WTF, Kollegin?

Da hält ein Taxi am Ostbahnhof. Die Fahrerin steigt aus, lädt das Gepäck der beiden Kundinnen aus und die nehmen gleich mich ins Visier. OK, das ist seltsam. Dass man als Taxifahrer mal einen von mehreren Kunden mit unterschiedlichen Richtungen an einem Taxistand absetzt … passiert. Aber alle?

Da das alles friedlich passierte und ich mit den Koffern der beiden Seniorinnen zu tun hatte, sparte ich mir meine Gedanken vorerst und fragte erst, als sie im Auto saßen.

Nun, die Kollegin wollte oder konnte die beiden nicht ans Ziel bringen und hat sie deshalb lieber bei mir abgeliefert. Hä?

Man muss vor allem mal sagen, dass die beiden Kundinnen sich ausreichend artikulieren konnten und die beiden Fahrtziele in ungefähr 7 Kilometer Entfernung weder eine ablehnbare Umlandfahrt bedeuteten, noch eine kurze und nicht lohnende Strecke – und die Straßen waren jetzt auch nicht die allerkleinsten, die man auf keinen Fall kennen kann. Die beiden Damen haben sogar naheliegende U-Bahnhöfe mit angeben können. Und die Kollegin hatte die beiden offenbar an einer der Bushaltestellen des Ostbahnhofs aufgegabelt, ist ein paar Minuten mit ihnen umhergefahren, hat nicht zum eigentlichen Ziel passende Straßennamen gemurmelt und die beiden Damen am Ende ohne Geld zu verlangen bei mir abgesetzt.

Für mich waren das leicht verdiente 19 € und 2 € Trinkgeld. Trotzdem nochmal ganz klar und deutlich: What the Fuck?

PS: Das hat mich an diesen Kollegen erinnert, der „im Geld schwimmt“.

PS 2: Natürlich kann es sein, dass die Kundinnen ihr gegenüber unangenehm waren, die Kollegin nur nicht so gut darin war, ihre Beweggründe zu erklären. Und immerhin hat sie ja auch kein Geld genommen und war nicht unfreundlich. Das WTF von meiner Seite aus bleibt dennoch bestehen …

Neuer Rekord!

OK, ich will ehrlich sein: Das ist eine etwas übergeigte Überschrift. Den heute erreichten Rekord hab ich schon öfter gebrochen. Es geht darum, dass ich heute Nacht in 5:05 Stunden die 200 € Umsatz vollgemacht habe. Mein bisheriger Rekord von 5:40 Stunden stammt aus der Walpurgisnacht von vor drei, vier oder fünf Jahren. Ich weiß es nicht einmal mehr. Besser waren natürlich die ein oder andere Silvesterschicht oder gar die paar großen Fernfahrten. So gesehen gilt der Rekord natürlich „nur“ für „normale“ Schichten. Nichtsdestotrotz hatte sich die Marke in meinem Gedächtnis eingebrannt, weswegen die Nacht heute für mich echt super war. Zumal ich viel zu spät losgekommen bin, müde war, und somit mit dem Umsatz nicht einmal gerechnet hatte. Die Fahrgäste waren dabei leider sehr unspektakulär – und so schnell wie alles ging, hab sogar ich hier und da Ohren und Gehirn auf Durchzug gestellt und einfach die Leute von A nach B gebracht.

Auch wenn ich grundsätzlich skeptisch bei Tariferhöhungen bin: Sowas wie diesen Monat hatte ich bisher noch nicht. Es könnte gut sein, dass ich meinen Rekord für den besten Monatsumsatz seit ich Taxi fahre einstelle – und das bei nur 4 Arbeitstagen pro Woche. Wow!

Wie’s dann gestern weiter ging …

Nach dem Spamunfall gestern haben meine bessere Hälfte und ich erstaunt festgestellt, dass uns der Quatsch jeweils 4 Stunden Zeit gekostet hat. Unschön an einem Arbeitstag. Wobei, das ist ja auch so eine selten doofe Einstellung …
Naja, jedenfalls bin ich sehr sehr spät zur Arbeit losgekommen und von entspanntem Tagesbeginn konnte so ja auch keine Rede mehr sein. Ich bin jedenfalls etwas entmutigt in Richtung Firma gefahren, in den Stunden zuvor hatte ich ohnehin bereits die Sorge, die Schicht könnte ersatzlos gestrichen werden, weil uns das Problem bei GNIT bis nachts in Atem hält. Wäre nicht das erste Mal …

Es war fast 23 Uhr, als ich in Schöneweide den Motor startete und in der ersten Stunde passierte dann auch umgehend fast nix. Na vielen Dank auch! Ich rechnete nicht ernsthaft mit dem Hunni, den ich mir mal so als Wenigstens-etwas-Ziel ausgesonnen hatte. Auf fast schon wundersame Weise hatte ich den dann aber nach weiteren drei Stunden bereits eingefahren. 0.o

Olé! \o/

Und wie schön war erst, was dann kam. Ich hatte auf dem Weg zur Arbeit schon die Nicht-Panik-GNIT-ist-tot-Mails gecheckt und gesehen, dass eine Packstationssendung angekommen war. Und das konnte doch nur … und ich hatte recht. 🙂

Vor einiger Zeit hatte ich über das polnische Apfelbier geschrieben, dass ich als Trinkgeld bekommen hatte. Daraufhin hatte mir Super-Dauerleser Konrad (er liest seit der Taxischule hier mit!) angeboten, mir ein paar Dosen zu schicken, da er direkt an der Grenze wohnen würde. Und das hatte er nun eingelöst. Hach. Zunächst einmal durfte ich dann feststellen, dass er eine gesunde Ansicht vom Begriff „ein paar Dosen“ hat:

bierchen

Turmbau zu Babbela, Quelle: Sash

Neben den ohnehin beachtlichen 16 Dosen hat er mir nämlich auch noch je vier der beiden anderen Sorten der Firma mitgeschickt – einmal Himbeere (gruselt’s mich etwas vor) und einmal Birne-Chili (wo ich den Laden schon für die Idee umarmen könnte). Und als ob das nicht genug wäre, gab’s neben einem lustigen und netten Brief auch noch einen Frankfurter Kräuterlikör obenauf.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels werde ich mit einmal Apfel auf Konrad anstoßen. Danach ist allerdings Bettchen angesagt, denn die Natur meines Berufes verbietet es mir leider, heute mal eben auszuprobieren, wie viel von dem Zeug man hintereinander trinken kann. Schließlich will ich heute Abend fit und nüchtern sein. 😉

So endet nun also der Tag, der mit dem Horror von 25 Nachrichten à la „GNIT wurde gehackt!!!“ angefangen hat, äußerst entspannt mit einer halbwegs brauchbaren Kasse, einem kühlen polnischen Apfelbier und dem Wissen um die immer noch beste Leserschaft überhaupt. Habt Dank dafür! Und Konrad: Prost, auf die nächsten sieben Jahre! 😀

Hatte die Nase voll

Ich hab nur kurz jemanden am Ostkreuz abgesetzt, da winkte mich ein junger Kerl ran, dem ein blutiges Taschentuch in der Nase steckte. Und siehe da, er wollte zur Apotheke am Hauptbahnhof, die S-Bahn war mal wieder unterbrochen. Bei aller Kundenfreundlichkeit hab ich nicht angeboten, nun mal eben schnell zu googeln, ob es nicht eine nähere Notfallapotheke gäbe – was sehr sicher der Fall gewesen wäre. Aber er hatte sich wohl schon irgendwie erkundigt und ich will auch nicht unbedingt mehr Zeit investieren, um am Ende weniger Geld zu verdienen. Für ihn war die Fahrt so oder so ok. (Und am Hbf war sicher die Chance auf englische Beratung nochmal höher als sonstwo)

Ich erfuhr dann, dass er Norweger war, seit drei Tagen in der Stadt, volle Kanne Party und so. Und jetzt am letzten Tag hatte er „mal wieder“ eine Stunde lang Nasenbluten. Genetisch bedingt, seine Mutter hätte das auch. Und für ihn ein gutes Signal, das mit dem Feiern nun zu beenden. Irgendwann ist auch mal gut, das Wochenende war lang genug. Auch eine Philosophie.

Am Ende durfte ich ihn danach noch zum Generator-Hostel in der Storkower fahren, eine gute 30€-Tour. Und alles für ein paar Wattepfropfen, die während der Fahrt schon überflüssig wurden, weil die Blutung gestoppt war. Aber was will ich schon über Kunden sagen, die mal eben 30 € im Taxi liegen lassen, trotz blöder Rahmenbedingungen guter Laune und freundlich sind? Ach ja, natürlich:

„Thank you!“

🙂

Reagieren im Straßenverkehr

Dank einer Bodenwelle und seiner schnellen Gangart tauchte er vielleicht 20 Meter vor mir erst im Scheinwerferlicht auf: Ein süßer kleiner Igel, ganz alleine hier draußen mit mir auf der B195 und voll auf Konfrontationskurs.

Ich hab dieses „richtig reagieren“ ja nirgends gelernt. Aber irgendwie klappt es dann halt doch meistens. Dabei hab ich noch nicht mal irgendwann ein Fahrsicherheitstraining gemacht. Nicht mal absichtlich, aber die drei Komponenten „Geld dafür“, „Zeit dafür“ und „dran denken“ sind während 13 Jahren Führerscheinbesitz einfach noch nie zusammengekommen.

Gut, wirklich brenzlige Situationen kommen auch nicht jeden Tag vor, aber ich habe das Gefühl, am Ende doch oft den richtigen Riecher oder zumindest mal Glück zu haben. Ich hab den Lenker nicht verrissen, als ich als Fahranfänger ohne Vorwarnung eine Ohrfeige von einer Taube bekommen hab, deren Flugbahn etwas zu dicht an meinem offenen Fenster vorbeiführte. Ein Cannstatter Fußgänger lebt nur noch, weil ich blind auf eine andere Spur ausgewichen bin, obwohl ich nicht wusste, ob dort jemand fuhr. Instinktiv hab ich lieber einen Blechschaden in Kauf genommen und es ging ohne alles aus, dass der Typ einfach auf die Straße gerannt war, wo dichter Verkehr bei Tempo 50 herrschte.

Dieses Mal hätte ich vergleichsweise wenig Ärger gehabt. So einen Igel würde die 2925 sicher verkraften. Ist ja nicht ganz das Kaliber eines Schäferhundes, der mit fernöstlicher Ausbildung so ein Opel-Taxi schon mal in den Ruhestand schicken kann …
Nein, vermutlich wäre es ein lautes Knacken und ein unangenehmes Holpern für mich gewesen, mehr wohl aber nicht. Aber mal im Ernst: Wer will schon einen Igel erlegen? Für sowas haben wir in Berlin Füchse.

Wir waren wie gesagt alleine. weit und breit kein anderes Auto und die B195 lag dreispurig vor mir. Ich hab mich zwar weitgehend an die vorgeschriebenen 60 km/h gehalten, hab aber bei einem kurzen Antippen des Lenkrades gemerkt, dass ein wirklich sicheres Ausweichmanöver (der Igel war sich plötzlich auch nicht mehr sicher, wo er hinlaufen soll) mich eventuell wirklich ins Schleudern hätte bringen können. Also hab ich die Bremsen doch bis kurz vor Anschlag durchgetreten und durch sachtes Lenken versucht, den Herrn Igel genau zwischen die Reifen zu nehmen.

„Wenn Du schon die Körperform eines Fußballs hast, dann tunnel‘ dieses Scheiß-Taxi!“,

hab ich ihm in Gedanken zugebrüllt und bin mit immer noch rund 50 km/h über ihn drüber gerauscht. An dem Igel zog vermutlich sein ganzes Leben vorbei und zudem hat ihn vielleicht ein evolutionärer Geistesblitz getroffen, der ihm sagte, er solle sowas wie eine Lebensversicherung im Igelreich erfinden.

Ich hab kurz die Augen zusammengekniffen und auf das unschöne Knacken gewartet. Aber es lief alles gut. Während ich vorerst weiter bremste, sah ich im Rückspiegel bereits, dass mein gestachelter Freund nach einem Moment der Schockstarre, wo dieses hässlichfarbene Ding über ihn hinweggesegelt war, wieder zu Kräften fand und eifrig weiter in Richtung gegenüberliegender Straßenseite wuselte. Es hat also wieder mal gereicht. o/

Manchmal sind die kleinen Freuden ja auch gleichzeitig die ganz großen. 🙂

Da macht man sich doch gerne mal zum Müller!

Ich hatte Glück nach meiner kurzen Pause zu Hause. Am S-Bahnhof winkte Kundschaft. Na denn …

„Müller?“

„Wie bitte?“

„Müller?“

„…“

„Wurden Sie für Herr Müller angefordert?“

„Oh, nein, sorry. Dann kommt der Kollege sicher …“

„Alles kein Problem! Na, dann nehmen Sie halt diesen Herrn hier mit!“

Und er wies hinter sich, wo sich ein weiterer Fahrgast bemerkbar zu machen versuchte. Glück muss man haben!

Die Fahrt ging in den Norden Marzahns, eine Tour für knapp einen Zehner. So auf dem Silbertablett serviert sehr schön, aber ohne große Emotionen. Der Fahrgast war müde, sagte außer seiner Adresse kaum was … nun ja. Und dann stand ich da, in Marzahn-Nord, und wollte in die Innenstadt. Auf dem Weg wollte ich dann – hey, da standen eben zu nachtschlafender Zeit zwei Fahrgäste! – nochmal am Bahnhof vorbeischauen. Als ich heranrollte, sah ich … Herrn Müller, der auch schon wieder fleißig winkte.

Er erschrak ein bisschen, als er erkannte, dass schon wieder ich das war, aber ich fragte dann doch mal nach, ob er denn wirklich bis jetzt keine Info bekommen hätte. Je nach Zentrale kann es soweit draußen schon eine Weile dauern, aber ich war zwischenzeitlich ja auch mehr als zehn Minuten unterwegs gewesen. In dem Moment bekam Herr Müller dann die SMS, dass leider gerade kein Wagen verfügbar wäre.

„Na, da haben Sie ja Glück, dass ich gerade zufällig in der Nähe war …“,

scherzte ich und hab den fürs lange Warten erstaunlich gut gelaunten Herrn Müller mit einer sehr gemütlichen 20€-Tour bis nach Karlshorst gebracht. Quasi genau meine Richtung. Wie fast jeder Kunde. Und es gab sogar knackige 5 € Trinkgeld obenauf. Für irgendwas, was sich wie „Kulanz“ oder so anhörte … 😉

Oder das Hawaii Europas …

„Wir würden gerne in die Scharnweberstraße.“

„Die in …“

„Die in Reinickendorf. Kennste? Reinickendorf, das Miami Preussens?“

Was willste darauf sagen? Vermutlich das klassische „Ja, aber …“ 😉