Interessante Personenbeschreibung im Fond meines Autos:
„Jim? Den kennst du doch! Jim: Großer Typ, Nase im Gesicht…“
Ich hab meinen professionellen Fahrergesichtsausdruck aber halten können.
Interessante Personenbeschreibung im Fond meines Autos:
„Jim? Den kennst du doch! Jim: Großer Typ, Nase im Gesicht…“
Ich hab meinen professionellen Fahrergesichtsausdruck aber halten können.
Manchmal traut mein seinen Ohren nicht so richtig, wenn man die Fahrgäste so reden hört. Schönes Beispiel:
„Und der Udo, den haste gesehen, ja?“
„Ja, der ist nett, oder?“
„Der hat es gerade nicht leicht, aber ich sag mal: Udo ist so einer, von dem ich sage: Wenn wir mehr Menschen wie ihn hätten, dann gäbe es auf der Welt keine Kriege. Ich mein, Kriege gehen ja noch – aber das ganze Kratzen und Hauen…“
Ich gehöre ja zu den glücklichen Menschen, die mit ihrer Berufswahl zufrieden sind. Glücklicherweise bin ich auch nicht alleine damit. Etwas zu denken gegeben hat mir aber eine illustere Truppe, bei der eine Frau besonders herausgestochen ist.
Sie überlegte mit einer Freundin zusammen lautstark, wie denn ein Umzug nach Berlin so machbar wäre. Wohnungen sind hier bekanntlich kein großes Problem, teuer ist die Stadt im Allgemeinen auch nicht, das Problem ist immer das selbe: Arbeit.
Wer nach Berlin zieht, muss Arbeit finden, und davon gibt es nicht allzu viel hier. Bzw. wenn, dann natürlich in den falschen Branchen.
„Ich könnte ja Schließerin im Knast machen!“
meinte sie irgendwann, und man hat das fragende Gesicht der Freundin förmlich hören können.
„Meinst du wirklich?“
„Klar. Deswegen bin ich ja Therapeutin. Leid berührt mich nicht. Mir ist das scheißegal.“
Und ein Buch will sie auch schreiben. Arbeitstitel:
„Deutsches Trauma Überwindung des Terrors – warum die freie Liebe nicht funktionierte“
Ich bin gespannt… und ein bisschen irritiert.
Ach, was war das für eine entspannte Tour. Fünf Jungs und Mädels hab ich durch die halbe Stadt gefahren, die Laune im Auto war prächtig, und zur Abwechslung hab es mal keine Diskussionen über den Fahrtpreis, sondern einfach nur spaßiges Gelaber. Die Schicht ist schon ein paar Stunden alt gewesen, und die Fahrt war ein prima Müdigkeitskiller.
Das einzige Manko: Ich war etwas abseits in Reinickendorf gelandet und tat jetzt gut daran, wieder in Richtung City zu cruisen.
An der Brunnenstraße fand ich Winker. Bzw. sie fanden mich. Ich stand nichts ahnend an einer Ampel, als sie plötzlich aus dem Nichts auftauchten. Die Beschreibung der beiden ist relativ einfach. Wer kennt „Cindy aus Marzahn“? Diese klischeestrotzende cremefarbene Schlafanzugqualle? Stellt sie euch einfach ein bisschen hässlicher und älter vor, dann kommt das etwa hin. Ihn kann man als das optimale männliche Pendant beschreiben: Etwas jünger und schlanker, dafür ungepflegter und mit einem Pornobalken, aus dem man ohne Mühe vier falsche Hitler-Bärtchen hätte basteln können.
Die Adresse, die die Dame seines Herzens mit ins Ohr flötete lallte, war mir auf 300 Meter Genauigkeit bekannt, und so pfiff ich los.
Im Fond entbrannte eine wirklich klischeemäßige Unterhaltung, die etwa wie folgt klang:
„Schatzi, haste jesehn, dat der Olaf auch da war?“
„Jo.“
„Und wie die det mit den Essen jemacht haben. Ick weeß nich!“
„Hm…“
„Aber der Herbert war ja auch da. Also mit Ulla natürlich…“
„Warum erzählste mir det? Weeßt doch jenau, dass es mich nich interessiert!!!“
„Ja, aber jetzt sei nich so…“
„Pfff!“
„Ach Schatz, weeßte, dat der Müller, also Markus, nicht der Kleene…“
„Halt doch bitte mal die Fresse!“
So ging es dann einige Minuten weiter, unterbrochen nur durch die netten Ansagen der zweiten Cindy, die mich auf einen Weg schickten, der die Tour zwar unerträglich lang gemacht hat, dafür aber auch gut 2 € mehr Schmerzensgeld abwarf.
Richtig komisch wurde es dann gegen Ende:
„Und der Kurt, also mit seiner Frau, ja“
„Pfff!“
„Also wat die Andern für Probleme haben! Ick versteh det nich. Schön, dass wir sowat nich haben…“
„Naja, dafür kenn ick dir ja ooch schon 18 Jahre…“
Also die letzten Sätze hab ich nach der Abfahrt vor ihrem Haus noch ein paar Mal vor mich hergesagt, um mir der Absurdität bewusst zu werden und sie für diesen Eintrag hier noch parat zu haben 🙂
„Ich bin ja jetzt auch eher eine angenehme Fahrgästin, oder?“
„Zweifelsohne.“
„Ich mein, ich kotze nicht ins Auto, ich brülle keine obszönen Worte…“
Sie war wirklich sehr angenehm. Der Alkoholpegel war noch völlig im Rahmen, wenngleich doch spürbar vorhanden. Sie hat sich gefreut, dass ich meine Arbeit gerne mache, und über drei Umwege waren wir dann an dem Punkt, an dem ich mich als Blogger geoutet habe. Über die Fahrt konnte ich allerdings auch nur sagen:
„Wie sie selbst gesagt haben: Sie fallen einfach nicht sonderlich auf unter meinen Kunden. Ich würde gerne etwas schreiben, aber sie müssen zugeben: Was besonders interessantes ist ja nun nicht wirklich passiert.“
„Oh, ich kann auch ganz anders! Aber das willst du nicht wissen!“
„Das glaube ich sofort. Aber sie müssen jetzt nicht anfangen, obszöne Worte zu rufen. Ich hab nunmal eine Menge Menschen bei mir im Auto, da lässt es sich nicht vermeiden, die ein oder andere Fahrt auch mal wieder zu vergessen.“
„Das ist gemein. Du könntest mich doch einfach als nette Kleinigkeit im Gedächtnis behalten.“
„Einen Versuch ist es sicher wert.“
„Ich mein, wir haben uns ja jetzt auch noch nicht so richtig tief in die Augen gesehen. Dann wäre das sicher einfacher und du würdest dir denken: Mensch, das war doch jetzt mal eine Nette…“
Wir haben letztlich darauf verzichtet, die Fahrt mit gegenseitigem Anstarren zu beenden und ich dachte mir, dass ich wohl doch am besten darüber blogge, um diese nette Kleinigkeit nicht zu vergessen. Ob es jetzt spannend ist oder nicht 😉
Ich liebe es ja, wenn ich als letzte Fahrt am Wochenende morgens um 6.30 Uhr vom Ostbahnhof noch mal eben eine Fahrt nach Schönefeld bekomme. Das klappt übrigens mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit. Mal eben noch 30 € plus können durchaus darüber entscheiden, ob ich die Schicht nun als gut oder mittelprächtig werte.
„Guten Morgen, wo darf es denn hingehen?“
„Hallo. Ich müsste nach Schönefeld zum Bahnhof.“
„Alles klar, kriegen wir hin… Moment mal! Zum BAHNHOF?“
Es gibt tatsächlich Leute, die nach Schönefeld, aber nicht zum Flughafen müssen. Man lernt nie aus… 😉
„Hey, what’s that car?“
„It’s an Opel.“
„Oh, a Corsa?“
„No, a Zafira.“
„Zafira… that would be a nice Name for a Girl. I wanna fuck Zafira in the ass!“
„Please, don’t try this with my car!“