Die Größe Berlins

In meinen kleinen Texten klingt oft nebenbei mit, wie groß Berlin ist. Die Berliner wissen das natürlich und sie lernen, damit umzugehen. Ich bin jetzt selbst seit ziemlich genau 5 Jahren (nämlich seit 5 Jahren und 2 Tagen) in Berlin und was sich mehr als alles andere gewandelt hat, ist das Bild der Stadt, der Umgang mit ihrer Größe.

Irgendwo in diesem ebenso nicht sonderlich überschaubaren Internet steht bereits, dass Berlin mich erschlagen hat zu Beginn. Mein erster Besuch in der Hauptstadt Ende 2005 führte mir die Ausmaße dieser Stadt nämlich recht gut vor Augen. Da ich die Reise zu Ozie damals im Auto angetreten habe und noch kein Navi hatte, versprach sie mich zu leiten. Ich solle am besten gleich in Wannsee von der Autobahn, dort am Bahnhof könnten wir uns treffen. Und dann fuhren wir zu zweit los. Nach Neu-Hohenschönhausen. Das ist einmal fast komplett durch die Stadt durch und hat damals tagsüber rund anderthalb Stunden gedauert.

Mein sehr geschätzter Leser, Kommentator und Literaturzusteller elder taxidriver hatte mir vor einiger Zeit schon eine sehr schöne Grafik zugeschickt, die die Größe Berlins eindrucksvoll mit drei weiteren deutschen Großstädten, unter anderem meiner Heimatstadt Stuttgart, vergleicht. Doch nicht nur das: da ich wegen Urheberrechtsbedenken von einer Veröffentlichung Abstand genommen habe, hat er selbst den Verlag kontaktiert und mir die Erlaubnis beschafft, weswegen ich die sehr alte* aber sehenswerte Grafik hier zeigen kann:

Berlin: Groß. Mit freundlichem Dank an den Verlag Karl Baedeker, Ostfildern, Quelle des Bildes

Beeindruckend daran ist allerdings nicht nur, wie groß Berlin ist. Sondern, dass die anderen Städte deswegen ja nicht klein sind. Und mich als Taxifahrer beruhigt es ein wenig, wenn ich darüber nachdenke, wie viel ich nicht weiß. Da wundert es plötzlich kaum noch, dass die Kollegen aus Stuttgart immer alles zu wissen schienen. Ich denke dann gerne mal:

„Und ich Idiot bin nach Berlin gezogen und hab da die Ortskundeprüfung gemacht.“

Die Tatsache, dass ich diese dann (beim fünften Anlauf) bestanden habe, ist ja aber so schlecht auch nicht.

*Die Zeichnung ist wohl aus den 60er-Jahren, selbst der Verlag konnte offenbar nicht mal eben so rausfinden, von wo das Bild ist 😉

Taxistand. Taxistand! TAXISTAND!!!

Ich bin wirklich keiner dieser sturen Rechthaber, die immer alles nach ihren Wünschen und ihrem Wissen durchprügeln müssen. Gerade im Verkehr. Im Grunde gibt es für mich eine einzige wirklich entscheidende Verkehrsregel. Und das ist witzigerweise die erste überhaupt: Straßenverkehrsordnung, §1:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Ich bin mir sicher, dass 95% allen Ärgers vermieden werden könnten, würden wir uns alle an diese Regel halten. Aber das ist natürlich Auslegungssache, weswegen wir all die anderen Paragraphen gleich noch miterfunden haben.

Die Halte am Ostbahnhof ist bekloppt. Ich habe das die Tage erst ausgesprochen und von einem Kunden (der dann bei einem Kollegen einstieg) bestätigt bekommen. Wir müssen an dieser Halte nämlich wenden. Das wird schon dadurch erschwert, dass auf der zu erreichenden Seite direkt an den Taxistand eine Halte für Einsatzwagen der Polizei grenzt. Dieses Problem ist rein geometrischer Natur – auf den letzten Platz der ersten Rücke könnten wir einfach leichter vorrücken, wenn der Platz frei wäre.

Das war er auch, als ein Kollege zum Blinken und Herüberrücken ansetzte. Doch dann geschah das hier:

Polizeifahrzeug parkt am Taxistand

„Weg gegangen Platz gefangen, nänänänänänä!“ Quelle: Sash

Ein Polizist hielt eben mal kurz am Taxistand (die Trennung zwischen den beiden Ständen ist das Schild hinter dem Corsa!) und ging in den Bahnhof. Der Kollege vor mir hatte ziemlich zu rödeln, um sein Auto (hier inzwischen vor dem Polizei-Corsa) zu wenden. Schließlich war er auf der anderen Seite (die, von der aus ich das Foto gemacht habe) bereits so weit vorgerückt, dass er vor dem Polizei-Bus hätte bequem einscheren können.

Aber man nimmt das ja mal hin. Abgesehen davon, dass man sich ungerne mit der Exekutive direkt anlegt. Man weiß ja auch nicht: Ist das wichtig? 5 Minuten später kam der blaubefrackte Scheinkollege dann zurück. Mit einer McDonalds-Tüte. Fragwürdig genug. Nun aber dauerte es zwei (zwei! ZWEI!!!) Minuten, bis er den Corsa aus der engen (siehe Foto) Lücke herausmanövriert hatte und mich derweil am Wenden hinderte …

Ja, die Polizei hat wichtige Dinge zu erledigen. Klar. Da werden wir uns drauf einigen können. Aber wenn es ums Essen geht, dann wäre es doch schön, wenn diejenigen die Plätze nutzen, die damit auch umzugehen wissen und dazu befugt sind. Und manchmal sind das eben auch wir Taxifahrer …

Ungenaue Zielangaben

Im Grunde gibt es nichts, was sich besser auswirkt auf meinen Geldbeutel, als der ein oder andere schlecht orientierte Kunde. Ich fahre ja nach wie vor die kürzeste Strecke bei meinen Touren. Sicher, auf 100 Meter nehme ich das nicht zwingend genau, wenn es eine längere Fahrt ist, die Bequemlichkeit spielt insbesondere bei mancher Kopfsteinpflaster-Abkürzung auch mal eine Rolle. Aber ich bemühe mich. Im Zweifelsfall nehme ich halt das Navi.

Unter den Fahrgästen gibt es aber immer wieder welche, die es mit der Zielansage nicht so genau nehmen und nur so ungefähr einen Stadtteil, einen Kiez oder eine Straße nennen, großzügig garniert mit einem „Das zeig ich ihnen, kein Problem!“. Das führt mitunter zu allem anderen als der kürzesten Route. Vom vergangenen Wochenende habe ich gleich zwei anzubieten:

Nicht ganz so eindeutig (da die Oberbaumbrücke gesperrt ist), aber immer noch eine Erwähnung wert ist auch folgende Strecke, bei der ich durchaus noch einiges hätte rausholen können, wäre als Zielpunkt nicht nur etwas grob „Treptow“ benannt worden:

Ich werde natürlich den Teufel tun und mich darüber beschweren. Ein bisschen amüsiert aber hinterlässt mich das stets … 🙂

Neuer Kindersitz

Wir haben mal wieder einen neuen Kindersitz im Auto. War recht dringend nötig, die billigen Teile zerbrechen einfach alle irgendwann. Mal klatscht ein Fahrgast seinen Koffer drauf, mal zerstört man die Teile selbst versehentlich beim Umklappen der hinteren Sitze – irgendwie haben wir Pech mit den Teilen.

Die bisherigen waren immer einfarbig, so dass mich der erste Blick auf den neuen gleich irritiert hat. Der ist nämlich gemustert. Etwas komisches Motiv, wenn man mich fragt. Aber gut, ich kenne die Figuren nicht, daran wird es wohl liegen.

Der Bezug des neuen Kindersitzes

Zombielein und Teufelchen? Quelle: Sash

PS: Drüben im Taxihaus-Berlin sinniere ich noch ein wenig über lange Fahrten.

Blogeintrag gesucht

Um Ideen für Artikel muss ich mir selten Sorgen machen. Irgendwas gibt die Kundschaft immer her. Irgendeine Dummheit beispielsweise macht jeder mal, und so wie es aussieht am liebsten in meinem Taxi. Und zusätzlich verblogge ich ja auch noch schöne und andersweitig besondere Erlebnisse und Ereignisse – wenn ich nicht gerade mal einen Monat Urlaub mache, dann findet sich immer was.

Und im Notfall mache ich mir ja Notizen.

Gelegentlich aber gerate ich da an Grenzen. Ob der Hektik geschuldet oder dem Unwillen – hier und da schreibe ich auch mal ein wenig unleserlich. Und denke mir dann, dass das ja kein Problem ist. Schließlich verblogge ich das meiste relativ zeitnah. Wenn so eine Notiz dann aber mal einen Monat rumliegt …

Naja, seht selbst. Und wenn ihr es entziffern könnt, dann fällt mir vermutlich auch wieder ein, was ich schreiben wollte.

Wirklich unglaublich unleserliches Geschreibsel

Vielleicht ist es auch nur ein Rezept meines klingonischen Arztes … Quelle: Sash

Mal eine andere Tour

Heute bin ich ausnahmsweise auch mal in der Helligkeit unterwegs. Sowas mache ich natürlich nicht ohne Grund – ich habe die Fahrt einem Leser zu verdanken – und deswegen wollte ich hier nochmal die Karte einblenden, auf der man sehen kann, wo ich unterwegs bin. So gegen 7.15 Uhr, vielleicht 7.30 Uhr fahr ich los. Wer wissen will, wo es hingeht, kommt um die F5-Taste diesen Vormittag wohl nicht herum 😉


GPS tracking powered by InstaMapper.com

Ich wünsche euch ebenso frohes Aufstehen wie mir! Ein weiteres Geschichtchen gibt es dann heute Nachmittag noch …

Musste ja sein …

Die Oberbaumbrücke ist derzeit in Richtung Kreuzberg gesperrt. Das bedeutet für einige Touren einen Umweg – wobei das sich meist in relativ engen Grenzen hält. Es kann ja naturgemäß nur bei Adressen schlimm sein, die relativ Nahe an der Brücke liegen – die beiden nächsten Brücken, die Elsen- und die Schillingbrücke sind ja jeweils nur rund 1,5 km entfernt.

Aber es kam, wie es kommen musste: Ich bekam eine Tour, die fast nur aus der Oberbaumbrücke bestand. Meine Kundin hat wegen einer Verspätung extra auf die U-Bahn verzichtet und nun stieg sie ein und wollte von der Warschauer Straße (Höhe Helsingforser) zur Schlesischen Straße. Etwa in der Mitte. OK, es lesen auch Nicht-Berliner mit, also ein Kärtchen von Google:


Größere Kartenansicht

Mal ganz ehrlich: Solche Fahrten machen irgendwie trotz der Kohle nicht mal Spaß. Aber nachdem auch noch alle Ampeln rot waren, habe ich mit ihr ausführlich die Optionen erörtert, doch an der Ecke auszusteigen und über die Brücke zu laufen, usw.

Manchmal ist es einfach Mist mit den Baustellen, so ist es halt.