I should not say anything…

Was für eine Fußball-Nacht. Die Deutschen haben zwar verloren, aber in der Nacht auf Donnerstag war dann doch in der halben Stadt Party. Viele feiernde Spanier, und sehr schön anzusehen: Auch einige, die gemeinsam mit den Deutschen gefeiert haben. Scheiß auf das Ergebnis!

Ich hab das Spiel auch schon recht weit hinten in mein Gedächtnis verbannt, als ich am Westin Grand herausgewunken wurde, und mein Fahrgast meinte:

„You know where is the Bar 25?“

„Yes, of course!“

„I’m sorry for Germany!“

Ich hab irgendwie tatsächlich zunächst gedacht, er will sich entschuldigen, weil er kein Deutsch kann 🙂

Aber gut, natürlich haben wir das Spiel kurz angeschnitten, und mir blieb kaum was anderes zu sagen als:

„But the Germans weren’t the best Team. That’s life!“

Das mag grammatikalisch falsch sein, aber er hat es verstanden. Die Antwort war allerdings großartig:

„I should not say anything. I am from Italy!“

😀

Kommt mir spanisch vor…

…dachte ich über die Sprachfärbung im Englisch der jungen Frau.

„Is it ok? Would you bring me to the Schönefeld Airport?“

Aber natürlich und sowas von gerne! Ich stand gerade mal fünfzehn Minuten in der Gegend rum, und wie ich so daran zurückdachte, dass ich auf die erste Tour und den damit verbundenen immensen Umsatz von 4,80 € anderthalb Stunden warten musste, wurde mir geradezu warm ums Herz ob der bevorstehenden 30 €.

Sie wollte ihre Schwester vom Flughafen abholen, die Maschine hatte Verspätung und auf S-Bahn hatte sie keinen Bock mehr, bzw. den Versuch, aus den Sonderfahrplänen mit Sonderzügen irgendwas brauchbares herauszulesen, aufgegeben. Die Konversation zwischen uns war jedoch erstaunlich dünn. Kein gewolltes Schweigen, eher so eine Art absurde Hilflosigkeit. Dabei sprachen wir beide halbwegs ausreichend Englisch und die Strecke war lang genug, um ein bisschen mehr anzuschneiden als misslungene S-Bahn-Fahrpläne und das Wetter.
Insofern war ich eher skeptisch, als sie mich gefragt hat, ob ich sie nicht wieder mit zurücknehmen könne, falls ihre Schwester schon gelandet sei. Sie war mir nicht unsympathisch, aber diese seltsam gedrückte Stimmung konnte doch unmöglich nur ich bemerken. Warum also sollte sie ausgerechnet mich für die Rückfahrt haben wollen?

Ehrlich gesagt: Ich weiss es bis jetzt nicht.

Aber die Aussicht aufs Geld war zu verlockend, und so bot ich ihr an, ein paar Minuten zu warten. Die Fahrt hat sie dennoch schon bezahlt, sodass ich auch ohne weiteres wieder hätte abhauen können. Aber warum hätte ich sollen? Eine zweite 30€-Tour nach ein paar Minuten… Montags!

Nach ein paar Minuten kam sie wieder, allerdings ohne Schwester. Ich hatte Ozie gerade geschrieben, dass solche Abmachungen sowieso nie funktionieren. Sie kam dann nochmal zu mir rübergeschlendert und hat gesagt, dass das Flugzeug wohl in 10 Minuten lande. Ich hab angeboten zu warten und in Gedanken überlegt, ob der Umsatz sich noch lohnt, wenn man einen Strafzettel wegen Falschparkens abziehen würde.

Während wir da so standen und beide eine Zigarette geraucht haben, kam endlich auch das Gespräch ein wenig in Gang. Labern über die Arbeit, ihre Herkunft, warum ihre Schwester kommt, den Flughafen. Nix aufregendes, aber Konversation. Flüssige. Es war doch gut, noch zu warten!

Eine runde halbe Stunde hab ich mich dann letztlich am SXF rumgetrieben, bis die beiden zusammen rauskamen und in freudiges Wiedersehensgequatsche vertieft in mein Auto gestiegen sind. Den Rest der Fahrt war ich zwar mehr oder minder Luft für sie, aber wie es ist, nach langer Zeit Geschwister mal wieder zu sehen, konnte ich nachvollziehen. Ich war zufrieden, denn es tut dem Ego einfach gut, wenn man an einem Ort ohne jeglichen Taximangel zum Bleiben aufgefordert wird. Dass mir die runden anderthalb Stunden fast 65 € in die Kasse gespült haben, könnte allerdings auch zu meiner Laune beigetragen haben.

Das Trinkgeld war zwar nicht der Rede wert, aber – und das sollten einige Kollegen bestätigen können – das kommt einem bei Spaniern nicht wirklich spanisch vor 😉

Sowas sollte es einfach öfter geben…

Wo man so drüber lacht…

Also mein Taxi ist ja unter Vollast eine recht lahme Kiste. Ich meine, mit 7 Personen liegt das Ding gelassen auf der Strasse und sogar das ein oder andere Klappergeräusch verschwindet dann. Auf Dauer ist es aber nicht nur eng für die Leute in der letzten Reihe, sondern wahrscheinlich auch ein wenig viel Belastung für die kleine Kiste.

Jetzt dürfte ich den Rekord für die Maximalbeladung gebrochen haben, vielleicht sogar die erlaubte Höchstlast. Ich konnte leider nicht so schnell nachrechnen. Am Ostbahnhof haben mich 6 ziemlich muskulöse schwarze Jungs gefragt, ob sie da alle reinpassen. Wer weiss, vielleicht eine Football-Mannschaft oder so. Das Auto war jedenfalls VOLL. In den hinteren Sitzreihen war zwischen den Seitenscheiben kein freier Zentimeter mehr und auch zwischen mir und dem sechsten Mitreisenden war nicht mehr viel Platz, ich bin ja bekanntermaßen auch nicht gerade zierlich. Waren wahrscheinlich wirklich 800 kg Mensch im Wagen.

Warum ich aber überhaupt die Hautfarbe der Jungs erwähnt habe:

Zunächst muss es schon mal recht kurios ausgesehen haben, wie ich als einziger Weißer vorne am Steuer saß, aber eigentlich ging es mir um ein Handy. Irgendwann meldete sich nämlich von hinten eines und es rief laut und deutlich aus:

„Message from the dark Side!“

Und ich hab – ganz Routine – in den Rückspiegel gesehen, und da, naja, war eben „dark side“. Habe ich irgendwie schmunzeln müssen. Die anderen haben auch angefangen zu lachen, aber ich weiss nicht genau, weswegen, ihr Englisch war dabei ein wenig zu schnell für mich…

Todes-Deutscher

„Du sein eine Todes-Deutscher?“

So etwas kann herauskommen, wenn man sich in gefühlt 4 Sprachen unterhält. Ich selbst bin nach wie vor auf Englisch und Deutsch beschränkt, aber meine etwas überdrehte letzte Kundin plappert munter los. In Deutsch, Englisch, irgendetwas, das ich als Spanisch bezeichnen würde, und nicht zuletzt in ihrer Heimatsprache: Dänisch.

Dazu kam eine klassische Verplantheit, die sie aber ohne Drogen, lediglich mit „Limo“ erlangt haben will. Den Namen ihres Hotels weiss sie nicht mehr, aber sie kann mir ganz konkret eine Straßenkreuzung nennen. Na gut.

Das Gespräch war nervenaufreibend, weil es schwierig war, aber selten habe ich morgens um 6 Uhr eine derart gut gelaunte Person an Bord gehabt. Ob sie mit Karte zahlen kann? Leider nicht… na gut, dann an eine Bank! Von Sash noch vom Briefmarkenautomaten vor der Türe ins innere der Postbank gelotst, kam sie nach zwei Minuten freudestrahlen wieder heraus und kommentierte die Tatsache, dass sie mit einer Visa-Karte Geld abheben konnte, mit dem naheliegendsten aller Sätze:

„Ich liebe Berlin!“

Und bei der Atmosphäre ist auch klar, dass die Frage nach dem Todesdeutschen keineswegs eine nach einer etwaigen SS-Vergangenheit meinerseits war (Hey, ich sehe morgens um 6 Uhr manchmal ziemlich alt aus 😉 ), sondern auf meine Herkunft an sich bezogen:

„Where du bist genau Berlin von gewohnt leben hier?“

hat sie in etwa gefragt. Ich habe geantwortet, dass ich eigentlich aus Stuttgart komme, und daraufhin fragte sie eben, ob ich „Todes-Deutscher“ sei. Kurz darauf hat sie ihren Fehler bereits erkannt und herzhaft lachen müssen, sie hätte „Totale“ gemeint. Ich habe sie beruhigen können, dass ich mir das schon beinahe gedacht habe.

Naja, selten so viel gelacht, wie in den paar Minuten. Weisheiten, die ich unbedingt allen mit auf den Weg geben muss:

„It is den richtig, wenn egal Arbeiten ist nur du bist glücklich!“

Wie wahr.

Trendy Schweden

OK, ich hab keine Ahnung, ob man das irgendwie so witzig hingeschrieben bekommt, wie es war…

An der Gedächtniskirche:

„Ahh, wir keneen diesen Kirchen. Ist daas von die kapuute die zweiten Weltkriegen?“

„Ja, genau.“

„Deeshaalb man hat gebildet diese modernen Gebäude daneben?“

„So in etwa.“

„Daas ist den modernen! Ist den trendy Kirche. Trendy Berlin! Wir haaben gelesen in ein Reisenführer, daas Berlin soll sein so sehr trendy. Desweegen wir sagen bei alles waas wir sehen: Trendy Berlin!“

Wer ernstlich glaubt, die Namen bei Ikea seien lustig, der sollte sich unbedingt man mit schwedischen Touris unterhalten. Sie wollten von mir ein paar neue deutsche Sätze lernen. Wie sich das bei jungen Leuten offenbar gehört, waren definitiv auch ziemliche Sauereien darunter, aber ich würde doch gerne sehen, wie sie irgendjemandem erzählen:

„Mein Schwanz ist ein Rotkehlchen.“

Und es ist nicht so, dass ich ihnen Blödsinn erzählt hätte. Sie wollten (wegen eines Textes in ihrem alten Deutschbuch) unbedingt wissen, was Rotkehlchen heisst. Da haben wir lange rumlamentieren müssen, weil sie aus dem Buch (wer zur Hölle druckt sowas?) das Wort „Domherren“ im Kopf hatten. Hat eine Weile gebraucht, bis wir rausgefunden haben, was sie meinen.

Weitere Highlights der Tour waren das Geständnis, dass der eine was mit einem Mädel hatte, obwohl er doch auf Jungs steht, und dazu die erklärende (?) Aussage des anderen:

„Weisst du, er ist nicht mein Freund. Aber ich liebe ihm!“

Wie lustig der Job doch sein kann…

In fremden Zungen (2)

Etwas hilflos hat die Frau mit ihrem Kinderwagen geschaut, als sie am Ostbahnhof an den Taxistand herantrat. Ein guter Kollege von mir fährt nur einen Daimler und konnte mit ihrem Kinderwagen (ohne Kind) nicht so viel anfangen. Also hat er sie zu mir geschickt. Ich hab mich mit ihrer Mithilfe ans Einladen gemacht und im Grunde ging das recht flott, nur hat sie in keinster Weise auf meine Frage reagiert, wo es hingehen sollte. Letztlich hat sie jemanden angerufen, und der hat mir dann am Telefon bei miesester Verbindung gesagt:

„Bringe zu Bumastr. 10! Nicht weit. Du bist Taxi?“

„Bumastr.?“

„Lumastr.!“

„L-U-…?“

„L-Y!“

„Lynarstr.?“

„Ja, Lumastr.! Wedding!“

Also so in etwa. In Wirklichkeit hat es drei Minuten länger gedauert und war ein paar Stufen lauter. Aber die Lynarstr. passt zusammen, am Ende hat er selbst die Tanke an der Ecke erwähnt und damit war die Sache dann geritzt. Unterwegs hab ich dann rausgefunden, dass die junge Frau gut Englisch spricht, somit war das schon wieder ok. Dumm nur, dass sie sich offenbar im Bahnhof vertan hat oder so, denn

„five minutes“

ist definitiv etwas optimistisch für die Strecke. Und die knapp 15 € am Ende waren auch leider keine Abzocke, sondern der normale Fahrpreis. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mir das nicht geglaubt hat, aber was will ich machen. Ich hab ihr erklärt, dass es vom Hauptbahnhof deutlich kürzer gewesen wäre und ich befürchte, sie hätte dort aussteigen sollen, ich hab das Navi angemacht, damit sie sehen kann, dass ich den kürzesten Weg nehme. Dass sie mir letztlich vor der Haustüre nicht einmal mehr glauben wollte, dass das das richtige Haus ist:

„You talked to him, I don’t know!“

hat mich zudem etwas erstaunt hinterlassen. Irgendwer hat sie letztlich doch abgeholt und dann haben sie sich gegenseitig offenbar über den Fahrpreis beschwert. Ich bin dann einfach in die regnerische Nacht entschwunden. Am Ende einer solchen Fahrt beneide ich dann wieder den Kollegen mit dem Daimler…

In fremden Zungen (1)

Ein guter Anfang für eine Tour ist es, wenn ein Winker mit englischem Akzent am Moritzplatz folgendes verlangt:

„Nach Mitte!“

Das schließt immerhin 2 von 4 Richtungen aus. Die Frage nach der Straße beantwortet er mit:

„Zoostr.!“

Uff! Ich gebe ja immer wieder gern öffentlich zu, dass ich nicht alles in Berlin kenne, aber eine Zoostr. müsste doch drin sein. Aber würde die nicht eher Richtung Zoo liegen – also Charlottenburg und nicht Mitte?

„Wirklich Zoostr.?

„Ja, Zoostr. Ecke Gormänn!“

„OK! TORstr….“

Naja, Hauptsache angekommen!