Blaues Auto, blaues Auto!

(Alle, die den Film „K-PAX“ gesehen haben, haben jetzt eine Ahnung, wie man die Überschrift zu lesen hat)

Es war eine kurze Tour, Winker noch dazu, alles prima. Die Straße, zu der die Leute wollten, kannte ich aus dem Kopf, eine grobe Peilung, zwischen welchen Querstraßen das Ziel genau liegt, wurde mir auch vermittelt. Zudem die Hausnummer: 102. Gut, die alleine hilft ja nicht viel, am Nachmittag, an dem wir die in der Taxischule durchgesprochen haben, war ich ja bekanntlich nicht da. 😉

„Da steht so’n blaues Auto vor der Tür!“

meinte einer der Fahrgäste.

„Vadder! Du könntest auch die Kirche nennen oder die Kneipe gegenüber, das besetzte Haus oder …“

hieß es alsbald von der anderen Seite. Ich befuhr die Straße indessen, die Kirche sah ich schon und suchte mehr oder minder unauffällig nach der Nummer 102. War im Grunde bei so vielen Hinweisen auch nicht schwer zu finden. Nach ungefähr drei „Halten Sie einfach hier!“-Rufen bugsierte ich die 72 an den Straßenrand und nahm schon mal die ersten Münzen entgegen. Woraufhin „Vadder“ einwarft:

„Und siehste: Hier steht auch das blaue Auto!“

Ehrliches Auto

Als ob die Geschichte mit dem ausströmenden Gas nicht schon reichlich Belastung für die 72 an diesem Wochenende gewesen wäre (Wer lässt sich schon gerne von der Feuerwehr irgendwelche Öffnungen befummeln?), waren auch die Fahrgastmeinungen wieder einmal ein Fall für sich.

„Na toll, die einzige Scheißkiste hier – und mit der muss ich fahren?“

pöbelte es dem armen Auto schon am Donnerstag entgegen. Aber – und das ist wichtig bei der Sache – das war natürlich nur halb ernst gemeint. Mein Fahrgast hat sich schon öfter für Mercedes-Taxen ausgesprochen, zudem hatten wir es bereits bei der im Vorfeld erfolgten Bestellung mit ironischem Tonfall davon. Und wenn ich nicht ironieresistent bin, ist es mein Auto auch nicht! 😉

Am Freitag dann aber bekam ich – was noch seltener ist als derart offene Angriffe – mal ein ausgesprochenes Lob für meinen kleinen Opel.

„Find‘ ick jut, dass Du hier wenigstens so’n ehrliches Auto hast …“

Da musste selbst ich mal nachfragen, wie das gemeint war. Offenbar ebenso ehrlich:

„Na hier, bei de meiste Fahrer, da haste überall Displays und Blinki-Blinki und Holz und so. Da weeßte jar nüscht, ob de da anfassen darfst. Hier, dit is’n Auto, damit kann ick arbeit’n!“

Am Ende bleibt wohl nur mal wieder: es ist eben alles Geschmacksache. 🙂

Kompetenzgefälle

Zwei Uhr, regennasse Fahrbahn, die Kreuzung Stralauer Allee/Markgrafendamm. Die Ampelschaltung, um geradeaus nach Stralau zu kommen, ist wie immer zu kurz. Aber es müsste noch reichen. Die beiden Wagen vor mir fahren flott an, ich drücke mich bei Dunkelgelb noch durch. Plötzlich setzt der erste den linken Blinker und bremst wegen Gegenverkehr. Notgedrungen bremst der hinter ihm und hinter selbigem auch ich. Ich stehe mitten auf der Kreuzung und inzwischen bekommt der Querverkehr grün. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich rolle ein Stück zurück, muss ich halt aufs nächste eigene Grün warten.

Da das reichlich aprupte Bremsen, das Im-Weg-Stehen auf der Kreuzung und schließlich das Zurückfahren in meinen Augen nicht so wirklich professionell aussieht, entschuldige ich mich bei meinen Fahrgästen:

„Sorry, das war so nicht geplant.“

„Ach, war doch nicht dein Fehler! Oder doch? Ich hab keine Ahnung, ich fahr‘ ja nicht Auto …“

🙂

Was halt so passiert …

„Ey, das muss ich Dir erzählen …“

„Was denn?“

„Ich hab mir den Kopf gerade so übel an so ’ner Ampel angeschlagen!“

Und ich dachte, es wäre irgendwas besonderes. 😉

Aprilwetter im Mai

„Sag mal, is‘ ganz schön frisch heute, oder?“

„Naja. Ich würde meinem Thermometer nicht alles glauben, aber es sagt 6,5°C, und irgendwas um den Dreh wird es schon haben.“

„Nicht wirklich T-Shirt-Wetter.“

„Nee …“

Aber natürlich trug er nur ein T-Shirt. Das aber – versicherte er mir – nicht, weil er nicht mit einer kalten Nacht gerechnet hätte. Viel simpler: er hätte einfach beim Saufen sowohl seine Kumpels als auch Teile seiner Bekleidung verloren, das wär’s eigentlich schon.

Ach so … na dann ist das ja völlig normal. 🙂

Teh Parteeey!?

Was viele Berliner ja gar nicht ahnen, ist, wie eigenartig diese Stadt wirklich ist. Ich als Zugezogener und nur mäßig begabter Städtekenner will da jetzt auch keinen vom Pferd erzählen über die vielen interessanten Besonderheiten Berlins. Was aber wirklich für viele Touristen nicht einfach zu begreifen ist, ist die flächige Verteilung dessen, was gemeinhin als „Innenstadt“ gilt. Und tatsächlich liegen hier selbst die drei angesagtesten Clubs (welche immer man da im einzelnen nennen will) ein ganzes Stückchen auseinander. Schlimmer noch: zwischen ihnen liegt nicht einmal immer noch irgendwie belebte Gegend.

Natürlich ist das einer der Gründe, warum in Berlin viel Taxi gefahren wird. Bzw. warum ich als Taxifahrer das so oft zu hören kriege. Aber mich hat’s auch erstaunt, als ich mich ein bisschen mit der Stadt beschäftigt hab. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie irritiert ich in einer meiner ersten Schichten war, als ich entdeckte, dass das pralle Leben am Ku’damm nachts völlig zum Erliegen kommt – weil es halt eher eine Einkaufs- als eine Partymeile ist.

Und nun hab ich – eigentlich schon auf dem Heimweg – am Potsdamer Platz noch Winker gehabt. Zum nh-Hotel „Alexanderplatz“. Schöne Winkertour, zwar nicht übermäßig lang, aber nicht einen Meter abweichend von der Strecke, die ich sowieso fahren wollte. Ich begrüßte die drei jungen Männer wie so viele:

„Hey, guys. Let me guess: The party’s over for tonight?“

Die eher unerwartete Antwort war:

„Party? Tell us were’s teh parteeey!?“

Aber ja, nachts ist der Potsdamer Platz heute noch manchmal so trist wie zu Mauerzeiten. Also bevölkerungsmäßig.

Am Ende habe ich ihnen ein paar noch offene Clubs genannt, war aber froh, dass sie ihren Plan nicht noch einmal geändert haben. Manchmal braucht es halt mehr als einen Abend, um sich daran zu gewöhnen, dass das Clubhopping hier in Berlin auch Taxifahrten einschließt. 🙂

Knallharte Vorteile

„Da, hier! Genau in den Laden wollten wir!“

„Ah, ok. Ich dachte, Ihr meint den hier auf der anderen Seite.“

„Nee. Oder … ist der besser?“

„Keine Ahnung.“

„Na, dann gehen wir hier rein, da krieg ich Rabatt, weil ich heute Geburtstag hab.“

Wer sich so seine Stripclubs aussucht, feiert auch Geburtstag bei McDonald’s, oder? 😉