Wat ein Anfang!

So, der Mai schlägt erstmalig zu, und endlich stimmen auch die Umsätze mal wirklich wieder. Ich hab das erste Mal seit 18. Februar (!) mal wieder über 200 € in einer Schicht gemacht.

Mir sind die Kunden nur so zugeflogen, noch dazu die mit den lukrativen Touren. Es ist einfach schön, wenn selbst die Fahrgäste mit den kurzen Fahrten fast allesamt positiv auffallen. Bezeichnend hierfür wären zum Beispiel der Kunde, der seine Tour für 8,00 € mit 12 bezahlt hat und meinte, er danke mir „von ganzem Herzen“ – oder der nette Herr, der in irgendeiner leitenden Position bei der aktuell laufenden „Körperwelten“-Ausstellung sitzt, und mir bei 6,80 € Rechnungsbetrag neben 1,20 € Trinkgeld gleich 2 Freikarten für die Ausstellung hat zukommen lassen.

Es geht nicht immer nur ums Geld in diesem Job – aber wenn das Einkommen auch noch stimmt, dann macht es doch gleich doppelt Spaß! In diesem Sinne einen fröhlichen Mai euch allen!

Pechvogel des Tages

Juhu, die Durststrecke hat ein Ende! Die gestrige Schicht lief wie eine normale Wochenendschicht, die Ferien sind vorbei und der Mai macht sowieso alles neu! Soweit eine sachliche Zusammenfassung meiner Hoffnungen und Wünsche.

Wie immer hab ich am Wochenende wenig Zeit, und verwende den Platz hier nur für einen kurzen Wettbewerb mit Klaus. Der hat mir heute früh am Ostbahnhof schon angedroht, ich müsste wieder als persönlicher Pechvogel herhalten, wenn seine Schicht nicht so laufen sollte, wie er sich das vorstellt.

Dann lege ich doch mal vor:

Meine Tour heute Morgen hat 6,60 € gebracht. Wer bringt jetzt wem Unglück, Klaus?

(Aber abgesehen davon gab es 2,40 € Trinkgeld, und die Tour hat direkt zum Abstellplatz meines Autos geführt. Also so richtig mies drauf bin ich deswegen auch nicht 😉 )

Die Fahrgäste da aufnehmen

…wo sie passieren.

Wochenende: Endlich mal wieder keine langen Wartezeiten!

Naja, eigentlich lief es den ganzen Monat nicht so sonderlich gut, und das reichte bei meinem Glück sogar bis in die Wochenendschichten hinein. Aber glücklicherweise gibt es an Freitagen und Samstagen eben doch die ein oder anderen Winker. Das bedeutet einmal mehr nicht länger leer zu einem Halteplatz gurken, nicht unbezahlt und unbesetzt irgendwo rumstehen und Zeit verschwenden – jeder Winker ist mir prinzipiell doppelt so lieb wie eine Tour vom Stand.

Und Winker sind tatsächlich immer gut. Seien es die in den hintersten Außenbezirken, die einem schöne Fahrten in die Stadt rein bescheren, oder die mitten in der Stadt, mit denen man gar nicht rechnet, weil man nur einer von zahlreichen kreisenden Geiern ist.

So gesehen war es wirklich ein Glücksgriff, ausgerechnet an der Boxhagener Straße – müsste Höhe Simon-Dach gewesen sein – rangewunken zu werden. Eine junge Frau, vielleicht 25. Sie winkte direkt vom Kneipeneingang aus, was mit der Grund gewesen sein mag, weswegen der Kollege 15 Meter vor mir auf der Straße sie nicht wahrgenommen hat. Zudem war sie dunkel und unauffällig gekleidet.

Sie stöckelte zu meinem aprupt angehaltenen Taxi und meinte:

„Meine Kolleg kommt sich gleich raus. Brauchen noch eine Minute!“

Na das nenne ich mal erträglich.

2 Minuten später kamen zwei Jungs aus dem Lokal, beide keiner meiner beiden Sprachen wirklich mächtig, und formulierten mit Hand und Fuß, dass es eine Minute dauern würde. Diese Zeit dauerte es etwa, bis die anfänglich beschriebene Dame wieder aus dem Laden gestürmt kam, dieses Mal wild gestikulierend und mit englischen Worten auf den Lippen:

„Sorry, I am so sorry! She will come soon!“

Sie stellte mir die beiden Jungs, Pedro und Sandro vor, was dazu führte, dass sie mich nervös anlächelten und so taten, als hätten sie mit sich selbst nicht das geringste am Hut. Sandro schien das tatsächlich unangenehm zu sein, und so begleitete er die Winkerin wieder ins Lokal, um den ominösen vierten Fahrgast aufzutreiben.

Pedro versuchte mit rotem Kopf erfolglos, sich in Luft aufzulösen.

In den folgenden 2 Minuten habe ich mir überlegt, vielleicht doch besser das Taxameter anzuschalten. Kurz mal ranfahren ist ja ok, aber inzwischen sind etwa 15 bis 20 Kollegen an der Ecke vorbeigefahren. Wenn jemand jetzt unbedingt noch einen letzten Drink nehmen will, dann kann man das Taxi doch auch danach erst anhalten. Oder eben den Preis zahlen, den die Bereitstellung kostet.

Aber ich hab es gelassen. Ich freu mich über Winker, ich weiss ja, dass man sich nicht immer schnellstens lösen kann und anderswo hätte ich sicher auch gewartet. Mal ganz abgesehen von dem Theater, den es bedeuten würde, wenn jemand einsteigt, und da schon 7 € auf der Uhr stehen…

Und darauf wäre es sicher beinahe rausgelaufen, denn auch Pedro verschwand noch einmal in der Bar. Dann allerdings kamen sie zu viert raus. Und wie! Die vierte Person war weiblich, und eine Vorzeige-Schnapsdrossel erster Güte. Die beiden Jungs stützten sie auf Geheiß der zweiten Dame, was allerdings nur bedingt fruchtete. Die junge Frau war offensichtlich recht hastig auf der Toilette eingesammelt worden, was ich erschreckenderweise nicht aus Erzählungen erfahren habe. Allzu sehr ins Detail gehen möchte ich nicht, darum stoppe ich hier.

Das Einsteigen hat dann auch keine ganze Minute mehr gedauert, wahrscheinlich weil ich das Taxameter umgehend beim ersten Kundenkontakt mit meinem Auto schnellstens angeschmissen habe. Am Ostbahnhof wäre ich in der Zeit sicher auch 5 Plätze vorgerückt…

„Wir gehen in die, äh the the A&O-Hostel…“

„Boxhagener Straße?“

„Yeah! Right! Must be somewhere nearby…“

Das hätte ich als Tourist unter einem Straßenschild mit der Aufschrift „Boxhagener Straße“ auch mutmaßen können 🙂

Also war die Tour entsprechend kurz. Knapp ein Kilometer um genau zu sein, oder anders ausgedrückt: Alle bis auf die letzte Kundin hätten in der Zeit auch laufen können. Naja, besser 4,80 € als gar kein Umsatz und außerdem eine Erinnerung mehr, die mich mahnt, das Taxameter doch schnell zu starten! Und immerhin weiss ich jetzt, dass es  Tamponschnüre auch in blauer Farbe gibt. Ach Mist, ich wollte doch nix mehr dazu sagen!

Blaaaaah*

„Zum Lido?“

„Nee, ich glaub nicht, dass das das Lido war…“

Einigkeit unter potenziellen Fahrgästen ist stets schön 🙂

Das Lido war offensichtlich nicht wirklich die Adresse, zu der sie wollten, denn zumindest der eine behauptete felsenfest, sie müssten zum Kottbusser Tor. Um selbiges herum kenne ich vom Vorbeifahren zwar ein oder zwei Locations, wo es gelegentlich Schlangen von Partygästen gibt – einen Namen für irgendeinen Club dort kenne ich allerdings nicht. Die nächsten beiden, die ich im Umfeld kenne, sind eigentlich der Tresor und der Farbfernseher. Davon sollte es keiner sein.

So ein bisschen soll es schon wie Lido klingen, aber es geht ganz sicher nicht zum Schlesischen Tor, sondern zum Kottbusser.

Sind jetzt nicht gerade meine Lieblingsfahrten, wenn das Ziel nicht feststeht, aber die Jungs waren recht nett und erweckten auch nicht den Anschein, als würden sie es mir übelnehmen, dass ich auf die Frage nach einem namenlosen Club ohne sonstige Merkmale keine Antwort hatte. Sie würden es schon erkennen, wenn sie da wären. Aber erstmal zur Tanke!

Kaum eingestiegen kam die tollste aller Fragen:

„Machste Fuffzehn Festpreis?“

„Haha, im Ernst Jungs: Ich darf nicht. Aber 15 würde ich verdammt gerne machen!“

„Äh, na dann halt 12 oder so…“

Das Thema hatte sich schnell erledigt. Sollte die Fahrt am Kotti beendet sein, wären das mit Tankstellenstopp vielleicht 8 €.

„Willste auch was?“

„Nee danke, ich bin versorgt!“

Es ist immer eine nette Sache, wenn Kunden einen zu irgendwas einladen wollen – ich bin da trotzdem meist freundlich zurückhaltend.  Der eine ist dann mit zwei Bier im Gepäck zurückgekommen und es herrschte höchste Freude, als ich ihnen erlaubt habe, es aufzumachen. Mit dem netten Hinweis, dass ich nicht erpicht darauf bin, nachher die Kronkorken im Auto zu finden.

Am Kotti angekommen haben sie natürlich gar nichts wiedererkannt, und auch ein bisschen rumfahren half nicht wirklich. Letztlich hab ich sie dann doch vor dem Lido abgesetzt mit dem Verweis darauf, dass der Club der Visonäre auch noch in Fußweite liegt. Sie haben es wirklich bis zum Schluss nicht so recht geschafft, mir begreiflich zu machen, nach was sie eigentlich genau suchen würden – mal ganz abgesehen vom Lido am Kottbusser Tor.

Zusätzlich zu einem netten Trinkgeld (der Betrag lag aber immer noch unter den 15 €) bekam ich dann sogar noch ein Snickers geschenkt, das mein Fahrgast wohl an der Tanke noch extra für mich geholt hat. Manchmal sind sie ja schon super, die Kunden!

Dummerweise lag die schokoladige Köstlichkeit dann ein oder zwei Minuten direkt vor dem Bildschirm des Navis. Offenbar vom dort gezeigten Kartenmaterial inspiriert, begann sie wegzulaufen. Vielleicht lag es auch an der Hitzeentwicklung in dem Bereich…
Ich hab das Problem dann gelöst, indem ich das Teil auf die Lüftungsschlitze für die Frontscheibe gelegt und die Belüftung auf Kalt gestellt habe. Man muss sich nur zu helfen wissen 😉

*Der Titel wurde im Rahmen der Kommentare meiner Facebook-Gruppe gefunden. El Programador hat den Vorschlag gemacht, ohne den Inhalt zu kennen.

Trinkgeldversprechen

Im Allgemeinen halte ich mich wirklich daran, Trinkgeldversprechen nicht zu trauen. Ich habe vor einiger Zeit zwar schon ein nettes Gegenbeispiel verbloggt, aber im Allgemeinen gilt doch immer wieder, dass man sich auf Aussagen von Kunden nicht verlassen sollte. Warum das so ist, weiss ich selbst nicht. An Unzufriedenheit lag es nach meinem Wissen zumindest bei mir im Taxi noch nie.

Die längste Tour des Wochenendes war ein schönes Beispiel dafür. Eine Gruppe junger Leute hat am Ostbahnhof am frühen Morgen ein Großraumtaxi gesucht. Dann hieß es aber auf die fünfte Person warten und außerdem gedachten sie, noch eine Zigarette zu rauchen. Bei dem Spielchen mit dem Warten mache ich gerne mit – allerdings hat das Grenzen. Ich hab da keine feste Linie, dass ich nur eine Minute pro Euro Umsatz warten will oder so – aber diese Spinner damals haben es echt so sehr ausgereizt, dass ich es mir inzwischen überlege.

„Wo soll es denn hingehen?“

hab ich gefragt. Abgelehnt hätte ich sie so oder so nicht. Aber übers Taxameter einschalten darf man schon nachdenken, wenn es nur um einen Fünfer geht. Oder ich stehe eben doch anderen Kunden zur Verfügung. Bei aller Lockerheit will ich ja trotzdem ein wenig Geld verdienen.

„Nach Falkensee. Lohnt sich also.“

Hossa! Klar, es liegt außerhalb – aber dafür reden wir hier auch von 35 bis 40 € Umsatz.

„Und sagen wir mal so: Wenn du uns noch rauchen lässt, dann springt auch ein bisschen mehr Trinkgeld raus…“

Na klar.

Die Fahrt war tatsächlich sehr entspannt, und mir wurde immer klarer, dass es eine wirklich lange Tour werden würde. Sie mussten alle an unterschiedlichen Adressen raus, ich hatte also richtig viel Glück. Gott sei Dank hatte ich nicht irgendeinen Festpreis ausgemacht 🙂

Als die ersten Ratten das Schiff verließen, stand die Uhr bei knapp 30 €, allerdings geschah jetzt etwas recht seltenes. Auf einen Sammelaufruf zückten wirklich alle schnell ihr Portemonnaie, und der der zuletzt aussteigen sollte, bekam tatsächlich in Windeseile 55 € zusammen fürs Taxi. Normalerweise wird da erst mal rumgerechnet, wer jetzt wie viel zahlt, manchmal geht es da echt um Cent-Beträge. Hier nicht. Die 55 € schienen zunächst ein absurd hoher Betrag zu sein, aber es stellte sich heraus, dass der junge Mann sogar noch ein Dorf weiter wollte…

Nach und nach hab ich die Leute abgesetzt, und zu guter Letzt sind wir dann an einem Kaff unweit der B5 gelandet, die für mich die morgendliche Einflugschneise nach Berlin werden sollte. Mein inzwischen ziemlich müder Fahrgast lotste mich zu seinem Haus, und das Taxameter stoppte die Zählung bei 49,10 €. Wow!

Da kann man doch nur froh lächeln in Anbetracht der Tatsache, dass er 55 € fürs Taxi bekommen hat. 🙂

Denkste!

„Hier haste 50. Stimmt so – und eine angenehme Schicht noch!“

Zugegeben: Hier war die Fahrt schon Belohnung genug – aber man denkt sich seinen Teil. Die zweitlängste Tour an dem Abend hab ich übrigens quasi genauso beendet. Die Uhr stand auf 24,80 €.

„Das war jetzt aber eine echt nette Fahrt. Machen sie mal 25.“

Gutes Timing

Hallo zurück erstmal, liebe Leser!

Eine Woche Funkstille ist nun vorbei – aber da die Klagen so zahlreich nicht waren, hoffe ich doch, dass ich gleich zur Tagesordnung übergehen kann 😉
Nur so viel: Ich war krank, hatte Besuch und nebenbei auch oft keinen Bock. Da muss auch mein Blog mal ein wenig leiden.

Heute dann der langersehnte Start, der Wiedereintritt – oder was einem sonst noch so für Vokabeln einfallen, die man in Anlehnung an den ersten bemannten Raumflug vor nunmehr 50 Jahren verwenden kann…
So spektakulär wie Gagarins Flug war meine erste Schicht natürlich nicht. Weder hat meine Kiste den Weltraum erreicht, noch ist sie ins Trudeln gekommen, und einen Orden von der russischen Regierung werde ich wahrscheinlich auch nicht bekommen. Sei es drum. Es war ja nur eine total langweilige Dienstagsschicht.

Ich bereite mich auf die Schichten ja durchaus unterschiedlich vor. Nicht arg, aber in Nuancen. Während ich Samstags zum Beispiel dafür sorge, dass ich ein paar Knabbereien dabei habe, die ich schnell nebenher essen kann, sorge ich mich Dienstags wesentlich mehr um Zigaretten und Lesestoff. Wer denkt schon daran, beim Fahren zu essen, wenn man sowieso 6 von 8 Stunden rumsteht…

Insofern war die Schicht nicht nur was seichtes zum Wiedereinstieg, sondern gleichzeitig auch eine erneute Geduldprobe. Eine Tour pro Stunde hab ich gerade so hinbekommen, das Gesamtergebnis blieb dennoch zweistellig. Dennoch spreche ich von gutem Timing in der Überschrift. Weswegen?

Also zum einen hab ich die Bahn zum Heimfahren punktgenau erwischt. Das ist in der Tat nicht schlecht, denn die fährt Nachts ja nur im 30-Minuten-Takt. Aber damit will ich nun wirklich niemanden langweilen.

Nein, es ging natürlich um eine Tour. Als ich heute einmal fast eine Stunde vor dem Ostbahnhof versauert bin, trat ein Mann an einen Kollegen vor mir heran, setzte sich in sein Auto und redete. Dann stieg er wieder aus und ging zu einem weiteren Kollegen. Soweit nichts ungewöhnliches, Preisverhandlungen sind ja letztlich – ob legal oder illegal – an der Tagesordnung.
Als er dann zu einem dritten Kollegen wechselte, wurde ich neugierig. Er war zwar bisher überall abgeblitzt, aber selbst der blödeste Vollpfosten fragt nicht 3 Taxifahrer, ob er eine 30€-Tour für 10 kriegt. Ich vermutete sowas wie „an der Bank halten“, Kartenzahlung oder eine kleine Finanzdifferenz von einem 5er – den man ja eventuell auch wieder an einer Bank ausgleichen könnte.

Inzwischen haben sich die ersten beiden Kollegen unterhalten, und es kam heraus, dass der Kerl wohl nach Bernau wollte. Ui!
Dem ersten Kollegen hat er einen Zwanni geboten, was dann locker die Hälfte unter einem halbwegs plausiblen Angebot liegt. Kollege 2 allerdings hat schon 30 geboten bekommen, und so überlegte ich zum einen, wie viel ich verlangen würde – zum anderen, wie viel er bieten würde, wenn er die Taxen der Reihe nach durcharbeitet und immer um einen Zehner erhöht 🙂

Letzteres hätte 70 € für die Tour gebracht, aber das war natürlich eine absurde Annahme. Ich hab also mal geschaut, wie weit das genau ist. Mein Navi meldete was von 25 Kilometern, und ich wartete weiter. Für 30, naja… 33 Euro hätte ich ihn eingesackt. Versaut zwar den Schnitt, aber an einem Dienstag… und selbst mein Chef freut sich im Zweifelsfall erst mal über den Umsatz. Eine gigantische Ferntour, bei der die Kilometer dann wirklich schmerzhaft werden, sieht ja dann doch anders aus.

Aber soweit kam es nicht.

Kollege Nummer 4 hat irgendeinen Deal ausgehandelt und ist mit ihm von Dannen gefahren. Damn! Ein paar Minuten mehr blieben mir also nicht erspart.

Meinen Fahrgast bekam ich aus einem ganzen Pulk an Leuten, und ja: Es war sekundengenaues Timing, dass ich just ihn erwischte. Und… Moment mal! Den kennste doch!

Es war niemand anders als der personifizierte Glücksgriff unter den regelmäßigen Fahrgästen am Bahnhof: Ein Geschäftsmann, der bis nach Zehlendorf fährt und immer gute 3 € Trinkgeld gibt. Meine erste Fahrt mit ihm hatte ich bereits in meinem ersten Monat. Siehe hier.

Er war damit – nach langer Pause – das dritte Mal (Rekord!) Gast in meinem Auto, und wie schon beim zweiten Mal erkannte er mich nicht wieder. Das macht mich jetzt nicht fertig, ich bin nur einer von zahllosen Taxifahrern und zudem hat der werte Mann die Angewohnheit, die Fahrt nach Hause mit Zeitunglesen zu verbringen. Das erste Mal hat mich seine Schweigsamkeit noch tierisch nervös gemacht, inzwischen freue ich mich darüber, denn bei ihm weiss ich inzwischen, dass es keine eisige Kälte ist, sondern er lediglich seine Fahrt gerne ruhig und lesend verbringt.

Auf den Fahrtpreis war ich selbst gespannt, da ich ihn seit der Tariferhöhung nicht mehr gefahren habe, und er außerdem inzwischen auch eine zweite Route vorschlug, die ich dann lieber genommen habe als seinen Standardweg.

Am Ende lief es auf 31,00 € raus, nicht auf die 29,60 €, die damals noch Standard waren.
(ich hab ja damals mit Fahren nach Navi sogar 28,90 € hinbekommen und hätte es noch billiger geschafft…)
Aber auch er hat seinen Preis angepasst und 34 € gegeben. 😀

Gut, wie eingangs erwähnt: Deswegen ist die Schicht noch nicht zu einem Rekord geworden – aber wenn ich jetzt überlege, wo ich ohne die Tour sein könnte…

Manchmal ist es dann doch schön, wenn man nicht den Erstflug wagt, sondern in bekannten Gewässern schifft.

Wie ich mal eineinhalb Touren vom Ostbahnhof fuhr…

Zugegeben, die ein oder andere verkürzte Tour hatte ich ja schon. Die heutige Nacht sollte aber tatsächlich einen besonderen Glücksfall an meiner Stammhalte für mich bereithalten.

Zunächst war es alles andere als toll. Die Wartezeit war mit 45 Minuten zwar nicht das Maximum, aber auch nicht gerade das, was man sich am Wochenende so erhofft. Gut, ich habe die Zeit genutzt, mich mit Kollege Carsten zu unterhalten, wir hatten uns schon ein paar Tage nicht gesehen. Dann kam der Auftritt eines jugendlichen Milchbubis, der aus lauter Panik vor der fremden Sprache nicht einmal registrierte, dass ich ich ihm durchaus auf Englisch geantwortet habe.

„English?“

„Yes, a little bit!“

„You know a student home?“

Ich nehme an, er meint ein Studentenwohnheim…

„Its a big comlex…“

Aha.

Ich hab ihn dann gefragt, ob er eine Adresse hätte. Natürlich Fehlanzeige!

„Do you know in which area it is located? You know a station nearby?“

„It is, äh… somewhere, äh… like Wiesenhausen!“

Wiesen-Hausen…

Also das sagte mir mal gar nix. Vielleicht Weissensee? Oder Biesdorf? Der junge Kerl hatte keine Ahnung und war ziemlich verzweifelt. Sicherheitshalber hab ich ihn aufgeklärt, dass ich ihn nicht ärgern will, aber dass Berlin nunmal groß ist, und es für keinen von uns sonderlich sinnvoll wäre, wenn ich ihn jetzt ins völlig falsche Eck der Stadt fahren würde. Ich bat ihn, doch wen anzurufen, und wie üblich ist ihm die Idee tatsächlich vorher nicht gekommen.

Genutzt hat es nur bedingt etwas:

„Biesdorf!“

Ja, das ist ein Berliner Stadtteil. Einer von rund 100. Insofern ist die Suche schon mal eingegrenzt. Carsten meinte, dass da an der Oberfeldstraße etwas derartiges sei, und auch mir fiel ein, dass ich da in die Ecke schon mal Leute gebracht hatte. Wohin genau? Argh!

„What would it cost?“

„A bit more than 20 €. 22 maybe.“

„Ok. You’re a lucky guy! Bring me there!“

Dass die 20€-Tour gut war, schien er also zu wissen – allerdings nicht, in welche Straße er musste. So sonderlich „lucky“ hab ich mich nicht gefühlt. Aber ich war guter Dinge, dass wir das hinkriegen. Und wenn ich am Ende für 2 Kilometer die Uhr ausmachen müsste – das wäre wenigstens die gute Tat für den Tag.

Der sichtlich erleichterte Jüngling bat mich, durchzustarten, und so wendete ich also…

„Wait wait! Can you stop here!?“

„Äh, of course…“

„See… oh, I’m sorry! There are my friends! I just go with them! Is this ok?“

Da stand ich also. Direkt vor meinem Lieblingsbahnhof. Seit meiner Ankunft war inzwischen eine Stunde vergangen. Ich hatte 3,20 € auf der Uhr und mich gerade gefreut, mal eben schön 20 € einzufahren. Aber was sollte ich sagen?

„Nein, du musst jetzt im Auto bleiben!“

„Ja, aber du musst jetzt die ganze Fahrt bezahlen!“

„Hör zu: Ich lass dich sowieso nur leben, wenn du mir deine Schwester schenkst!“

Meine Fresse, natürlich hab ich mich geärgert, dass diese blöden Freunde ausgerechnet jetzt am Taxistand vorbeischlendern mussten. Hätten die das nicht 5 Minuten früher oder später tun können? Aber gut, jetzt hatte ich den Salat.
Der junge Kerl hat mir allerdings auch ohne zu handeln oder sonstwie betrübt darüber zu sein, die 3,20 € mit zwei Zweiern beglichen. Es war ihm auch unangenehm. Was sollte ich schon dagegen sagen. Wer weiss: Vielleicht hat er mir auch eine Tour mit ewigem Gesuche erspart.

Am Bahnhof war es glücklicherweise immer noch ziemlich leer, was Taxen anging. Also legte ich den Rückwärtsgang ein…
Da öffnete sich das Fenster bei einem Kollegen:

„Na komm, fahr kurz wieder vor!“

Gleich zwei Kollegen haben mich vorgelassen, und da dort gerade Platz war, hab ich mich dort dann zwischen den Danksagungen eingereiht. Ich war quasi umgehend wieder Dritter. Gefragt hätte ich danach nicht, denn natürlich stellt man sich auch nach jeder anderen 4€-Tour wieder hinten an…

Im Übrigen hab ich mit beiden entsprechenden Kollegen bis dato höchstens mal ein „Abend!“ gewechselt. Ich kenne sie im Grunde nicht. Das macht das Angebot umso ehrenwerter! Wenn sie allerdings gewusst hätten, was das bedeutet…

10 Minuten später:

„Sagen sie, was würde es denn etwa bis Grünau kosten?“

„Hm, 30 €? Vielleicht 35…“

Aber gut, es war eine Großraumtour, die beiden Kollegen mit ihrer E-Klasse hätten sie so oder so nicht bekommen. Sonst hätte ich ernstlich ein schlechtes Gewissen 🙂
Naja, die Tour war sehr nett, allerdings Trinkgeldlos. Aber besser anderthalb Touren als nur eine halbe…