstmöglichen Geschwindigkeit um diese Kurve gebracht, die dann auch glücklicherweise nicht mehr vereist war.

Neulich in Altglienicke hatte ich diese Szene sofort vor Augen. Trotz (oder gerade wegen?) all des Adrenalins hab ich mich sofort an die Situation erinnert – obwohl das jetzt alles bei einem Drittel der Geschwindigkeit passierte und 600 km entfernt war. Und ich hab mich instinktiv dagegen entschieden, gleich zu handeln. Ich hab stattdessen die Bremse voll durchgetreten, das ABS arbeiten lassen und mich beim Lenken darauf konzentriert, ggf. gegenlenken zu müssen.

Dieses Mal wie damals hab ich nicht einmal meine Spur irgendwie verlassen, obwohl ich alleine auf der Straße war. So gesehen hat alles bestens geklappt. Der Schock hält heute auch nicht mehr so lange an, die brenzligen Situationen (meist dann doch von anderen verschuldet) sind einfach auch eine Art Routine geworden. Aber ich hab mich geärgert. Ich hab mich von einer Standardsituation erwischen lassen, am vermutlich letzten Tag mit Bodenfrost. Damn it! Diese Scheiße mit dem „IMMER achtsam sein“ stimmt halt doch.

Arg viel Zeit zum Durchschnaufen hatte ich allerdings nicht. Zum einen hatte ich ungelogen 500 Meter weiter noch einen Winker. Kurz danach sollte noch ein zweiter folgen, bis ich dann wirklich zu Hause war. Zum anderen hatte ich bereits am nächsten Tag die Gelegenheit, mich zu vergewissern, dass zumindest mit den Reflexen noch alles stimmt, denn da hat mich ein amokfahrender Sushi-Lieferant geschnitten und ausgebremst.

Der 2925 geht es immer noch gut, mir auch. Vorerst reicht es aber auch wieder mal für eine Weile an Adrenalinkicks; der Sommer kann kommen!

Osterferien oder Januar II

Obwohl dieses Wochenende das erste Mal dieses Jahr sowas wie Ausgehwetter angesagt war, waren die Umsätze im Taxi grotesk niedrig. Auf mein normales Wochenende fehlen knapp 40%, und das hat nur bedingt damit zu tun, dass ich auch immer ein wenig früher Feierabend gemacht habe. Die 2 Stunden, die ich normal mehr runtergerissen hätte, hätten locker den doppelten Stundenschnitt von Silvester hergeben müssen, um das Wochenende noch gut zu machen. Ein Tag schlechter als der andere – aber immerhin bin ich viel zum Lesen gekommen.

Dass ich heute früher Feierabend gemacht hab, lag aber eher an der letzten Fahrt. Die Informationen, wo es letztlich hingehen sollte, waren nämlich zu Beginn sparsam, es war eine Tour mit zwei Zwischenstopps. Als wir dann am Ende aber keinen Kilometer von der Firma entfernt gelandet waren, wollte ich wirklich nicht nochmal in die Stadt zurück. Obwohl die Fahrt Laune gemacht hat. Eine besoffene Sechsergruppe inklusive einer potenziellen Kotzerin mit mauen Richtungsangaben – trotzdem toll. Manchmal machen es dann doch die Menschen hinter den Fahrgästen aus.

Und die Tour war lang und hat meinen Umsatz erheblich erhöht. 34,40 € inkl. Zuschläge. Was auch schon wieder niedlich war. Ohne die Zuschläge standen ja erst einmal 31,40 € auf der Uhr. Mir wurden 35 mit einem „Stimmt so“ gereicht. Als ich dann den bösen Knopf gedrückt habe, der beides zusammenzählt, wurde mir von einer Kundin immerhin noch eine Münze nachgereicht:

„Tut mir leid, wir dachten, es wären nur die 31,40.“

Ich hab ihr kurz das System mit den Zuschlägen erläutert und sie fand das nicht etwa doof oder unnötig, sondern schön, es zu wissen. Da sind mir die zwei verlorenen Euro Trinkgeld dann doch auch egal gewesen, verständige Kundschaft ist mir persönlich mehr wert.

Laune von null auf hundert auf null

Eine 10€-Tour nach Friedrichshain rein. Nun ja, so mittel halt. Aber dann erwies sich die Kundin als äußerst nett, gesprächig, es war einfach schön. Einfach eine nette Unterhaltung, das kann nach einer Stunde Wartezeit selbst bei einer durchschnittlichen Fahrt schnell mal die Laune heben.

Dann, wir waren noch 300 Meter vom Ziel entfernt, winkte es. Deutlich, penetrant, ich hab in Gedanken die Augen verdreht und mir gedacht:

„Hallo, so langsam müsste doch auch der letzte begriffen haben, dass eine ausgeschaltete Fackel bedeutet, dass das Taxi besetzt ist!“

Andererseits hoffte ich doch auch irgendwie, die beiden noch einsacken zu können. Die Aussicht war gering, wir waren auf einer Hauptstraße, durch die gerade an jenem Abend mehr als genug Taxis fuhren. Aber während ich meine Kundin und ihr Gepäck auslud, passierte nichts. Kein Taxi, Totenstille. Also hab ich sofort Vollgas gegeben und bin zurückgeschossen. Und sie standen noch da, puh!

Mit Höflichkeiten haben wir uns dann nicht lange aufgehalten.

„Alt-Biesdorf, zur Tierklinik. Kennste?“

„Ja, schon mal gesehen.“

„Schön.“

„Und, ist das dann jetzt ein Notfall?“

„Ja.“

Und da war die gute Laune wieder hin. Sicher, die Fahrt war gut für mich, aber die Fahrgäste waren deprimiert, telefonierten die ganze Zeit, so eine Tour halt.

Was passiert ist, weiß ich nicht. Das Tier war wohl schon in der Klinik. Aber der Laune nach wurde der altehrwürdige Familienhund eingeschläfert. 🙁

Schön, dass ich helfen konnte. Aber irgendwie ging’s mir 15 € vorher noch deutlich besser.