„Halt!“

Der piepsige Ruf kam etwas unerwartet. Papa und Mama hatten gerade ihre schweren Reiserucksäcke mit meiner Hilfe in den Kofferraum gewuchtet und waren jetzt eigentlich gewillt, im Taxi Platz zu nehmen. Aber ja, ganz fertig waren wir da hinten noch nicht. Der kleine Justin-Severin streckte mir weltmännisch seinen Rucksack entgegen, ein kleines blaues Teil von der Größe einer Saftpackung und dem Gewicht eines Federmäppchens. Und er bestand ernsten Blickes darauf, dass der selbstverständlich auch in den Kofferraum muss. Wo er Recht hat, hat er Recht!

Also hab ich ihm freundlich sein Gepäck abgenommen, versucht, es nicht versehentlich zwischen meinen Fingern zu zerdrücken und es dann an den Rucksack von Mama gelehnt, die ganz offensichtlich einen Elefanten im Rucksack nach Deutschland geschmuggelt hatte. Danach durfte ich den Kofferraum zumachen und der kleine Blondschopf ist sicheren Schrittes nach vorne, wo er fast schon begeistert auf den Kindersitz gehopst ist.

Sein verantwortungsvoller Umgang mit dem Rucksack war allerdings nur von kurzer Dauer. Bei Aussteigen hatte er bereits vergessen, dass er etwas dabei hatte. Aber zwischen Mamis Daumen und Zeigefinger war noch genug Platz …

Gewissensfrage mit Kindersitz

Kindersitze im Taxi – die Hölle ist ein Scheiß gegen dieses Thema. Zur Vorablektüre für relativ neue Leser würde ich auf meinen Grundsatzartikel zu diesem Thema verweisen. Neben allerlei Infos zum Thema hab ich dort auch meine Meinung gesagt, nämlich dass ich mich garantiert nicht auf irgendwelche halbseidenen Fahrten mit unangeschnallten Kindern einlassen würde. Und was soll ich sagen? Ich hab’s jetzt doch gemacht. Das war freilich kein Stück legal, ich hab’s nicht gern gemacht, möchte es an dieser Stelle trotzdem verteidigen und erklären.

Angefangen hat alles damit, dass ich an meinem Lieblingsbahnhof stand und plötzlich ein freundliches Gesicht zum Fenster hineinsah. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Inder, der gerade eine vierundzwanzigstündige Reise aus seiner Heimat hinter sich hatte und nun kein Taxi für seine Familie und sein vieles Gepäck fand. Sein Kind war definitiv zu klein für meine Sitzerhöhung, also hab ich getreu meinem Grundsatz abgelehnt und ihm vorgeschlagen, ein Taxi zu bestellen.
Das Ganze war natürlich nicht so leicht, schließlich konnte er kein Wort Deutsch und er traute sich auch nicht so recht, bei der Zentrale anzurufen. Eine Nummer hab ich ihm natürlich gegeben. Er wollte indes meiner Anweisung durchaus Folge leisten und betonte auch, dass er extra schon eine deutsche SIM-Karte im Handy hätte. Also hab ich ihm, während ich am Stand vorgerückt bin, geholfen und telefoniert. Er hoffte und hoffte, wurde vom Regen bereits ganz nass, seine Frau und sein Kind saßen noch auf einem Gepäckberg unter dem Vordach.

Und dann? Nix. Die beiden großen Zentralen konnten beide kein Taxi mit einem Kindersitz auftreiben. Normalerweise würde ich auch in diesem Fall die U-Bahn empfehlen, aber die Fahrt sollte nach Lichtenberg, in einen ziemlich abseits gelegenen Wohnblock gehen, eine Unterkunft für seinen Arbeitseinsatz. Mindestens zweimal Umsteigen wäre nötig gewesen, der Fußweg dennoch lang. Dazu kam, dass sie mit 3 großen Rollkoffern, 2 Rucksäcken und eben jenem Kind unterwegs waren, das jetzt selbstverständlich nach der Reise ohnehin nur noch gelegentlich mit einem Auge blinzelte, ob Mami noch da ist.

Also hab ich’s dann doch getan. Die Optionen waren mehr oder minder ausgereizt, die Alternativen waren nicht wirklich welche. Zudem war das Ziel auf einem sehr kurzen Weg über kleine Nebenstraßen zu erreichen, so dass ich mit sehr niedriger Geschwindigkeit und wenig potenziellen Unfallgegnern auch die Gefahren auf der Strecke weiter senken konnte. Es ist wohl einfach wahr, dass keine Regel ohne Ausnahme existiert.

Am Ende ging natürlich alles glatt, das tut es sicher fast immer. Ich bin mir trotzdem sehr sicher, dass das auf lange die letzte Ausnahme gewesen sein wird.

Wieder zurück!

So, herzlich willkommen zum Ende der kurzen Winterpause! Es war zwar ziemlich hart, ganze drei Tage nicht zu bloggen, aber es war eine gute Idee. Zwischen Wohnungsentschmandung und Weihnachtskochen blieb nicht sonderlich viel Zeit. Und selbst wenn die Zeit dann mal gereicht hat, ein paar Minuten an den Rechner zu gehen, ein paar Minuten zu lesen, so war es für mich einfach wunderschön, seit langem einmal wieder nicht das Gefühl zu haben, ich müsse da noch schnell was bloggen. Und mal ganz ehrlich: das plötzliche Auftauchen von Familie ist wahrscheinlich der weltbeste aller Gründe, mal spontan nicht nur im Erst-, sondern auch im Zweitjob eine Pause einzulegen. 🙂

Ich möchte vorweg auch schon einmal danke sagen für die ganzen netten Weihnachtswünsche, Likes und die auch dieses Mal nicht ausgebliebenen Geschenke von euch. So ist Weihnachten immer noch einmal eine Spur schöner und es hat mich ebenso erfreut, dass der ein oder die andere meinen wirklich ernst gemeinten Links der letzten Tage gefolgt ist. Ich mache das ja nicht ohne Grund.

So, jetzt haben wir aber dieses ganze Christmas-Gedöns abgehakt und steigen mal wieder ein ins Blogleben. Das tue ich vorerst mit einer kleinen Kurzanekdote ohne besondere weihnachtliche Moral:

Die letzten Tage vor Weihnachten zogen gerade so ins Land und ich stand wieder einmal an meinem Lieblingsbahnhof. Wie immer nicht alleine, wie immer aber auch einer der wenigen, die sich für ein paar Euro fuffzig auch mal aus ihrem Auto rausbewegen. Der Kollege hinter mir war einer der Sorte, dem es zu viel war, nachzufragen in welches A&O-Hostel die Kundschaft wollte – wahrscheinlich weil er sich vor der Antwort fürchtete. Natürlich mussten sie in die Köpenicker Straße. Fün Euro glatt – ist auch nach 20 eigentlich erträglichen Minuten nicht gerade der Stich, den man sich erhofft.

Aber mal abgesehen davon, dass ich bei kurzen Touren ohnehin kein Nörgler bin, war der Beweggrund der beiden vorsprechenden Damen, für diese kurze Strecke ein Taxi zu nehmen, auch recht offensichtlich: eine von ihnen saß im Rollstuhl und man braucht keinen Hochschulabschluss um sich auszumalen, dass das die Wegstrecke zumindest gefühlt schnell verlängert. Und die Tour gestaltete sich auch allenfalls mittelaufwändig. Nach fünf Jahren Behindertenfahrdienst hab ich keine großen Sorgen mehr, die Abmessungen von Rollis einzuschätzen, die eingeschränkte junge Dame kam ohnehin selbständig ins Auto, es war wieder ein typisches Beispiel dafür, wie wenig Panik man sich eigentlich machen muss.
Wie gesagt: ich hab 5 Jahre damit verbracht, täglich zigfach Rollis festzugurten, Leute umherzutragen, umzusetzen und Hilfestellungen zu geben. Da verweichlicht man nach 4 Jahren Taxi durchaus ein bisschen, aber als ich den Faltrollstuhl mit einem recht geübt aussehenden Handgriff in den Kofferraum bugsiert hatte, stellte ich abermals fest, dass das eigentlich die Touren waren, auf die ich mich damals immer gefreut hatte, weil sie so stressfrei waren.

Ganz so easy war es leider nicht wirklich. Meine Beifahrerin erwies sich als so ironieresistent, dass sie nicht einmal bemerkte, dass ich gar keine ironischen Sprüche brachte. Ihre schlechte Laune wollte ich ihr gerne nachsehen, aber die zackige Ansage, dass ich gefälligst zum Nebeneingang fahren sollte (natürlich nachdem wir daran vorbeigefahren sind) fand ich dann doch, gelinde gesagt, unsportlich. Ich hab die Uhr dann trotz Wendevorgang gleich ausgemacht, ein paar aufmunternde Worte bezüglich des laut rufenden Bettes gemacht, um eine Minute später fünf Euro wortlos in die Hand gedrückt zu bekommen, nur noch gefolgt von der Aufforderung, ja das Kissen nicht im Kofferraum zu vergessen.

Nee, angenehm geht anders. Aber im Vergleich zu meinem Job damals hab ich inzwischen ja ein paar Touren mehr pro Tag, so dass ich eine etwas nervige Tour viel schneller vergessen kann. 😉

Terrornetzwerk

Ich hatte einen Kunden an Bord, der war etwas …

Harmlos!

Also mit einem Terrornetzwerk hatte er zumindest nichts zu tun. Wohl aber ich und mein Auto. OK, spulen wir die unwesentlichen Details mal kurz vor: Ostbahnhof – kurze Wartezeit – kurze Tour – Sperrung der Oberbaumbrücke war bekannt – Verkehr unstressig …

Und dann standen wir da. Die Uhr zeigte etwas über sieben Euro, er gab mir einen Zehner mit dem Vermerk „Stimmt so.“ Mein Lieblingsvermerk übrigens.

Nun musste er nur noch seinen Rucksack einpacken und … das ging nicht. Wegen dem Terrornetzwerk.

Was ich meine, sind diese unpraktischen Netze, die hinten an Fahrer- und Beifahrersitz angebracht sind. Sie sind zwar als praktische Helfer geplant, im Taxi jedoch die letzte Grütze, die ich allenfalls dazu nützen würde, um ihre Erfinder damit einzufangen und zu foltern. Während sie in einem Familienwagen dazu dienen könnten, Lesestoff für die Kleinen zu verstauen, befinden sich im Taxi genau zwei Sorten Dinge darin:

1. Dinge, die unabsichtlich dort vergessen wurden.

2. Müll, der absichtlich da reingelegt wurde.

Nun aber hing da der Rucksack meines Fahrgastes drin. Also nicht komplett, lediglich der Schnapper vom Reißverschluss. Der allerdings so richtig. Nach ein bisschen Gezerre, Geruckel und Gefummel habe ich den Sitz sogar nach vorne geklappt, um mir das Ganze bei Licht anzusehen. Und da war nichts zu machen! Gar nichts! Ich habe keine Ahnung, wie diese beiden Teile ein Verhältnis miteinander eingehen konnten, rein physikalisch war das nicht zu erklären. Ich wähnte mich kurz in einem schlechten Knobelspiel, in dem man scheinbar unentwirrbare Teile voneinander trennen muss, indem man den zunächst unwahrscheinlichsten Winkel versucht – aber es klappte nicht!

Mein Fahrgast war ein netter Kerl, aber ich wollte seinen Rucksack dann auch nicht die ganze Schicht über spazieren fahren. Er fragte dann pragmatisch:

„Was ist? Soll ich es einfach zerreissen?“

„Ja, gerne!“

Und nun? Ist der Fahrgast zu Hause und das total tolle Netz hat ein Loch.

Ich bin wirklich absolut gegen Sachbeschädigung an meinem Taxi. Aber da war das mal sowas von in Ordnung! 🙂

PS: Ich reiche beizeiten mal ein Foto vom zerrissenen Netz nach …

Ein Kurzstreckenbeispiel

Wie schon öfter mal erwähnt: nicht alle Kollegen sind mit der Kurzstrecke glücklich. Auf der einen Seite bin ich natürlich froh um jeden Euro extra, auf der anderen Seite denke ich, dass es durchaus ein paar Kunden gibt, die nur an ein Taxi denken, weil es diesen Billig-Tarif gibt. Und da zählt dann halt auch wieder, dass man um jeden Euro extra froh sein kann.

Drei von der Sorte hatte ich derletzt. Junge Typen, alle unter 20 und wahrscheinlich nicht rasiert, sondern noch natürlich bartlos. Bewaffnet waren sie mit jeweils drölf Taschen, die sie keuchend absetzten, um mich heranzuwinken. Sie fragten nach einer Kurzstrecke und kurz darauf luden wir ihr Gepäck auch schon ein. Also … Gepäck …

Leergut, ein knapper Kofferraum voll. Dauerte dennoch keine 20 Sekunden zum Reinwuchten und dann ging es zum Kaiser’s am Kotti, wo sie die Flaschen nach eigenem Bekunden in Getränke für den nun folgenden Abend einzutauschen gedachten. Da musste ich doch sofort wieder an meine alte WG und diverse Pfandbons denken …

Und mehr als 4 € hätten wir damals auch nicht für ein Taxi übrig gehabt 😀

Pedalistenprobleme

Keine Sorge, es folgt kein Rant gegen Fahrradfahrer auf der Straße. Wer meine Meinung dazu sucht, der kann sie in meinem Artikel über den ewigen Krieg finden.

Nein, es ging um ein Rad, dass nun in mein Taxi sollte. Das spornt mich ja immer ein bisschen an, da es jedes Mal unklar ist, wie man den Drahtesel da hineinbugsiert. Der junge Mann, der mich herangewunken hat, fragte offenbar stellvertretend für eine junge Frau, die das entsprechende Rad mit sich führte. Ich fragte nach:

„Wer fährt denn alles mit?“

Kein unwichtiger Punkt, gerade da ich die Rückbank zwar geteilt umklappen, aber nur als Ganzes verschieben kann, verändern sich damit die Optionen, die ich zum Reinpfrimeln hab.

„Nur die junge Frau.“

Alles klar, also die Rückbank vor und das Rad irgendwie da rein … dann andersrum …jetzt nochmal mit Lenker festhalten … nein, wir ziehen besser an der Seite …

Das kann dauern. Fahrräder sind die wahrscheinlich einzigen Gegenstände, bei denen ich nie die 1,00 € Gepäckzuschlag vergessen würde. Einfach, weil es mords kompliziert und anstrengend ist. Und was war am Ende?

„Äh, und wo sitz ich jetzt?“

fragte mich allen Ernstes der Typ.

Es ist wahr: Meine Frage war vielleicht nicht ganz sauber formuliert gewesen am Anfang, aber ich hätte ihn in der Luft zerreissen können, nachdem wir uns da fünf Minuten mit dem blöden Satteltier abgestrampelt haben! Aber ich bin ruhig geblieben und hab das Fahrrad wieder aus dem Auto gezogen. Rausziehen geht nämlich immer ganz leicht, als ob man das Ding da nur mal eben hineingeworfen hätte.

Die Rückbank ließ ich, wo sie war, ich probierte es mit einem der hinteren Zusatzsitze aus, andem ich das Fahrrad dann vorbeischob. In diesem (leider qualitativ sehr grottigen) Video zum Sitzsystem kann man bei 0:35/0:36 kurz diese eher ungewöhnliche Sitzbelegung bewundern. Holy Shit, was bin ich in solchen Momenten froh um das Auto! In vielen Punkten ist der Zafira zweifelsohne nur Mittelmaß oder der Konkurrenz auch mal hinterher – aber das Sitzsystem ist sowas von endgeil, da kenne ich nichts besseres auf diesem Planeten!

Also gut, lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben es geschafft. Irgendwie.

„Wo soll es denn hingehen?“

„Weserstraße.“

Herzinfarkt. Wir standen unweit des Ostkreuzes. Eine der Weserstraßen war keine 300 Meter entfernt. Ich hab nach wie vor nichts gegen kurze Touren, aber wir haben inzwischen seit rund 7 Minuten unbezahlt da rumgestanden, in der Zeit hätte man zu dieser Straße dreimal laufen können. Oder Fahrrad und Passagiere getrennt transportieren!

„Die in Neukölln.“

Puh! Naja, ein guter Zehner kam also zusammen. Das Trinkgeld war zwar erheblich geringer als letztes Mal mit Fahrrad, aber dafür gibt es ja den Gepäckzuschlag …

Zwei drei Teile

Am Wochenende war in Berlin wieder einiges los. Neben den ganzen Parties in den Clubs gab es auch ein paar Konzerte. Nicht alle davon waren ganz legal, eines davon ist gleich zweimal von der Polizei abgeräumt worden. Falls sich jetzt wer fragt, wie man eine Anlage wieder los wird, wenn man ein Konzert überraschend abbauen muss:

Ein paar Kleinigkeiten, Quelle: Sash

Ob ich zwei drei größere Teile bei mir ins Auto kriegen würde, wurde ich gefragt…

In Anbetracht meiner Hilfe und der Tatsache, dass ich die Zuschläge mal eben vergessen hab, ist das Trinkgeld zwar recht mau ausgefallen, aber als mit der Zeit immer mehr dazu kam, hat die ganze Aktion ein wenig meinen sportlichen Ehrgeiz geweckt – mehr also, als alle Bundesjugendspiele je geschafft haben. Und am Ende hat ja alles gepasst. Ich hab mein Geld an dem Abend wo ganz anders verdient, aber das kommt später… 😉

Gegen die Transportaktion waren die Jungs von Rubicon übrigens besser organisiert. Die haben ihr Equipment letztlich ja doch selbst transportiert und sind nur so eine Runde mitgefahren. Im aktuellen Fall hatte ich einen Helfer bei mir, der Rest kam mit der Bahn nach…

Bei Rubicon fällt mir ein: Ich hab im Nachhinein nie gefragt, was sie davon gehalten haben, von Kai Diekmann überschritten worden zu sein 😀