Man muss auch mal aufräumen …

Und da war sie dann: Die gesperrte Straße. Eine Baustelle, eine Absperrung über die ganze Straße und jeder andere Weg hätte einen Umweg von mindestens zwei, eher drei Kilometern bedeutet.

„Keine Sorge …“

sagte ich und ließ meine etwas verdutzt guckende Kundschaft kurz im Taxi zurück. Ich hab dann die Absperrung mit drei Handgriffen zur Seite geschoben und bin wieder eingestiegen. Der Autofahrer hinter mir hat indes auch geguckt wie ein Auto.

„Meinen Sie, das …“

„Hey, ich kenn doch die Leute, die nachts unterwegs sind. Da hat sich irgendein betrunkener Spaßvogel einen Scherz erlaubt.“

Und zack und durch!

Was die Kunden nicht wussten:

1. ist etwas ähnliches vor weniger als einem Jahr in nicht einmal einem Kilometer Entfernung schonmal passiert.

2. bin ich die Straße eine Stunde vorher entlang gefahren. Samstag morgens um drei sperrt sich eine Baustelle ohne Arbeiter nicht selbständig neu ab.

3. kenne ich da jemanden, der sich vor 20 Jahren auch mal den Spaß gemacht hat, mit nur einem umgestellten Pylonen den eigenen Stadtteil für Stunden verkehrszuberuhigen. *hüstel*

Lebenslanges Lernen sag ich nur!

Quietsch-Krrrrrk-Schepper!

Mann, da stand ich „kürzlich“ erst so weit oben in der firmeninternen Unfallstatistik und dann das!

Freitag Abend, 21.10 Uhr etwa war es, da treffe ich den B-Klasse-Fahrer vor mir in Mahlsdorf sauber ganzseitig am Heck. Ein Auffahrunfall, über die Schuldfrage brauchen wir im Grunde also nicht einmal reden … fuck!

Wie zur Hölle ist das jetzt passiert?

Nun, rein rechtlich isses einfach: Ich hab zu spät reagiert, fertig. Ich war für die Verhältnisse zu dicht aufgefahren, so ist es nunmal.

Aber auch wenn ich sowas alle paar Jahre durchaus mal akzeptieren kann und gar kein Mitleid brauche, ist es ein viel zu schöner Unfall gewesen, um nicht mal eben ausführlich drüber zu bloggen. Denn obwohl sich an oben gesagtem nichts ändert: Es ist schon sehr viel zeitgleich schiefgegangen, damit es soweit kam.

Da wäre zum einen die Baustellenampel, an der wir kurz zuvor hintereinander ein Weilchen gewartet haben. Die mag zum einen mein eher dichtes Auffahren nach dem Start erklären, vor allem aber hat sie dann von zweiterem abgelenkt.

Denn zum anderen wäre da die Straßenbahn, die genau dort ohne Ampel die Straße kreuzt und Vorrang hat. Das ist so schon eine eher seltene Verkehrssituation, aber mir wurde eigentlich genau das zum Verhängnis. Denn eben weil ich „endlich“ grün hatte, war in meinem sicher ziemlich auf Verkehrssituationen geschulten Gehirn einfach kein Platz für plötzlichen Querverkehr. Natürlich muss man eigentlich auch bei grünen Ampeln achtsam sein, aber mal ganz ehrlich: Man ist es in der Realität eher weniger. Und deswegen hab ich die uns entgegenkommende Tram eben die halbe Sekunde zuviel später reagiert als mein Vordermann.

Nun waren wir beide nicht sehr schnell, wir waren ja noch am Anfahren, und ein paar Meter trennten uns durchaus. Erinnerungen sind eine schlechte Datenbasis, aber ich würde schätzen, wir hatten bei noch nicht ganz 30 km/h etwa acht bis zehn Meter zwischen uns. Das hätte in 99% aller Fälle locker für eine Gefahrenbremsung gereicht und vermutlich wäre ich da selbst mit meiner Verzögerung gut weggekommen, wenn nicht …

Wenn nicht ausgerechnet an dem Abend und an der Stelle hinter meinem Vordermann, aber vor mir ein akuter Fall von „überfrierender Nässe“ aufgetreten wäre. Ich hatte die Bremse noch nicht einmal ganz durchgedrückt, da blockierten die Räder schon und ich schlitterte einfach in das andere Auto rein. Konnte nix mehr machen, der Fisch war geputzt.

Noch vor dem (den Umständen entsprechend nicht sehr harten) Aufprall lief in meinem Kopf das ganze Programm von aggressiven Unfallgegnern, nervigen Cops, ewiger Wartezeit, nervigem Rumtelefonieren, Abschleppwagen, verkacktem Wochenende und so weiter ab. und dann: KRACH!

Glücklicherweise gestaltete sich das alles ab da beinahe angenehm. Ich hab mich mit dem Fahrer des anderen Autos verständigt, auf den Gehweg zu fahren und er und seine Begleiterin waren ab da die nettesten Menschen an diesem Abend. Sie klagten scherzhaft, dass der Abend bis jetzt so schön gewesen sei, sahen es aber umgehend fast pragmatischer als ich. Wir fanden uns fünf Minuten später schon darüber scherzend wieder, dass wir das eigentlich lieber privat und in nett klären würden, wenn nicht mit meinen Chefs noch eine dritte Partei mit im Boot gewesen wäre. Sie hatten zudem von der Versicherung bereits einen vorgefertigten Unfallberichtbogen dabei, den wir schon mal ausgefüllt haben, bevor die Cops kamen. Nebenbei haben wir lustige Unfall-Anekdoten ausgetauscht. Und der Bogen hat sogar meinen Chefs heute als Bericht gereicht, ich musste das nicht noch einmal neu ausführen.

Die nach etwa 30 Minuten anrückende Staatsgewalt zeigte sich überrascht ob so eines gut organisierten Unfalls und verblieb damit, dem Ganzen eine Nummer zu geben und die Personalien zu notieren.

Wären Autos nicht so scheißteure Geräte, wäre das am Ende eher ein netter Witz gewesen, wie ich mal andere Verkehrsteilnehmer kennengelernt habe.

An der 72 ist nahezu alles heil geblieben. Ich musste später eine Blinkerleuchte austauschen, aber nur weil die Birne einen Schlag weg hatte oder so. Ansonsten Kratzer an der Stoßstange, sonst tut alles noch. Sogar die Abstandssensoren, das Thermometer und all der Scheiß, der sonst bei unspektakulären Andockmanövern die Flinte ins Korn wirft.

Die 72. Sah schon mal besser aus. Quelle: Sash

Wie es bei den Unfallgegnern aussieht, weiß ich nicht, aber auch sie sind erst einmal weitergefahren und haben sich vom nun etwas weiteren Spaltmaß an der Stoßstange nicht groß irritieren lassen.

Fährt man rückwärts an den Baum, verkleinert sich der Kofferraum. Quelle: Sash

Der Rest ist Sache der Versicherungen.

Was am Ende zu sagen bleibt:

  1. Unfälle passieren. Sie sind nie schön und natürlich kann man viele vermeiden, aber man sollte sich bewusst sein, dass man da nicht immun gegen werden kann.
  2. Unfälle sind dementsprechend nicht per se ein Grund, noch mehr Hass und Gewalt in den Straßenverkehr zu bringen, man kann da auch einfach mal relaxt bleiben. Und ich sage das hier als Unfallverursacher in Übereinstimmung mit den Unfallgegnern.
  3. Taxifahrer in Berlin werden offensichtlich nicht einmal dann nach ihrem P-Schein gefragt, wenn sie gerade ganz offensichtlich Bockmist gebaut haben. Vielleicht sollte man sich die aufwändige Verlängerung echt sparen.

Und nicht zuletzt: Es ist nur Blech/Plastik gewesen. Alles ok, also keine Panik! 🙂

Sammler

Es war eine kurze, vor allem aber schnelle Tour. Am Ende hatte das Taxameter etwa 12 Euro zusammengerattert und der Fahrgast war großzügiger als die meisten an diesem Abend:

„Mach mal 15.“

Er reichte mir einen Fuffi und verband das mit einer Bitte:

„Wenn Du mir rausgibst … wäre cool, wenn Du es in Fünfern hättest. Ich sammle die.“

Ich hab meine drei armseeligen bis dahin verbliebenen Fünfer angeschaut und ehrlich und mit nur etwas gespieltem Bedauern gemeint, dass ich so viele dann auch nicht hätte. Und er?

„Ja ja, ich weiß. Niemand hat die. Ist ja logisch, die hab ich ja alle!“

Der war so trocken, der könnte geplant gewesen sein. 🙂

Wiederholungen

Nein, die Typen von gestern habe ich bisher nicht erreicht. Könnte also sein, dass „Vertrauenswürdig 2“ eher unschön ausfällt. Aber ich warte morgen noch ab. Und ich werde wegen 7,70€ kein Fass aufmachen, obwohl ich die Idee, die Telefonnummer öffentlich zu machen, wirklich saumäßig verlockend finde. 😉

Was ich eigentlich sagen wollte: Dank inzwischen regelmäßiger Funknutzung hab ich die letzten Wochen etwas zu schätzen gelernt, was ich die Jahre davor kaum kannte: Sich wiederholende Kundschaft. Da man dank Zentrale auch mal in abgelegenen Gebieten auf Kundschaft warten kann (weniger Kunden, aber eben auch weniger Konkurrenz), bin ich noch öfter als bisher im fernen Osten unterwegs. Hier sind die Straßen groß und leer und der Weg nach Hause ist kurz. Und die wenigen regelmäßigen Bestellungen kriegt man als einer von drei Fahrern, die sich an die Halte stellen, halt auch schnell mit.

Unerwarteterweise hatte ich zum Beispiel diese Kundin, die ich zunächst für wenig sympathisch hielt, inzwischen dreimal im Auto und eigentlich ist sie gar nicht so schlimm. Und die immerselbe Fahrt, die sie offenbar sehr oft macht, ist die vom Pflegeheim ihres Mannes nach Hause. Ich möchte meine Vorverurteilung in diesem Fall gerne zurücknehmen.

Ebenso zu schätzen gelernt habe ich eine Kneipe in Marzahn, in die mich im Grunde keine zehn Pferde kriegen würden, die aber nette Bedienstete hat und zudem unerwartet unkomplizierte hackestramme Kundschaft, die sich sehr über den „neuen Stammfahrer“ freut.

Das ist ohne die zufälligen Touris natürlich nix, aber es ist ein netter neuer Aspekt des Jobs. 🙂

Passt doch …

„Hey! Du free?“

Ich war etwas überrascht, als Zweiter am Stand angequatscht zu werden, aber man ist ja Dienstleister.

„Sure. Where to go?“

„Bringe uns Station Pankof, wieviel?“

„Bahnhof Pankow? Maybe … like 25€.“

„OK, we do.“

Etwas hakelige Verständigung, aber recht gut in Anbetracht der Umstände: Es waren zwei angetrunkene rumänische Bauarbeiter. Also ich wäre wesentlich aufgeschmissener, wenn ich nüchtern in Rumänien ein Taxi besteigen würde. Und der ungefähr wie Mitte 70 wirkende Typ neben mir versuchte sich auch noch zu rechtfertigen:

„Entschuuldigen!“

„Was denn entschuldigen?“

„Daas nicht sprechen. Ich speak Sprache, verstehen?“

„Ach, das geht doch! It’s ok, as long as we can communicate …“

„Schwer for mick! Hier work, Romania CA-TA-STRO-FAL!“

Während er sich Gedanken über sein schlechtes Deutsch machte, fürchtete ich, dass ich das mit den 25€ Fahrtpreis schwer würde einhalten können. Ich war da reichlich optimistisch gewesen und hätte vielleicht sogar eine etwas bessere Route wählen können. Ich hatte zwar schnell beschlossen, dass ich ggf. die Uhr früher ausmachen würde, wenn es nur um einen Kilometer ginge, aber selbst da war ich kurzzeitig nicht mehr sicher. Und die beiden sind auch immer nervöser geworden, weil die Fahrt halt ein wenig gedauert hat. Und soo dicke schien es mit der Kohle dann bei ihnen auch nicht zu sein.

Und am Ende? Hab ich die beiden am Bahnhof bei exakt 24,90€ abgesetzt und sogar ein mittelgutes Trinkgeld bekommen. Es sieht ja oft schwieriger aus als es ist … 🙂

„Einfach geradeaus …“

Ich dachte, ich kenne so langsam alle Strecken in Berlin, bei denen „Einfach geradeaus“ eine eher ungute Idee ist. Aber dieser Kunde hatte mich erwischt. OK, es lag auch daran, dass er den Zielort nur ungenau benannt hat, aber immerhin. Von Friedrichsfelde nach Weißensee, Pistoriusstraße. Als ich auf die Hauptstraße links abbog, fragte er kritisch:

„Ach, Du willst nich‘ hier über die Umgehungsstraße?“

Ich hatte das nicht einmal in Erwägung gezogen. Aber gut, ein Blick auf den Stadtplan:

Meine kürzeste Strecke. Quelle: Google Maps

Was der Kunde im Kopf hatte. Quelle: Google Maps

Aber auch ihm fiel vor dem Ziel bereits auf:

„Ach, wir sind schon hier? Du, dit haste aber … nee ehrlich, haste jut jemacht!“

PS: Ja, ich hab die Bilddateien beim Erstellen falsch beschriftet, es ist trotzdem so herum wahr. 🙂

Trinkgeldgeben für Mutige

„Dann sind wir bei 19,30€.“

„Hier schon mal ein Zwanni. Aber warte kurz …“

Er nestelt in seiner Hose und kramt eine Handvoll Münzen hervor.

„Hier, ich geb Dir … ich … ach, ich geb Dir einfach alles, was ich hier hab. Auch wenn ich nicht weiß, wie viel es ist.“

Hört man selten, wenn nicht einmal ein Stück Rotgeld dabei ist. 🙂

Allerdings waren es am Ende irgendwas um die drei Euro, einen neuen Rekord kann ich also leider auch nicht vermelden.