Unfähig

Als ich so an der Halte stand, nahten zwei Jugendliche. Der eine fragte, wie viel es etwa nach Mariendorf kosten würde. Der andere kam vorlaut dazwischengesprungen und meinte:

„Du musst fragen, was er uns für einen Preis machen kann!“

Ich hab ein Grinsen aufgesetzt und  gemeint.

„Also machen kann ich überhaupt keinen Preis…“

Und wider Erwarten hat er die Aussage sehr gut verstanden. Mehr noch: Er war – was ich eigentlich gar nicht beabsichtigt hatte – gleich eingeschnappt und zog seinen Kumpel weiter mit den Worten

„Na dann halt nicht!“

Im Weggehen musste er seiner Wut noch kurz Luft machen, und kreischte beinahe:

„Vielleicht bist du auch einfach nur UNFÄHIG!“

Hmm, das kann ich schlecht bewerten. Aber ICH hatte ein Taxi für die Heimfahrt…

Betrunken ist keine Ausrede (3)

Die letzten Tage habe ich dann damit zugebracht, bei dem freundlichen Mann hin und wieder anzurufen und nachzufragen, ob er seinen Kumpel jetzt mal erreicht hat. Ein eigenes Telefon hat der Glückliche offensichtlich nicht.

Und er kann sich glücklich schätzen, nicht nur einen sehr verständnisvollen Taxifahrer zu haben, der bei seinem Kumpel nicht gleich die Cops vorbeischickt, sondern eben auch einen Kumpel, der sich um unbezahlte Taxirechnungen kümmert.

Und der hat mir sogar angeboten, mich mit ihm zu treffen, so dass er die Rechnung übernimmt. Das Geld holt er sich dann von seinem Kumpel zurück…

Und es hat geklappt. Aber zugegeben: Es war nervig!

Ich bin extra nach Neukölln gegurkt – im Feierabendverkehr – um mir bescheidene 8,50 € abzuholen. Die ganze Aktion bringt mich noch dazu, das nächste Mal einfach die Cops zu rufen. Obwohl der arme Kerl einfach nur keinen Plan mehr von der Welt hatte.
Ich kann echt nur raten, nur in ein Taxi zu steigen, wenn man noch halbwegs zurechnungsfähig ist!

Denn natürlich hätte ich die Fahrtkosten heute noch raufschlagen können. Die insgesamt 6 oder 7 Telefonate tragen auch nicht gerade dazu bei, dass die Rechnung für mich wirklich aufgeht. Naja, vorbei ist vorbei, und mir war vor allem wichtig, dass er damit nicht durchkommt.

Betrunken ist keine Ausrede (2)

Mein netter Fahrgast vom Vorabend lag mir nach wie vor schwer im Magen, als ich gestern Mittag aufgestanden bin. Aber natürlich hatte ich den einen kleinen Trumpf in der Hand:

Eine Handynummer.

Um 15 Uhr etwa habe ich – in der Hoffnung, die Nummer sei richtig – dort angerufen. Es ist ein komisches Gefühl, als Wildfremder am Wochenende irgendwo anzurufen mit einer so obskuren Geschichte. Wer immer sich da auch melden mag: Sie wird ja nichts damit zu tun haben.

Es meldete sich eine männliche Stimme. Mist!

Ich hab erst einmal ziemlich unsicher vorgetragen, was passiert ist, und – ohne Drohung – klargestellt, dass ich es eben gerne erst auf diesem Wege versuchen wollte. Der andere Weg wäre natürlich die Polizei – aber bei Unbeteiligten muss man ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Vielleicht hat sich der Typ ja doch vertippt und mein Gegenüber hat keine Ahnung.

„Äh, und dieser Mann, der war Afrikaner?“

Bingo! Das hatte ich – wie im letzten Blogeintrag – am Telefon mit keinem Wort erwähnt. Sie kennen ihn also. Es wäre zumindest ein großer Zufall. Schließlich waren sie auch nicht überrascht, an welcher Ecke ich ihn rausgelassen habe. Strike!

Der Mann und auch eine Frau (vielleicht die, die mein Fahrgast gerne als seine bezeichnet?) waren sehr nett und baten mich, um 17 Uhr noch einmal anzurufen. Sie versuchen, die fragliche Person zu erreichen und würden mir dann die Nummer geben oder ihn ans Telefon holen. Na dann warten wir mal ab. Ich hoffe nur, dass der Typ wegen 8,40 € nicht außer Landes flüchtet oder so.

Autsch, ich habe den Betrag ja noch gar nicht genannt. Ich hoffe mal, der erwartet jetzt keine immense Rechnung, die eine Flucht rechtfertigt…

(Fortsetzung folgt)

Betrunken ist keine Ausrede (1)

Viele meiner Kunden stehen unter Drogeneinfluss. Das ist, wie ich öfter erwähne, auch völlig in Ordnung für mich. Drogen (und damit meine ich auch Alkohol) sind in dieser Gesellschaft einer der verbreitetsten Gründe, ein Taxi zu nehmen. Und vom Prinzip her heißt das erst einmal, dass diese Leute Hilfe brauchen – nämlich ein Transportmittel.

Ob darüber hinaus noch was nötig ist, liegt – wenn kein akuter Notfall vorliegt – nicht in meinem Ermessen. Ich kann nur dafür sorgen, dass die Leute nach Hause kommen. Sicher und bequem. Dafür verlange ich Geld – allerdings nach einem gesetzlich geregelten Tarif – und ich denke, dass das eine faire Geschäftsbeziehung für alle Seiten ist.

Am Samstag morgen winkte mich kurz vor dem Ostbahnhof ein junger Mann heran. Er war stark alkoholisiert, hatte aber ein Grinsen auf den Lippen und wirkte nicht grundsätzlich unsympathisch. Ich bin von der Mühlenstr. rechts in die Str. der Pariser Kommune eingebogen und hab den Fahrgast aufgenommen. Das sollte ich noch für einen Fehler halten.

Der erste Ansatz eines Gespräches sah etwa so aus:

„Guten Abend!“

„Gssn aaa. Bssms NN!! Hassaa nn glb!“

„Entschuldigung, ich verstehe sie nicht so wirklich…“

„Mssn bei mn Frau!“

Aha, zur Frau also. Soll noch einer behaupten, man lerne nicht, auch Besoffene zu verstehen. Aber wo ist die Frau? Er ruderte mit den Armen grob in Richtung der Kreuzung Stralauer Platz / Andreasstr., was ich mir noch einmal bestätigen lies. Also wendete ich und wappnete mich zum Rechtsabbiegen auf den Stralauer Platz.

„Mssn da be Kussecke! Bmm!“

„Kurzstrecke? Kein Problem.“

Super. Es wird sowieso schwierig (hoffentlich ist die Frau nüchterner!), also beschwere ich mich mal nicht, dass die Fahrt nur kurz dauert.

Nun, ganz so kurz wurde es dann doch nicht. Nach einigen halbunverständlichen Gesten und Worten ohne Vokale standen wir vor dem Yaam! und er musste telefonieren. Was nun folgte, war irgendwie der Höhepunkt der Aktion: Woher ein Telefon nehmen? Fragen wir doch den Taxifahrer…

Grenzwertig!

Zum einen ist mein Handy ziemlich kaputt. Zum anderen: Hey, das ist auch noch mein Geld. Ganz davon abgesehen, dass wir mit einer Kurzstrecke auf dem Taxameter rumstanden – was so nicht vorgesehen ist im Tarif. Aber die Entscheidung dafür, ihn telefonieren zu lassen, sollte sich als nicht allzu schlecht herausstellen. Gefällt habe ich sie vor allem, weil der Kerl das Pfeifen wahrscheinlich gar nicht merkt, weil er offensichtlich nicht einmal in seiner Unterhose Geld finden konnte und weil ich so oder so 120 Freiminuten in alle Netze habe, die ich zusätzlich zu meiner Flat ins eigene Netz nie ausnutze.

Wie man sich ausmalen kann, war der gute Mann mit der Eingabe der Telefonnummer allerdings ziemlich überfordert. Also hab ich das auch noch für ihn übernehmen dürfen…

Und wie erwartet ist niemand rangegangen. Aber offensichtlich ist das alles kein Problem, der junge Mann sagte nämlich:

„Hssn a Drr de Gnn!“

Da hatte ich auch keine Ahnung, was er wollte, aber er gestikulierte, wir sollten weiterfahren. Gut, meinetwegen. Nach zwei weiteren Malen wenden, versuchen seinen Ausführungen zu lauschen und der puren Verzweiflung in mir standen wir dann an der Ecke Schlesische Str. / Falckensteinstr. Da müsste ich rein, sagten seine Hände zwischen den Phasen, in denen er die Augen schloss und ich blickte wütend und hilflos in die Falckensteinstr., die derzeit in diese Richtung gesperrt ist…

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie es dazu gekommen ist, dass er aussteigen wollte, aber letztlich kamen wir tatsächlich an den Punkt, an dem er beschlossen hat, in die Straße reinzulaufen. Was mir in Ermangelung eines Pfandes, bzw. in Ermangelung einer Aussicht darauf, dass er – das Geld seiner Frau erst einmal in der Hand – damit zu mir kommen würde, weil er wahrscheinlich im Stehen einschlafen würde – nicht so recht gefallen wollte.

Wollte ich also meine rund 7,60 € haben, müsste ich wohl hinterher. Verdammt!

Etwas umständlich und vorsichtig bin ich gegen jede Verkehrsregel rückwärts in die Falckenstein rein, aber es war natürlich zu spät. Der Kerl war im Dunkel der Nacht in irgendeine Ecke verschwunden und wahrscheinlich umgehend umgefallen. Fuck!

Mein Umsatz war so oder so mies und es ärgerte mich maßlos, dass dieser Trottel jetzt weg war!

Ohne Hoffnung hab ich mich kurz hingestellt, eine Zigarette lang gewartet und dann das Taxameter ausgemacht. Die 8,40 € hole ich mir wieder. Versprochen! Zunächst aber musste ich die letzte Stunde noch zum Geldverdienen nutzen…

(Fortsetzung folgt)

Bullshit!

Eine super relaxte Tour. In einer bescheidenen Nacht 2 Winker in Neukölln aufgegabelt und auf dem Weg gewesen, mal kurz 15 € auf die miserablen Einnahmen raufschlagen zu können.

Ein junges Pärchen, anspruchslos und nett. Irgendwie habe ich aber die Konversation, die ich mit ihm geführt habe, am Ende nicht mehr verstanden.

Kurz nach dem Start habe ich nachgefragt, ob die von mir angepeilte Route ok wäre, und es war alles sehr gechillt.

„Du bist der Taxifahrer, du machst das schon…“

Danke! Das ist doch mal eine Aussage! Anderthalb Kilometer vor dem Ziel fielen dann aber völlig aus dem Zusammenhang gerissen folgende Sätze:

„Ja, ich meine, du fährst echt Bullshit!“

„Ähm… wieso das?“

Die Verwunderung war nicht gespielt. Meine Route schien mir sehr gut zu sein – vielleicht nicht bis auf den letzten Hinterhof perfekt, aber prüfungssicher. Mein Fahrstil war wie immer gesittet aber auch nicht durch die Nacht schleichend. Flott aber legal. Das Auto war technisch in Ordnung, es war einfach alles völlig ok. Also was wollte er?

„Ja, das ist einfach scheiße!“

„Und was habe ich mir darunter vorzustellen?“

„Hey, du bist der Taxifahrer, nicht ich!“

„Ja, aber wenn irgendwas so nicht in Ordnung ist, wie ich es mache…“

…und der Rest der Fahrt verlief dann schweigend. Also ich bin vielleicht nicht der Beste im Aufnehmen von Kritik, ich ärgere mich viel zu oft – auch wenn ich es nicht zeige – aber nach dem Gespräch hab ich mir wirklich gedacht, dass er mich mal kreuzweise kann. Dass er die exakt 15 € ohne Trinkgeld bezahlt hat, ist ok. Ich war letztlich froh, die beiden aus dem Auto zu haben.

Nehmen wir mein liebstes Vergleichsgewerbe und stellen uns die Frage: Wenn wer zum Bäcker geht und sagt „Wie sie Brot verkaufen, ist scheiße!“, was will er damit eigentlich sagen? Und warum mache ich mir eigentlich Gedanken darüber. Naja, irgendeinen Grund muss es wohl geben, sich zu ärgern… 🙁

Christies

Ich kann nicht mehr bewerten, ob der junge Kerl wirklich schon blau angelaufen war. Das liegt zum einen daran, dass er tatsächlich blau war, als auch ein himmelblaues T-Shirt trug.

Ja, dies ist keine Geschichte aus dem Sommer! Der Kerl fragte mich tatsächlich am Ostbahnhof in einem himmelblauen T-Shirt bei 5 Grad unter Null, ob ich das Christies Hostel kenne. Wie zu erwarten friert er fürchterlich und sieht mich flehend an. Christies? Nie gehört! Ich frage bei einem Kollegen nach, der aber auch passen muss. Also befrage ich mein schlaues Buch. Nichts. Puh, das ist schlecht…

Ich frage ihn, ob er irgendeinen Anhaltspunkt hätte, wo das Hotel ist. Die ganze Konversation muss man sich übrigens auf Englisch mit einem echt derben Dialekt inkl. Lallen vorstellen. Also recht schwierig. Nach 3 Minuten weiss ich immerhin, dass man das Hostel mit einem wie auch immer gearteten Zug vom Alex aus erreicht. Prima, dann fallen schon mal ca 2,5% der Berliner Adressen weg 🙁

Aber es geht auch genauer. Es war nicht allzu weit und das Hostel liegt, und das muss ich im Original widergeben, „at a Place called ‚Platz‘ „

Wir suchen also ein Hostel das nirgends verzeichnet ist an einem Platz, den man vom Alexanderplatz mit S-Bahn, U-Bahn oder Zug erreicht. Ich hab ihm versucht zu erklären, dass „Platz“ keine ernstliche Ortsangabe ist und ihm ein paar Plätze aufgezählt, die ganz grob in der Innenstadt liegen.

So wirklich zusagen wollte ihm keiner, aber er fragte mich, ob ich ihn zum Potsdamer Platz bringen könnte. Klar kann ich, aber was passiert, wenn das Hostel da nicht ist?

Er meinte, er würde es sicher wiedererkennen und überhaupt und sowieso. Ihm war kalt. Also hab ich mich mit einem mehr als schlechten Gefühl und einem durchgefrorenen Australier auf den Weg zum Potsdamer Platz gemacht. Ich hab versucht, ihm zu erklären, wie es am Potsdamer Platz aussieht, aber es wurde immer klarer, dass das nicht richtig ist. Wer keine Hochhäuser gesehen hat, wohnt auch nicht am Potsdamer Platz…

Ich hab ihn permanent bitten müssen, langsam und deutlich zu sprechen, weil ich sonst nichts, aber auch gar nichts verstanden habe. Irgendwann sprach er dann vom „Christl’s Hostel“ und vom „Christ Hostel“ Da hab ich ihm dann nochmal etwas schärfer klargemacht, dass ich schon genau wissen müsste, wie das Hostel heisst. Und plötzlich glaubte ich ein „St. Christoph“ zu hören…

„St. Christoph? Do you mean St. Christopher’s Hostel?“

„Uh, yeah! St. Christopher’s!“

„Ok, no Problem, I’ll bring you there…“

Also hab ich mal spontan auf der Leipziger Str. gewendet (hab ich schon mal geschrieben, dass ich gerne nachts arbeite?) und bin zum Alex hochgegurkt. Das St. Christopher’s ist mir nun durch die ganzen Matrix-Gäste mehr als bekannt, und von der Beschreibung her passt es auch: Eine U-Bahn-Station vom Alex entfernt am Rosa-Luxemburg-Platz. Ich möchte übrigens anmerken, dass ich ihm den Platz in weiser Vorausahnung auch genannt hatte.

So viel Freude wie zu dem Punkt, als ich gegenüber des Hostels hielt und fragte:

„Is it that one?“

kann man sich kaum vorstellen. Und er hat die 11,40 € ganz artig mit 17 € bezahlt und ist in sein hoffentlich warmes Bett entfleucht. Glücklicherweise! Denn was hätte ich mit einem Australier in einem himmelblauen T-Shirt bei Minusgraden anfangen sollen?

Ich studiere NICHT!

Ca. 50 bis 70% meiner Kunden sagen ihn, den einen immer gleichen Satz:

„Und wie ist das, studieren sie nebenher?“

Meine Antwort ist in der Regel ein von einem dezenten Lachen begleitetes

„Nein, ich mache das hauptberuflich und freiwillig…“

Es ist faszinierend, dass ich als noch verhältnismäßig (zumindest im Vergleich zu Heesters und Berlusconi) junger Mensch diesen Satz immer wieder zu hören bekomme. Klar, das Klischee vom Studenten, der nebenher Taxi fährt, existiert noch. In Berlin ist jedoch dank straffer Studienpläne und einer recht harten Ortskundeprüfung die Wahrscheinlichkeit größer, dass der alte Fahrer ein Professor ist, als dass ein Jungspund wie meine Wenigkeit Student ist.

Ich kann die Frage schon verstehen, aber in einer gewissen Art und Weise nervt sie auch. Das liegt noch nicht einmal an der Frage selbst – sie impliziert doch eigentlich eher, dass die Fahrgäste den Eindruck haben, ich hätte eigentlich mehr auf dem Kasten, als ein Auto durch die Nacht zu lenken. Habe ich sicher auch.

Das Nervige an dieser Frage ist eigentlich das, was nach meiner Antwort eintritt: Eine kurze verlegene Stille…

Ich weiss, Taxifahrer verdienen nicht gut, und die geistigen Fähigkeiten, die nötig sind, um diesen Job durchschnittlich auszuführen, bewegen sich irgendwo kurz hinter dem Evolutionssprung, der die Menschheit dereinst veranlasste, sich nicht mehr mit Affen zu paaren. Sollte man meinen. Dabei stoßen mir zwei Dinge bitter auf:

Zum einen:
Klar kann jeder Depp prinzipiell mit ein wenig Talent ein Auto steuern und Befehle entgegennehmen. Für die tatsächliche Dienstleistung, die zum Teil ja auch aus der Unterhaltung und der Zufriedenstellung der Fahrgäste besteht, sollte man dennoch eine gewisse Intelligenz und Sozialkompetenz mitbringen. Schließlich „muss“ ich als Taxifahrer Gelangweilte unterhalten, Gestressten Ruhe und Ängstlichen Sicherheit vermitteln, Besoffene zur Ordnung mahnen, Deprimierte aufbauen, Verzweifelte trösten und… ach ja, nebenher Auto fahren und das alles verarbeiten.

Zum anderen:
Ja, ich bin nicht der Dümmste, ich kann mich ausdrücken und trotz meines besch… eidenen Abiturs hätte ich sicher die Möglichkeit gehabt, einen anderen, „besseren“ Job zu machen. Dennoch sitze ich Abend für Abend in meiner Taxe und bin – wirklich fast jeden Abend – ein ums andere Mal froh, dass ich diesen Weg gewählt habe.

„Ich habe mein Abitur gemacht, um auswählen zu können, was ich machen will – nicht, um auf jeden Fall zu studieren!“

pflege ich gerne zu sagen. Mir ist klar, dass dieser Lebensentwurf insbesondere beim konservativen Teil der Bevölkerung ewig auf Unverständnis stoßen wird. Dass die unterschwellige Überzeugung, man könne ja wohl nur im „Notfall“ Taxifahrer werden, so weit verbreitet ist, lässt mich dann doch manchmal geradezu verzweifeln.

Natürlich stehen am Ende solcher Diskussionen immer wieder Sätze wie

„Das finde ich gut!“,

„So eine Einstellung ist echt positiv!“,

„Ich habe echt Respekt vor solchen Leuten!“,

und natürlich ist das irgendwie schön. Wahrscheinlich habe ich sogar wirklich schon den ein oder anderen davon überzeugen können, dass dieser Job nicht zwingend die letzte Haltestelle vor Hartz4 ist. Auf der anderen Seite ist es wahrlich erschreckend zu sehen, wie viele – die sich völlig selbstverständlich im Taxi chauffieren lassen – offenbar davon ausgehen, dass das ja kein „richtiger“ Beruf ist.

Diese Konfrontation mit pseudo-mitleidiger Kundschaft teile ich wahrscheinlich mit Putzfrauen, Zimmermädchen, Altenpflegern und wahrscheinlich sogar mit Krankenschwestern.

Ich kann damit wirklich ohne weiteres umgehen, denn ich bin ein Mensch, der inzwischen ein vernünftiges Selbstwertgefühl entwickelt hat. Zumal – so zeitintensiv sie sein mag – meine Arbeit stets nur Ausdruck meiner Einstellung ist, und nicht meine Identität bestimmt.

Ich bin „nur“ Taxifahrer, das ist wahr. Aber in dieser Position befinde ich mich täglich auf Augenhöhe mit Wirtschaftsprofessoren und besoffenen Punks gleichermaßen. Und im Gegensatz zu den meisten sehe ich mich diesbezüglich in einem sozialen Vorteil – nicht etwa irgendwo unten, nur weil auf meinem Gehaltsnachweis ein paar Euro mehr oder weniger im Vergleich zu den anderen draufstehen.

Zumal ich auch hier mal wieder die sozialrevolutionäre Karte ausspielen und fragen könnte: Könnten wir eher auf den Manager von Daimler verzichten, oder auf den Typen, der da die Bremsen installiert? Eben.

Aber um noch kurz ein Fazit zu bringen:

Fragt doch, was ihr wollt! Nach den Anforderungen meiner Kundschaft müsste ich über die Bettenqualität in 5-Sterne-Hotels ebenso Bescheid wissen, wie über die Preise und Hygiene auf dem Straßenstrich. Ich möchte mal das Studium sehen, das mir dieses Wissen zuteil werden lässt…