Keine Taxen…

Wochenende. Es ist zwar einiges los in der Stadt, aber die meisten Leute sind bereits in den Clubs, zwei eher ruhige Stunden für uns. Am Ostbahnhof wächst die Taxischlange ins Unermessliche, aber wirklich bewegen will sich da nichts. Ich habe irgendwann keine Lust mehr, setze den Blinker und ziele in Richtung Boxhagener Kiez. Nur 300 Meter ums Eck winkt mich eine junge Frau heran. Sie bittet mich, sie nach Biesdorf zu fahren, was ich nicht nur in Anbetracht der Länge der Tour gerne annehme. Es entwickelt sich folgender kurzer Dialog:

„Sagen sie mal, ist das normal, dass da überhaupt keine Taxen am Ostbahnhof stehen?“

„Ja, am Hinterausgang schon…“

Trinkgeld-Alarm

Manche Fragen stelle ich inzwischen relativ standardmäßig. So zum Beispiel die nach der Straßenecke oder einem markanten Punkt, wenn Kunden mir ihre Hausnummern nennen. Ich bin ja sehr froh drum, wenn sie das tun. Allerdings ändert das wenig an der Tatsache, dass ich bis auf sehr wenige Ausnahmen mit Hausnummern aus dem Kopf auch nichts anfangen kann. Ganz ehrlich: Ich hab nicht einmal eine Ahnung, ob es am Ostbahnhof Hausnummern gibt und wenn ja, welche.

Aber das Suchen wird wesentlich leichter, wenn man weiss, was man sucht – und mein Navi kann im Zweifelsfall auch seine mehr oder minder unqualifizierten Bemerkungen dazu loswerden. Wichtig ist es eigentlich nur, wenn ich mir nicht sicher bin, von welcher Seite aus ich die Straße auf dem kürzesten Weg anfahren muss.

Im vorliegenden Fall war es eigentlich unnötig. Der Kunde wollte in die alte Jakobstraße, die sich sowieso vom Ostbahnhof aus am Besten vom Anfang an befahren lässt. Derletzt hatte ich allerdings schonmal Kundschaft, die unbedingt über den Moritzplatz dorthin wollte und auch der Gewohnheit wegen fragte ich nach:

„Wohin da wollen sie genau?“

„Nummer xy!“

„An welcher Ecke ist das?“

„Äh, weiss ich gerade nicht.“

„Ist da irgendwas Besonderes in der Nähe?“

„Ich, äh, mal überlegen… ja, ähm, also da fällt mir wirklich überhaupt nix markantes ein.“

Soo ungenau hat es dann auch noch keiner geschafft, seine Wohnumgebung zu schildern 🙂

Die Fahrt war aber relativ kurz, dafür aber ganz nett. Wir haben uns im Schnelldurchgang ein wenig unterhalten und wie so manch anderer war er einer der Kunden, die auch die kurzen Strecken lohnend machen. Für die 6,40 € auf der Uhr gab es einen glatten Zehner und damit hatte ich an der Tour etwa so viel verdient wie an einer trinkgeldlosen 14€-Fahrt. Und als ich dann beschwingt aus dem Auto steigen wollte, um ihm mit dem Gepäck zu helfen, hab ich nach langer Zeit mal wieder versehentlich den Alarm betätigt. Glücklicherweise habe ich bis heute nicht vergessen, wo im Motorraum sich der Ausschaltknopf befindet. Ein gutes hatte die Sache dann aber doch: Das Gesicht meines Kunden!

„Oh, äh, ich… das… hab ich was falsch gemacht?“

Nee, nicht wirklich. Obwohl so ein Alarm als Trinkgeldbestätigung auch lustig wäre 😉

Papa Immobil

Ein nicht ganz reales Gespräch…

„Guten Abend, brauchen sie ein Taxi?“

„Aha, Unfall. Ich verstehe. Mit dem Glaskasten dahinten? Kommen sie vom Karneval und haben sich als Schneewittchen verkleidet?“

„Tut mir leid! Ich meinte ja nur wegen dem Kleidchen.“

„Nein, ich hab sie nicht für eine Frau gehalten. Um Gottes Willen! Obwohl der Lidschatten und die Klunker am Kleid ja…“

„Gott beleidigen? Ich bitte sie. Ach, der Stock kostet aber einen Euro extra. Den krieg ich so nicht in den Kofferraum. Da müssen wir uns sowieso überlegen, wie wir den verstauen. Nicht, dass mir noch die Scheiben rausfliegen. Können sie da ihre Mütze drüberziehen?“

„Mir egal wie die heißt, falls sie was anderes dabeihaben um es etwas abzudämpfen, wäre es ja auch ok. Sowas wie Kondome, bloß dicker eben.“

„Was haben sie denn plötzlich gegen Kondome? So sehr solten sich sich in ihrem Alter aber nicht mehr aufregen! Is ja gut! Dann vielleicht einfach festhalten?“

„Wie, sie wollen winken? Sie haben sich hier schon einen denkbar schlechten Platz ausgesucht, um im Nachthemd umherzutapsen. Sehen sie mal, die Leute zeigen schon alle auf sie!“

„Wer sind sie? Aha, der 16. Naja, mein Nachbar nummeriert seine Katzen auch nur durch.“

„Nein, ich wollte sie nicht beleidigen. Aber bitte, sie wollen mitten in einer Menschenmenge ein Taxi anhalten, haben nur ein Hemdchen an und eine Waffe dabei. Sie reagieren empfindlich auf meine Nachfragen und ich weiss nicht, von welchem Trachtenverein sie kommen, aber für mich sieht es aus wie eine Mischung aus Gespensterkostüm und Kukluxklan-Outfit. Beides nicht mein Ding. Wo soll es eigentlich hingehen?“

„Zum Olympiastadion? Wer spielt da heute? Wollen sie so zu Hertha oder wie?“

„Ja das kostet gut 15 Euro. Sagen sie mal, ihr Hemd hat doch gar keine Taschen, oder?“

„Wie? Is klar: Die Merkel zahlt das, wenn wir da sind? Sowas irres hab ich echt noch nie gehört. Sorry, da suchen sie sich mal einen anderen, sie Spaßvogel!“

Zur Wahl

Heute sind Wahlen in Berlin. Bereits vor 2 Wochen hatte ich einen Fahrgast, der während eines Stopps an einer Kreuzung einen Laternenpfahl betrachtete, der sämtliche Wahlplakate von A bis Z, sowie einige Werbung für Konzerte und einen Zirkus trug. Bei letzterem blieb er gedanklich hängen und fragte:

„Und was is mit dem Clown? Kann man den auch wählen?“

Was soll man mehr dazu sagen?

Ach ja: Wer für die NPD stimmen möchte, weiss hoffentlich schon, dass man dazu dieses Mal genau 18 Kreuze (ihr wisst schon…) auf die Zettel malen muss. Jeweils auf Vorder- und Rückseite, mit verschiedenen Buntstiften.  Die anderslautenden beiliegenden Erläuterungen sind nur Feindpropaganda, um eure Stimmen zu klauen!

🙂

Einmal im Hemd

Der Anfang war noch ganz klassisch:

„Hey, bringste mich ins Hilton? Gibt doch nur eines, oder?“

„Soweit ich weiss: Ja. Wir reden von dem am Gendarmenmarkt, nehme ich an.“

„Ja, genau. Da muss ich hin.“

Kurz darauf war ihm das aber ziemlich peinlich:

„Oh Mann, da trage ich einmal ein Hemd… und dann fahr ich zum Hilton. Auch noch mit’m Taxi! Nicht, dass du mich für so’n Yuppie hälst. Haste da schon’n Yuppie-Aufschlag reingedrückt?“

„Nee, das gibt die Tarifordnung nicht her…“

„Ach, fänd ich schon gut. Also jetzt nicht bei mir, aber sonst…“

Kleider machen Leute. Oder Sorgen 🙂

 

 

Online-Welt

Irgendwas überrraschendes kann immer mal passieren während einer Taxi-Fahrt. So wie bei dieser. Dass ich zunächst bei der Schönholzer Straße an Pankow und nicht an Mitte gedacht habe, ist nicht schlimm gewesen. Das hatten wir gleich geklärt. Unterwegs verkündete mein Beifahrer auch schon, dass die Route wohl sinniger sei als die auf der Hinfahrt. Diesen Vorteil hatte ich allerdings schnell wieder verspielt. Gleich zwei Straßensperrungen hintereinander versauten uns die kürzeste Route derart, dass ich ziemlich wild durch die kleinen Gassen tingelte.

„Ja schade wegen den Umleitungen. Sonst hätte ich das ja vergleichen können – also ob es wirklich besser war als auf der Hinfahrt…“

„Was habt ihr denn auf der Hinfahrt gezahlt?“

„14 Euro.“

„14? Wow. Also da kommen wir sicher…“

„Naja, 14 hab ich gegeben. Wieviel das gekostet hat, weiss ich nicht mehr.“

„Ist ja sehr sinnig, Vergleiche anzustellen, wenn man den Ausgangswert nicht kennt.“

„Naja, ich hab gedacht, ich geb dir einfach weniger Trinkgeld, dann passt das schon. Oh, das hätte ich jetzt nicht sagen sollen, das war jetzt irgendwie nicht so nett, oder?“

„Mach dir mal keinen Kopf. Ich weise bloß darauf hin, dass ich blogge. Wenn mir jemand blöd kommt, kann ich damit also schon umgehen…“

„Oh, dann schreib bitte nix böses über mich! Ich lebe in einer Online-Welt!“

„Keine Panik! Wenn, dann sowieso nur anonym.“

„Puh! Kannst hier halten. Was macht das?“

„11,80 Euro.“

„Dann mach einfach mal 15!“

Nee Leute, so leicht kann man die Blogeinträge hier auch nicht verhindern, sorry! 😉

Sparen im Taxi

Ein netter Fahrgast, die Fahrtstrecke war Standard. Vom Ostbahnhof nach Neukölln. Er hatte sich von seinen Jungs frühzeitig losgeeist um pünktlich ins Bett zu kommen. Kurzer Dialog am Ende:

„So, dann wären wir bei quasi aalglatten 10 €.“

„Oh! Na dann machen sie mal bitte 12!“

„Das mach ich sehr gerne. Vielen vielen Dank!“

„Ach, ich hab ja so viel Geld dadurch gespart, dass ich so früh weg bin…“

Gefällt mir wesentlich besser als diese Preisdrückerei mit dem Argument, der Abend wäre bisher so teuer gewesen 🙂