Alles eins!

Dass das es irgendwie ein Politikum ist, sobald man Menschen nichtdeutscher Herkunft erwähnt, habe ich neulich ja mal wieder feststellen dürfen. Ich finde es immer noch ein wenig unverständlich (nein eigentlich unerträglich!) dass von der Herkunft der Menschen vermeintlich belastbare Rückschlüsse auf ihr Verhalten gezogen werden.

Meist werden irgendwelche schlimmen Ausnahmen als Klischeebestätiger herangezogen. Im Grunde hatte ich heute früh beinahe genau solche im Auto. Am Ende war ich dennoch positiv überrascht. Vielleicht versteht ja jemand anhand der Geschichte, warum ich meine Meinung nicht so schnell aufgebe.

Die Szene, die ich an der Ampel vorfand, könnte aus jenem Bilderbuch stammen, das Thilo Sarrazin bestimmt längst malt, um auch den Teil seiner Anhängerschaft zu erreichen, die des Lesens nicht ganz so mächtig – dafür aber mächtig stolz auf die deutsche Sprache – ist: Kottbusser Tor, Drogenumschlagsplatz Nummer 1 in Berlin. Vielleicht auch Nummer 2 oder 3, ist ja egal. Fast nur Menschen mit Migrationshintergrund auf der Straße, und ausgerechnet die lautesten drei winken mich heran. Ich muss noch an der Ampel warten, inzwischen winken sie einen Kollegen vorbei. Das könnte ich jetzt gleich als Beweis positiv auslegen, hab ich in dem Moment nicht getan. Ja, ich wäre fast froh gewesen, wäre der Kelch an mir vorübergegangen. Denn sonderlich sympathisch haben sie nicht wirklich gewirkt.

Als die Ampel dann grün wurde, hatten sie sich schon ziemlich planlos rund um mein Auto verteilt und sind dann von allen Seiten gleichzeitig eingestiegen.

„Hey, der Kanake da vorne zahlt!“

brüllte es mir von hinten gleich ins Ohr. Na das kann ja heiter werden.

Mein Beifahrer allerdings war ein eigentlich total netter Kerl, dessen erste Amtshandlung es war, sich für seine Kumpels zu entschuldigen und mir eine grobe Zieladresse zu nennen. Plötzlich erschien etwa 3 cm neben meinem Auge ein Gesicht:

„Mach ma Kurzstrecke, Alter!“

„Nee Jungs, so nicht!“

hab ich klargestellt. Das Ziel lag runde 5 bis 6 Kilometer entfernt, und auf Preisverhandlungen lasse ich mich grundsätzlich nicht mehr ein. Ich bin noch kurz demonstrativ stehengeblieben, obwohl hinter mir bereits fleißig gehupt wurde.

„Hör nich auf die, die sind besoffen.“

meinte der auf dem Beifahrersitz und gab mir zu verstehen, dass er selbstverständlich den Preis auf der Uhr zahlen würde. Na gut, immerhin nur 2 Idioten. Die haben sich allerdings in den nächsten 5 Minuten wirklich alle Mühe gegeben, anstrengend zu sein. Sie haben sich in einer Lautstärke unterhalten, die nur den Schluss zuließ, dass sie implantierte Ohrenschützer hatten, die Wortauswahl bediente sich nicht nur der klischeehaftesten Sprache, sondern umfasste sowieso nur rund 100 Worte. Davon etwa 50 nicht jugendfreie.

Eine Kleinigkeit war allerdings erstaunlich: Die üblichen frauen- und schwulenfeindlichen Sprüche waren nicht dabei. Das zu bemerken fiel mir gar nicht schwer, da sie sich lange Zeit damit aufhielten, sich gegenseitig zum Oralverkehr zu überreden. Als sie dabei diskussionsmäßig nicht weitergekommen sind, haben sie begonnen, meinen Beifahrer zu beleidigen. Der hat dann – nachdem er sich im Vorfeld bei mir entschuldigt hat – versucht, die beiden zu schlagen. Also die freundschaftliche Schlägerei-Variante.

Dann kam, was bei so einer wirklich anstrengenden Tour nicht fehlen darf: Das muntere Auswechseln von Fahrtzielen. Jeder der drei redete auf mich ein, wann ich wohin abbiegen müsse, natürlich nicht ohne sich dabei ständig zu widersprechen.

„Jungs, nu mal ruhig! Ich bring euch gerne überall hin, aber einig sein solltet ihr euch halt!“

Während sich nun der Beifahrer darum kümmerte, mich zu fragen, ob er meine Nummer haben könnte, weil er mich cool fand, stritten die beiden hinten sich über das Fahrtziel:

„Gehn wir bei mir. Könnt ihr zoggn, Alder!“

„Was zoggn? Wo soll isch pennen?“

„Pennsch du nix, Alder! Zoggn. Dann gehsch du heim!“

„Boah, bisch du Arschloch Alder. Wir gehen bei mir!“

Man glaubt es nicht, aber so kann man sich minutenlang unterhalten und gleichzeitig absurde Wegbeschreibungen für den Taxifahrer von sich geben. Aber alles hat ein Ende, und ich kam zuletzt sogar darum herum, mich bei dem dunkelsten der Drei zwischen den zwei Anreden „Nigger“ und „Kanake“ zu entscheiden. Die wollte mir der Spaßvogel hinten links aufdrücken, als er mir „Blacky“ vorgestellt hat.

Und so standen wir da, vor einer zu guter Letzt kollektiv beschlossenen Zieladresse. Von rechts hauchte es nur noch sehr dünne Entschuldigungen, während es hinter mir zappelte und tobte:

„Scheiße Mann, bin isch hier Kindersischerung!“

Der Typ auf dem Beifahrersitz versank fast vor Scham in sich selbst, während er versuchte, die 10 Euro und ein paar Cent zu begleichen. Einen Fuffi wollte er mir nicht geben, also suchte er nach Kleingeld. Ich hab zwischenrein einen Blick nach hinten geworfen. Das Auto war sauber, ernstlich Probleme gemacht hatte also keiner.

Fürs Kleingeld musste nun der größte Stresser ran, und statt dummer Sprüche reichte er mir ordentlich Trinkgeld und bedankte sich, dass ich so cool gewesen wäre. Von hinten drängte sich „Blacky“ durch und meinte:

„Wir sind ordentlische Leute, nur betrunken. Mach disch nich Vorurteil! Kein Vorurteil wie Sarrazin! Hey, Kanake, Scheiße, Ausländer, Deutsche, Ost, West – wir sin alles eins! Wir sin cool! Vielleisch nisch jetz! Aba wart mal paar Jahre!“

Das ist kein Witz! Das haben die mir zum Abschluss wirklich so gesagt! Ich fand das ja selber zu klischeehaft.

Und während die beiden Rückbänkler gemeinsam „Wir sind Deutschland!“ riefen und in Richtung Haus zum Zocken verschwunden sind, nickte mir mein (inzwischen Ex-) Beifahrer durchs geschlossene Fenster mit einem mildtätigen Blick zu und bedankte sich mit einem nach oben gereckten Daumen dafür, dass ich sie heimgebracht habe.

Ja, es war eine anstrengende Fahrt. Auch das Geld im Taxi verdient sich manchmal mühsam. Auf der anderen Seite bestätigen mich solche Fahrten immer wieder, dass der größte Unterschied gemacht werden muss zwischen Arschlöchern und Nicht-Arschlöchern, zwischen Zurechnungsfähigen und Unzurechnungsfähigen, sicher aber nicht zwischen Nationalitäten!
Und ich rede das nicht schön. Es gibt auch ganz andere Typen, das ist mir klar. Aber mal ganz im Ernst: Die Typen hätte ich – wäre ich vor ihnen geflüchtet – auch nur als Vorzeige-Assis in Erinnerung behalten. Dabei waren es auch nur ein paar bekloppte Besoffene mit einem seltsamen Humor.

Verdammte Scheiße ja, mir würde doch irgendwie was fehlen ohne solche Gestalten! 😀

Die Sache mit den Zielen…

Das Schönste und Schlimmste (je nachdem) am Taxigewerbe ist die Unberechenbarkeit. Mal läuft es, mal nicht. Ein Kollege von mir ist beispielsweise letzte Woche zweimal binnen zwei Tagen nach Cottbus gefahren. Noch dazu für gar nicht schlechte 210 €. Ich hab in jetzt bald zweieinhalb Jahren noch keine Tour über 100 € gehabt… so ist es eben.

Da aber unser Gehalt vom Umsatz abhängt, hat wahrscheinlich jeder Fahrer da draussen ein gewisses Ziel vor Augen, wenn er sich ins Auto setzt. Wie hoch das ist, das hängt natürlich vom Fahrer, vom Tag und wenn es dann eng wird auch mal von der Laune ab. Manche sehen einfach zu, dass sie einen oder zwei Hunnis einfahren, manche haben einen anderen Tagesschnitt vor Augen, manche variieren ihn sogar, um ein Monatsziel zu erreichen. Und ja, es gibt auch Fahrer, die einfach ihre Stunden runterrocken und am Ende mal durchzählen. Ein bisschen versuche ich das gerade auch so zu halten, weil ich am Umsatz letztlich ja nichts drehen kann.

Aber irgendwie ist es dann ja doch schön, wenn „der obligatorische Hunni“ oder was auch immer endlich in der Kasse ist.

Und so stand ich neulich da, und hab gehofft, dass ich jetzt mit der letzten Tour wenigstens den oben genannten erreiche. 10,70 € mussten es noch sein. Ich bekomme eine Tour und denke, dass das passen könnte. Nebenher mal das Navi angeschmissen, und siehe da:

„Yes, das werden 11 €!“

Einfach so fürs gute Gefühl. Aber Kunden können auch fies sein:

„Ach, lassen sie uns hier an der Ampel raus, wir laufen den Rest.“

„Alles klar, sehr gerne doch. Das sind dann 10,40 €.“

Argh!
Aber andererseits hätte ich mich sonst wahrscheinlich nicht so sehr über die Kurzstrecke gefreut, die ich auf dem Rückweg noch bekommen habe 🙂

„Der totale Taxi-GAU“

Es ist in diesen Tagen vielleicht nicht unbedingt angebracht, wegen solcher Kleinigkeiten wie dem Taxifahren von einem GAU zu sprechen, aber das ist die Wortwahl meiner Kundin. Die stand da, ich war noch gar nicht richtig losgefahren, am Straßenrand, konnte ihre aufgewickelten langen Dreads kaum bändigen (was sie mir im Übrigen sympathisch gemacht hat) und winkte. Einfach so. An einem miesen Mittwoch.

Im Übrigen sei angemerkt, dass ein GAU ja immerhin ein Ereignis ist, mit dem zu rechnen und das zu beherrschen ist. Da wird ja derzeit in der Berichterstattung um Japan auch viel Schindluder getrieben mit den Worten GAU und Super-GAU. Aber das nur nebenbei. In dem Fall hilft nämlich schon Wikipedia.

Bei meiner Kundin war es schon von der Sache her harmloser, denn bei allem Mist, den ich mit meinen Kollegen manchmal verzapfe: Mit havarierten Kernkraftwerken kann wahrscheinlich keiner von uns mithalten.

Was also war der Taxi-GAU?

Sie stieg bei mir ein, telefonierend, und fragte gleich:

„Du bist aber nicht bestellt, oder?“

„Nein…“

Daraufhin wandte sie sich dem Gesprächspartner zu und meinte:

„Nein, ist nicht das bestellte Taxi. Gut, ok. Dankeschön.“

Da bin ich ja erstmal hellhörig geworden. Fahrtenklau geht schließlich gar nicht, und auch wenn es verdammt schön ist, ein paar hundert Meter nach Schichtbeginn einen Winker zu haben: So kollegial, die Fahrt abzulehnen, muss man sein.

Also erzählte sie kurz, dass sie wie immer erst auf die Straße gegangen ist, weil dort ständig Taxen fahren würden. War auch eine große Hauptstraße. Natürlich kamen just jetzt keine Kollegen vorbei. Daraufhin hat sie einen Wagen bestellt.
Genau nachdem sie dies getan hat, tauchten zwei Kollegen auf. Jetzt kommt dann der Teil, weswegen ich sie so schätze:

„Da hab ich natürlich nicht gewunken. Ich hab Freunde, die selber Taxi fahren. Die haben mich erzogen, da artig zu sein!“

Und danach passierte – die Kollegen erahnen es bereits – nichts mehr. Das bestellte Taxi kam nicht. Ich weiss nun nicht genau, wie lange sie gewartet hat – allerdings hatte sie beim Einstieg in mein Auto just die Funkzentrale am Telefon, die die Fahrt abgeschrieben hat und nur kurz nachgefragt haben wollte, ob ich vielleicht der bestellte Fahrer bin. War also sicher nicht nur eine Minute her, dass sie bestellt hat.

Ich hab sie also mitgenommen. Mir sind im Umfeld auf Anhieb drei Taxihalten bekannt, von wo aus die Anfahrt niemals über 2 Minuten dauern kann, also nehme ich an, dass ein freier Kollege auf der Straße die Tour angenommen hat, und dabei – soll ja angeblich gelegentlich passieren – eine „etwas optimistische“ Zeit genannt hat, in der er es dann nicht geschafft hat. Die Halten selbst sind in diesem Fall sicher nicht direkt angesprochen worden, weil es sich um einen „Handy-Auftrag“ gehandelt hat.

Kurze Erklärung für die Unwissenden: Die Funkzentrale (im Falle vom Sprachfunk – für den Datenfunk kann das gerne ein Kollege in den Kommentaren erklären. Aro?) gibt den Auftrag normalerweise zunächst an den nächsten Taxistand weiter. Dort dürfen sich dann die Kollegen melden, die dort stehen. Derjenige, der an vorderster Position steht, bekommt den Auftrag. Meldet sich dort keiner, wird der Auftrag an den zweitnächsten Stand weitergegeben – hier dann das selbe Procedere.
Sollte dies erfolglos sein (Keine Taxen am Stand, bzw. kein Fahrer meldet sich) ODER es ist ein „Handy-Auftrag“ (also die Person steht schon an der Straße) kann sich theoretisch jeder Taxifahrer auf den Auftrag melden. Dabei muss er angeben, wie schnell er da sein kann. Auch hier erhält der „Nächste“ den Zuschlag. Wenn ein Fahrer sich meldet und seine Fahrtdauer zum Ort des Kunden nennt, dürfen sich nur noch Kollegen melden, die mindestens 3 Minuten schneller dort sind. Mit anderen Worten, wahrscheinlich ist die häufigst genannte Minutenzahl im Funk 3.
Denn wenn ein Kollege funkt

„Taxe xyz in 3“

dann bekommt er den Zuschlag. Also ist es – obwohl die Funkzentrale durchaus Sperren für mehrmalige Verstöße verhängt – natürlich beliebt, sich näher an die Kunden heranzulügen, denn ansonsten besteht ja die Gefahr, dass man den Auftrag an einen Kollegen in der Nähe verliert. Das Ganze geht dann nicht nur zu Last der betrogenen Kollegen, sondern natürlich auch des Kunden. Denn der bekommt natürlich mitgeteilt, dass sein Taxi in 3 Minuten da ist, und wenn der Kollege dann 10 Minuten braucht, ist der Frust natürlich groß.

Mit anderen Worten: Wenn es – was wahrscheinlich ist – in dem Fall so war, dann war es schon ok, dass ich die Kundin eingesackt habe. Die Zentrale hat dem Kollegen dann mitgeteilt, dass die Kundin weg ist und ihn ggf. noch gerügt für seine unwahre Zeitangabe.

Die Tour war dann furchtbar nett. Ganze 18 € hat sie gebracht, und ich hab wirklich selten so lange und ausführlich mit jemandem im Taxi geredet. War echt schade, dass es keine richtige Ferntour war 🙂

So viel also zum GAU der Kundin: 2 mal Geduld bewiesen und dann doch das falsche Taxi (mit dem immerhin hoffentlich genau richtigen Fahrer 😉 ) bekommen.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch was zu der Problematik mit den geklauten Fahrten sagen. Ich hab da als Nichtnutzer meines Funkgerätes natürlich eigentlich nie was mit zu tun. Höchstens mal – wie jetzt – auf der „Gewinnerseite“. Aber da es ein Ärgernis für viele Kollegen ist, kann es hier ja ruhig auch mal Thema sein.

Berlin hat de facto noch 2 Funkzentralen. Die eine davon ist zwar auch wieder ein Zusammenschluss von mehreren, aber sie ist unter all diesen Nummern erreichbar. Abgesehen von der verurteilenswerten schamlosen Abzocker-Mentalität so mancher Kollegen scheint mir indes tatsächlich auch der Auftritt der Zentralen ein Problem zu sein. Gerade die zusammengewürfelte Große wirbt auf ihrer Seite beispielsweise mit „4100 Taxen in Berlin und Umland“. Und die andere hat natürlich auch den Hinweis darauf, dass das Taxi bei einem Anruf dort schnell vor Ort ist. Verständlich natürlich.

Was meines Erachtens nach ein wenig zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass diese ganzen Taxen, die für die schnelle Bestellung den Funk nutzen, ja keineswegs beliebig austauschbar sind. Im Gegensatz zu vielen kleineren Städten sind die Funkzentralen nämlich keineswegs mit den Unternehmen identisch. Während sich die Taxen also ca. 2500 (?) zu 4100 auf die Funkzentralen verteilen, gibt es in Berlin rund 7000 Taxen in 5000 Unternehmen.
Klar, die Funkzentralen weisen die Kunden darauf hin, dass sie nur in das eine bestellte Taxi einsteigen sollen – aber für viele gelegentliche Kunden ist es Jacke wie Hose, welches Taxi gerade kommt. Mir sind auch schon Leute eingestiegen und haben mal eben locker gesagt, ich solle doch kurz der Zentrale Bescheid sagen, sie würden jetzt mit mir fahren.

Anstatt klarzustellen, dass jeder einzelne Fahrer da draussen seine Arbeit zum Wohle der Kunden macht und durchaus mal irgendwo 2 Stunden auf diese eine Tour wartet, wird als Hauptkriterium die Schnelligkeit festgelegt. Die ist zweifelsohne wichtig in unserem Gewerbe und unterscheidet uns maßgeblich von den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln – aber sie ist nicht alles!

Denn, ja: Auch ein Taxi braucht eine gewisse Zeit, um von A nach B zu kommen. Und das Gewerbe ist trotz offenbar nur zwei Zentralen sehr diversifiziert. Es bringt Kollege U. nichts, wenn Kollege T. jetzt die Fahrt macht. Im Gegenteil: Unter Umständen hat ihn das 3 Stunden Zeit gekostet, die er nicht bezahlt bekommt.

Sicher, im Grunde könnten es die Kunden auch einfach durch Nachdenken herausfinden. Ich persönlich finde aber, dass es ihnen bisweilen auch schwer gemacht wird…

Onneff (2)

„Onneff!“

Ich bin ja ehrlich sowas von froh, inzwischen mit der Aussprache von Touristen ganz gut zurecht zu kommen. Was war Onneff natürlich? Hönow!

Nun kann ich auch mal das Hotel aufklären: Das HEP in der Mahlsdorfer Straße 61a war es. Im Wissen, dass Hönow nun wirklich direkt an Mahlsdorf grenzt, bin ich also dorthin geschossen und hab die Mahlsdorfer Adresse eingegeben. Es ist natürlich mords der Umweg gewesen, sodass die Summe auf dem Taxameter inzwischen an den 30 € kratzte, während wir noch ein ganzes Stückchen vom Ziel entfernt waren.

Ich hab meinen immer noch feierwütigen Fahrgästen erklärt wie es aussieht, mich entschuldigt, dass ich auch nicht drauf gekommen bin und gefragt, wie wir das jetzt handhaben. Sie haben es mehr als nur locker genommen und gemeint, dass es jetzt ja noch nicht soo teuer sei, schließlich hätte man ihnen erzählt, 30 bis 35 € müssten sie für den Weg schon bezahlen. Herzlichen Dank an die Reiseleitung, da könnte man also quasi immer so fahren…

Naja, ich hab bei 32 € (was locker 5 € mehr waren, als der direkte Weg gekostet hätte) die Uhr ausgemacht und bin der Adresse entgegengeflogen. Bisher könnte man das vielleicht noch als dummen Fehler der Touris abtun – wieso stimmen drei Leute bei Köpenick zu? Wegen dem Ö? – aber natürlich fand sich an der angegebenen Adresse auch kein Hotel.

Das war jetzt gänzlich mein Fehler. Denn nicht nur weiss ich, dass mein Navi bei Hausnummern gerne mal einen Mittelwert berechnet und schon bei kurzen Straßen mal 100 Meter danebenliegt, vor allem aber kennt es keine Gnade bei Ortsgrenzen. Da mag die Adresse nur 100 Meter hinter der Stadtgrenze liegen, ich muss die richtige Gemeinde eingeben! Und genau das ist hier natürlich der Fall. Das Hotel liegt genau in der gleichen Mahlsdorfer Straße, in der ich inzwischen innerlich leicht panisch an einer Tankstelle angehalten habe, um mir zu überlegen, wie ich jetzt am besten diese Touristen loswerde, weil an der angeblichen Nummer 61 immer noch kein Hotel war.

Ein alter Mann war mir auch nicht wirklich eine Hilfe, der wies mir einen Weg, der so grob Richtung Berlin-Mitte lag, also entgegengesetzt des eigentlichen Ziels. Ich hab die Sache dann so angegangen, dass ich die Adresse nochmal in Hönow eingegeben habe – was dann auch gepasst hat.

Im Übrigen erklärt das auch das Fehlen des Hotels im Robertha. Dort ist es nämlich ganz deutlich und richtig verzeichnet: Als Übernachtungsmöglichkeit im Umland – halt nicht in Berlin 😉

Es ist aber auch absurd, dass das Navi mir für die Mahlsdorfer 61 einen Haltepunkt in Mahlsdorf angibt, auf derselben Straße (nur in Hönow) allerdings einen anderen… da muss man ja durcheinanderkommen. Naja, letztlich war die kurze Umherzuckelei nachher nicht mehr zu Ungunsten der Kunden, und ab jetzt kenne ich das Hotel! Die Tatsache, dass es bereits in Hönow liegt, hat nachträglich sogar das Uhrausmachen legalisiert, da ich ja nach Außerhalb Festpreise nehmen darf. Dass der nächstes Mal etwas niedriger wird, ist natürlich auch klar.

Aber was war eigentlich mit den Kunden?

Die waren happy! Die haben sich kaputtgelacht darüber, dass sie so lange gebraucht haben, haben sich nettestens bedankt und haben mir das kein bisschen übel genommen. Also wesentlich weniger als ich selbst zumindest!

Der endgültige Hammer kam dann beim Trinkgeld. Sie haben die 32 € mit einem Lächeln bezahlt und auf volle 40 € (!) aufgerundet. Sie haben viel Spaß gehabt und außerdem wäre es ja so oder so eine Frechheit, ein Hotel so weit auf dem Land zu nehmen…

Ich weiss nicht, wie oft ich mich bedankt habe, aber mir kommt es jedes Mal vor, als sei es mindestens einmal zu wenig gewesen 😀

Onneff (1)

Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber gelegentlich vergeige ich auch mal eine Fahrt. Ich hatte gehofft, das nächste Mal passiert so ungefähr im Winter 2061, wenn der Leichenwagen von der Straße abkommt, in dem mein Sarg transportiert wird – aber nun war es doch heute Nacht.

Mir stieg eine gut gelaunte Vierertruppe von Touris am Matrix ein, 2 Australier und 2 US-Amerikaner. Die waren auf der üblichen Europareise, sind aber in einem Hotel untergekommen, das ich nicht kannte. Bis jetzt. Da ich aus dieser Geschichte einen fiesen Cliffhanger machen werde, verrate ich mal nicht den Namen des Hotels.

Auf ihrem Ausdruck von der Reiseleitung standen der Name des Hotels, Berlin, die Straße und die Hausnummer. Das sollte meist ausreichen. Meist. Denn was passierte logischerweise, als ich mein Navi anschmiss: Es zeigte zweimal die entsprechende Straße an. Deswegen griff ich das Robertha und… fand nichts. Das sollte sich später allerdings noch aufklären.

Ich erklärte den feierwütigen Leuten mein Problem und gab ihnen die beiden Stadtteile Mahlsdorf und Köpenick zur Auswahl. Drei Stimmen für Köpenick und eine Enthaltung. Also los!

Die Laune war die kompletten 20 Minuten lang super, wir haben uns viel unterhalten und die beiden Jungs und die zwei Mädels stellten sich als äußerst wissbegierig bezüglich unseres Landes heraus. Nicht nur, dass die Australier stolz verkündeten, seit der Einführung im FreeTV bei ihnen jetzt regelmäßig Bundesliga zu sehen, nein sie kannten selbst den Unterschied zwischen den West- und den Ost-Ampelmännchen.

Und die Laune blieb auch so, als wir in den Punkt erreichten, an dem ihr Hotel stehen sollte. Ja, sollte. Nun war guter Rat teuer. Zumindest die Uhr meldete schon irgendwas von Ende 20. Und da kam von hinten der entscheidende Tipp:

„Onneff!“

Wer oder was Onneff ist, und ob wir das Hotel gefunden haben – das gibt es dann morgen zu lesen. Ich muss mich jetzt nämlich mal für die Arbeit rüsten! Wochenende und so!

obszönes Tulpentaxi, das

Nachdem ich die beiden fucking students abgelehnt hatte, bzw. nachdem sie durch Flucht der Kommunikation entkommen sind, hatte ich mal wieder Holländer im Auto. Holländer – so lange zurechnungsfähig – sind ja einfach schon der Sprache wegen unterhaltsam. Und was noch besser ist, als sich einfach über die Sprache zu amüsieren, ist sich mit ihnen über beide Sprachen zu amüsieren.

Manch einer kann meine Faszination für Sprache vielleicht nicht teilen, aber ich finde ja, dass Dialekte, Akzente und völliges Kauderwelsch sehr sehr schön sein können, und einen ganz eigenen Reiz besitzen. Ich freue mich zwar immer wieder, wenn ich feststelle, dass es noch Menschen gibt, die einer Hochsprache mächtig sind, aber gerade der Satz neulich:

„Ich habe eine Katze wacht!„

Das ist doch fantastisch. Ich bewundere Leute, die so sorglos in einer fremden Sprache losreden und dabei manchmal echt Klassiker erschaffen. Alle anderen, die sich dafür auch begeistern können, sollten mal einen Blick auf das Buch

Blume ist Kind von Wiese
oder Deutsch ist meine neue Zunge

von Helga Glantschnig werfen. Aber gut, eigentlich waren wir bei den Holländern. Niederländisch ist dem Deutschen in Ansätzen ja nicht unähnlich, und entsprechend klingt es ja schon wie missratenes Deutsch, wenn sie in ihrer Heimatsprache reden 🙂

Die, die ich im Auto hatte, waren allerdings nicht gerade gewillt, neue sprachliche Höhen zu erklimmen. 2 Mädels und ein Kerl, alle im besten Sinne alkoholisiert. Das heisst: Angeheitert und lustig, aber weit entfernt von jedem Stresspotenzial und jedem Ins-Auto-Reihern.

Angefangen hat alles damit, dass sie irgendwelche (mir unbekannten) deutschen Lieder gesungen haben, wobei sie die Worte ausschließlich nach Hörensagen gebildet haben, was es umso unwahrscheinlicher macht, dass ich diese Lieder jemals kennen werde.

Der Hauptgrund, warum ich diese Zeilen schreibe, ist eigentlich der, dass ich es zwingend irgendwie vermerken will, wann mir das erste Mal eine Holländerin

„Ik hou van je“

gesagt hat. Entgegen meiner sonst eher bescheidenen Sprachbildung war mir der Satz schon bekannt, was ich keinem geringeren als Bodo Wartke und seinem Liebeslied zu verdanken habe. Falls es wen interessiert, der das noch nicht wusste: Auf seiner Seite gibt es einen Liebesliedgenerator, wo man aus 88 Sprachen und Dialekten sein Lied kombinieren (und dann runterladen) kann. Ich möchte allerdings anmerken, dass die schwäbische Variante nicht so klingt, als hätte er sie mit einem Muttersprachler zusammen entworfen.

Zurück zu ik hou van je. Wie so ziemlich alles auf dieser Fahrt, war dieser Satz nicht ganz ernst gemeint, meine bessere Hälfte kann also beruhigt sein.
Was meine Aussage ein wenig unwahrscheinlich erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass ich seit der vergangenen Nacht auch weiss, dass sich in Holland „Ficken in der Küche“ reimt. Ehrlich! Das heisst:

„neuken in de keuken“

Ist doch eine absolut geile Sprache, oder? 😀

Für meinen nächsten Urlaub in Holland hab ich also das nötige Vokabular zusammen. Dafür kann ich meiner Kundschaft nur dankbar sein. Ob ich jetzt allerdings jemals dazu kommen werde, auf niederländisch zu sagen, dass ich den schönsten Bart in Deutschland habe, weiss ich nicht. Wie dem auch sei: Geile Fahrt, wir hatten alle viel Spass!

Und zu guter Letzt nehmen sie einem auch noch die Worte vorweg, die man zum Trinkgeld zu sagen gedenkt. Ich verlangte 17,20 €, daraufhin wurde mir ein Zwanziger gereicht. Ich wurde schief angegrinst und dann hieß es:

„Das ist schön.“

Schön, gut, nett, alles das Gleiche! Ja, und trifft auch alles auf diese Fahrt zu. Gut, niveauvoll oder anständig ist was anderes, aber immerhin hat der männliche Part der Truppe nicht mein Taxi geswaffelt.

Senti

Die erste Fahrt war mal wieder so ein richtig gelungener Treffer, eine Fahrt wie sie die meisten Kollegen davon abhält, sich an den Ostbahnhof zu stellen. Gerade mal 6,80 € sind auf dem Taxameter zusammengekommen, und wenn ich ehrlich bin, dann auch nur deswegen, weil mein Kunde die Hausnummer derart ungenau beschrieb, dass ich am Ende noch ein paar hundert Meter Umweg fahren musste.

Aber wenigstens war es eine nette Fahrt, der Kerl war gut drauf, ich auch… also was soll es?

Am Ziel zückte er trotz Monatsanfang auch nicht etwa einen Fuffi, sonder meinte zu meiner Freude:

„Ha! Endlich werd ich mein ganzes Kleingeld los!“

„Na dann immer her damit! Ich kann Kleingeld gebrauchen!“

Als er mir dann einen Fünfer reichte, wunderte mich das schon, aber er hat tatsächlich nochmal ganze 4 € mehr oder minder klein nachgelegt. Im Übrigen in durchaus brauchbaren Münzen, kein Rotgeld.

Beim Einwerfen ins Portemonnaie ist mir dann eine allerdings doch aufgefallen:

10 estische Senti, Quelle: Sash

10 estnische Senti, Quelle: Sash

Insbesondere da die Produktion dieser Münzen inzwischen eingestellt wurde, denke ich doch stark, dass es zugleich das erste und letzte Mal gewesen sein wird, dass ich 10 Senti aus Estland in der Fingern halten werde. Da die Münze umgerechnet nur etwa 0,64 Cent wert ist, werde ich mir einen Umtausch wahrscheinlich ersparen 🙂