Die Sache mit den Zielen…

Das Schönste und Schlimmste (je nachdem) am Taxigewerbe ist die Unberechenbarkeit. Mal läuft es, mal nicht. Ein Kollege von mir ist beispielsweise letzte Woche zweimal binnen zwei Tagen nach Cottbus gefahren. Noch dazu für gar nicht schlechte 210 €. Ich hab in jetzt bald zweieinhalb Jahren noch keine Tour über 100 € gehabt… so ist es eben.

Da aber unser Gehalt vom Umsatz abhängt, hat wahrscheinlich jeder Fahrer da draussen ein gewisses Ziel vor Augen, wenn er sich ins Auto setzt. Wie hoch das ist, das hängt natürlich vom Fahrer, vom Tag und wenn es dann eng wird auch mal von der Laune ab. Manche sehen einfach zu, dass sie einen oder zwei Hunnis einfahren, manche haben einen anderen Tagesschnitt vor Augen, manche variieren ihn sogar, um ein Monatsziel zu erreichen. Und ja, es gibt auch Fahrer, die einfach ihre Stunden runterrocken und am Ende mal durchzählen. Ein bisschen versuche ich das gerade auch so zu halten, weil ich am Umsatz letztlich ja nichts drehen kann.

Aber irgendwie ist es dann ja doch schön, wenn „der obligatorische Hunni“ oder was auch immer endlich in der Kasse ist.

Und so stand ich neulich da, und hab gehofft, dass ich jetzt mit der letzten Tour wenigstens den oben genannten erreiche. 10,70 € mussten es noch sein. Ich bekomme eine Tour und denke, dass das passen könnte. Nebenher mal das Navi angeschmissen, und siehe da:

„Yes, das werden 11 €!“

Einfach so fürs gute Gefühl. Aber Kunden können auch fies sein:

„Ach, lassen sie uns hier an der Ampel raus, wir laufen den Rest.“

„Alles klar, sehr gerne doch. Das sind dann 10,40 €.“

Argh!
Aber andererseits hätte ich mich sonst wahrscheinlich nicht so sehr über die Kurzstrecke gefreut, die ich auf dem Rückweg noch bekommen habe 🙂

14 Kommentare bis “Die Sache mit den Zielen…”

  1. Mal verlierst du und mal gewinnen die Anderen. 😉

  2. Marcus sagt:

    Wie kriegt ihr diese Preise hin?…..letztes Jahr wollte mich kein Taxifahrer für eine gleich lange Strecke ( Linz-Passau ) für unter 500euronen mitnehmen pfff.

  3. Seismo sagt:

    Marcus: meinst du Linz an der Donau? Wenn ja, wieviele Taxler hast du da gefragt? Viele können es nicht gewesen sein da dieser Preis weit jenseits von den bei uns üblichen Überlandpreisen liegen würde. Bei uns ist Überland ein Preis von 2,- bis 2,20 üblich. Üblich deswegen weil der Überlandtarif nicht geregelt ist, im Tarif steht lediglich dass dieser der freien Preisvereinbarung unterliegt.

  4. Seismo sagt:

    Sag mal bist du der Marcus der letztes Jahr beim Generali Ladies ein paar mal mit mir gefahren ist? Hättest mich nur anrufen brauchen, ich hätte dir ausserhalb meiner Dienstzeiten schon einen netten Fahrer organisiert. 😉

  5. Waaaaaaaaah?! 2€-2,20€ für weite Fahrten? In was für einer wunderbaren Welt fahrt Ihr denn? Bei uns wird auf den normalen Fahrpreis ein massiver Rabatt gewährt, wenn die Fahrt weit genug ist. Trotz 19% Umsatzsteuer im Preis (ab 50km, vorher 7%) und unbezahlter Rückfahrt.

    Aktuell ist ein selbstfahrernder Unternehmer hier letzte Woche für 350€ eine 450km-Strecke nach Dänemark gefahren. Okay, da hätte ich abgewunken. Aber für 450€ hätte ich sofort den Diesel gestartet. Wenn nach allen Kosten mehr übrig bleibt als bei den zu erwartenden Kurzfahrten für den Rest der Schicht ist Cheffe zufrieden. Und das passiert so bei 1,00-1,50 Euro, da liegt je nach Unternehmen und Zeitpunkt die Schmerzgrenze. Alles darüber hinaus ist super und wird gerne genommen. Aber definitiv nicht üblich.

  6. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    So sieht es aus 🙂

    @Marcus:
    Hmm, hab jetzt nicht geschaut, aber der Kollege meinte, es wären 130 km, da ist der Preis klasse.

    @Torsten Bentrup:
    Naja, also etwas Aufschlag ist hier ja auch. Da hier mit 1€/km gerechnet wird, liegt ein Preis von 2€ ja nahe, wenn man ewig lang leer zurück fährt. Allerdings ist bei uns in Berlin 1,4 bis 1,6 eher realistisch, schon weil es sonst keiner zahlen würde.
    Ich vermute den Unterschied allerdings in der Bezahlung der Fahrer: Wir haben hier ja nur die Umsatzbeteiligung, und die ist hoch. Ergo: Bei einer langen Fahrt zahlt Cheffe ja schon über die Hälfte für den Fahrer, da wird es irgendwann unrentabel, denke ich mal.

  7. Ähem, wir berechnen da auch nur die einfachen Kilometer bei den 1,0-1,2€… Aber Dein Argument ist schon schlüssig. Hier ist Umsatz/Stunde wichtig. Wenn die Grundkosten gedeckt sind, fallen halt nur noch Steuern, Sprit, Verschleiß an.

  8. Marcus sagt:

    Ja genau der bin ich, und JA ich hab dich mehrmals probiert zu erreichen…..aber du hattest permanent das Handy aus.

    Ich hab vier Fahrer am HBF gefragt….viel mehr standen da eh nicht.

  9. Seismo sagt:

    Ach Mist, nächstes Jahr darf ich das Handy ausserhalb des Diensts nichtmehr ausschalten wenn du in Linz bist. Die von dir genannten Preise sind absolut überhöht. Manchmal frag ich mich echt was bei meinen „Kollegen“ (speziell die vom Bahnhof) falsch läuft. Statt dass sie sich freuen eine so schöne Fahrt zu bekommen wollen sie die Kunden noch zusätzlich abzocken. Das kanns doch echt nicht sein.

  10. Seismo sagt:

    Da hab ich mich etwas undeutlich ausgedrückt. Der km kostet 1,- bis 1,10, die Rückfahrt ist bei uns aber zu bezahlen. Darum auch der relativ hohe Preis. Sollte ich für 450 km einen Fahrpreis von 350,- akzeptieren müsste ich mir vermutlich einen neuen Unternehmer suchen. Klar wird bei uns auch verhandelt was den Preis betrifft, aber mehr als 10 Prozent gebe ich prinzipiell nicht, und das ist auch das was von meinem Chef abgesegnet ist. Bei der von dir genannten Strecke hätte ich unter 800,- den Motor sicher nicht gestartet.

  11. Seismo sagt:

    Wie hoch ist denn bei euch die Umsatzbeteiligung? Bei uns sind 40% der übliche Satz.

  12. Sash sagt:

    @Seismo:
    Bei uns ist 40% eher der untere Wert – wobei einige Kollegen mir schauerliche Sachen erzählt haben, wie „bei besonders niedrigem Umsatz kriegen wir nur 33%“
    Also ich bekomme 45% brutto und ich hab noch von keinem gehört, der legal mehr bekommt. Die Gerüchte, dass manche Klitschen 50 netto auf die Hand geben, ordne ich entsprechend ein…
    Neulich hab ich aber auch ein interessantes Modell gehört: 42% und bei Erreichen von 3000 € Umsatz noch eine Prämie von 100 € obenauf.

  13. Nico sagt:

    Bei uns sind es seit anfang Dezember ab dem 7. Kilometer 1,60€ vorher waren es 1,50€ und dover seit der Euro einführung 1,20€ (wobei es davor 2,40DM waren)

    Bei uns gibt es immer wieder mal fahrten über 50km zu Flughäfen.
    Meine bisher beste Fahrt waren 450€ von Oberfranken/Bamberg bis nach Zell am See in Österreich, aber mindestens einmal im Jahr nach Frankfurt (um 300€) und ich war bisher 3 mal in Leipzig (250-300€)

    Ich gehe jeden Tag von unterschiedlichen Umsatzzielen aus, kommt drauf an, welche Disko wann offen hat.
    grob gesagt (aufgrund meiner Jahrelangen aufzeichnungen) gehe ich von Samstag 250€, Freitag 200€ und die Restlichen Tage 100€ aus, aber das sind mindest Umsätze im mittel, wobei es auch Jahreszeiten gibt in denen man das etwas nach unten Korrigiern muss, so um 20%.

    Witziger weise habe ich festgestellt, daß ich bei 7-8 Stunden meist mehr Umsatz mache als wenn ich schon um 8 uhr anfange und bis 6 uhr fahre.

  14. Sash sagt:

    @Nico:
    Kenne ich. Bis auf sehr wenige Ausnahmen waren die lukrativen Schichten dann doch die, in denen es schnell ging. 🙂

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