Hoch gepokert

Das Drama mit den Straßennamen in Berlin! Da landet man selbst mit dem richtigen schnell mal ganz woanders als man hinwollte – und dann gibt es noch die alltäglichen Verwechslungen …

„To the Berwelsrase in Kreissber.“

„The Baerwaldstraße in Kreuzberg?“

„Yes. Number 30. It’s a restaurant.“

Sagte mir nix. Aber ok, Straße mitsamt Stadtteil und Hausnummer. Da sollte ja nix schiefgehen! Ich hab die Nummer gleich ins Navi geklöppelt, damit ich nicht auf irgendwelche abenteuerlichen Restaurantschilder achten muss. Nun ist es nicht nur so, dass man vor Ort feststellt, dass es eine Nummer 30 gar nicht gibt. Viel deprimiender ist, dass der Block, wo die Nummer 30 hätte sein können, im Gegensatz zum Rest der Straße völlig dunkel und frei von allen Lokalitäten ist. Und während ich da ein betont dummes Gesicht zur sehr unschönen Situation gemacht habe, flötet es vom Beifahrersitz in diesmal fast perfekter Aussprache:

„You’re sure this is the bermannstrase?“

„The Bergmannstraße? Really? You said Baerwaldstraße.“

„Haha, I mispronounced it maybe …“

Selbst mir war in dem Moment noch etwas nach Haareraufen, aber dann war der Stadtplan im Kopf wieder komplett und ich bin weitergefahren. Die Bergmannstraße ist nämlich bereits die nächste Querstraße. Leider halt das unbelebte kurze Ende, das in einer Sackgasse mündet, bevor man auf den belebten Teil mit all den Kneipen und Restaurants kommt. Aber sieh mal einer an:

Was zu tun blieb. Quelle: osrm.at

Was zu tun blieb. Quelle: osrm.at

Ja, das Austria liegt noch genau in dem Teil, mit Mühe 100 Meter entfernt von der Ecke, in die mich die falsche Baerwaldfährte gelotst hatte. Und da ich mich immer so ärgere, wenn Ziele völlig falsch oder unklar sind, musste ich das erwähnen: Ich bin in eine nur zufällig ähnlich klingende Straße gefahren und war am Ende quasi genau richtig! Schätze, das passiert mir die nächsten 10 Jahre nicht noch einmal.

Fahrten, die nur Taxifahrerkinder machen

Sie winkte mich am Yaam raus. Durchgefroren, sofort nach der Sitzheizung fragend, als Ziel den Ostbahnhof angebend. Während ich versuchte, in sozialverträgliche Worte zu packen, dass die Sitzheizung sich auf der Fahrt bis zum Ostbahnhof allenfalls würde entscheiden können, ob sie das On-Signal überhaupt akzeptiert, warf meine Kundin bereits ein, dass es danach auch wieder zurückgehen sollte. Nur kurz Geld abheben. Am Westausgang.

Holy Shit! Von 300 Metern einfacher Fahrtstrecke entfielen also nochmal 150.

Aber Kundin ist Kundin.

Vor dem Bahnhof hab ich’s geschafft, schnell eine komplette Zigarette (jaja, Entzug und so …) zu rauchen, am Ende der kompletten Tour aber standen trotz 3,90€ Startpreis nur 6,90€ auf der Uhr.

„Machen Sie mal 10.“

Ui.

„… und danke vielmals! Dann wünsche ich ihnen eine gesegnete Nacht. Ich wünsche ihnen beste Gesundheit, einen schönen Abend, immer nette Fahrgäste und natürlich eine gute Kasse!“

W.T.F.?

„Das wünsche ich meinem Vater immer. Der fährt auch Taxi.“

Das erklärt einiges. Oder besser gesagt: Alles. 😀

Unterstützung

„So, dann …“

„Oh! Wir sind schon da? Wow! Na, da sind Sie aber sehr schnell gefahren!“

„Naja, war ja nur einmal links und dann ein paar hundert Meter …“

„Ach, dann hätte also Kurzstrecke auch fast reichen können?“

„Sicher, aber das geht halt nicht vom Stand aus …“

„Jajajajaja … woll’n wir auch gar nicht. Wir wollen voll zahlen! Die lokale Wirtschaft, die Taxizunft unterstützen!“

„Na, dann nehme ich die etwa 1,10 € – die’s gleich mehr sein werden – doch dankend an.“

„Jajajaja! Hier, stimmt so!“

Ein Zehner. Für eine 6,10€-Tour.

Wenn man sich jetzt noch überlegt, dass sie mich nach 3 Minuten Anstehen mitten (!) aus dem hintersten Nachrückebereich rausgefischt hatten, dann bleibt mir kaum mehr als ein Danke übrig. Obwohl, eher wohl so:

„Jajajajaja, danke.“

😉

Fundsachenhäufung

Fundsachen sind eine ganze Weile nicht mehr bei GNIT aufgetaucht – und das aus dem Grund, dass sie einfach im Taxi nicht aufgetaucht sind. Kein Cent Kleingeld, keine Klamotten, Schirme oder sonst irgendwas. Doch da sich alles ausgleicht: So langsam scheint sich ein Gegentrend zu etablieren. Angefangen hat es damit, dass Anfang letzter Woche von einem meiner Tagfahrer ein paar einfache Fleece-Handschuhe in die Fahrertüre geklemmt waren: Als eindeutiges Zeichen – „Mir gehören sie nicht, sind das deine?“

Und da es nicht meine waren, hat die wohl ein Kunde liegen lassen. Während ich die Handschuhe im Auto ließ und sie nach meiner Arbeitswoche weg waren, wurde ich aber noch Empfänger einer besonders gezielten Fundsache, denn eine Kundin fragte mich beim Aussteigen:

„Ach, Sie haben aber gesehen, dass hier eine Flasche Bier steht, oder?“

Ähm. Nein. Sehr gezielt war es deswegen, weil es eine 0,5er-Flasche Berliner Pilsener war, was ich gerne trinke.

Und als ob so ein Taxi in Punkto Fundsachen nicht einen ganzen Haushalt ausstatten könnte, wenn es gut läuft: Am Tag darauf fand ich während der Schicht in der Beifahrertüre eine Schachtel Zigaretten von Ozies Marke, aus der gerade mal ein oder zwei Stück gefehlt haben.

Keine Fundsache indes war diese Dose:

Da muss man vom Verzehr eher abraten … Quelle: Sash

Da muss man vom Verzehr eher abraten … Quelle: Sash

Die hat mir ein grenzenlos begeisterter Fahrgast zusätzlich zum Trinkgeld vermacht, während auf der Rückbank gequengelt wurde, dass er doch nicht all ihr Bier an irgendwelche Berliner verschenken könne.

Und ich muss ehrlich sein: Er hätte es auch lassen können.Ich weiß die Geste zu schätzen, aber es hat nicht geschmeckt. Ich hab das Gesöff nach artgerechter Lagerung im Kühlschrank zum Beginn meines Wochenendes geöffnet und war sowas von über alle Maßen enttäuscht. Ich trinke gerne Bier und Pilsener besonders gerne. Ich bin da aber nicht festgelegt und mag auch manches Bier mit eher ausgefallenem Geschmack. Es gibt eine Zeit für Augustiner, für Jever, für Rothaus und Flensburger. Ja, ich trinke gelegentlich sogar gerne Beck’s und hab früher in einer meiner Stammkneipen ausschließlich Schwarzbier von Schwabenbräu getrunken. Ich bin echt nicht eindimensional bei meinem alkoholischen Lieblingsgetränk. Aber das oben gezeigte Wolters hab ich nicht ganz leer gekriegt. Selten etwas erlebt, das gleichermaßen so frei von Eigengeschmack und so ungenießbar war. Gut, die Geschmäcker sind verschieden, eine Warnung scheint mir trotzdem vorsichtshalber angemessen zu sein …

Und was die Fundsachen angeht: Feuerzeuge wären mal wieder nett. Die gehen immer so schnell kaputt, wenn man dauernd Bier damit aufmacht. 😉

*ist nicht umsonst*

Es war eine gute Tour für 31,30 €. Eine nette ältere Frau, der die S-Bahn nach der Arbeit einen Streich gespielt hatte. War unterhaltsam, aber nun waren wir da. Ich nannte den Preis. Sie fing an, irgendwas von 31 und 32 zu nuscheln, also gab ich ihr auf die gereichten 40 € deren acht zurück.

Da sah sie mich erschrocken an und insistierte scharf:

„Nein, nein! Ich hab 35 gesagt! Ich muss Ihnen doch Trinkgeld geben, es ist doch nix umsonst!“

Nun ja, wer würde sich da wehren … 😉

Eher weniger kompliziert …

Es ist ja nicht so, dass man für alle Taxifahrten viel Ortskunde brauchen würde. Dieser Kunde winkte mich am Pegasus heran und meinte:

„Bitte, bitte: Ich muss echt schnell zum Ostbahnhof!“

Ähm, ja:

Darf's ein bisschen mehr sein? Quelle: osrm.at

Darf’s ein bisschen mehr sein? Quelle: osrm.at

Aber nur mal so: Ich hab mich gleich mehrfach hilfreich verhalten. Ich hab Kurzstrecke gemacht, womit der (zum Normalpreis ungefähr identische) Preis feststand und das Bezahlen an der einzigen angeschalteten Ampel gleich erledigt. Zudem hab ich den Hintereingang erst selbst nahegelegt, weil bei Eile alles andere dumm gewesen wäre. Und geheizt bin ich natürlich auch, ist ja klar. 🙂

Und ja: Für den Arbeitsaufwand bezüglich Zeit und Strecke sind 5,00 € Fahrpreis + 1,00 € Trinkgeld einfach mal ein guter Deal für mich!

*weiß Bescheid*

„Oh! Hier sind wir ja schon! Wir sind von hinten rangefahren?“

„Ja, ist der kürzeste Weg …“

Da hat sie sich zu ihrer Mitreisenden gewandt:

„Ich hab Dir gesagt: Lass uns in Berlin Taxi fahren – die wissen, wie man’s macht!“

Der geht dann wohl gleichermaßen auch an alle Kollegen. 🙂